getmad wenn du den fnord nicht siehst, kann er dich auch nicht essen

Kurzes Vorwort:

Ich möchte im nachfolgenden meine Gedanken aufschreiben, ein wenig reflektieren. Wer nur die Auswertung der 90 Tageschallenge lesen möchte, der Scrolle bitte bis zum Abschnitt Auswertung vor. 🙂

Porn ist nicht die Ursache, sondern die Wirkung
Warum habe ich so oft Porn gesehen? Ich dachte, ich wäre einsam. Hätte was zu kompensieren. Wollte mich ein paar Minuten besser fühlen, (um mich im Nachhinein noch schlechter und ausgelaugter zu fühlen).

Ich dachte Porn wäre der Grund allen Übels. Habe es mit Nofap versucht. Hat ein bisschen was gebracht, vermutlich viel Placebo mit dabei. Aber auch die Triebänderung. Wenn man 2 Tage nichts gegessen hatte, riecht essen natürlich ganz anders 😉 Selbiges beim Fappen. Nofap hatte langfristig nicht geholfen.

Jetzt, wo ich angefangen habe alles zu tracken werden viele Ursachen auf einmal sehr sehr klar. Ich fappe und sitze generell viel vorm PC wenn:

  • sehr viel (menschlichen) Stress an dem Tag hatte
  • wenig Sport getrieben hatte
  • ich nichts gegessen hatte

Mein Essen kaufte ich lange Zeit standardisiert ein, um Zeit, Geld und Entscheidungen zu sparen. An der Kasse war man so das Einkaufsverhalten des öfteren ein Gesprächsthema, wieso kaufe man kartonweise Nudeln?

Hier lag das Problem. Ich kann die Nudeln nicht ab. Jedes mal wenn ich die gegessen hatte -> wenig Leistung -> viel Porn, welches wiederum in extremen Stress resultiert.

Stress, Gift und Lebenselixier
Wir alle haben Stress. Wenn der Stresslevel hoch ist, können wir uns nicht verändern. Wenn er zu niedrig ist, verändern wir uns nicht schnell genug. Nur im Sweetspot der Stressintensität können wir uns verändern. Mitte diesen Jahres, war mein körpereigener Stresslevel enorm.

Wenn man bedroht wird, verfällt man in einer Art Schockstarre. Mir wurde danach erstmal richtig klar, warum wir so lange Zeit haben um bestimmte Taten anzuzeigen, genau wegen diesen Effekt.

Der Stresslevel jedenfalls war heftig. Ich war getrieben von Motivationssprüchen, und Trainern: “Pascal, wenn du kein Erfolg hast, arbeitest du nicht hart genug!”, ich arbeitete härter. Von PUA: “Nur Unerfolgreiche haben keine Frauen”, ich arbeitete härter. Von meinem Vater: “Wenn du XY nicht machst, stößt Z was zu, das willst du nicht” oder “Hast du mich etwa nicht lieb”, Pascal arbeitete härter!

Es ist verrückt, zuerst zuckt das Auge, man sieht nicht mehr klar. Es bebt in einem drin. Kein Schlaf mehr. Man wird unausgeglichen, wird deshalb unaktraktiver. Fühlte sich noch schlechter, wollte dies durch noch mehr Arbeit kompensieren. Eine Abwärtsspirale.

Gut 2 Jahre dauerte diese. Bis im März mein Körper nicht mehr funktionierte. Man gab ihm den Befehl:

“steh auf.” -> Computer sagt nein.
“STEH AUF!” -> keine Reaktion.

Es war wie gefangen sein im eigenen Körper.

Freunde von mir sagten, ich solle zum Psychologen gehen. Dies tat ich ohne große Erwartungen zu haben. Schließlich hatte die Krankenkasse, in meinem Fall, schon 13 Jahre lang Geld bei diesen Typen verbrannt.

Ich hatte meine ersten Sitzungen bei ihm. Ich erzählte, dass ich mich im Moment über Menschen belese, weil ich anscheinend dort große Defizite hatte. Ich sagte ihm, ich lese gerade Dale Carnegie. Für ihn war das Mist. Man solle damit gar nicht anfangen. Es bringe eh nichts.

Wir sind mein Leben durchgegangen, haben es nicht mal bis zu meinem 14. Lebensjahr geschafft, habe ihn erzählt, dass ich damals “Sicherheitstraining” mit Schlagstöcken vom Jugendamt aufgezwungen bekommen habe, da war für ihn klar, der kommt zum Analytiker. Schließlich hatte ich den War on Drugs miterlebt. Reichte als Grund.

Ich entschied mich gefühlt das erste mal nicht auf Andere zu hören sondern mich um mich selbst zu kümmern, und es war gut.

Also versteht mich nicht Falsch. Diese Menschen helfen mit Sicherheit jemanden (hoffe ich zumindest).

Ich bin jedenfalls autodidaktisch veranlagt, das haben die Betreuer im Heim schon immer gesagt: “Pascal, du hattest immer die Fähigkeit zu reflektieren, hinterfragen und dich zu verbessern, das haben die wenigsten”. Vlt. passte es deshalb nicht.

Ich hatte einen Notgroschen, er rettete mir das Leben.

Meine Freunde wollten mich verständlicherweise möglichst schnell wieder in Arbeit bringen. Bewirb dich hier, da, SCHNELL! Ich hab es nicht getan. Zum Glück.

Ich fing an zu reisen, auszuschlafen. Den Stresslevel zu senken und letztendlich wieder selbst an mir zu arbeiten.

Dabei bin ich wie so oft vorgegangen. Zuerst bin ich für viele Menschen in der Versenkung verschwunden, Kontaktsperre. Zeit zum reflektieren und nachdenken. Anschließend austesten woran lag es. Freunde? Ordnung? Frauen? Eine Variable nach der nächsten, am besten möglichst isoliert, vorknöpfen.

Dies ist auch meine größte Kritik an dem aktuellen Gesundheitssystem, zumindest im geistigen Bereich. Es wird nicht versucht dich langfristig zu heilen. Sondern kurzfristig. So dass du zwar wieder fit bist, möglichst schnell wieder arbeiten kannst, die Probleme aber weiter bestehen und du in spätestens 2 Jahren wieder Kunde wirst. Im Zweifel ist eh der Patient schuld.

Von Medikamenten die gerne schon Kindern verschrieben werden. Die von den Inhaltsstoffen reinste leicht dosierte Drogen sind, von denen man Horrortrips bekommt, aber süchtig wird (ich spreche da aus Erfahrung) mal ganz abgesehen.

Von Egoismus bis zum Narzissmus

Ist der Stresslevel erstmal gesenkt konnte man an sich arbeiten. Bevor ich weiter los schreibe möchte ich Egoisten und Narzissten für mich definieren.

  • Egoisten, Personen die sich selbst zu sehr in den Mittelpunkt stellt / an sich denken
  • Narzissten, Personen die innerlich unsicher, nach außen aber sehr cool wirken wollen

Beim Aufräumen habe ich Notizen von mir zum Studienbeginn gefunden:

“Ich studiere jetzt seit gut 3 Wochen, ich bemerke eine gewisse Hochnäsigkeit bei mir. Verstehe noch nicht woher das kommt”.

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, das dies schon eine Wirkung des Stresses war. Hochnäsig, abblocken, auch eine Art des Schutzsuchens. Gut eine Woche vorher hatte ich mich mit meinem Vater in den Haaren, weil wegen Studium. Ich fands Kacke, er wollte das ich unbedingt studiere.

Es folgte auf der Hochnäsigkeit, Egoismus und Narzissmus. Eine tödliche Mischung. Zum Abitur hin, hatte ich von meiner VWL Lehrerin, die vor ihrer Lehrtätigkeit eine Bank geleitet hatte, eine Vertriebsempfehlung bekommen. Weil ich gut zuhören konnte, mich gut in andere Menschen hineinversetzen. Ihre Bedürfnisse erkennen. Egoismus und Narzissmus sind zwei Sachen die man gerade eben nicht im Vertrieb braucht.

Frauenprobleme Fehlanzeige

Verkaufen ist wie flirten, hört man oft. Stimmt irgendwie auch. Beides benötigt Vertrauen. Bei beiden geht es um das Gegenüber.

Zusammen mit einem hohen Stresslevel war klar, ich hab kein Frauenproblem. Nur eins mit mir selbst. Dies passt auch perfekt ins Bild. Früher hatte es ja auch geklappt.

Bei meinem Verhalten werde ich langsam wieder zu dem alten Pascal, natürlich in einer reiferen Fassung 😉 Jetzt, wo ich nicht mehr unter Dauerstress stehe, merke ich sehr oft, wie fremd ich mir selbst die letzten beiden Jahre gewesen sein musste.

Ich habe wieder Bock ein Anzug zu tragen. Hab ehrliches Interesse an anderen Personen. Sie kennen zu lernen und nicht ständig versuchen mich zu profilieren. Wieder Lust was mit Freunden zu unternehmen. Was zu erleben, zu reisen 🙂

Frauenprobleme oh doch

Ich hatte mich sehr gut und stabil gefühlt. Bei meinem nächtlichen Spaziergang sprießten die Glückshormone nur aus mir raus. Ich war richtig glücklich und zufrieden. Dieses tief einatmen, auf die Stadt mit ihren vielen kleinen Lichtern von einem Berg aus zu schauen. In dieser Phase hab ich mir oft gedacht, ich brauche keine Frauen. Bin ja auch so glücklich. Dementsprechend habe ich auf das andere Geschlecht irgendwie auch attraktiver gewirkt.

Wieso habe? Jetzt gerade als ich diesen Text schrieb, am 7. Dezember, hatte meine Herzensdame (Ich weiß, ich komme von ihr noch nicht los :/ ) mich mal wieder mit den üblichen Ausreden auf die lange Bank geschoben. Ich hatte Kekse gebacken und wir hatten ausgemacht diese gemeinsam in der Innenstadt zu essen.

Naja sie hatte abgesagt und nächste Woche könne sie auch nicht, habe viel zu tun. Die Übersetzung für, Pascal wann kapierst du es endlich ich habe dich längst aussortiert, zum warmhalten bist du aber noch gut genug. #Warmhalten

Naja, irgendwie hatte ich mit den Ergebnis gerechnet. Es tut trotzdem höllisch weh. Die Körperhaltung ist anders, die Gedanken negativ. Man hat kein Hunger mehr. Man will nur noch schlafen und vergessen .. nicht mehr weinen. Jemanden der einen in den Arm nimmt und sagt, Pascal alles wird gut.

Erstaunlich ist die Art der Stressbewältigung. Ich bin ohne groß zu überlegen zu McDoof gegangen. 2 Wraps und einmal Schoki Eis. Kein Schlaf. Die ganze Nacht hing ich vor dem Laptop.

Selbstbewusstsein und Glaubenssätze

Nichts sei so wichtig wie das Selbstbewusstsein, zusammen mit der Selbstliebe und dem Selbstvertrauen.

Wie haben sich diese Parameter verändert? Im Vergleich zum März diesen Jahres: Selbstliebe war ein Oxymoron. Es war der pure Hass. Hätte Heiko Maas diesen Selbsthass mitbekommen wäre ich glatt ausgebürgert geworden. Jetzt ist es neutral. Nicht gut, nicht schlecht. Selbiges beim Vertrauen. Das Bewusstsein steigt kontinuierlich 🙂

Was hindert mich daran mir zu vertrauen? Meine Glaubenssätze. Hier eine Auswahl:

  • Ich bin ungenügend, deshalb kann ich z.B. diesen oder jenen Job nicht ausführen / diese oder jene Frau nicht ansprechen
  • Ich kann mir das nicht leisten. (Obwohl ich es könnte, und Bock darauf hätte)
  • Ich darf das nicht. (Meist bei kleinsten Sachen)
  • Menschen sind böse (wird mit jeden Tag weniger)
  • Niemand mag / will mich. Ich hab keine Freunde. (Wurde schon von vielen Freunden verneint)

Zu 1. Ich denke das wirklich oft. Obwohl ich beispielsweise erst letzten Monat einen Anruf von einem Unternehmer aus London bekommen hatte, in dem ich ihn ein paar Social Media Sachen erklären sollte. Oder vor paar Monaten als mich eine Anwaltskanzlei angerufen hatte, die mich als Affiliate haben wollten. Oder .. Beispiele gibt es viele.

In dem Bereich gibt es noch Verbesserungspotential.
Was Backen mit Ingenieurwissenschaften zu tun hat, warum es mit der Inversen Depression aufsich hat, und wie dies alles mit der Stimmung zusammenhängt nächstes mal 🙂

Weiter geht es mit der Auswertung.

AUSWERTUNG

Vorweg, mit der Auswertungssoftware für das Handy bin ich nicht ganz zufrieden gewesen. Da ich in der Challenge den schädlichen Konsum mindern möchte, relativ wenig am Handy bin, habe ich Mobile ausgeklammert.

(In den folgenden Grafiken gilt, x Achse = Datum, Y Achse = Zeit in Stunden)

Diese Grafik zeigt meinen Internetkonsum der letzten Monat ohne Korrekturen. Sprich der Zähler stoppt nicht nach Inaktivität, er läuft weiter. Arbeitszeit ist auch mit drin. Keine Filterung, nur die nackten Zahlen.

Durchschnittlich waren es 4,33h pro Tag.

Auffällig ist hierbei, dass ein Umdenken am 25.11. stattgefunden haben muss. Die Werte sind seither auf niedrigerem Niveau.

In dieser Darstellung wurden zum einen die Totzeiten herausgerechnet, zum anderen habe ich meinen Selbstbetrug korrigiert.
Anstatt alles dann mit dem Chrome zu machen, fing ich auf einmal an Porn mit dem Firefox zu sehen. Als ob mein Unterbewusstsein Angst hätte, preiszugeben so etwas zu konsumieren. Die 30min wurden nur an Tagen addiert, an denen ich mein PC benutzt hatte. Hier wird der Vergleich vom 11.-22. und der vom 23.-10. nochmals sichtbarer.

Auch die Art der gespendeten Zeit hatte sich geändert. Vor der Challenge hing ich sehr oft auf Youtube ab. Mittlerweile habe ich darauf kein Bock mehr 🙂
Der Laptop lag früher auch immer griffbereit neben dem Bett. Mittlerweile ist der reservierte Platz für ihn, auf dem Schrank, hinter meinen Google Zertifikaten. So dass ich mir zuerst einen Stuhl holen muss, dann die Zertifikate zur Seite räumen kann um es mir schlussendlich zweimal zu überlegen ob ich mich an dem PC setze.

Aber was war denn am 7. + 8. los?

Ich wurde von meiner Herzensdame mal wieder abserviert. Meine Reaktion darauf -> Youtube. Am 9. habe ich dann bewusst die Entscheidung getroffen nicht wieder vor YT zu hängen sondern mein Zimmer aufzuräumen. Es war eine sehr gute Entscheidung. Am Anfang fühlt man sich noch schlechter, aber wenn das Zimmer erstmal aufgeräumt ist, super.

Durchschnitt 4,16h pro Tag.

Ich mach mir die Welt wiedewiedewiede Sie mir gefällt. Kein Liebeskummer, dafür gibt es wie immer 30 min Porn als Ausgleich. Der 7.+ 8. bekommen jeweils 1:30h Internetnutzung + 30min Porn aufgedrückt.

Ich glaube spätestens hierbei ist die Kiste eindeutig.

Fazit:
Ich habe mittlerweile auch sehr viel geistige Freizeit, was außerordentlich gut ist 🙂 Ich schaffe viel mehr, auch wenn ich grade n bissel kränkel. Meine Gesprächsqualität ist wieder besser geworden. Ich wirke auf andere anders. Ich werde langsam zum alten Pascal 🙂

Ihr seid die Besten.
Euer Pascal

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