getmad not my circus, not my monkeys

Das erste Drittel der 90 Tage ist rum. Zeit für eine Zwischenbilanz. Die Ausgangslage war: Pascal hat Angst vor fremden Menschen und Ansprechangst.

Vorweg, ich habe die Kommentare gelesen. Super, dass es so gut ankommt. Lob des Sexismus ist ein sehr geiles Buch. Gute Bücher haben meist komische Namen, denke an Dale Carnegie: „Wie man Freunde gewinnt“. Muss es wohl nochmal lesen 😊

Den ersten Tag der Challenge habe ich mein Zimmer aufgeräumt. Ich bin sehr erstaunt mit welchem Elan ich prokrastinieren wollte. Daran merkt man ganz stark, hier ist eine Sache vor der ich sehr viel Angst habe.

Tag 2 – Festival

Ich habe mir vorgenommen auf ein Elektronisches Festival in unserem Ort zu gehen. Direkt raus aus der Komfortzone rein in die Hölle. Ich betrete das Festival. Ich merke wie unwohl ich mich unter Menschen fühle. Die Musik ist zwar gut, die Sonne scheint, der Bass knallt. Aber es ist die gefühlte Hölle. Die pure Anwesenheit von Menschen löst Panik in einem aus.
Komisch früher bin ich gerne auf Festivals gewesen. Habe sehr gerne Leute kennen gelernt.

Ich habe mir eine ruhige Ecke gesucht. Ich bin fertig mit den Nerven.
Ich verlasse das Festivalgelände nach 31 min, Durchgeschwitzt, am Boden.
Habe es nicht mal nach Hause geschafft. Ich brauchte eine Pause, da alle meine Muskeln weh taten.
Normalerweise gehe ich die 4-5 Fache Strecke, aber heute war ich einfach auf.

Auf dem Weg nach Hause fiel mir auf, dass ich die Preisschilder nicht mehr lesen konnte. Normalerweise liegt meine Sehstärke auf beiden Augen bei etwas über 100%. Die Farben sind genauso prächtig, aber alles ist Verschwommen.

Endlich Zuhause, Willkommen in der Hölle. Meine Wahrscheinlichkeits Maschine hat sich entschieden mich auf einem Trip zu schicken, einen Trip der Schmerzen. Als ob dir jemand den Brustkorb auseinander reißt, gleichzeitig aber deinen Körper wieder zusammendrückt. Ich versuche den Schmerz zu betäuben. Mit Schokolade. Vor Erschöpfung schlafe ich gegen 18 Uhr ein. Wache um 21 Uhr wieder auf. Die Wahrscheinlichkeit Maschine lässt den Körper beben. Kurze Schocks, kurze schmerzvolle Schocks.

Wenn man das was in einem Abging in Lieder fassen sollte kommen diese beiden sehr nahe:
Lied 1
Lied 2
Der Schritt war wohl zu groß auf einmal und hat mich Regelrecht ausgeknockt.

Tag 3

Ich habe nach dem Training ein echt hübsches Mädchen angesprochen, naja war echt nicht so cool, shittest der komischen Art. Hat ein gefühlt die ganze Zeit angestarrt und nix gesagt. (Bis zum Schluss, dass sie weg müsse)

Tag 4

Heute habe ich Mut gefasst um ein Bauteil von einem Baumarkt zu holen. Versucht habe ich es schon öfters, leider weiß ich nicht welches Teil ich benötige. Denke mir, ist ja nichts dabei.
Betrete den Baumarkt. Puls steigt. Die Atmung wird flacher.

// Welche Schraube? Was passt? Was denken die anderen? Werden Sie mich auch anschreien?

Das Gehirn läuft auf voller Auslastung -> Erstmal in einem ruhigen Gang. Runterkommen. In diesem Moment erinnere ich mich an früher. Es war vor dem Studium nie ein Problem Personen anzusprechen, wieso sollte das jetzt ein Problem sein? Also let’s GO! Gesagt getan.

Ich war, wie so oft, überrascht, dass die Personen sehr nett zu einem waren. Wir haben alle Bauteile zusammengesucht. Ging schnell, war nett, alles schmerzlos 😊

Nach weiteren 5 min verlasse ich den Baumarkt, bin zwar total durchgeschwitzt, aber glücklich.

Tag 6

Ich fühle mich trotz (oder gerade wegen) dem hinkenden Beines sehr gut.

Mein altes Verkäufer Talent kommt wieder aus mir heraus. 😊 Während des Abiturs wurde mir aufgrund dessen empfohlen in den Vertrieb zu gehen. War ein angenehmes und freches Gespräch mit einem hübschen Mädel. Eine Nummer war drin 😊

Gegen Nachmittag habe ich mich mit einem Kumpel getroffen. Er hat mich auf das letzte Jahr angesprochen, welches nicht zu meinem Besten gehört hatte.

Ich habe mich in die Selbständigen Falle begeben, hatte eine Familie die mir ihr Versagerleben aufzwingen wollte, Probleme mit Feministen und Kommunisten. Es brannte förmlich überall. Gesund für das Mindset war es nicht.

Jedenfalls habe ich bemerkt, dass ich gegenüber vielen Personen nicht der Sozial Kompetenteste war. Ich war sehr unausgeglichen.
Viele Personen habe ich damit unbewusst abgewiesen/verstoßen.
Während des Abiturs hatte ich einen Freundeskreis, überall kannte ich Personen, war kontaktfreudig. Während des Studiums habe ich angefangen mich selbst auszugrenzen.

Dann beginnt die Maschine Schlüsse zu ziehen. Oh der war nicht nett → Alle Menschen nicht nett.
Ich werde bei einigen Personen eine kleine Wiedergutmachung machen. Es geht nicht darum, einen auf Bittsteller zu machen, sondern zu seinen Fehlern zu stehen, ein besserer Mensch sein zu wollen.

Tag 7

Porn. Porn. Porn. Und das Selbstbewusstsein hängen irgendwie zusammen. Die Pornosucht existiert bei mir auch noch nicht so lange. (Ende Abi) Heute habe ich den ersten Tag nicht masturbiert. Alter war ich unruhig, ständig gewälzt. Erstaunlicherweise war ich nach 6 Stunden sehr ausgeschlafen. Mittlerweile haben wir es 14 Uhr. Ich kann mich kaum auf was konzentrieren. Mein Kopf sagt nur noch Sex. Sex. Sex. Blöd, dass ich trotz der schmerzen im Bein rausgegangen bin. Es ist nicht besser geworden. Im Gegenteil.

Tag 8

Gestern habe ich den Rest des Tages in der Pornohölle verbracht. Die Mischung: „Du kannst nicht gehen. Musst im Bett liegen bleiben und bist verdammt geil“ begünstigt dies.
Es ist erstaunlich wie sehr ich gestern die Welt bereisen wollte. Es ist erstaunlich wie sehr das Selbstbewusstsein bei Nofap explodiert. Bis es durch Porn implodiert. Es ist erstaunlich, dass dieses Gefühl, dass mich jemand geschlagen hatte, dieses bedrückende Gefühl, einfach weg war. Auch die Körperzuckungen waren weg.

Heute bin ich aufgewacht. Total im Arsch. Ich will mich am liebsten nur noch einkuscheln und weinen. Fühle mich schlapp.

So schlapp, dass ich den Fehler mache nicht aufzustehen und einen weiteren Tag in der Pornohölle verbringe. Ich beschließe einen Website Tracker zu installieren. Ich habe mir selbst angedroht die Daten zu veröffentlichen, wenn ich weiterhin so viel Zeit auf solchen Seiten verbringe.

Tag 9 + 10

Pornhell

Tag 11

Gutes Wetter → Ab nach draußen. Irgendwie konnte ich meine Chinese Wall nicht durchbrechen. Ich habe keinen angesprochen. Bin dann nachmittags eingeschlafen. Gegen 22 Uhr wieder aufgewacht → Raus, ab in die Berge. Es war wunderbar. Keine Menschen, keine Leute die dich anrempeln, anschreien, dich verprügeln. Es war sehr angenehm. Ich war tiefenrein entspannt.

Tag 12

Heute habe ich mich richtig gefreut, um 16 Uhr treffe ich mich mit Freunden. Je näher der Termin kam, desto größer wurden die Zweifel in mir, mögen Sie mich wirklich, wollen Sie mich wirklich dabei haben.
Schließlich habe ich abgesagt. Wie fast immer seit dem Studium

Abends bin ich dann doch noch raus gegangen, habe aber niemanden angesprochen.

Tag 13

Ich gehe einkaufen. Mädchen steht vor mir an der Kasse, ultra hübsch. Also das natürliche. Sie kauft Essen und Kondome. Ich kann sie riechen. Die Hormone drehen durch. Ich will sie gottverdammt nochmal ansprechen. Computer sagt neeeeiiinn…. Ich stehe wie angewurzelt da.

Wieder Zuhause. Ich gebe mir für den Tag Bettrumlümmelverbot.
Denke über die letzten zwei Jahre nach. Ich verstehe es nicht ganz. Ich lebe nicht mehr in Armut. Ich habe keine Eltern mehr die einen schaden möchten. Ich habe kein schlechtes Umfeld mehr. Dennoch fühle ich mich nicht gut.

Ich liege auf dem Boden und weine, wie so oft, und verstehe nicht was so schlecht an meinem Leben sein soll, das diese Gefühle rechtfertigen.

Ich denke nach über ein Mädchen. Ich war letztes Jahr unsicher, unzufrieden und launisch. Habe mich also selbst aus der Liste der potenziellen Partner gestrichen. Es war oft beim Essen in der Mensa. Jemand sagt etwas, man selbst hatte dazu was gedacht, aber Sie hat meine Gedanken oft ausgesprochen. Sie ist eine Person die eine positive Lebenseinstellung hat, sehr sparsam mit Geld umgeht, eine Person mit der man sehr viel lachen kann. Eine Person, der man nur in die Augen schauen muss, damit der Körper anfängt Dopamin auszuschütten. Eine Person, die man jetzt immer noch irgendwie vermisst. Und man auf sich selbst wütend ist, dass man es „wissentlich“ verkackt hat.

Unser Umfeld hat es sehr schnell gecheckt, dass wir uns mögen. Ich war zu doof den Sack zu zu machen. Dirk Kreuter hätte dazu gesagt:

„Es gibt Verkäufer, die dürfen das Einkaufen nur nicht verhindern. Selbst das schaffen die“

Aus Hase wurde Schnucki, Pascali und dann nur noch Pascal… verständlich.
jedenfalls habe ich im Januar erfahren, dass Sie einen Freund hatte. Seit Januar lebe ich auch zurückgezogen. Ich habe sogar mit dem Trading aufgehört…

Ein bisschen Trost gab es in der AOE 2 / Finanzblog Community. Beides Communities in denen es eine sehr gute Grundstimmung gibt 😊

Im Juni gab es dann die ersten Laufversuche. Ich habe mich zum Training angemeldet, Taekwondo. Jetzt im Juni fing ich mit der 90 Tages Challenge an. Eigentlich dürfte ich nicht traurig sein.

Ich bin trotz der mäßigen Grundstimmung zum Training gegangen. Danach setzte der Suchtdruck wieder ein. PORN PORN PORN. Ich war entschlossen dieser Sucht nicht nachzugehen. Was für eine Nacht. Ich wälzte mich die ganze Zeit. Ich bin dann um 02:00 Uhr nochmals Joggen gegangen. Irgendwie musste ich mich ja müde bekommen.

Tag 14

Ich wache früh morgens auf. BÄM Fühle ich mich gut. Sogar sehr gut.
Dies ist der 2. Tag Nofap. Gegen Mittag bekomme ich die Kopfschmerzen des Todes. Mein Kopf verlangt nach Porn! Das muss der Kater des Fappers sein. Das einzige was gegen die Kopfschmerzen hilft, ist zu fappen.

Viel hinbekommen habe ich nicht, da ich wirklich heftige Kopfschmerzen hatte.
Erstaunlich fand ich in diesen 2 Tagen diese innere Haltung von:

„Ach wäre es schön jetzt einen geblasen zu bekommen (sehr sehr passiv)“
zu
„Alter ICH FICK EUCH ALLE DURCH (man wird selbst aktiv)“

In der Nacht hatte ich es dann nicht mehr ausgehalten. Binnen Sekunden waren die Kopfschmerzen weg. Ich fühle mich schlapp und energielos. Auch das Zucken und die Emotionslosigkeit ist wieder da. Damit bin ich mir zu 110% sicher.
DIE PORNOSUCHT MUSS WEG
Fassen wir es kurz zusammen:
Ein Süchtiger möchte Kontakt zu Menschen Aufbauen. Kann dies aufgrund seiner Sucht nicht. Mit anderen Worten, die Ansprechangst ist nicht mein Hauptproblem. Die Pornosucht ist es.

Tag 15

(Keine Aufzeichnung)

Tag 16

Ich war gestern Unterwegs, habe dabei ein paar Menschen kennen gelernt. War nix besonderes.

Abends bin ich dann noch zu einem Kumpel in die Innenstadt. Ich bemerke wie viele Leute trinken. Der Bitchfaktor ist enorm hoch, finde ich irgendwie nicht so gut. Ich war wegen der vielen Leute angespannt. Angenehm habe ich es nicht empfunden. Es war aber nicht so schlimm wie an Tag 2 😊

Tag 17

Mich haben Freunde dazu eingeladen in eine Vereinigung für Entrepreneure einzutreten, die sich in Brüssel für die Industrie 4.0 einsetzt. Ich bin bei solchen Themen immer wieder überrascht. Ich habe (noch) kein positives Bild über mich. Aber anscheinend haben andere Leute dann doch ein anderes Bild von mir.

Tag 18 – 31

Aufgrund der neuen Arbeit ist das Notizen erstellen ein wenig unter dem Tisch gefallen. Das waren 14 Tage der Hitze. Unser Trainer hat uns bei 35 Grad ein Hochleistungstraining absolvieren lassen. War extrem, im Nachhinein war ich froh an meine Grenzen gegangen und diese auch teilweise überschritten zu haben. Der Sport ist sehr gut für mich, jedes Mal lerne ich neue Menschen kennen.

Mir ist aufgefallen wie stark ich mich in den letzten 30 Tagen verändert habe. Von jemanden, der einen Job bei Lidl abgelehnt hatte, nicht weil ihm die Arbeit zu schwer war, sondern weil er den Kontakt zu Menschen minimieren wollte, zu jemanden der kontaktfreudiger wird.
Ich bemerke, dass mein Selbstbewusstsein wieder größer wird und dass ich die Welt wieder entdecken möchte.

Fazit: Die ersten 31 Tage

Für meine Verhältnisse habe ich sehr große Fortschritte gemacht 😊
Ich habe zwar nicht mitgezählt, schätzungsweise habe ich um die 50-70 neue Personen kennen gelernt: D
Ich habe die Störquelle/ den Flaschenhals gefunden: Porn
Die Neutralisierung von eben diesem gibt mir die Möglichkeit wieder so erfolgreich wie früher zu werden.
Wenn ich rausgehen möchte, bleibe ich oft noch bei dem Gedanken hängen „Was soll ich da“
Also ich möchte rausgehen aber Computer sagt: Neeeiiiin. Tja, das Gefängnis ist überall.
Die statistische Auswertung lasse ich lieber, weil mich das irgendwie aufhält. Ich bin noch am Anfang und muss diese Ansprechangst erstmal überwinden, danach kümmern wir uns um die Conversion.

Meine Einstellung:

Ich war 3 Jahre ohne Schule, 2 auf Jahre Sonderschule, während des Abiturs hatte das Jugendamt mir ein Arbeitsverbot erteilt und hatte einen kleinen Zahlungsverzug von 13 Monaten, wenn ich es geschafft habe mich dadurch zu Boxen:
Dann schaffe ich das locker 😊

Meine Ziele für die Nächsten 30 Tage:

1. So wenig Porn wie möglich
2. Jeden Tag mindestens eine neue Person kennen Lernen

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