getmad serenity
17. Mai 2017

The Losing Game

Ich wohne auf dem Dorf. Allerdings mitten in einem Kriegsgebiet. Der Krieg ist der Krieg der Statussymbole und meine Dorfmitbewohner (nicht alle) tragen ihn unter anderem mit ihren Autos aus. Nein .. kein tjosten mit Verbrennungsmotoren eher ein Schwanzvergleich.

Ein Nachbar hat vor kurzem wieder aufgerüstet. Nennen wir ihn Nachbar Gröfaz. Früher fuhr er mal einen kleinen Opel Kombi, dann wurde es ein Nissan Kumquat (alt. Qashqai), vor kurzem dann 2er BMW (Active Tourer) mit Allrad. Klar der Nachwuchs kam und man brauchte etwas Größeres. Allerdings fährt das Auto nicht die Mama (die die Kids im Dorf umherfährt) sondern der Papa. Der fährt es morgens zur Arbeit und abends wieder Heim. Die anderen drei Mitglieder der Familie fahren währenddessen Nissan Micra. Gut so .. die halbe Welt kauft ja Kombis und SUVs wenn Kinder im Anmarsch sind. Nachbarfamilie Gröfaz ist der lebende Beweis das dies eigentlich nur eine Einstellungssache ist (was ich ja schon lange behaupte).

Während der Familienvan hier also seinen Zweck erfüllt (nämlich den Vater sicher und alleine zur Arbeit zu bringen) hat ein anderer Nachbar, nennen wir ihn Napoleon, ebenfalls aufgerüstet. Das zweite Porsche (ein McCain, alt. Macan) ist vor kurzem im Erdgeschoss eingezogen. Neben einem BMW Cabrio einem Porsche Cayun oder wars Cayman? einem undefinierbaren SUV und einem 20 Jahre alten Mazda Drölf?

Kurz nachgezählt?

Fünf .. ja fünf Fahrzeuge stehen da rum. Familienmitglieder: 3. Der Clou ist aber folgender: Das Auto das mit Abstand am meisten bewegt wird ist der alte Mazda. Gut .. Nachbar Napoleon kann sich das offensichtlich auch leisten. Es sei ihm gegönnt.

Ein paar Häuser weiter wohnt ein anderer Nachbar, den nenne ich jetzt Hannibal und der Herr Hannibal ist ein Mercedes Fan. Sohnemann ist ausgezogen und Frau Hannibal und ihr Angetrauter haben drei Sterne aus Stuttgart. Eine schöne E-Klasse, einen 500 SL und eine A-Klasse (alt). Ratet mal was Frau Hannibal fährt? Tip: Es hat weniger als 5 Zylinder.

Ich könnte nun einfach jedes dritte oder vierte Haus im Dorf abklappern und einen ähnliche Story finden.

Wie ihr sicher wisst, wird bei einer Neuanschaffung nicht etwa ein kleineres oder sparsameres Model gekauft sondern auf das möglichst größere, neuere, leistungsstärkere Fahrzeug upgegradet. Das kostet dann meist auch mehr. Aber hey .. ist auch nur Geld.

Nun .. ich fahre einen Fiat (der etwas auf Krawall gebürstet ist) und mich nimmt hier keiner wahr geschweige denn ernst. Es gibt noch einen Fiat in der Straße den fährt eine achtzehnjährige Fahranfängerin. Das ist so meine soziale Schublade. Kann ich mit leben. Mein Vater nennt meinen Fiat übrigens Asphaltblase.

Allerdings ist meine Aspahltblase günstig.

Günstig im Unterhalt, günstig beim tanken, günstig in der Steuer, günstig in der Versicherung, günstig in der Reparatur. Aber vor allem günstig in der Wiederanschaffung.

Frägst du jemanden was sein Auto im Monat kostet fallen demjenigen nur die Spritkosten ein. Ggf. Steuer und Versicherung. Aber man muss auch die Wiederanschaffung mit einberechnen. Und da scheinbar keiner auf ein kleineres und günstigeres Modell umsteigt sind die hoch.

Ein paar Beispiele meiner Nachbarn:

  • besagter Nissan Kumqat kostet ca. 600 Euro im Monat (mehr als die Hälfte ist Wertverlust)
  • der 218er mit Allrad kostet ca. 700 Euro im Monat (ca. 60% Wertverlust)
  • der Porsche Pommes kostet 1100 Euro im Monat (ca. 50% Wertverlust)
  • der 500 SL kostet etwa 1900 Euro im Monat (bei 70% Wertverlust)

Die günstigsten Fahrzeuge in Deutschland:

  • Citroen C1 (ca. 310 Euro)
  • Seat Mii (ca. 320 Euro)
  • Dacia Sandero (ca. 330 Euro)
  • Peugeot 108 (ca. 340 Euro)

Folgende Annahmen liegen den Kosten zugrunde:

  • Preis: Grundpreis ohne Rabatt, keine Sonderausstattung, mittlere Motorisierung
  • 60 Monate Haltedauer / 15.000 km im Jahr / Kraftstoffkosten inkl.
  • Werkstattkosten, Reparaturen, Verschleiss usw.
  • Versicherung mit 50% Rabatt (SF)

Mein Krawllhaubitzchen kostet mich etwa 450 Euro im Monat und ist damit noch nicht mal sonderlich günstig.

Was lernen wir daraus? Autofahren ist erst mal teuer. Und wenn es keins deiner Hobbys ist sollte man nicht übertrieben viel Geld dafür ausgeben. Selbst wenn du einen Gebrauchtwagen kaufst verliert der an Wert und je älter der wird desto höher sind die Wartungskosten. Auch der Faktor das es den Menschen schier unmöglich ist auf ein kleineres Model zu wechseln spielt hier eine große Rolle die die Wiederanschaffungskosten noch höher werden lässt.

Bei vielen Menschen dürften die KFZ Kosten damit höher als die Miete sein und das für ein Ding das in der Regel 23 Stunden am Tag am Straßenrand steht und an Wert verliert .. läuft.

Kommentare:


  1. Ben

    Hi Matthias,

    kennst du Mr. Money Mustache?

    Falls nein, hier ein paar schöne Artikel von ihm über Autos:
    http://www.mrmoneymustache.com/?s=car+clown

    Gruß
    Ben

  2. Matthias

    Hi Ben,

    klar kenne ich ihn 🙂 Lese ich regelmäßig.

    Viele Grüße,
    Matthias

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