getmad don't talk the talk .. if you can't walk the walk
13. November 2018

All Our Sins

Wenn jetzt sogar der Finanzwesir anfängt Tim Schäfer Geschichten zu veröffentlichen kann ich ja nicht hinterm Zaun halten.

Matthias, wer bist Du?

Mein Name ist M. Ich wohne auf dem Dorf in der Nähe einer Großstadt in Baden-Württemberg. Ich werde in 1,5 Jahren 42 und bin unglücklicherweise auch kein Akademiker mit Niveau. Die Schule machte mir leider nie Spaß und dementsprechend lagen meine Leistungen im hinteren Mittelfeld. Nach der Grundschule entschied sich meine Mutter, mich auf die Realschule zu schicken und ich hatte dort ab und zu meine Mühen. Die mittlere Reife schloss ich mit exakt 3,0 ab und weil man damit beim bewerben eher im Papiermüll landet habe ich weiter die Schulbank gedrückt.

Die glorreiche Idee auf Wirtschaftsgymnasium zu gehen habe ich sofort bereut. In der 11. Klasse bin ich mit ner 5 in Mathe und Physik spontan mal sitzen geblieben. Dann habe ich mich wohl etwa zusammen gerissen und das Abi mit 2,9 bestanden. Es folgten 13 Monate Zivildienst (Fremde Popos putzen ist schlimmer als es sich anhört) während dieser Zeit habe ich mich dann auf diverse Ausbildungsplätze beworben. 25 Bewerbungen für ein Duales Studium an der Berufsakademie wurden mit 25 Absagen quittiert. Was blieb mir übrig? Studieren oder eine andere Ausbildung. Das Studium wäre wohl in die Hose gegangen und darum habe ich mich dann auf Ausbildungsplätze als Industriekaufmann beworben. Da habe ich dann nur 4 Absagen bekommen und letztendlich auch eine Zusage. Dank Abi konnte ich die Ausbildung in zwei Jahren machen und dank Wirtschaftsgymnasium (und dem zweimaligen Besuch der 11. Klasse) konnte ich den Stoff mehr oder weniger schon vorher auswendig. Folglich war ich selten in der Berufsschule und habe die Ausbildung trotzdem bestanden.

Man bot mir eine Stelle im Versand, im Controlling und im Vertrieb an. Aber ganz ehrlich .. machen wollte ich keine davon. Da ich Ende der 90er schon Websites bauen konnte bin ich ins Marketing spaziert, habe denen erklärt das die Firmenwebsite nicht so cool ist und ich das ab jetzt besser mache.

Die haben sich drauf eingelassen, mich mit New Media Specialist betitelt und mir soviel bezahlt das 1100 Euro netto auf dem Girokonto ankamen. Im Jahr 2005 waren es dann schon 1400 Euro. So ganz doof kann ich mich nicht angestellt haben.

Der Job nannte sich irgendwann Webmaster, dann Webentwickler, dann Frontend Entwickler usw. den ganzen Kruscht habe ich mir selbst beigebracht. Also ich hatte nie eine Ausbildung im entwickeln von Software, habe keine Uni von innen gesehen (außer zum pinkeln) und aus Büchern lerne ich auch nicht sonderlich viel. Ich setz mich vor den Rechner und fange einfach an. Dabei mache ich Fehler und Fortschritte und werde besser.

Im Jahr 2010 nach über 10 Jahren bei der ersten Firma bin ich zu 1&1 gewechselt und habe fortan dort die Webshops als Frontend Entwickler gebaut. Das Gehalt lag da bei 1800 Euro/netto. Schwups wurde ich Senior, dann Architekt und zum Schluss Head Of .. mein Team hat die ganzen Websites gebaut wenn sich jemand Hosting Produkte bestellt hat. Lernkurve war heftig. Als ich 2014 gegangen bin lag ich bei 2400 Euro netto und hatte angefangen mir mit SEORCH einen Nebenerwerb aufzubauen.

Heute arbeite ich als Head Of im Bereich SEO. Das Geld kann ich sowieso nicht ausgeben und SEORCH verdient nochmal so viel. Dazu noch die Dividenden. In manchen Monaten kann ich 5000 Euro sparen.

Schon von Geburt an ein Sparer oder ein Saulus, der erst zum Paulus werden musste?

Als Schüler und Zivi wäre ich eigentlich dauernd pleite gewesen .. wäre da nicht Oma als Sponsor aufgetreten. Für das Rasenmähen gabs nen Fuffi, Blumentöpfe durchs Haus schleifen 30 Euro, Holz hacken lag bei nem Hunni. Oma hatte außerdem immer was zu tun.
Girokonto gabs mit 16 .. eins das man nicht überziehen kann .. und so halte ich es auch heute. Meine Girokonten verfügen nicht über einen Dispo. Mit Aktien kam ich auch Ende der 90er in Berührung, das Wirtschaftsgymnasium hat da mehr oder weniger das Interesse geweckt.

Deine Assets und warum? Irgendwelche Fehlkäufe?

Dutzende Fehlkäufe über die letzten 20 Jahre, griechische Staatsanleihen, Nokia bevor es den Bach runter ging, dubiose chinesische Dotcom Titel und Fonds die sich heute noch nicht erholt haben (nordasia.com). Ich sage immer ich habe sicher 100.000 Euro verzockt und durch Dusel auch 100.000 Euro gewonnen. Unterm Strich lief das auf ne schwarze Null raus.

Heute und seit mehr als 10 Jahren: Knapp 70 ETFs und Aktien mit langweiligem Business und Dividendenwachstum. Ich fahre also keine reine Dividendenstrategie sondern achte drauf das die Dividenden (hoffentlich) regelmäßig erhöht werden. Sonst interessiert mich das Papier nicht. Und ich versuche „undervalued“ zu kaufen. Das war es auch schon. Zwei mal im Jahr checke ich das durch. Im Idealfall will ich keine Aktie wieder verkaufen.

Excelfetischist oder eher „Basst scho“?

Ich habe kein Excel auf meinem Rechner installiert. Amen.

Ausblick: Wie siehst Du Deine Zukunft. Wo möchtest Du hin?

1500 Euro netto Dividenden / Monat sind das Ziel. Solange mich mein Chef nicht nervt arbeite ich auch weiter .. weil der Job Spass macht. Das Ziel habe ich in 2-3 Jahren erreicht. Sollte ich entlassen werden müsste ich heute schon nicht mehr arbeiten (dank der Einnahmen durch mein Nebengewerbe). Und sonst? Mal schauen .. there is no Masterplan.

Kommentare:


  1. Ex-Studentin

    Man braucht nicht immer einen Plan. Manchmal hält das Leben auch von sich aus gute Optionen parat. So lange man glücklich ist, würde ich mir da auch keinen Stress machen. Hauptsache, kein Burnout mehr.. 😉

  2. Matthias

    Hi Jenny,

    ne .. da hast du Recht .. die grobe Richtung reicht manchmal auch .. und dann sich den Situationen anpassen 🙂

    Ja .. hoffentlich keiner mehr .. vllt werde ich auch schlauer im Alter.

    Viele Grüße,
    Matthias

  3. Jochen

    Hi Matthias,

    Beeindruckend zu sehen, was für ein Vermögen du in den letzten 10 Jahren aufgebaut hast. Besonders deine Internetseite muss ja ein kleiner Goldesel sein, denn bei 1.800 mtl. 5.000 zu sparen ist sonst nicht machbar… Ich habe leider noch keinen Goldesel gefunden und spare fleissig 30% vom Gehalt in ETFs. So brauche ich aber fast ein Jahr für 5.000.

    Also Respekt für deinen Weg und deine coole Art!

    Viele Grüße
    Jochen

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