getmad cause even god loves darkness
12. November 2020

Bums, Zack … Reich.

Sparen oder Minimalismus sind in ihrem monetären Effekt begrenzt.
Deine Sparquote kann 100% nicht übersteigen.

Einnahmen sind aber unlimitiert.
Du kannst nächstes Jahr 300% mehr verdienen als dieses Jahr.

Dann lass uns schnell ein profitables Business aufbauen?

Ich erzähle dir jetzt nicht, was die besten Ideen dafür sind und das du am besten ein Buch schreibst.

Ich erzähle dir auch nicht, dass es heut leichter denn je ist. Das ist es nicht.

Ich erzähle dir eine kleine Geschichte:

Im Jahr 2007 wurde der neue Fiat 500 der Öffentlichkeit präsentiert. Als ich den zum ersten mal gesehen habe war ich hin und weg. Ich fuhr zu der Zeit einen Mini Cooper und die BMW Werkstätten haben mich ordentlich geschröpft. Ich kann mich noch dran erinnern, dass ich für ne Inspektion inkl. undichter Seitenscheibe 850 Euro bezahlt habe. Da war ich so sauer, dass ich bei BMW vom Hof gefahren bin und schwupps bei Fiat auf den Hof.

Plan: den Mini in Zahlung geben und einen Fiat 500 kaufen.

Doof nur das ich nach der Bestellung (ja ein Neuwagen) 5 Monate warten musste.

Auf einer Radtour fiel mir dann ein, dass ich die Vorfreude doch irgendwie kanalisieren könnte.
Machste ein Blog auf und schreibste dir die Vorfreude von der Seele.

Tadaaa: fiat500blog.de

Am Abend war auch schon das Blog live und ich habe mit dem Schreiben von kurzen Artikeln losgelegt.

Doof nur, dass sie keiner gelesen hat .. aber es waren auch nicht so viele.

Ich wollte erst mal schauen ob ich es mehrere Monate am Stück hinbekomme 3-4 mal pro Woche einen Post rauszuhauen.
Nach nem Monat war aber schon klar, dass das kein Problem wird und es hatten sich auch schon knapp 30 Posts angesammelt.

Gelesen hat sie aber immer noch keiner.

Also habe ich angefangen Klinken zu putzen: SEO, Backlinks, Partnerschaften, Foren besucht und Beiträge hinterlassen usw.
Facebook war damals noch nicht so relevant, Instagram gab es nicht, Twitter steckte eher noch in der Kinderschuhen.

Gaaaanz langsam kamen dann ein paar Besucher vorbei. So vielleicht 20 Stück am Tag.

War mir aber auch wurscht .. ich habs ja in erster Linie für mich gemacht. Trotzem … so ein kleines bischen Reichweite hätte man schon gerne.

… Fast Forward -> 2 Jahre …

Der Fiat 500 (als Fahrzeug) war bekannter geworden, SEO, Backlinks und Partnerschaften habe ich weiter verfolgt und intensiviert und ich habe jede Woche 3-4 Artikel geschrieben und siehe da es begann sich auszuzahlen.

Ich hatte an manchen Tagen 2000 Besucher und durch Google Adsense habe ich Monat etwa 100 Euro verdient … YAY.

Außerdem habe ich Backlinks verkauft und Werbebanner von Shops etc. eingebunden was ab dem Jahr 2009 sicher nochmal 100 Euro im Monat gebracht hat.

Hört sich jetzt alles einfach an?

Nope.

Der Ca­sus knack­sus: Fast Forward -> 2 Jahre

In den zwei Jahren habe ich täglich mindestens eine Stunde an irgendwas für das Fiat 500 Blog gearbeitet. Nicht nur Artikel schreiben sondern Leute um Links bitten, SEO etc.

In den zwei Jahren gab es keine finanzielle Entlohnung dafür. Das waren etwa 600 – 700 Stunden Freizeit. Und ja .. ich habs auch für mich gemacht und es als Hobby betrachtet und es hat auch oft Spass gemacht.

Am Ende der zwei Jahre habe ich es immerhin geschafft „läppische“ 200 Euro / Monat brutto / Monat einzunehmen das war zwar anfangs kein Ziel aber irgendwann rechnet man dann doch mal nach.

Nett gesagt entspricht das einem Stundenlohn von 10 Euro.

Ich habe das Blog Ende 2010 eingestampft. Es wurde gehackt und die meisten Daten waren flöten gegangen und ich hatte auch keine Lust mehr.
Wäre spannend zu wissen was daraus heute geworden wäre wenn ich weitergemacht hätte.

tl;dr

  • wenn du dir einen Nebenerwerb aufbauen willst brauchst du Sitzfleisch, Motivation und Geduld ODER Glück
  • wenn du kein Glück hast .. wirds eher ein Marathon
  • und selbst dann kann es sein, dass nur ein paar Kröten rumkommen
  • dein Produkt kann noch so geil sein (meins war es nicht), wenn es niemand kennt, kauft oder besucht es keiner
  • höre aufs Feedback der wenigen Leute die dir Feedback geben
  • und schätze das Potential deiner Idee realistisch ab (mit manchen Dingen kann man einfach kein Geld verdienen)
  • sei bereit viele Stunden deiner Freizeit zu investieren (vor allem zu Tageszeiten wo du normalerweise entspannst, Sport machst oder Freunde triffts)
  • schaffe deinen Fernseher ab (gilt auch wenn du kein Nebengewerbe aufbauen willst)

Ich hatte damals das (thematisch) einzige Fiat 500 Blog in Deutschland. Es gab noch ein paar Foren etc. aber eben keine echte Konkurrenz.

Von mir selbst kann ich dir sagen, ich halte nur lange durch und bin motiviert wenn mir eine Sache wirklich Spass macht. Wenn ich mich tagsüber schon freue, am Abend wieder eine Stunde damit zu verbringen.

Wohl kaum jemand kann sich über zwei Jahre zu etwas zwingen und selbst wenn, das Ergebniss wäre wohl scheiße.

Ich kann trotzdem jedem Menschen raten (sofern er/sie eine gute Idee hat) es einfach zu machen und auszuprobieren. Besser scheitern oder keinen Erfolg haben als es gar nicht zu tun. Am Ende bleibt immer die neue Erfahrung und die Lernkurve.

Kommentare:


  1. Tom

    Gerade in Hinblick auf das Reich werden (das war ja dein Ausgangspunkt) muss man in der Selbstständigkeit einen Punkt genau überlegen: skaliert das was ich tue oder skaliert es nicht. Als selbständiger Berater oder Software-Entwickler (der auf Tagessatz seine Arbeit verkauft) kann es auch viel Spass machen. Aber auf diese Weise reich zu werden ist richtig schwierig. Erst wenn man etwas erschafft, das irgendwie von alleine läuft (über Angestellte z.B.) oder sich extrem einfach vervielfältigen lässt (Bücher, Software, eine Marke, etc.), hat man eine Chance reich zu werden. Und dann ist es natürlich immer noch extrem viel Glück (auch wenn man sich selbst für den tollsten hält) .

  2. maTTes

    Ich halte dein Miniprojekt also eigentlich 500-Projekt für gar nicht so für eine Zeitverschwendung.
    Wenn ich etwas mache und Spaß habe und dabei noch etwas Taschengeld verdiene, ist es doch umso schöner.
    Da versuche ich erst gar nicht den Stundenlohn auszurechnen 😉

  3. Alf

    ein Hobby kann (sollte) man nicht in Zahlen aufwiegen….Fiat 500 – geiles Teil!

  4. Fuseboroto

    Ich betreibe ebenfalls zahlreiche Webseiten und Nebenprojekte und interessant, dass Du die zwei Jahre erwähnst, das ist auch meine Erfahrung und aus dem Bauch heraus gehe ich auch immer von Jahren Vorleistung bei solchen Projekten aus. Die meisten geben nur vorher auf.

  5. Vroma

    Wenn man solche Projekte als Hobby betreibt, und damit sogar noch ein paar Kröten verdient, hat man eigentlich schon gewonnen.
    Andere stecken dafür Unsummen in ihre Hobbies. Prinzipiell finde ich diesen Sachverhalt sehr interessant, denn hier findet wohl auch eine gewisse Kompensation statt.

    Gibt es hier ein paar fahrradverrückte, die sich einen Peloton gekauft haben? 😉

  6. Michi

    Toller und ehrlicher Artikel. Nachdem Blogs die letzten Jahr in aller Munde waren, habe ich mir auch schon oft überlegt mit einem Blog zu starten. Aber entweder gibt es schon tausende Blogs zu dem Thema, das mich begeistern würde oder es wäre ein Thema, das ich nicht aus eigener Leidenschaft sondern des Geldverdienens wegen aufgreifen würde. Und dann ist es so wie Du sagst, man hält nicht durch, wenn man es nicht aus Leidenschaft macht. Daher habe ich es bis jetzt gelassen.
    Aber wie die anderen ja auch schreiben, wenn man mit seinem Hobby / seiner Leidenschaft ein paar Kröten im Monat verdienen kann ist das doch toll. Andere geben für ihr Hobby hunderte von Euro im Jahr aus.
    Und was man nicht unterschätzen darf, selbst wenn man mit seinem Blog scheitert oder nicht lange durchhält, gelernt hat man auf jeden Fall wieder etwas.

  7. Mad

    @Tom

    völlig korrekt .. nur wenn es skaliert stimmt am Ende das Ergebnis

    @maTTes, Alf und Vroma

    am Anfang war es 100% Hobby .. reiner Spass an der Freude .. das hat sich aber über die Jahre verändert. Nach 1-2 Jahren gab es durchaus Tage wo ich echt keine Lust drauf hatte und mich trotzdem „überredet“ habe etwas zu schreiben .. das war auch ein Grund warum ich es eingestellt habe .. wenn man aber damit Geld verdient lässt man sich ggf. leichter überreden 😉

    @Fuseboroto

    ja .. kann ich durch weitere Prokjekte auch bestätigen .. 2 Jahre sind auch meine Erfahrung

    @Michi

    ich empfehle jedem (sofern keine hohen Kosten damit verbunden sind) trotzdem es einfach mal zu probieren .. es bringt oft mehr Sinn in das eigene Leben, man kann witztige Kontakte knüpfen und wie du schon sagt .. die Erfahrung kann dir keiner mehr nehmen

  8. Das wurde woanders geschrieben – Woche 46/2020 › Fuseboroto.info

    […] Bums, Zack … Reich. – 2 Jahre Arbeit sind nötig bevor sich Erfolg einstellt. Eine Faustformel, welche ich von meinen Projekten auch nicht anders kenne. Interessant, dass man Bauchgefühl auch von anderen bestätigt wird. […]

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