getmad alle sind irre; aber wer seinen wahn zu analysieren versteht, wird philosoph genannt
10. Juni 2020

Darker Thoughts

Deine Realität sind deine Gedanken, das was du fühlst, siehst, hörst, riechst, spürst .. also alles was du wahrnimmst. Dein Gehirn formt aus der Masse an Informationen Gefühle: Wut, Hass, Liebe, Sehnsucht, Freude, Trauer usw. aus dem ganzen Zeug entsteht dann deine Realität. Diese Realität wird durch die Interpretation aller Informationen die du hast zusammengeschustert.

Und diese Realität bescheißt dich in der Regel.

Es ist schließlich deine Realität und wenn du nicht reflektierst und nur ein kleines bisschen narzisstisch veranlagt bist hast du den Salat.

Das geht mir auch so und ich hasse es.

Jeder kennt die negativen Gedanken die man entwickelt wenn man eine Kommunikation missinterpretiert.

Einer unserer C[x]Os hat mich in einer Mail mit „der Hotz“ angesprochen (mein Nachname ist Hotz und ja ich kenne JEDEN Räuber Hotzenplotz Witz). Für mich im ersten Gefühl ein Mangel an Respekt und dementsprechend „scharf“ habe ich geantwortet.

Wahrscheinlich hat er es nicht so gemeint und eigentlich ist es mir egal da ich mit ihm nix zu tun habe. Das ist mir dann aber erst zwei Tage später eingefallen.

Wenn ein Mitmensch plötzlich einmal lauter wird, das „Hallo“, „Danke“ oder „Bitte“ in ner Email vermissen lässt, beziehen wir das in der Regel direkt auf auf uns. Was hat der für ein Problem? Will der mich doof anmachen?

Das Problem ist dabei allerdings, dass wir die Menschen wenig kennen, oft nicht wissen welchem Stresslevel sie ausgesetzt sind usw.

Bei nem guten Kumpel mit dem ich seit 30 Jahren rumhänge weiß ich sehr genau was wie gemeint ist. Bei einem Kollegen den ich vielleicht erst kurz kenne und mit dem ich privat nichts zu habe weiß ich das eben nicht.

Wenn ich jetzt nicht reflektiere oder eine gleich mal ne Supervision mache kann sich der Konflikt verschärfen. Ich werde zukünftig noch mehr drauf achten wie der Kollege mit mir umgeht und vielleicht noch allergischer reagieren.

Wenn mir das passiert suche ich direkt das Gespräch und versuche das zu klären oder bin genau so freundlich wie immer und ignoriere die (mir) fehlenden Höflichkeitsfloskeln oder die empfundenen Spitzen.

Dann unterschätzen wir oft die eigene Situation.

Ich bin sozusagen ein alter, weißer Mann und nach Ansicht vieler Menschen die Spitze der Nahrungskette.

Und ja .. da ist was dran.

Ich wurde noch nicht von einer Frau sexuell belästigt, niemand kritisiert meine Heterosexualität und ich habe das Glück im richtigen Körper geboren zu sein. Niemand feindet mich auf Grund meiner Hautfarbe, meines Nachnamens oder meiner Religion an und wenn ich was Knappes anhabe bekomme ich keine anzüglichen Blicke oder Kommentare.

Dementsprechend solle ich die Fresse halten wenn es um die oben genannten Themen geht, da ich eben keine Ahnung habe wie sich eine schwarze, lesbische Frau in ihrem Alltag fühlt.

Das einzige was ich tun darf:
Für ihre Rechte einstehen wenn ich erlebe das sie diskriminiert wird.

Black Lifes Matter? Ja. Das Beste was ich dazu beitragen kann, ist mit offenen Augen durch mein Leben zu gehen und jeden Anflug von Rassismus entschieden entgegen zu treten .. und sei es nur der doofe Türkenwitz den ein besoffener Kumpel vom Stapel lässt.

Und was hat das wieder mit Geld zu tun?

Ich sitze derzeit auf 50.000 Euro Bargeld weil ich nicht die Eier in der Hose hatte zu kaufen als es am schlimmsten war .. spricht wo Dow und S&P ausgebombt waren. Meine Realität war (trotz dem dritten Crash den ich erlebe) eher panisch. Ich glaubte fest daran das es noch weiter gen Süden geht.

Ich habe nichts verkauft, aber auch nichts gekauft.

Jeder reflektierte Verstand hätte diverse Aktien mit fetten Rabatten einkaufen müssen und wenn es nur Amazon oder Microsoft gewesen wäre.

So habe ich mir das schöne Kurswachstum der letzten Wochen entgehen lassen und habe nun eben das oben beschriebene Luxusproblem.

Klar .. das kann alles wieder drehen. Fakt ist aber ich weiß es nicht und ärgere mich ein kleines bisschen nicht mutiger gewesen zu sein.

Trostpflaster:
Mein Depot hast seit dem Tiefstand wieder um > 100.000 Euro zugelegt.

Ich jammere halt wieder auf hohem Niveau .. Drecksrealität.


Kommentare:


  1. Andreas

    Aber vergiss nie, auch lesbische, schwarze Behinderte können ätzend sein. scnr 😉

  2. Pepsi

    Danke!
    Endlich jemand dem es genauso geht wie mir und der es auch zugibt. Wahrscheinlich tröstet es Dich nicht, aber um es mit Roy Black (den kennst Du nicht – googeln) zu sagen „Du bist nicht allein“.

    Ich habe auch nur ein bischen genascht, anstatt mir den Bauch vollzuschlagen. Ich traue dem Braten ehrlich gesagt noch immer nicht. Wahrscheinlich warte ich die nächsten Höchststände ab und dann, ja dann warte ich auf die nächste Korrektur, aber dann, dann haue ich richtig rein, natürlich erst wenn sich eine stabile Erholung abzeichnet.

    Spaß beiseite, Sparpläne hat hoffentlich jeder weiterlaufen lassen oder sogar erhöht. Thorsten Tiedt hat in seinem Starterdepot alles richtig gemacht. Beeindruckend. Ansonsten glaube ich dass bei Einzelaktien immer mal günstige Einstiege möglich sind.

    Aber das ist meine ganz persönliche Meinung und ich bin kein Experte. Ich habe keine Glaskugel mit Visionen, nur einen Kugelbauch mit Gefühlen.

    @Andreas
    Blöde gibt es immer und überall – auch das gehört zur Gleichberechtigung

  3. Vroma

    Yoda sagt: „Ständig zukaufen Du musst.“

  4. Fuseboroto

    Ich habe etwas nachgekauft, aber aus Vorsicht natürlich auch nicht alles. Im Nachhinein lässt sich leicht sagen. ach hätte ich doch. Und ob die Kurse so bleiben? Die Schwankungen sind immer noch enorm, da fährt an manchen Tagen ein Kleinwagen aus dem Depot. Vor 2 Jahren war das noch ein Grund in Finanzblogs vom großen Crash zu fabulieren, jetzt ist es eine normale Schwankung.

    Ansonsten wie die anderen Kommentatoren es bereits sagen, regelmäßig nachkaufen.

  5. Flo

    Und ich habe meine 10k Reserve zusammengekratzt um im Tiefpunkt auf insgesamt 50K investiert zu kommen, mittlerweile wieder ca. 60K. Das Geld hast Du einfach „rumliegen“ und ohne Dein Zutun steigt das Depot um 100K 🙂

    War der Zeitpunkt „richtig“? Gefühlt natürlich nicht, habe besonders Anfang März (zu früh) und Anfang-Ende April (zu spät) zugeschlagen.

    Die „richtigen“ Firmen habe ich natürlich auch nur teilweise gekauft, Microsoft für 135€ und Amazon für 1500€ wirken natürlich nicht so günstig wie Shell für unter 15 oder Wirecard für 95 vor dem nächsten Skandal.

    Geht es nochmal tiefer? Vielleicht. Besonders Amerika macht den Anschein einer Blase weil die Kurse so gar nicht nicht die Wirtschaft wiederspiegeln.

    Wir werden es sehen, ich denke investiert zu sein wird auch in Zukunft nicht falsch sein.

  6. mad

    Huhu Pepsi

    Den Roy Black kenne ich noch .. ich bin schließlich ein alter weißer Mann 😉

    @Vroma

    So weise wie Yoda werde ich wahrscheinlich nicht mehr … aber er hat recht

    @Fuseboroto

    Der Vergleich mit den Kleinwagen gefällt mir!

    @Flo

    Du warst mutiger als ich 😉 Mein Respekt. Ja ich weiß ich spreche von Luxusproblemen

    Ich bin gespannt wie es weitergeht nachdem wir ja letzte Woche nen fetten Dip hatten.

  7. Das wurde woanders geschrieben – Woche 25/2020 › Fuseboroto.info

    […] Darker Thoughts – spannend finde ich den letzten Absatz. Auch der dritte Crash in der Anlegerkarriere sorgt nicht dafür, dass man alles gelassen sieht. Am Ende sind es immer wieder neue Unsicherheiten, welche die Krise begleiten. […]

  8. Florian

    Die Cousine meiner Frau hat gestern erzählt, dass sie bald wieder eine OP hat. Sie leidet seit ihrer Jugend unter einer Autoimmunerkrankung und muss täglich Medikamente schlucken. Sie ist Mitte vierzig. Sie ist gut drauf.
    Mein Schwiegervater leidet seit zwei Jahrzehnten unter einer schweren Polyarthritis und schluckt täglich mehr Tabletten als ein Raver auf der Loveparade. Er ist Anfang sechzig. Er ist grundsätzlich meist gut drauf.
    Ich sitze daneben. Ich bin kerngesund und habe zwei gesunde Kinder. Ich bin schlecht drauf und ärgere mich innerlich grün und blau, dass ich in der Krise zu wenig investiert habe, noch immer nicht finanziell (ganz) unabhängig bin und einem Angestelltenjob nachgehe.

Du hast auch was zu sagen: