getmad erst nachdem wir alles verloren haben, haben wir die freiheit, alles zu tun…

Das Zitat stammt von Helmut Kohl. Nein ich bin kein Kohl Fan .. erkenne aber seine Leistungen durchaus an. Gesagt hat er es schon 1984. Richtig war es immer.

Auf dem Weg zu einem Ziel verliert man sich oft in Details. Das kann so extrem werden, daß man Zeit in Dinge investiert die einen im Grunde nicht weiterbringen. Ich bin Programmier und in meiner Branche gibt es gute und schlechte Software Entwickler. Wie erkennt man nun ob einer gut oder schlecht ist?

Man kann diverse Maßstäbe anlegen:

  • schreibt die Person clevern, kompakten Code?
  • werden Entwurfsmuster eingesetzt?
  • ist der Code durch Kollegen gut wartbar?
  • schafft die Person die Umsetzung des Projekts in der vorgegebenen Zeit?
  • kann die Person sich selbst managen und Probleme lösen oder braucht sie Support?

Wenn nun Wünsch Dir Was wäre würde ich gerne nur Kollegen haben die alle genannten Punkte erfüllen. Aber das ist utopisch.

Mir waren immer zwei Dinge wichtig:

1. Delivern -> Halte deine Deadline und liefere was funktionierendes ab
2. Bau den Scheiß so, daß um Himmels Willen Kollege X auch dran arbeiten kann

Wir nannten das damals immer Trashy rauspusten. Bedeutet so viel wie .. hacke den Code runter, muss nicht hübsch sein .. Hauptsache fertig .. die Bugs fixen wir schon noch.

Ob das nun im allgemeinen richtig oder falsch ist hängt sehr vom Projekt und der Aufgabenstellung ab. Ich schreibe gerne sauberen eloquenten Code. Aber ich habe nicht immer die Zeit oder die Leichtigkeit dafür.

Ich habe angefangen dieses (ich nenne es mal) Trashy Pattern auf mein Leben zu übertragen.

Fakt ist:

  • 100% Perfektionismus .. schöne Sache .. aber wirklich notwendig?
  • Für die meisten Dinge reicht 80% Perfektionismus (vgl.Paretoprinzip)
  • der Aufwand um 100% zu erreichen steht in keinem Verhältnis zur Zeit und Energie die dafür notwendig sind
  • Nerven die es kostet wenn man sich 100% vornimmt aber diese nicht erreicht
  • gut ist was funktioniert

Viele Menschen überanalysieren, wägen Entscheidungen wochenlang ab und tun sich wahnsinnig schwer zu Potte zu kommen. Ob sie einen Fernseher kaufen, ein Auto, ETFs oder Aktien ist dabei egal. Alles muss wohl durchdacht und lange überlegt sein. Alle Fakten müssen gesammelt werden und in die Entscheidung einfließen.

Während ich früher auch so gehandelt habe, halte ich das heute für maximalen Bullshit.

Warum?

  • mir werden NIE alle Fakten bekannt sein die notwendig wären um eine 100% Entscheidung zu treffen
  • ich werde definitiv IMMER Punkte übersehen (auch wenn ich glaube ich habe alles bedacht)
  • ich kann die Zukunft nicht antizipieren
  • meine Entscheidung mag also heute richtig sein, aber was ist morgen?
  • ich bin nicht der schlauste Mensch, und es gibt immer Leute die mehr wissen
  • und was ist wenn doch Zombies den ganzen Laden überrennen?

Ich nehme mir durchaus Zeit wenn ich etwas Neues kaufen möchte, sei es ein Investment in Aktien, nen neuen Rechner oder ein neues Küchenmesser. Aber ich darf das Ziel nicht aus den Augen verlieren. Muss ich das beste Messer der Welt kaufen oder reicht eins mit dem man gut Gemüse schneiden kann? In welcher Zeit treffe ich meine Entscheidung?

Ich habe schon „schlechte“ Messer gekauft, das habe ich irgendwann eingesehen und die Dinger entsorgt und nächstes mal etwas mehr Geld ausgegeben.

Ich habe auch schon „schlechte“ Investments gemacht, ich habe das irgendwann bemerkt und meine Entscheidung revidiert. Ein Großteil meiner Investments ist aus meiner Sicht aber „gut“ und führt mich mittelfristig an mein Ziel. Habe ich wider erwarten ins Klo gegriffen stehe ich zu meinem Fehler, verkaufe das Papier und bin nächstes mal schlauer.

Mein Ziel ist nicht die beste Aktie / Firma der Welt im Depot zu haben, ich will ein Depot welches solide ist und kontinuierliche Dividenden liefert. Sind da nun ein paar Äpfel drunter die nicht so hübsch sind .. egal .. solange sie nicht zu faulen anfangen ist alles gut.

Etwas 80% Überlegtes zu tun ist besser als gar nichts zu tun .. das ist meine Erfahrung.

btw.
der Begriff Trashy Pattern erschien zum ersten mal am 21.12.2017 auf getmad.de

Kommentare:


  1. S. Hansen

    Schöner Artikel! Ich muss sagen, ich entscheide sehr viel aus dem Bauch heraus und mit 95% meiner Entscheidungen kann ich dann auch hervorragend leben. Natürlich startet man auch mal den einen oder anderen Fehlgriff, aber das passiert auch, wenn man vorher wochenlang über seine Entscheidung nachdenkt. Ich habe die Meinung: Wir sollten alle wieder viel mehr auf unser Bauchgefühl hören. Das sagt einem meist in den ersten paar Minuten, ob die Entscheidung richtig sein wird. Natürlich sollte man nicht überstürzen und vielleicht auch eine Nacht darüber schlafen, wenn man dann zum gleichen Ergebnis kommt …;-)

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