getmad vengeance is mine

Während Tesla das Modell 3 in den Verkauf bringt und die deutsche Automobilindustrie scheinbar in einer Art Nokia Schockstarre verfallen ist, mutmaßen einige mit denen ich diskutiert habe schon, daß wir hierzulande bald gar keine Autos mehr bauen.

Ist dem so?

iPhone und Android haben Nokia, Blackberry und Windows Phone gekillt. Das kann keiner bestreiten. Als Nokia halbherzig versuchst hat dem gegenzusteuern war es eigentlich zu spät. Tausende von Entwicklern haben schon Apps für iOS und Android gebaut und keiner hatte noch Lust auf ein schlecht zu bedienendes Nokia Betriebssystem (Symbian).

Ob Tesla nun dasselbe mit der alten Automobilindustrie macht? Ich wage keine Prognose zu treffen. Aber möglicherweise werden die nächsten zwei Jahre die entscheidenden sein. Der Dieselskandal und die Kartellvorwürfe haben es den Deutschen sicher nicht leichter gemacht. Das Image von VW in den USA ist beschissen. Tausende von Autos wurden zurückgegeben. Konsumenten sind enttäuscht und suchen Alternativen.

Da kommt er 35.000 USD Tesla gerade recht. Angeblich hat Tesla ne halbe Million Vorbestellungen. Das wäre immerhin die doppelte Anzahl von Fahrzeugen die Opel letztes Jahr verkauft hat. VW hat knapp 10 Millionen Fahrzeuge in 2016 verkauft. Nur um das mal in Relation zu setzen.

Das erste iPhone war nun kein richtiger Renner, das iPhone 3G hat den Markt geöffnet und die Leute haben es Apple aus den Händen gerissen. Mit dem iPhone 4 wurde dann der Markt planiert. Das hat 3-4 Jahre gedauert.

Sollte Tesla 2019 ein bis zwei Millionen Model 3 verkaufen, und VW immer noch denken es reicht nen halbherzigen e-Golf mit 150 km Reichweite zu bauen, kann man in Wolfsburg bald günstig Industriebrachen mieten.

Aber lassen wir mal die Häme.

Uns wird es vielleicht bald auch so gehen. Ich bin Software Entwickler und staune was in den letzten 5 Jahren in meiner Branche passiert ist. Ich baue heute Tools und führe Analysen automatisiert durch für die vor einigen Jahren ganze Abteilungen viele Tage gebraucht hätten.

Jede Art von Verwaltungsarbeit und Sachbearbeitung lässt sich zumindest teilautomatisieren. Statt einer Abteilung mit fünf Leuten, brauche ich dann nur noch einen der im Fehlerfall (wenn die Software nicht klar kommt) manuell entscheidet.

Als Beispiel soll mal der Buchhalter herhalten:

  • 2013 gab es in D 240.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Buchhalter
  • 2017 waren es 244.000

Wäre der Job dem Arbeitsmarkttrend gefolgt müssten heute 253.000 Buchhalter in Lohn und Brot stehen. Die Anzahl aller Beschäftigten stieg in diesem Zeitraum um 5,5%, die Anzahl der Buchhalter nur um 1,8%.

Es ändert sich also nicht von heute auf morgen. Aber es wird Jobs geben die in den nächsten Jahren weniger werden oder ganz verschwinden. Jede technologische Veränderung die uns in großem Maßstab betrifft hat dies unwiederbringlich zur Folge.

Anderes Beispiel:

Ich bin einmal im Monat in München. Dort gehe ich dann gelegentlich zu einem Edeka.

  • 2014 hatte er nur Kassen an welchen Kassierer saßen
  • 2015 gab es die ersten Kassen zum selbst scannen und bezahlen .. die funktionierten nicht so toll und dauernd musste ein Mitarbeiter helfen
  • 2016 war die Anzahl der herkömmlichen Kassen im Vergleich zu den Scannerkassen bei etwa 50/50
  • 2017 gibt noch zwei Kassen an welchen Mitarbeiter sitzen und zwölf Kassen zum selbst scannen

Klar, da stehen immer noch ein bis zwei Leute und überwachen das. Aber eben keine 10 Kassierer mehr wie früher.

Die Welt ändert sich, und sie nimmt keine Rücksicht auf dich. Wenn du noch mehr als 15 – 20 Jahre arbeiten musst, solltest du mal drüber nachdenken was mit deinem Job passiert -> https://job-futuromat.ard.de/

Kommentare:


  1. Robert Michel

    Was die Zukunft der Elektromobilität angeht bin ich mehr als skeptisch. Das typische Elektroauto bringt noch zu viele Einschränkungen mit sich. Autos die diese Einschränkungen nicht haben wären deutlich teurer als man es sich die Mehrheit leisten könnte. Daran wird sich auch in Zukunft wohl nichts ändern, denn die Akkumulatortechnologie hat bereits jetzt die physikalischen Limits fast ausgereizt. Die Hoffnung, dass sich zumindest die Preise für Akkumulatoren senken hat sich dadurch zerschlagen, dass die Kosten für Lithium und Kobalt explodieren werden, wenn Elektroautos in großer Stückzahl produziert werden. Hinzukommt die Frage wie man das Stromnetzt auf die zusätzlichen Beanspruchung vorbereiten könnte. Es hat bereits jetzt schwer mit dem Zappelstrom zu kämpfen.

    Unabhängig davon stimmte ich dem Grundtenor es Artikels zu: Die Anspruchshaltung, dass alles so bleiben könnte wie es ist, führt zu einer Inflexibilität, die vielen auf die Füße fallen könnte. Insbesondere wenn der Staat versucht diesen Ansprüchen durch Regulierungen entgegenzukommen.

  2. Finanzmixerin

    Das sehe ich in meinem Job auch kommen…

    Sehr lange wird das sicher nicht dauern, vielleicht 15 Jahre. Dann habe ich hoffentlich ein gutes Polster.

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