getmad wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist

Ehrlich. Kapitalismus ist ätzend. Das Streben nach Gewinn. Die Akkumulation von möglichst viel Eigentum. Die Aufforderung zum unbegrenzten Konsum. Die rücksichtslose Ausbeutung von natürlichen Ressourcen und Menschen. Profit über alles. Flora, Fauna, Mensch .. egal solange der Rubel rollt.

Wenn der Rubel nicht mehr rollt müssen halt ein paar über die Klinge springen. Du bist den Druck der Leistungsgesellschaft ausgesetzt .. wenn du nicht mehr „performst“ findet sich schon ein anderer der sich an deiner Stelle versklaven lässt.

Pech für dich. Wenn du Glück hast bekommste zwei Jahre Arbeitslosengeld. Aber auch nur in Deutschland.

Rücksicht kommt allenfalls vom Staat (das sind übrigens wir) .. aber auch nur in wenigen Ländern. Schonmal in den USA ohne Job an Krebs erkrankt? Dann wars das wohl. Doof für dich .. echt sorry Mann. Oder du findest 200.000 USD auf der Straße um dir die Therapie leisten zu können.

Wenn ich drüber nachdenke fallen mir allenfalls 10-20 Länder ein welche ein ähnliches soziales Sicherungssystem haben wie wir (KV, AV, PV usw.) und das von 193 Staaten die aktuell existieren. Bedeutet schlicht und einfach wir haben ein scheiß Glück, daß wir in der Schweiz, Österreich oder Deutschland geboren sind. Wenn mir morgen mein Hirntumor aufs Sprachzentrum drückt und anfange zu sprechen wie ein Poggenburg oder Höcke kann ich mich zumindest fast „kostenlos“ behandeln lassen.

Kostenlos ist natürlich relativ. Wir sind 80+ Millionen Deutsche Einwohner und haben ein soziales Netz wo wir für einander einstehen. Das bezahlt jeder Arbeitnehmer (Ausländer und Deutscher) mit seinen Abzügen vom Bruttogehalt und das ist gut so.

Die wenigsten Staaten besitzen sowas in der Art. Und wenn sie es haben: In oft sehr rudimentären Ansätzen. Deutschland schützt Menschen die der Kapitalismus verheizt hat bzw. die welche in diesem System nicht die Leistung bringen können die erwartet wird.

Klar ich kann mich auch in anderen Staaten „sozial“ versichern. Allerdings in der Regel privat. Eine private Versicherung ist aber an einen Job gebunden und ist der weg, war es das.

Ich hab noch die Bilder im Kopf als 2007/2008 tausende US Amerikaner von ihren schicken, kleinen, hypotheken belasteten Häusern in ihre geleasten Autos umgezogen sind. Ganze Hausstände wurden auf dem Dach transportiert.

Ich hab keinen Bock auf US Zustände und ich finde Deutschland geil. Ich bin dankbar deutscher Staatsbürger zu sein, einen deutschen Pass zu haben, selbst wenn ich alles gegen die Wand fahre bekomme ich hier eine Grundsicherung und muss keine Angst haben an einer heilbaren Krankheit zu sterben nur weil ich mit die Kosten nicht leisten kann.

So nachdem du nun klar gestellt hast was du an dem System scheiße findest .. darf man dann (wenigstens) Fragen warum du dann Kapitalist bist?

Klar .. darf man.

Der Star Trek Replikator und der Holo Doc aus Voyager wurden noch nicht erfunden. Außerdem kann ich (kleiner Furz) das System nicht ändern. Ich war und bin lange genug Rebell (meine Familie sagt Anti) um zu wissen wann ich auf verlorenen Posten kämpfe.

Scheinbar bin ich aber clever genug um mich, schön adaptiv, an das gegebene Wirtschaftssystem anzupassen und zu versuchen die Vorteile die es bietet für mich zu nutzen. In wie weit da meine Moralvorstellungen ins Gras beißen muss ich mit mir selbst ausmachen.

Wird aber trotzdem Zeit das irgendwer so nen Replikator erfindet!

Kommentare:


  1. denkfabrik

    Word. Schöner Beitrag, gefällt mir!

    Lg
    Johannes

  2. Robert Michel

    Kapitalismus ist super! Wann wurden Mensch und Natur weniger ausgebeutet als im modernen Kapitalismus? Da muss man schon bis in die Jungsteinzeit zurückgehen. Die Tyrannis in der Antike war härter, die Leibeigenschaft im Mittelalter was härter und vom Kommunismus brauchen wir gar nicht anfangen zu reden. Ausbeutung war eine Grundkonstante der Menschlichen Existenz und es ist der Kapitalismus durch den es einen Anfang gibt, das zu ändern.

  3. Robert Michel

    *Die Sklaverei in der Antike

  4. mad

    Jetzt denke ich schon ne Weile drauf herum lieber Robert .. aber bis dato noch ohne Fazit.

  5. Rosa

    Ob die Überwindung der Sklaverei und Feudalherrschaft ursächlich mit dem Kapitalismus zu tun hat ist noch zu beweisen. Wenn ich mich recht erinnere waren die afrikanischen Sklaven in der Neuen Welt erstmal Opfer des Kapitalismus. In einigen Teilen der heutigen Welt gibt es noch heute Sklaven, zum Teil als Auswirkung des heutigen Kapitalismus. Gerechtigkeit in Form von Bildungschancen, Zugang zu medizinischer Versorgung und Altersabsicherung wurden dem Kapitalismus immer mühsamst abgetrotzt.

    Natürlich geht es den Menschen, in einem entwickelten Industrieland materiell besser als in der Antike oder im Mittelalter. Auf allen gesellschaftlichen Ebenen. Vielleicht schafft der Kapitalismus den gesellschaftlichen Wohlstand um die Segnungen eines Sozialsystems erst zu implementieren. Das dies aber nicht automatisch durch Kapitalismus geschieht dafür ist die USA das beste Beispiel.

  6. Gregor

    Ich gehe davon aus, das hier läuft unter „Satire“.
    Übrigens in die Krankenkasse und generell ins Sozialsystem zahlen nicht nur „Deutsche“ ein, sondern alle Ausländer, die in Deutschland berufstätig sind (ob angestellt oder selbstständig)… dies nur am Rande…
    Was ist denn mit „Pursuit of Happiness“ und Freiheit des Individuums… im Sozialismus, Kommunismus, Feudalismus gab es davon ja nicht viel…

  7. mad

    Danke Gregor .. das mit dem Sozialsystem habe ich korrigiert ..

    Ich weiß noch nicht ob es Satire ist .. und Glück .. ist das nicht nur ein temporärer Zustand an dem man sich gewöhnt. Ich kennen viele Menschen in Deutschland die eigentlich „alles“ haben .. aber wirklich zufriedene Menschen (und vielleicht auch glückliche) habe ich oft nur in sehr armen Ländern getroffen (Mali, Gambia, Senegal usw.)

  8. maddog

    Ja, die glücklichen „armen“ Menschen. Die kenne ich auch, aus Afrika, aus Asien, aus Südamerika.
    Nur, sind die nicht glücklich. Die sind nur glücklich wenn sie die nächste Kokapflanze zu kauen haben, oder wenn der Ehemann sie nicht besoffen am Vorabend verprügelt hat und sie heute noch alle Zähne im Mund haben, oder eben dieser Ehemann seinen Schnaps bekommt.
    Und die Umwelt scheint auch nicht intakter zu sein, als bei den Kapitalisten. Die von Sozis so verhaßten US-Amerikaner, das Land mit den schönsten und größten Nationalparks. Das Land mit den meisten geheilten Krebspatienten.
    Das deutsche Gesundheitssystem hält nur derjenige für „gesund“ oder gut, der nur am Rande damit zu tun hat. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, das es korrupter ist jeder Waffendeal mit einem 3-Welt-Land!

  9. Matthias

    @maddog

    aber in den USA bist du nur gesund wenn du es dir auch leisten kannst .. auch habe ich in keinem „westlichen“ Land so viele Obdachlose gesehen

  10. Gregor

    @mad
    Ja, das mit Glücklich sein vs. „Meckern“ in Wohlstand sehe ich auch so. Ich finde, dass was in westeuropäischen Ländern unter dem Begriff „Armut“ läuft, ist eine Verhöhnung der Armut, insbesondere in Westeuropa. Wenn man wirklich überlegt, dass es Regionen in der Welt gibt, wo die Leute nicht mal Zugriff zum sauberen Wasser oder allg. Schulbildung/medizinischer Versorgung haben. Und dann schauen wir uns an, was für Probleme wir haben und wen wir überhaupt „arm“ nennen…

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