getmad erst kommt das fressen, dann die moral
31. August 2017

Konsumstreik?

Mein Handy mag nicht mehr so richtig laden. Wenn ich den Mini USB Stecker einstöpsle muss ich schon arg rumwackeln das sich etwas tut. Heute habe ich mich dann nach einem neuen Gerät umgesehen. Nur leider habe ich scheinbar keine Lust eins zu kaufen.

Früher war ich ein Apple Jünger der am liebsten in Ralph Lauren Hemden durch die Gegend gelaufen ist. Es gab sicher Jahre in welchen in ein paar tausend Euro in Klamotten, Schuhe etc. mit schicken Labels investiert habe. In Fahrräder und Fahrradteile habe ich grob überschlagen auch schon 30K angelegt.

Wie gut das Amazon alle Bestellungen archiviert und man diese nach Jahren noch sehen kann. Ich hab wirklich jeden Scheiß gekauft. Dutzende DVDs, CDs, Bücher, Möbel und Kleinmöbel .. ich hab die Kohle halt rausgehauen .. notwendig war vieles davon nicht.

Das ist fast 15 Jahre her ..

Außer einige Fahrräder (meine Achilles Ferse) besitze ich nichts mehr davon. Die DVDs und CDs habe ich sogar verschenkt. Meinen Apple Laptop zahlt mein Arbeitgeber und mein letztes Bike ist ein Firmenfahrrad (siehe Firmenwagen). Das hat hat ein 3500 Euro Preisschild und kostet mich netto 35 Euro im Monat.

Ich lebe grob überschlagen von 10.000 Euro im Jahr, konstant die letzten 10 Jahre und .. ich vermisse nichts, also nichts was man sich für Geld kaufen kann.

In der Zeit entwickelt man ganz unbewusst Gewohnheiten die auf andere Menschen manchmal befremdlich wirken.

Ich zähle mal ein paar davon auf:

  • ich kaufe nur Lebensmittel die ich die nächsten Tage brauche, ich kaufe nie auf Vorrat
  • ich kann micht nicht erinnern wann ich das letzte Mal Lebensmittel weggeworfen habe
  • ich plündere des öfteren den Gemüsegarten meiner Eltern
  • wenn ich keinen Sport mache dusche ich nur alle 3 Tage
  • ich hab noch nie ein DEO benutzt und zum duschen nehm ich Kernseife
  • ich hab 5 Hosen, 5 Hoddies und 15 T-Shirts welche ich regelmäßig trage
  • je 4 Hosen, 4 Hoodies und 5 T-Shirts sind das identische Model
  • meine Winterjacke hat 70 Euro gekostet und ist aus Armeebeständen
  • ich hab 5 Paar Schuhe und 3 paar davon hatte ich seit Jahren nicht an
  • neue Dinge kaufe ich nur wenn alte völlig kaputt sind
  • ich horte nichts und versuche eigentlich dauern was loszuwerden
  • ich habe keine emotionale Bindung zu Gegenständen

Wirkt vielleicht etwas creepy, aber ja, ich hab durchaus soziale Kontakte und Freunde. Es gibt aber sehr wenig Menschen bei welchen es mir wichtig ist was sie über mich denken, viel wichtiger ist aber das mir das so leicht fällt, daß ich heute zum ersten mal seit langem wieder drüber nachgedacht habe.

Ich bin sicher kein Gutmensch der die Welt retten will, der kleine ökologische Fußabdruck kommt von ganz alleine. Ich tue das auch nicht damit ich möglichst viel Geld sparen kann, das ist auch nur ein Nebeneffekt.

Warum tue ich das also?

Ich habe einfach keine große Lust mir über Alltäglichkeiten Gedanken zu machen. Wenn alle Hosen, Shirts und Hoddies gleich sind stellt sich nicht die Frage was ich anziehe. Wenn ich keine Lebensmittel auf Vorrat kaufe, muß ich nicht daran denken was alles noch „im Haus“ ist. Wenn ich mich nicht mit anderen Menschen vergleiche komme ich gar nicht auf die Idee, daß ich das neue Ding XYZ brauchen könnte.

Und das Handy?

Ist ja noch nicht komplett kaputt .. und wenn es soweit sein sollte bestelle ich in Asien wieder einen Xiaomi Chinaböller für 120 Euro.

Kommentare:


  1. Ex-Studentin

    Erkenne mich erstaunlicherweise in vielen Punkten wieder. Bei deinen Ausgaben der letzten 10 Jahre bin ich jedoch verwundert: Liegen diese bei dir nicht bei 1150€ im Monat? Oder hat das verstrichene Jahr so viel am Durchschnitt geändert?

    Wegen des Konsums: Ich bin mir nicht mehr sicher, wieso ich so sparsam lebe. Anfangs dachte ich auch, ich mache das aus finanziellen Gründen. Mittlerweile sehe ich es aus ökologischer Sicht und letztlich denke ich mir „Ich brauche den Kram einfach nicht.“, weil Krempel einen nur behindert. Es produziert Streit, sorgt bei Umzügen für Bandscheibenvorfälle und macht dich kein Stück glücklicher.

    Fahrräder wird es ggf. auch bald bei meinem Arbeitgeber geben. Sofern ich mir kein E-Bike anlache, kommen mich meine 2 privat genutzten Fahrräder günstiger.

    Lediglich bei Elektronikgeräten gebe ich etwa alle 3-4 Jahre Geld für ein neues Laptop / Handy aus. Gute Handys gibt es für unter 300€ bzw. sogar für noch weniger. Da ich keine Spiele darauf spiele, habe ich keine hohen Anforderungen. Lediglich die Kamera sollte gut sein, da ich alle Fotos mit dem Handy mache. Dabei nutze ich amazon zum Vergleich & Kauf dann ganz gerne, weil man die Sachen bei Bedarf problemlos reklamieren kann.

    Liebe Grüße
    Jenny

  2. mad

    Hi Jenny,

    ich glaube je nach Tagesform rechne ich da mal so und mal so 🙂 Also die theoretische Krankenversicherung die ich bräuchte wenn ich nicht mehr arbeite habe ich auf jeden Fall weggelassen.

    Elektronikgeräte .. ja das ist so ein Ding .. früher hatte ich ein teures NAS (verschenkt), noch nen iMac (verkauft), ein iPad (verkauft), ein Garmin GPS (verkauft) und noch zig weitere Sachen ..

    Heute stehen hier noch ein Linux Laptop (den ich eigentlich nicht brauche) und ein Alienware Laptop auf dem ich super selten mal was zocke.

    Handys bestelle ich nur noch in China .. das aktuelle ist ein Xiaomi für 120 Euro, davor ein OnePlus X (welches ich zum Kaufpreis verkauft hab) und davor ein Oppo welches ich an meine Eltern abgetreten habe.

    Viele Grüße,
    Matthias

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