getmad reich wird man erst durch dinge, die man nicht begehrt
9. Dezember 2019

Stick To The Plan

Ich habe einen Leserbrief erhalten .. whoop whoop.

Und zwar von Leser H. .. er hat mich gefragt ob ich mein Google Spread (in welches ich die Werte in meinem Depot eintrage) zur Verfügung stellen würde. Das hab ich ihm dann gesendet und wir hatten einen kurzen Mail Austausch.

Hier ein Zitat aus seiner Mail:

Irgendwie mache ich auch immer was falsch, ich bin schon seit zehn Jahren an der Börse tätig und schaffe es meistens nie mehr so als 5 – 6% Rendite zu erwirtschaften. Das liegt natürlich auch daran, dass ich oft wieder raus und rein bin, gekauft und verkauft.

Leser H. hat dann u.a. ein kostenpflichtiges Tool / Börsenbrief abonniert allerdings war er auch hier eher unzufrieden, da er die Kaufphasen nie erwischt hat. Unterm Strich war das für rausgeschmissenes Geld, da er seine Rendite damit nicht steigern konnte.

So und nun antwortet der Matthias*

*seines Zeichens fehlermachender Vollamateur der sich lieber die Zunge abbeisst als Menschen Aktientipps zu geben.

Lieber H.

ich finde 5-6% Rendite erst mal gar nicht so schlecht. Es bedeutet immerhin, dass du dein Geld vermehrst.

Was ich Dir sagen kann ist folgendes:

  • hab einen Plan und lass dich nicht von Emotionen leiten sondern nur von Fakten
  • ignoriere das Grundrauschen (Foren, Facebook, Aktiengurus, Endzeitapostel)
  • fokussiere dich auf das was es ankommt, die Firma von der du Aktien kaufen willst
  • ignoriere Nebenschauplätze: was ist der richtige Broker?, stimmt meine Assett Allokation?, spare ich auch genug bei den Ordergebühren?
  • kaufe nur Aktien die du eigentlich gar nicht mehr verkaufen willst, selbst wenn sie 300% im Plus stehen
  • verkaufe nur Aktien wenn sich die Fakten, die deiner ursprünglichen Kaufentscheidung zugrunde lagen, maßgeblich ändern
  • kaufe billig, kaufe Firmen mit nem Burggraben, die ordentlich Marge machen, gering verschuldet sind und entweder ein quasi Monopol haben oder immer noch wachsen
  • kaufe Firmen die Produkte herstellen welche Menschen auch kaufen wenn sie sparen müssen, kaufe starke Brands
  • auch wenn alle immer von Buffett, Soros usw. quatschen .. die spielen Champions League und wir Kreisklasse C, wir sind Kaulquappen in nem Meer aus Haifischen, verhalten wir uns dementsprechend
  • hab ein Ziel und hinterfrage alle Entscheidungen ob sie dich deinem Ziel näher bringen

So genug abstraktes Gelaber .. für mich bedeutet das folgendes:

  • alle Aktien die ich habe will ich nie mehr verkaufen
  • ich will eigentlich nur unterbewertete Firmen kaufen, deren Gewinne und Dividenden in den nächsten Jahren weiter steigen
  • ich kaufe keine Rüstungsfirmen, Landminen sind uncool .. fahr nach Kambodscha und schaus dir an
  • ich mache nach wie vor Fehler, wenn ich diese erkenne versuche ich sie zu korrigieren
  • ich kaufe gerne starke Brands
  • wenn ich das Geschäftsmodell nicht in einem Satz erklären kann lass ich die Finger davon
  • wachsende Renditen (oder Dividenden) sind cooler als hohe Dividenden die stagnieren

H. hat mich noch nach „Aktientipps“ gefragt. Ich gebe keine. Ich zeige gerne meine Watchlist der letzten 6 Monate, ohne weitere Begründung:

  • Delta Air Lines
  • KeyCorp
  • Starbucks
  • Altria
  • Invesco
  • Kroger
  • Omnicom
  • Albemarle
  • UnitedHealth
  • Marathon Petroleum
  • Walgreens Boots
  • Wells Fargo
  • WestRock
  • Enbridge
  • Eastman Chemical
  • Iron Mountain

Einige davon sind mittlerweile in meinem Depot oder schon lange drin.

Das war mein Senf .. jeder ist eingeladen seine Meinung kund zu tun.

Kommentare:


  1. Paavo

    Ich sag nur SHOPIFY und ADOBE (-:

  2. Paul

    Sehr schöner Artikel. Und Erfolg hast du ja damit, wie man sieht. Wie kommst du auf die Firmen in der Watchlist? Besten Dank und viel Grüße Paul

  3. ArtVandelay

    Sieht sehr nach Jason Fieber aus, sowohl die Watchlist als auch die angewandten Kriterien. Das ist nicht als Vorwurf oder Abwerten der Herangehensweise zu verstehen.

  4. mad

    @Paul und ArtVandelay

    korrekt .. MrFree@33 (Jason Fieber) nehme ich als Quelle und den Aktienfinder

  5. Fuseboroto

    Super Liste, würde ich direkt genauso unterschreiben. Ich finde auch, dass 5 – 6% Rendite nicht schlecht sind. Das Problem ist denke auch, dass man immer mehr will. Sicherlich nicht schlecht, wenn man z.B. Unternehmer ist und das auch ein Stück weit selbst durch seine eigene Arbeit erreichen kann. Am Aktienmarkt ists eher schwierig.

    Gruß
    Fuseboroto

  6. Hans

    @Fuseboroto: Am Aktienmarkt ist es nicht so schwierig. Man muss nur zwei Faktoren beachten: Zeit und die richtigen Aktien auswählen. Durch das jährliche Dividendenwachstum wird die persönliche Dividendenrendite irgendwann im zweistelligen und irgendwann sogar auf das Anfangsinvestment im dreistelligen Bereich sein.

  7. Kuma

    Ein bisschen muss ich ja immer schmunzeln, wenn Freunde der „Dividendenstrategie“ ihre favorisierten Aktienideen vorstellen.
    Da ist es dann aber konsequent, dass man 5-6 % als Rendite gar nicht so schlecht findet. Das ist unter dem Marktdurchschnitt und in diesem Jahr, wo eine ETF-Anlage in den MSCI ACWI inklusive Ausschüttungen an der 30%-Renditemarke nagt, sind 5% ziemlich schlecht. Mich würde das dazu anregen, mal etwas ehrlicher zu mir selbst zu sein und ich würde mich fragen, warum ich Stockpicking betreibe. Oder anders gesagt: Warum erhöhe ich mein Risiko aufgrund schlechterer Diversifikation für ein schlechteres Renditeergebnis? Sollte nicht Ziel allen Stockpickings sein, dass man das durchschnittliche Marktergebnis schlägt? Wenn ich es nicht schaffe, warum nehme ich dann nicht lieber die diesjährigen 30%?
    Von Deiner Watchlist haben über einen Zeitraum der letzten 5 Jahre gerade einmal 2 Werte den S&P500 Total Return geschlagen. Nicht wenige der oben genannten Aktien haben eine negative Rendite eingefahren und man hätte Geld verloren. Es gibt auch keine Veranlassung zu glauben, dass demnächst diese Aktien den Markt outperformen werden.
    Wieso sollte ich mir ein Unternehmen kaufen, was nur 5% ROCE und 1% ROA schafft (IVZ)? Das war nie ein Überflieger und wird auch keiner. Jedenfalls nicht nach heutigen Fundamentaldaten und der Leistung in der Vergangenheit.
    So bewirkt die verführerisch hohe Dividendenrendite immer wieder, dass man sich notorische Unterperformer ins Depot holt. Naja, ist ja nicht verboten.
    Ich komme dann zu der nüchternen Erkenntnis, dass in dem Falle Deiner Watchlist UNH und SBUX schon einmal etwas geleistet haben und diesen Standard mit höherer Wahrscheinlichkeit halten, als dass ein Negativperformer plötzlicher Überflieger wird.
    Mein Tipp wäre dann: Wer billig kauft, kauft doppelt.
    Oder: Wenn ich den Markt nicht schlagen kann, sollte ich lieber den Markt kaufen.
    Die schöne Kombination aus Wachstum für einen günstigen Preis strebe ich prinzipiell bei der Aktienauswahl auch an. Manchmal funktioniert das. Bei UNH gab es jetzt so ein Kauffenster. Glückwunsch an die, die da zugeschlagen haben. Ansonsten einfach qualitativ gute Firmen kaufen und Geduld haben.
    Auf die Dividendenrendite habe ich bei der Aktienauswahl noch nie geschaut.

  8. Matthias

    @Kuma

    deine Aussage und Argumentation passen für mich .. und ich lege persönlich keinem eine Dividenden Strategie nahe sondern empfehle den meisten Menschen einen ETF Sparplan auf den MSCI World ..

    Ich weiß auch nicht ob meine Strategie den Markt schlägt (dieses Jahr habe ich zumindest nicht schlechter performt)

    Zur Aufklärung … die meisten der Firmen in meiner Watchlist stehen erst seit kurzer Zeit (< 6 Monate darauf) .. die historische Performance sehe ich mir nur am Rande an

    Ich kaufe gerne Firmen die es schaffen über lange Zeit (historisch) ihre Dividende jedes Jahr zu steigern .. da werden auch ein paar dabei sein die das nicht hinbekommen.

    Die Dividendenrendite ist dabei zweitrangig ..

    Und warum "Dividenden" … ich mag den Cashflow .. bei mir hat das einen stärkeren (psychischen) Hebel als Buchgewinne … und ich möchte nicht verkaufen oder entsparen müssen .. da ich keine ETF Strategie verfolge sondern Einzelaktien kaufe ist das im Grunde ebenso riskant wie das von dir genannte Stockpicking beim Kauf…

    Also Disclaimer … ich bin kein Experte, werde höchstwahrscheinlich selten bis nie den Markt schlagen .. ich lege so an wie ich mich gut fühle und dokumentiere das ab und zu 😉

  9. Kuma

    Hallo Matthias,
    so kritisch war mein Beitrag gar nicht gemeint. Du betreibst hier ein sympathisches Understatement und erweckst ja bewusst gar nicht den Anschein, als ob du der marktschlagende Experte bist. Ich bin das auch nicht. Gut ist, wenn man überhaupt eine Strategie hat und noch besser, wenn diese erfolgreich ist. Wenn nicht, kann man einfach ETFs kaufen.
    Beste Grüße!

  10. Peter

    @Kuma
    Sehr richtig, was Du schreibst. Aber auch zum ETF-Kauf sollte man eine Strategie haben. Ist ja nur ein alternatives Vehikel zum Direktinvestment. Ich brauche trotzdem einen Plan, wieviel Risiko ich eingehen möchte, was mein Renditeziel ist, wie ich im Fall eines deutlichen Kursrückgangs handele etc etc.

  11. Kuma

    @Peter
    Ja, das stimmt soweit, aber jeder der stur an einer unterperformenden Dividendenaktie festhält, weil er sich einfach nur über 5% Dividenden freut, sollte auch in der Lage sein, einen ETF dauerhaft zu halten. Den kann man ja auch ausschüttend wählen und sich über die Zeit eine erstaunliche Ausschüttungsquote erarbeiten.
    Es ging mir aber gar nicht darum ETFs zu promoten, sondern auf die Fallstricke einer üblichen Dividendenstrategie hinzuweisen.
    Wenn alle Dividendenjäger die Firma Roper (auch ein Dividendenaristokrat) kaufen würden, müsste man ja nichts sagen, aber komischerweise haben alle Royal Dutch Shell im Depot und freuen sich diebisch über die hohe Dividendenrendite.
    $1000 im Jahre 2006 in ROP investiert haben sich bis heute knapp verzehnfacht. RDS hat den Betrag nicht einmal verdoppelt (natürlich alles inklusive Dividenden betrachtet). Auch der maximale Drawdown war bei Roper geringer. Trotzdem lockt scheinbar immer nur die Dividendenrendite und nicht die Gesamtrendite.
    Du sagst man sollte ein Renditeziel haben. Das ist doch aber klar definiert, wenn man in einen marktbreiten Index anlegt. Dann will man die Rendite des Gesamtmarkts.
    Das ist dann eine höhere Rendite als die der allermeisten Dividendenjäger. Die scheinen sich ja ein kleineres Ziel als die Marktrendite zu setzen und das auch noch bei größerem Risiko.
    Für mich ist auch die Grundidee des Investierens, dass man sein Geld an jemanden weitergibt, der damit arbeiten kann und eine nette Rendite erwirtschaftet. Das er mir häppchenweise Geld zurückgibt, von dem sich auch der Staat noch etwas wegschneidet, erscheint mir unlogisch.
    Christian Thiel hat das Thema mal heiß diskutiert und es artet immer in einen Glaubenskrieg aus.
    https://grossmutters-sparstrumpf.de/dividendenaktien-sind-mist/
    Da ist ja eigentlich alles gesagt. Ich mag das Thema gar nicht aufrollen.

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