getmad fall in love, with a weird one, cause life is far more interesting when love is odd
19. April 2018

The Most Beautiful Black

Als ich klein war (also im letzten Jahrtausend) hatten wir drei Fernsehsender. Da kam bis Nachmittags Videotext für alle. Wir hatten eine Zeitung und Montags hat mein Vater den Spiegel gekauft. Wenn irgendwas in der Welt passiert ist hat man es Abends in der Tagesschau mitbekommen. Gut man hätte noch Radio hören können aber das fand ich schon damals zu banal.

Das war eine gute Zeit.

Dann kamen die Privatsender, das Fernsehprogramm wurde ausgedehnt. Videotext für alle war Geschichte und zu jeder vollen Stunde kam in der ARD die Tagesschau. Es wurden Morgenmagazine, Mittagsmagazine und Nachrichtensender erfunden. Abends kam immer noch die Tagesschau, dann das heute Journal oder die Tagesthemen und irgendwann dann auch das Nachtmagazin. Politische Talkshows, investigative Nachrichtenmagazine usw. .. jeder Sender wollte sie haben. Heute gibt es Dutzende.

Das war nur eine gute Zeit wenn man hart weggezappt hat.

Dann kam das Internet. Jede Zeitung und jedes Magazin hat ne Website gebaut und Nachrichten veröffentlicht. Für Privatpersonen war es noch nicht so einfach. Blogs gab es nicht wirklich und man musste wissen wie man ne Website erstellt wenn man etwas veröffentlichen wollte.

Das war nur eine gute Zeit wenn man hart weggezappt hat und kein Internet hatte.

Dann kam das Web 2.0 (scheiß Name) .. jeder konnte nun bloggen und seinen Senf im Web veröffentlichen. Die Technik dahinter musste man nicht mehr beherrschen. Man musste nur den Willen zum Schreiben haben. Ob man gelesen wurde war da mehr oder weniger Zufall. Damals dachte ich, cool, jetzt kann jeder „senden“ und das Nachrichten Monopol liegt nicht mehr bei einigen wenigen .. denkste.

Da ahnte ich noch nicht mal wo das hin führt.

Dann kamen die sozialen Medien, Twitter, Facebook, YouTube und die Schleusen öffneten sich. Nun konnte jeder, der halbwegs nen Rechner bedienen kann, seine Inhalte ins Netz raushauen. Und spätestens seit dem Erfolg von Facebook passiert das auf breiter Basis. Ungefiltert, unredigiert, falsch, richtig, beleidigend, lustig .. jeder ist Sender. Manche nennen sich Influencer.. Propaganda, Werbung, Meinung etc. prasseln ungefiltert auf uns ein und wir konsumieren (und glauben) wie ein Junkie auf kaltem Entzug. Für normale Menschen ist nicht mehr zu unterscheiden was wirklich Relevanz hat und was nicht.

Das ist die schöne neue Welt

Jede Verschörungtheorie fällt bei irgendwem auf fruchtbaren Boden, Fakten zählen nicht mehr, wir werden nicht erst seit Cambridge Analytica manipuliert. Wir sollen Meinungen entwickeln die irgend einer politischen Fraktion, einem Land, einer Firma, einer Agenda oder auch nur einer Privatperson dienen. Wer nicht in der Lage ist Bullshit von Wahrheit zu unterscheiden wird so lange im Kreis gedreht bis er gar nicht mehr weiß was richtig oder falsch ist.

Vor Jahren habe ich täglich dutzende Male irgendwelche Newsseiten im Netz aufgerufen .. um auf dem „laufenden“ zu bleiben .. habe ich mir eingeredet. Ich habe Zeitung gelesen und den Spiegel von vorne bis hinten inhaliert. Ich hatte zig Seiten in meinem Feedreader abonniert und habe einen Großteil meiner Zeit damit verschwendet Dinge zu lesen die 48 Stunden später völlig belanglos sind.

Ich habe aufgehört das zu tun.

Vor zwei Jahren war ich das letzte mal auf Spiegel Online, Zeit Online oder Website der SZ. Bei meine Eltern lese ich in der Tageszeitung alle zwei Wochen mal den Lokalteil. Nachrichten im Fernsehen schauen? Ich habe keinen Fernseher mehr. Radio höre ich immer noch nicht und auf FB habe ich alles geblockt was nur im entferntesten „dubios“ daher kam. Ich lebe in einem beruhigenden News Black Out.

Naja fast.

Einmal am Tag rufe ich die Startseite der Wikipedia auf. Was dort unter In den Nachrichten steht klicke ich eventuell an. Vorteil: Reine Fakten ohne einen roten oder brauen Anstrich, ohne Agenda ohne Meinungsmache. Und ich habe nicht das Gefühl das ich was verpasse.

Bei vielen Blogs halte ich es ähnlich (sorry liebe Kollegen) .. ich scanne ggf. 1-2 mal in der Woche über Finanzblognews bzw. Finanzblogroll und wenn es ne interessante Überschrift gibt klicke ich den Link an. Ich frage mich beim lesen ob mich der Artikel irgendwie weiter bringt und wenn ich das verneine bin ich auch schon wieder weg.

Ich mache schon fast eine Kunst daraus das Grundrauschen im Äther auszublenden und das mit Relevanz für mich zu selektieren.

Ein Meister bin ich da noch nicht .. aber es wird 😉

Kommentare:


  1. Covacoro

    Pingback: https://www.covacoro.de/2018/04/27/r%C3%BCckspiegel-04-18/
    und Gratulation zum gelungenen Artikel!

  2. Finanzmixerin

    Ich mache auch größtenteils eine News-Diät.

    Das meiste bekommt man sowieso von Jemandem erzählt.

    Und dann kann man das Thema auch mal kurz googeln und man ist wieder up to date.

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