Und das in nur drei Wochen.
Seit Ende Februar hat auch mein Depot Federn gelassen. Overall sind 60.000 Euro Buchgewinne im Persischen Golf versunken.
Das ist für die meisten Menschen mehr als ein Jahresgehalt und ich bin mir dessen auch bewusst. Im Bezug auf meinen Depotwert sind es aber nur knapp 4%.
Auch wenn ich nun schon seit ein paar Jahren mit großen Zahlen um mich werfe (zumindest im Depot) komme ich immer noch nicht so ganz drauf klar.
Bei einer Sparrate von 500 Euro im Monat musst du 10 Jahre das Sparschwein füttern bis du diese Summe zusammen hättest.
Die Realität kollidiert hier komplett mit meiner Prägung.
Für mich war oder ist Geld = Zeit (oder zumindest Disziplin).
Du arbeitest und tauschst deine Zeit gegen ein Gehalt ein.
Um 60.000 Euro (netto) zu verdienen brauchst du im deutschsprachigen Raum nen richtig guten Job und du arbeitest dafür an 220 Tagen im Jahr. Das sind dann 1800 Stunden die du bringst oder 75 volle Tage.
In meinem Depot ist das halt „einfach so eine Schwankung“ .. das Ereignis als solches stört mich nicht. Märkte schwanken immer und die relative Schwankung in Prozent ist gering.
Und ja .. die Schwankungen gabs schon immer, sowohl nach oben als auch nach unten.
Die absolute Zahl die dahinter steht finde ich jedes mal surreal. Irgendwie rechne ich immer noch im Kopf durch: Wie lange müsste man dafür arbeiten?
Was mir dann klar wird:
Die Performance meines Depots stellt meine theoretische Arbeitskraft schon lange in den Schatten.
Wenn ich davon ausgehe, dass das Depot über einen langen Zeitraum jedes Jahr 6-7% wächst sind das knapp 100.000 Euro Kapitalgewinne pro Jahr. Und ihr wisst wie viel man arbeiten muss um 100.000 Euro im Jahr zu verdienen.
Dann kommt noch die Komponente „nichts tun“ dazu.
Ich tue für das Depot rein gar nichts. Es gibt keinen Trigger, keine Aktion die ich in der Hand hätte um diese Volatilität zu erzeugen (wenn wir davon ausgehen das ich weder Aktien kaufe noch verkaufe).
Bei ner Arbeit tust du wenigstens was und wirst dafür „belohnt“.
Ich sitze halt hier rum, gucke ab und zu mal ins Depot und mal kommt ein Mittelklasse Wagen dazu und manchmal fehlt einer.
Vor vielen Jahren habe ich mir mal einen (aus meiner Sicht) sehr teuren Fahrradrahmen gekauft. Der hat 700 Euro gekostet und ich habe ihn beim Händler bestellt. Die Lieferung hat fast vier Wochen gedauert und innerhalb der vier Wochen hatte ich durch die Bank ein schlechtes Gewissen und einmal war ich kurz davor dem Händler anzurufen um die Bestellung zu stornieren.
Das war damals (und ist es heute auch) viel Geld für mich und in dieser Zeit hatte ich vielleicht 20.000 Euro auf der Hohen Kante.
Heute sind 700 Euro (aus Depotsicht) eher ein Rundungsfehler über den ich schon lange nicht mehr nachdenke.
700 Euro im Geldbeutel verhalten sich aber bei mir komplett anders. 700 Euro ausgeben ist immer noch nicht einfach.
Vielen Grüße von der Kognitive Dissonanz des Zinseszinses
Du tust ja schon was… oder auch nicht… nämlich Nicht-Konsumieren. Kein Lambo, trotz konkreter Möglichkeit. Für diese ausgelassene Oppertunität eine Prämie gezahlt zu bekommen, ist fair. Dass dich exzessiver Konsum trotz vorhandenem Potential kalt lässt, ist eben dein „unfairer Vorteil“ – und stellt durchaus eine Leistung dar.
Buffet (ich glaube er war’s) hatte mal geschrieben, dass man bei größeren Depotbeträgen anfangen sollte nur mit Prozentangaben zu rechnen. Das würde das (Über)Leben bei negativen Börsenphasen einfacher machen. Klingt auch schon wesentlich besser für’s Gehirn, wenn der Depotschwund anstatt 60.000 nur 4% beträgt.
Naja, wohl eher die Dissonanz von Arbeits- und Kapitaleinkünften.
Heute auch wieder. Vor und nach der Toilettenpause mal eben drei Monatsgehälter „verdient“.
Und dabei ist mein Depot nur ein Fünftel von Deinem!
PS: Natürlich „in der Toilettenpause“.
Seitdem ich in den Aktienmarkt investiere, hat sich mein Blick auf Geld auch komplett geändert. Früher dachte ich auch „Geld = Zeit * Arbeitsleistung“. Heutzutage schwankt mein Depot auch schonmal um ein paar Monatsgehälter, aber man gewöhnt sich dran. Gehaltszahlungen und Arbeit verlieren dadurch immer mehr an wert, weil sie immer weniger den Lebensstandard beeinflussen. Die Prägung und das Gefühl für den Wert des Geldes gingen trotzdem nicht verloren: Manche Lebensmittel werden z.B. nur gekauft, wenn sie im Sonderangebot sind :-D.