Dividenden Blog

23. März 2026

60.000 Euro futsch

Und das in nur drei Wochen.

Seit Ende Februar hat auch mein Depot Federn gelassen. Overall sind 60.000 Euro Buchgewinne im Persischen Golf versunken.

Das ist für die meisten Menschen mehr als ein Jahresgehalt und ich bin mir dessen auch bewusst. Im Bezug auf meinen Depotwert sind es aber nur knapp 4%.

Auch wenn ich nun schon seit ein paar Jahren mit großen Zahlen um mich werfe (zumindest im Depot) komme ich immer noch nicht so ganz drauf klar.

Bei einer Sparrate von 500 Euro im Monat musst du 10 Jahre das Sparschwein füttern bis du diese Summe zusammen hättest.

Die Realität kollidiert hier komplett mit meiner Prägung.

Für mich war oder ist Geld = Zeit (oder zumindest Disziplin).

Du arbeitest und tauschst deine Zeit gegen ein Gehalt ein.

Um 60.000 Euro (netto) zu verdienen brauchst du im deutschsprachigen Raum nen richtig guten Job und du arbeitest dafür an 220 Tagen im Jahr. Das sind dann 1800 Stunden die du bringst oder 75 volle Tage.

In meinem Depot ist das halt „einfach so eine Schwankung“ .. das Ereignis als solches stört mich nicht. Märkte schwanken immer und die relative Schwankung in Prozent ist gering.

Und ja .. die Schwankungen gabs schon immer, sowohl nach oben als auch nach unten.

Die absolute Zahl die dahinter steht finde ich jedes mal surreal. Irgendwie rechne ich immer noch im Kopf durch: Wie lange müsste man dafür arbeiten?

Was mir dann klar wird:

Die Performance meines Depots stellt meine theoretische Arbeitskraft schon lange in den Schatten.

Wenn ich davon ausgehe, dass das Depot über einen langen Zeitraum jedes Jahr 6-7% wächst sind das knapp 100.000 Euro Kapitalgewinne pro Jahr. Und ihr wisst wie viel man arbeiten muss um 100.000 Euro im Jahr zu verdienen.

Dann kommt noch die Komponente „nichts tun“ dazu.

Ich tue für das Depot rein gar nichts. Es gibt keinen Trigger, keine Aktion die ich in der Hand hätte um diese Volatilität zu erzeugen (wenn wir davon ausgehen das ich weder Aktien kaufe noch verkaufe).

Bei ner Arbeit tust du wenigstens was und wirst dafür „belohnt“.

Ich sitze halt hier rum, gucke ab und zu mal ins Depot und mal kommt ein Mittelklasse Wagen dazu und manchmal fehlt einer.

Vor vielen Jahren habe ich mir mal einen (aus meiner Sicht) sehr teuren Fahrradrahmen gekauft. Der hat 700 Euro gekostet und ich habe ihn beim Händler bestellt. Die Lieferung hat fast vier Wochen gedauert und innerhalb der vier Wochen hatte ich durch die Bank ein schlechtes Gewissen und einmal war ich kurz davor dem Händler anzurufen um die Bestellung zu stornieren.

Das war damals (und ist es heute auch) viel Geld für mich und in dieser Zeit hatte ich vielleicht 20.000 Euro auf der Hohen Kante.

Heute sind 700 Euro (aus Depotsicht) eher ein Rundungsfehler über den ich schon lange nicht mehr nachdenke.

700 Euro im Geldbeutel verhalten sich aber bei mir komplett anders. 700 Euro ausgeben ist immer noch nicht einfach.

Vielen Grüße von der Kognitive Dissonanz des Zinseszinses

Kommentare:

  1. Int32

    Du tust ja schon was… oder auch nicht… nämlich Nicht-Konsumieren. Kein Lambo, trotz konkreter Möglichkeit. Für diese ausgelassene Oppertunität eine Prämie gezahlt zu bekommen, ist fair. Dass dich exzessiver Konsum trotz vorhandenem Potential kalt lässt, ist eben dein „unfairer Vorteil“ – und stellt durchaus eine Leistung dar.

  2. Bernd

    Buffet (ich glaube er war’s) hatte mal geschrieben, dass man bei größeren Depotbeträgen anfangen sollte nur mit Prozentangaben zu rechnen. Das würde das (Über)Leben bei negativen Börsenphasen einfacher machen. Klingt auch schon wesentlich besser für’s Gehirn, wenn der Depotschwund anstatt 60.000 nur 4% beträgt.

  3. Mannigfalter

    Naja, wohl eher die Dissonanz von Arbeits- und Kapitaleinkünften.

    Heute auch wieder. Vor und nach der Toilettenpause mal eben drei Monatsgehälter „verdient“.
    Und dabei ist mein Depot nur ein Fünftel von Deinem!

  4. Mannigfalter

    PS: Natürlich „in der Toilettenpause“.

  5. Christian

    Seitdem ich in den Aktienmarkt investiere, hat sich mein Blick auf Geld auch komplett geändert. Früher dachte ich auch „Geld = Zeit * Arbeitsleistung“. Heutzutage schwankt mein Depot auch schonmal um ein paar Monatsgehälter, aber man gewöhnt sich dran. Gehaltszahlungen und Arbeit verlieren dadurch immer mehr an wert, weil sie immer weniger den Lebensstandard beeinflussen. Die Prägung und das Gefühl für den Wert des Geldes gingen trotzdem nicht verloren: Manche Lebensmittel werden z.B. nur gekauft, wenn sie im Sonderangebot sind :-D.

  6. DerFinanznomade.de

    Kann das, was du schreibst, auch nachvollziehen.

    Mein Nettovermögen ging vom letzten All-Time-High um knapp 7 % runter.
    In Prozent alles gut, in absoluten Zahlen waren es dann doch 35k.

    Gedanklich muss man da echt weg von den absoluten, hin zu den Prozenten.

    Und was definitiv auch immer hilft: Sich auf die Einnahmen (Dividenden, Ausschüttungen, bei mir noch Optionsprämien) konzentrieren.
    Die schwanken wesentlich weniger, auch in Wirtschaftskrisen.

    Bin ja bekanntermaßen auch frugal geprägt, da rechnet man so eine Schwankung auch gerne in Jahre um, die man davon hätte leben können (35k sind bei mir ca. 2 Jahre dank niedriger Ausgaben).

    Schon irgendwie witzig, wenn man im Restaurant das Frühstücksangebot nimmt, um 2 € zu sparen, während das Depot um den Faktor 17.500 nach unten geht

    Liebe Grüße aus Bali,
    DerFinanznomade

  7. Mike

    Guten Morgen Mad,

    mein Nettovermögen ist auch um ca. 4% oder 10.000 Euro gesunken, aber in Doubt zoom out.. ich bin immer noch 15% im Plus ohne ausgeschüttete Dividenden.

    Für mich sind es 5 Punkte die mir helfen:

    1) Gewöhnungseffekt

    Ich komme selbst aus dem Bereich Rechnungswesen. Bei meinem Wechsel vom Steuerberater zu einem Mittelständler habe ich vor 30 Jahren auch Bauklötze gestaunt, als ich die erste Rechnung über 150.000 Euro gesehen habe.. keine paar Monate war das Normal. Gehaltsüberweisung am Ende des Monats mehr als 7 stellig, ist halt so.

    2) Aktien dienen als Cash Flow Lieferant

    Tatsächlich bin ich in der Null Prozent Zinsphase eingestiegen. Aktien sind für mich ein Cash Flow Lieferant. Deswegen habe ich manche auch nicht optimal ausgewählt wie BDC oder Reits. Aber das was ich möchte.. das Geld reinkommt erfüllen Sie momentan.

    3) Aktien sind nicht das einzige Standbein

    Neben einem Hauptjob und einer Immobile, ist der CashFlow aus Aktien ein 3tes Standbein. Ja die Prozentzahl wächst jedes Jahr und zwischenzeitlich decke ich 25% meiner monatlichen Einnahmen aus den beiden passiven Quellen.

    Solange ich weiß, das ich mit dem Gehalt mehr als gut leben könnte… bin ich da tiefenentspannt. Ich will aber auch nicht Milladär werden.

    4) Unterschätze niemals Gesundheit

    Dein Vermögen kann noch oben gehen wie es will.. wenn du nicht gesund bist.. oder dauerhaft gehandicapt (z.B. Schlaganfall) dann kannst du zusehen wie alles in sich zusammenbricht und wie kurz auch nur Millionen helfen.

    5) Geiz gegen sich selbst

    Ich für meinen Teil denke, der Geiz gegen sich selbst kommt auch aus sich selbst und kann viele Gründe haben. Nachahmen von Mustern der Eltern zum Beispiel die ein gutes Leben für das Kind wollten und deswegen gespart haben.. fehlende Selbstwertschätzung… da gibt es tausend Gründe..

    Mein ehemaliger Arbeitgeber war Multimillionär und zeit seines Lebens davon getrieben alles zu verlieren. Ich denke wenn Geld anfängt dich zu besitzen und dir nicht mehr dient.. dann wird es gefährlich.

  8. Silke

    In letzter Zeit gab es auch allerhand an bashing gegen Privatiers ala die tragen nichts bei. Aber wer trägt denn hier das unternehmerische Risiko? Wir können auch nichts dafür, wenn 80 % unserer Landsleute das für Zockerei halten. Uns gehören die Produktionsmittel (Karl Marx). Dafür werden wir in guten Zeiten bezahlt. Wenn die Zeiten schlecht sind, stehen wir mit der nackten Hand im Wind (Funny van Dannen). Da sei die Diversifikation vor!
    Ich finde jedenfalls nicht, dass wir nichts tun und nur rumsitzen.
    LG Silke

  9. Merowinger

    @Mike

    5. Geiz gegen sich selbst.

    Ich kann da aus meinen Gesprächen mit meiner Psychologin berichten. Ich sage selber über mich ich bin sparsam. Alle anderen sagen über mich: geizig.
    Beim „geiz/sparsamkeit“ geht es um Kontrolle. Angst vor verlust. das ist nicht per se schlecht, man sollte sich selber reflektieren: Fühle ich mich gerade schlecht bei dem was ich tue? (Beispiel: Ich möchte mir dieses leckere Rumpsteak für 28€ holen, mache es aber nicht weil ich keine 28€ ausgeben will) ich würde gerne, mache es aber nicht und esse lieber trocken brot aus Geiz = schlecht.
    Hole ich mir bei einem siebenstelligen Depot lieber einen Döner weil er mir schmeckt und er günstig ist und fühle mich gut dabei = gut.

  10. denkfabrik

    Bei mir ging es auch fünfstellig bergab. Es ist zwar ärgerlich, aber ich merke, dass ich (glücklicherweise) sehr stark langfristig ausgerichtet bin und mir der Verlust emotional wenig anhaben konnte. Gleichzeitig merke ich, dass andere Personen verstärkt in eine leichte Panik verfallen und die kurzfristige Denke überhand nimmt. Wie unterschiedlich Zugänge doch sind…

    Zu % vs. absolute Zahlen. Finde ich spannend. Habe ich so noch nicht darüber nachgedacht. Wenn ich bewusst drüber nachdenke, macht das schon einen Unterschied. Für mich ist primär auch immer die %-Zahl im Fokus, die ich dann mit typischen Schwankungen etc. vergleiche. Zusätzlich habe ich mein Portfolio nie in einem kurzfristigen Chart im Blick, sondern immer den max. Zeitraum, also seit Auflage. Macht wahrscheinlich auch was aus…

    LG Johannes

  11. Mad

    @Int32
    du hast Recht, der bewusste Verzicht auf Konsum ist Disziplinleistung. Auch wenn sie mir leicht fällt.

    @Bernd
    4 % = laues Lüftchen, die
    60.000 € = Totalschaden
    Man sollte sowas wirklich nur in Relation betrachten

    @Mannigfalter
    schöner kann man die Absurdität des Kapitalsystems nicht zusammenfassen
    bin da für mehr staatlich verordnete Toilettenpausen 😉

    @Christian
    die Butter im Angebot kaufen, während das Depot fünfstellig schwankt .. fühle ich .. allerdings habe ich das bei Lebensmitteleinkäufen mittlerweile abgestellt .. trotzdem .. die Prägung geht nicht weg

    @DerFinanznomade.de
    Viele Grüße nach Bali! (war vor über 10 Jahren mal dort). Ich rechne oft Geld Vermögen in Lebensjahre um .. also wie lange ich dafür quasi nix tun könnte ..
    dann merkt man erst wie solide das Fundament eigentlich ist. Die 2 € Ersparnis beim Frühstück sind Ehrensache, egal wie viele Nullen im Depot stehen 🙂

    @Mike
    Vielen Dank für diese Liste. Besonders Punkt 4 (Gesundheit) rückt alles sofort wieder in die richtige Perspektive. Und völlig korrekt .. Geld sollte am Ende dir selbst dienen und nicht du einem Depot

    @Silke
    Auch ne gute Sichtweise .. Nichts-Tun ist in Wahrheit das Aushalten von Unsicherheit bzw. das unternehmerische Risiko zu tragen .. während andre sich das nicht aufbürden möchten

    @Merowinger
    jup .. der Döner, der besser schmeckt als das Steak ist Freiheit, das alte Brötchen essen weil man doch 5 Euro sparen möchte ist das Gefängnis

    @denkfabrik
    In Doubt, zoom out .. auch spannend wie bei vielen dann der Aktionismus das Ruder übernimmt .. obwohl es meist das Beste nichts zu tun

  12. weizenkeim

    genau so ist es!

  13. Phototropic

    Mir geht es ganz genauso, seit über 25 Jahren habe ich darauf hingearbeitet, um da zu sein, wo ich jetzt bin. Es kam nicht über Nacht. Dennoch habe ich mich immer noch nicht ganz an die Schwankungen gewöhnt.
    So komisch es klingt, manchmal fühlt es sich für mich inzwischen auch ein bisschen unfair an. Wie ist so etwas möglich, für solche Summen nicht mehr arbeiten zu müssen? Ich kann das System nicht ändern, habe das Beste daraus gemacht und nichts geschenkt bekommen.
    Ich denke die prozentualen Umrechnungen helfen, vielleicht auch mal etwas vom Geld auszugeben, z.b. sind 0,01% von 1 Mio = 100 Euro, weshalb man sich eigentlich keine großen Gedanken mehr machen sollte.

  14. HalloM

    Super Blog!

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