Dividenden Blog

17. Februar 2026

Aktien von Airlines

In seinem letzten Beitrag legt Tim Schäfer seinen Lesern die Lufthansa Aktie nahe (Ja .. er nennt auch Risiken).

Ich halte mich ja hier mit Aktien Empfehlungen komplett zurück und habe auch nicht vor das zu ändern. Allerdings kann euch zumindest empfehlen um Airline Aktien nen großen Bogen zu machen.

Tim hat die Lufthansa nicht im Depot, aber hat nach eigener Aussage: United Airlines- und Southwest-Aktien während der Corona Pandemie gekauft und damit massig verdient.

Hier die Charts:
Blau: United
Schwarz: Southwest

Wenn du vor Corona schon Southwest Aktien hattest .. du sitzt immer noch auf Verlusten und bei United hat es 5 Jahre gedauert bis man wieder bei Vor Corona Niveau war.

Corona war ein schwarzer Schwan für die Branche und alle die am Tiefpunkt gekauft haben hatten Glück oder Eier aus Stahl.

Airlines haben ein beschissenes Geschäftsmodel.

Da wäre zuerst die Abhängigkeit vom Ölpreis. Etwa 15-20% der Ausgaben von Fluggesellschaften ist Kerosin. Seit 2022 sinkt der Ölpreis kontinuierlich.

Nur ein Beispiel: Delta Airlines hat letztes Jahr 10 Mrd. USD für Kerosin ausgegeben. Steigt der Ölpreis um (moderate) 10%, dann steigen die Kosten um 1 Mrd. USD. Delta hat übrigens als einzige Airline den Vorteil, dass sie ne eigene Raffinerie besitzen. Bei anderen Airlines sieht diese Rechnung oft schlechter aus.

Dann wären da die Kosten für einen Flieger. Egal ob man die kauft oder least, der Kapitalverbrauch ist brutal. Beispiel Spirit Airlines (US Low Cost Airline) die alle Flieger geleast haben. Spirit hat 2024 etwa 5 Mrd. USD Umsatz gemacht und davon ging fast 1 Mrd. an Leasing Gebühren weg.

Aber auch wenn du die Röhren kaufst sieht es nicht anders aus. Sagen wir du bist Lufthansa und brauchst 20 neue Langstreckenflieger. Dann kaufst du z. B. Boeing 787-9. Die haben nen Listenpreis von etwa 300 Millionen USD. Weil du die LH bist und gleich 20 nimmst gibts Rabatt und du zahlst nur 200 Millionen pro Flieger. Dann gehen immer noch 4 Milliarden USD an Boeing.

Jetzt hast du nen neuen Flieger der 200 Millionen gekostet hat. Der hat 290 Sitzplätze und fliegt von Frankfurt nach New York. Ein Eco Ticket verkaufst du für 500 Euro, ein Business für 2500 Euro, ein Premium Eco für 1000 Euro .. One Way.

Dein Umsatz mit Tickets auf dem Flug (wenn der Flieger voll ist) sind etwa 214.000 Euro. Davon gehen aber noch diverse direkte Kosten für Sprit, Löhne, Gebühren, Wartung, Handling usw. weg. Alleine die Spritkosten bewegen sich bei etwa 80.000 Euro.

Am Ende bleibt ein niedriger fünfstelliger Betrag als Gewinn. Davon müssen dann auch Leasing Raten oder Kapitalkosten und alle anderen in der Verwaltung bezahlt werden.

Wenn du nach Abzug aller direkten Kosten dann großzügig 40.000 Euro pro Flug verdient hast, muss der Flieger 5000 Flüge machen um alleine die Anschaffungskosten reinzuholen.

Dann landest du bei einer Operativen Marge die nur einmal in 10 Jahren über 10% lag.

Und die Lufthansa ist kein Einzelfall.

Die Branche ist in einer Spirale gefangen. Wenn du alte Maschinen fliegst, die günstiger oder schon abgeschrieben sind, dann hast du immense Spritkosten im Vergleich zu deinen Wettbewerbern. Fliegst du die neuen Jets dann hast du hohe Kapitalkosten.

Außerdem musst du als Netzwerk Airline auch fliegen, wenn deine Maschine nicht ausgebucht ist. Der Sitzladefaktor von Lufthansa lag im letzten Quartal bei etwa 80%. Das bedeutet, im Schnitt blieben 20% der Plätze auf einem Flug leer. Wenn du deine Maschine nicht voll bekommst verkaufst du Tickets zu Dumpingpreisen .. weil .. du MUSST ja fliegen und die Grenzkosten pro Passagier sind extrem niedrig .. oder andersrum. Deine Fixkosten sind so hoch, dass du alles dafür machst den Flieger vollzubekommen .. im Zweifel auch Tickets verramschen.

Airlines sind der Beweis dafür, dass man Milliardenumsätze machen kann, während man gleichzeitig am Hungertuch nagt. Man kauft für Milliarden Dollar fliegende Alu- oder Carbonröhren, um Menschen für den Preis eines Abendessens über den Atlantik zu kutschieren, nur damit am Ende nach Abzug von Kosten genug Geld übrig bleibt um die Erstattungen und Umbuchungen zu bezahlen wenn die Gewerkschaften mal wieder mehr Geld wollen und streiken.

Richard Branson (der Gründer von Virgin Atlantic) hat folgendes hier gesagt:

Frage: Wie wird man mit einer Fluggesellschaft zum Millionär?
Antwort: Man beginnt als Milliardär.

Kommentare:

  1. Medicus

    Hab LH auch im Depot- billig zu Corona Zeit erworben- heute würd ich es nicht mehr machen…. Zahlen inzwischen wieder eine bescheidene Dividende und ich bin im Plus…Mein buy and hold Zwang verhindert einen Verkauf.
    Stimme dir und deinen Übelegungen ansonsten vollumfänglich zu!

  2. Doeggl

    Hallo getmad,
    habe vor Corona Lufthansa gekauft. Sind dann abgeschmiert.
    Habe während Corona die Kapitalerhöhung mitgemacht (eiserne Eier) und bin jetzt bei null! Natürlich habe ich 1x Dividende bekommen in 6 Jahren! Das war ein riesiger Lerneffekt. Ich werde mich voraussichtlich nach der Dividende heuer davon trennen. Die ganze Lufthansa ist ein riesiger Selbstbedienungsladen. Piloten haben Narrenfreiheit und verdienen ein Schweine Geld. Die können das auch immer Durchsetzen, da sonst gar nichts mehr geht!

  3. Steff

    Servus,
    das hast du ganz anschaulich kalkuliert & plausibilisiert, Matthias. Von Airlines lasse ich die Finger. Man kann an den Charts tatsächlich ablesen, dass es sich um margenschwaches Geschäft handelt. Nicht so jedoch bei den Herstellern, wie es den Anschein hat: Boing, Airbus, MTU oder auch GE könnten einen Blick wert sein.
    Cheers,
    Steff

  4. Andy

    Ja gut beschrieben, habe dem Post zum Anlass genommen Lufthansa endlich rauszuwerfen auf dem Depot.

  5. mike

    Servus Mad,

    hat nicht Gordon Gekko schon seine Abscheu gegen Fluggesellschaften mit diesen Argumenten vor zig Jahren in Wall Street zum Ausdruck gebracht?

    Witzigerweise ist das der Grund warum ich keine Airlines habe.. außer in World ETFs.

    Viele Grüße

    Mike

  6. Mad

    @Medicus
    zu welchen Preis hast du gekauft?

    @Doeggi
    die VC tut da ihr übriges dazu .. aber darum hat LH ja Discover und weitere Airlines gegründet die andere Tarifverträge haben

    @Steff
    ja bei Herstellern ist das was anderes, in dem Bereich gibt es weit weniger Wettbewerb und ich bin immer wieder erstaunt wie sich der Boeing Aktienkurs hält .. trotz der ganzen Krisen die die intern haben

    @Andy
    🙂

    @mike
    ich glaube ich muss den Film nochmal schauen

  7. Rückblick Februar 2026: Aktien, Dividenden, Nebengewerbe – DerPranger

    […] Lufthansa hat das Depot verlassen. Ausschlaggebend war ein Artikel bei Matthias. Auch hier blieb ein kleiner Gewinn […]

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