Letzte Woche stand ich beim Aldi auf dem Parkplatz und neben mir parkte ein Auto mit vielen Aufklebern auf der Heckklappe. Die Dame die ausstieg war Tierschützerin. Das tat sie offensichtlich kund, denn auf den Stickern waren Dinge zu lesen wie „Ich bremse nur für Tiere“ und „Stoppt Tierversuche“ und noch ein paar andere.
An der Kasse sah ich sie wieder und war leicht überrascht (oder vielleicht auch nicht) dass ich Wurst und Milchprodukte in ihrem Einkaufswagen sah.
Dieser Widerspruch ist für mich irgendwie ein Zeitgeist. Oder vielleicht bin ich sensibler dafür geworden aber ich entdecke diese Gegensätze überall.
Vielleicht ist auch in meinem Hirn was falsch verkabelt .. aber wenn ich so offensichtlich an dem Wohlergehen von Tieren interessiert bin dass ich das in wie Welt posaune, kann ich doch kein Tier essen oder tierische Produkte konsumieren.
Ich kann doch nicht entscheiden: Hunde, Katzen und andere Haustiere muss man schützen aber Schweine, Kühe und Hühner kann man seelenruhig schlachten oder ausnutzen?
Anderes Beispiel:
Die Sprit Preise gehen (mal wieder) wieder durch die Decke und ich musste mir in der Schlange der Tankstelle anhören wie sich ein Herr darüber beschwert hat. Das Fahrzeug das er fuhr war ein VW Tiguan. Der ist jetzt vielleicht nicht als Spritschleuder bekannt .. aber wenns ihm auf seinen Geldbeutel ankäme könnte er ja ein kleineres Fahrzeug fahren.
Ich verstehe sowas ehrlich gesagt nicht.
Oft sieht man das auch bei Bauprojekten.
Hier in der Nähe wurden vor einigen Jahren Windräder gebaut. Diese stehe in einem Wald. Vom nächsten Ort sind sie ca. 1 km entfernt. Viele Bewohner der umliegenden Orte liefen Sturm gegen diese Windräder. Es gab alle möglichen Ansichten warum da keine Windräder gebaut werden sollen: Optische Verschandelung der Aussicht, Infraschall, Gefahr für Vögel usw. Auch nachdem die Windräder längst gebaut waren hingen in den Dörfern noch Protestplakate: Keine Industrieanlagen in unserem Wald, Keine Windräder in Wälder und Erholungsgebieten usw.
Ich könnte mir nun vorstellen dass die Anwohner auch keine Lust auf ein Kohlekraftwerk oder ein AKW in direkter Nähe hätten .. nur woher soll dann der Strom für den Haushalt kommen?
Dann höre ich eine Podcast wo einer der Teilnehmer oft über Klimaschutz spricht, extra Elektroautos deshalb gekauft hat und generell viel Bewusstsein für das Thema schafft. Gleichzeitig hat er in den letzten 12 Monaten diverse Langstreckenflüge unternommen um u. a. seinem Hobby nachzugehen. Er kompensiert das zwar indem er dafür Geld an Institutionen überweist die Klimaschutz fördern aber ich denke dann immer, wäre es nicht besser gar nicht zu fliegen?
Der CO2 Ausstoß eines Fluges erfolgt sofort, eine Maßnahme die durch den oben genannten Ablass finanziert wird braucht aber vielleicht Jahre oder Jahrzehnte bis sie ihre Wirkung voll entfaltet.
Wasser predigen und Wein saufen.
Klar jeder soll so leben wie es ihm gefällt .. ich finde aber wenn ich eine Meinung öffentlich und laut vertrete sollte ich auch den Arsch in der Hose haben so zu leben wie ich es anderen Menschen nahe lege und nicht nach Schlupflöchern suchen.
Wenn ich mich auch über maximal wenig aufrege .. das ist etwas das mich nervt.
Bei Aktien ist das ähnlich.
Ich kenne Leute die Kriege, Waffen oder auch Tabak ablehnen und sich drüber aufgeregt haben als bei irgend nem Fußballverein die Firma Rheinmetall ins Sponsoring einstieg. Die selben Menschen besitzen aber dann einen MSCI World ETF in dem auch Rüstungsfirmen zu finden sind.
Kann man gegen Waffen sein und gleichzeitig via ETF Lockheed Martin besparen?
Kann man gegen Waffen sein und gleichzeitig via ETF Lockheed Martin besparen?
Ja.
Selbst wenn ich denke, Waffen braucht man, kann ich entscheiden, kein Gewinn aus der Herstellung zu bekommen. Und wenn doch, dann den Anteil „kompensieren“.
… und noch ein Beispiel: Da wird sich lautstark über den Niedergang des Industriestandorts Deutschland beschwert, aber was hat man in Haushalt und Garage? Jede Menge (Billig-)Produkte aus Asien…