Ich halte mich mit Prognosen auf die Zukunft in der Regel zurück. Das fällt mir auch recht leicht, da ich keine Nachrichten mehr verfolge. Weder Nachrichten im Fernsehen noch irgendwo im Netz.
Früher war ich ein regelrechter Nachrichtenjunkie und war täglich mehrfach auf Newsportalen, Spiegel Online, NZZ usw. unterwegs. Abends habe ich gerne politische Fernsehmagazine verfolgt und einmal die Woche den gedruckten Spiegel gelesen.
Da alles habe ich schon vor Jahren aufgegeben. Meine Infos beschränken sich auf die Wikipedia Startseite. Der Block rechts oben heißt „In den Nachrichten“ und alle paar Tage lese ich was dort steht und klicke ggf. auf einen Artikel. Auch Google Discover auf dem Smartphone habe ich deaktiviert.
So „entgehen“ mir die meisten Ereignisse welche in der Welt passieren.
Wenn ich in einem Gespräch auf etwas Aktuelles angesprochen werde, weiß ich oft gar nicht wovon die Rede ist. Ab und zu sitze ich dann (nach einem solchen Gespräch) daheim und suche mir dann doch ein paar Fakten heraus.
Die Nachrichten nicht mehr zu verfolgen war eine bewusste Entscheidung. Als ich aufgewachsen bin gabs Abends die Tagesschau und eine gedruckte Ausgabe der lokalen Zeitung. Heute wird man überall regelrecht mit Nachrichten und Ereignissen bombardiert. Selbst in U-Bahnen (München) gibt es Infoscreens wo Nachrichten abgespielt werden.
Aber es bringt mir persönlich nichts das alles zu wissen und das Meiste vergesse ich sowieso in wenigen Minuten wieder.
Natürlich mag es auch für mich relevante Informationen geben, die ich dann wahrscheinlich verpasse aber das akzeptiere ich.
Das Problem ist (für mich) die Art der Nachrichten, sondern der Ton, der Drall und die Kernaussage. Aufmerksamkeit bekommt man in dieser Branche oft nur wenn man Sachverhalte überspitzt, Skandale fabriziert und mit reißerischen Überschriften Leser anlockt.
Außerdem scheinen schlechte Nachrichten weit mehr Aufmerksamkeit zu verursachen als gute Nachrichten.
Und diese pessimistische Stimmungslage würde mir schlechte Laune machen.
Daneben ist vieles auch einfach irrelevant. Lassen wir mal den ganzen Promi Quatsch weg .. selbst Aussagen von Politikern und anderen Menschen des öffentlichen Lebens sind meist nicht wichtig, da meist keine Konsequenz für mich daraus resultiert.
Und nur zu hören, dass der Söder etwas zu XYZ zu sagen hat, ist verschwendete Lebenszeit.
Vor einigen Tagen wurde ich gefragt was ich von der AI Bubble halte. Ich wusste natürlich, dass viele Aktien von Firmen die damit in Berührung kommen stark gestiegen sind.
Aber was soll ich dazu sagen?
Ich weiß ja nicht mal ob es ne Bubble ist. Ich bezweifle das AI wieder weggeht und wenn ich sehe wie schnell das in meinem Alltag ankommt fühlt es nicht so wie eine Bubble an. Eine Prognose kann ich nicht geben .. allenfalls, dass viele Aktien in dem Bereich gut gelaufen sind und ich wahrscheinlich aktuell nicht 10.000 Euro in Nvidia stecken würde.
Allerdings kann mir auch keine Nachrichtenseite dazu bessere Informationen geben. Die Blase platzt, oder vielleicht auch nicht .. wir werden das sehen wenn es soweit ist.
Und sowas bekomme ich dann irgendwie immer mit.
Ich würde gerne Nachrichten lesen, die wirklich für mich relevant sind und aus denen ich eine Entscheidung für mich ableiten kann. Aber ich bin nicht bereit solche Informationen aus der Flut der Informationen herauszufiltern.
So sitze ich im Tal der Ahnungslosen und bin damit gar nicht so unzufrieden.

Ich habe es auch zumeist so gehalten wie du. Aber die aktuellen Nachrichten sind doch höchst interessant. Was Trump da so mit Venezuela treibt…..und Kuba…..und dem Iran. Das sind Informationen die für mein Investmentverhalten unter Umständen sehr wichtig sind.
So mancher denkt sich vielleicht beim Lesen der News, dass jetzt ein guter Zeitpunkt wäre um Waffenaktien zu kaufen zum Beispiel.
Ich kann nur sagen: Ohne News lebt es sich viel, viel besser. Gesünder. Entspannter.
Ich war früher auch ein News junkie. Dann bin ich vor ca. +-10 Jahren über ein Essay von Rolf Dobelli gestolpert. „News Diät“ (mittlerweile hinter Bezahlschranke), welches mir die Augen geöffnet hatte.
Kleiner Auszug:
News sind für den Geist, was Zucker für den Körper ist. News sind appetitlich, leicht verdaulich und gleichzeitig höchst schädlich. Die Medien füttern uns mit kleinen Häppchen trivialer Geschichten, mit Leckerbissen, die unseren Hunger nach Wissen aber keineswegs stillen. Anders als bei Büchern und langen, gut recherchierten, langen Artikeln, stellt sich beim Newskonsum keine Sättigung ein. Wir können unbegrenzte Mengen von Nachrichten verschlingen; sie bleiben billige Zuckerbonbons. Die Nebenwirkungen zeigen sich – wie beim Zucker – erst mit Verzögerung. Auszug Ende.
So ist die These, dass News u.a. den eigenen Risikokompass verändern. Man hat „Angst“ vor dem, was die Medien schreiben, ob es nun wikrlich eine Bedrohung ist oder halt nur clickbait. Man achtet nicht mehr so auf das wesentliche usw.
Hi,
gegen die Infoflut:
ich versuche mich seit gestern an einem kleinen vollautomatisierten n8n-Workflow, der täglich aktuelle Informationen zu einem oder mehreren Wunschthemen via Websuche recherchiert, diese durch eine KI auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen lässt und die aufbereiteten Ergebnisse mir per E-Mail als Faktencheck versendet.
Mal sehen, wie gut das klappt 🙂
Beim Thema „News“ denke ich häufig an das Lied „We didn’t start the fire“ von Billy Joel. Das stammt aus einer anderen Zeit (Ende der 80’er). Inzwischen hat sich die Produktion von „News“ weiter beschleunigt. Über 24h Nachrichtensender über Online-Newsticker und Kurznachrichtendiensten zu KI getexteten & bebilderten Artikeln. Dabei ist die eigentliche journalistische Arbeit ziemlich in den Hintergrund getreten. „Viel hilft viel“ heißt die Devise, um in der Flut von Clickbait zu bestehen.
Häufig ist der Schrott schon an der Überschrift zu erkennen: „Experten warnen…; Experten fordern…; …könnte…“, Sätze, die mit Fragezeichen enden. Pseudo-Zwiegespräche zwischen Journalisten werden als „Experteninterview“ verkauft. Auch im Finanzbereich sieht es da von wenigen Ausnahmen abgesehen düster aus. Crashpropheten und „Chakachaka-Motivatoren“ bestimmen gefühlt seit Jahren die Medien in dem Bereich (vor allem auch in den „Alternativen Medien“!).
Dass man sich von dieser Maschinerie nicht das Hirn fluten lässt, halte ich gerade heute für das kleine Einmaleins der Medienkompetenz.
Ich denke, jeder von uns erlebt es immer wieder, dass man sich in einem Thema aus irgendeinem Grund ganz gut auskennt und man dann über einen Medienbericht stolpert, der nur ein Zerrbild des Themas in Form eines „News“-Happens in die Welt schleudert.
Leider verfängt das meiner Beobachtung nach auch gerade bei Leuten, die eine gewisse formale Bildung besitzen und sich vor allem „gut informiert fühlen“ ™. Mit so ein paar News-Happen kann man erst mal schlau mitreden, ohne von einem Thema wirklich etwas zu wissen oder verstanden zu haben.
Richtig unangenehm finde ich, wenn Leute im etwas fortgeschritteneren Alter nicht mittlerweile gelernt haben, damit umzugehen. Klar, wenn du 18 bist, dann hört sich vieles erst mal schlau an, und man denkt, man könne durch mehr News-Konsum noch viel dazulernen. Wenn man mit 40 noch nicht gemerkt hat, dass dem nicht so ist, dann ist man wohl eher einfach strukturiert. Vielleicht trotz eines schönen akademischen Titels.
Ein Beispiel: In den Jahren von vielleicht 2010-2012 geisterte als Nachwehe der Finanzkrise 2008 in den Medien immer wieder rum, dass Griechenland pleite sei und der Euro wegen der „Rettung Griechenlands“ vor die Hunde gehe. Wenn man nicht in die Panik einstimmte, galt man (konkret: ich damals) unter den Leuten, die sich „gut informiert fühlen“™ als Ignorant/Dummkopf, der das Offensichtliche nicht versteht.
Jetzt haben wir 15 Jahre später. Griechenland ist dank der Hilfe von außen nicht pleite gegangen, den Euro gibt es noch immer. So weit, so gut.
Aber: Kaum jemand, der damals doch so gut informiert war, reflektiert heute darüber, warum er zu der Zeit nicht einfach Immobilien oder Aktien gekauft hat. Am besten auf Pump, damit man einen ordentlichen Hebel hat.
Das war nämlich, wie wir jetzt im Nachhinein wissen, eine perfekte Zeit für Investments gewesen.
Aber auch schon damals sahen die Gutinformierten™ die Chancen nicht, weil sie ihren Kopf mit (negativen) News geflutet hatten.
Wer diesen Fehler und das dahinterliegende Muster als Erwachsener im Alter von, sagen wir mal, 40+ nicht erkannt hat, der wird immer ein Spielball anderer bleiben. Wahrscheinlich auch in ganz anderen Bereichen als Finanzen.
Du sprichst mir aus der Seele, diese Effekthascherei und maßlose Übertreibung der Berichterstattung um Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit zu erzeugen wird/ist unerträglich. Ich habe es noch nicht ganz geschafft zu verzichten, bin aber auf dem besten Weg dorthin.
Beim Lesen Deiner Zeilen fiel mir wieder ein was mein Opa einst immer sagte: “ Über das was ich nicht weiß, muss ich mich nicht aufregen“ Ich halte das bisher eigentlich auf der zwischenmenschlichen Ebene so, denn Klatsch und Tratsch und Drama brauche ich nicht, und es lebt sich entspannter wenn man sich mit solchen Menschen nicht abgibt.
Es ist wohl Zeit dies auch mit Nachrichten anzugehen.
Grüße Andreas
Ich empfehle einmal in der Woche differenzierte Qualitätsmedien wie bspw. Die Lage der Nation als Podcast oder The Economist als print. Die Dosis macht das Gift 🙂 Eine allgemeine Medienkritik ist überzogen, da wir das Privileg haben uns aus viel Müll wenige Perlen zu suchen. LG
mach derzeit Newsfastenzeit. Nur meine Spezialthemen habe ich aboniert per RSS. Und wenn es kein RSS Feed gibt, lese ich es nicht.
ps. der Artikel von Dobelli ist im internet archive…
https://web.archive.org/web/20111111192439/https://www.dobelli.com/wp-content/uploads/2011/06/Dobelli_Vergessen_Sie_die_News.pdf
@sonnemohn
mich beunruhigen solche Nachrichten eher .. ggf. bin ich da zu sensibel
@Rappo und @Marc
danke für den Hinweis zu dem Artikel und den Link
@Thomas
an sowas habe ich auch schon gedacht .. die Muse dazu habe ich nicht .. und dann frage ich mich ob ichs wirklich brauche .. komme eigentlich auch gut ohne klar 😉
@Scheues Reh
da sprichst du noch einen weiteren Aspekt an .. die Menschen „fühlen“ sich informiert .. sind es aber nicht .. vor allem nicht in der Tiefe .. und auf Basis der konsumierten Newsschnipsel verbreiten sie dann Quatsch oder glauben „alternative Fakten“ .. ein großer Teil der Wähler von populistischen Parteien rekrutiert sich wahrscheinlich aus dieser Klientel .. und Reflektion ist da noch ein ganz anderes Fass .. hat man ja auch keine Zeit dafür .. man muss ja die neusten Neuigkeiten lesen 🙂
@Andreas
Dein Opa war ein schlauer Mann. Den Satz merke ich mir.
@tobias
LDN habe ich eine Zeit lang gehört .. aber auch hier ist vieles einfach nur „nett zu wissen“ bringt mich aber effektiv nicht weiter
@tobias: „Die Dosis macht das Gift.“ ist praktisch mein Lieblingsspruch für einfach alles.
Aber inzwischen nenne ich gerne das ganze Zitat von Paracelsus: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift, allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.“.