Vor kurzem wurde ich gefragt wie ich mit meinem Vermögen im Vergleich zum Rest der Deutschen dastehe. Also so konkret: Wie viel Prozent haben mehr und wie viel Prozent haben weniger.
Während der Vergleich völlig nutzlos ist, ist die Frage natürlich legitim. Außerdem vergleichen sich Menschen ja generell gerne in verschiedenen Disziplinen miteinander.
Bei der Beantwortung der Frage musste ich erst mal recherchieren, da ich mir selbst bisher keine Gedanken dazu gemacht habe.
Dabei ist mir aufgefallen, dass man eine Unterscheidung treffen muss. Viele Deutsche haben Wohneigentum, also eine selbstgenutzte Immobilie wie ein Haus oder eine Wohnung.
Das ist für mich kein liquides Asset. Es generiert kein Einkommen, kostet Unterhalt und kann nicht so ohne weiteres in Bargeld umgewandelt werden. Auch wenn man es in ein paar Monaten verkaufen kann braucht man danach Ersatz .. außer man beschließt ins Wohnmobil zu ziehen.
Dann hat es einen theoretischen Wert. Je nach Zustand und Zinsumfeld, Nachfrage, Lage usw.
Bleiben Vermieter. Also Privatpersonen die Immobilien vermieten und diese auch besitzen. Der Anteil der privaten Vermieter in Deutschland liegt bei etwa 5% der erwachsenen Bevölkerung. Der durchschnittliche Wert der privat vermieteten Immobilien beträgt ca. 220.000 Euro (ohne selbstgenutztes Wohneigentum).
Quellen für o.g. Aussagen: Institut der deutschen Wirtschaft, Deutsche Bundesbank: PHF-Studie, Statistisches Bundesamt
Vergleich Nettogesamtvermögen (inkl. Immobilien)
Wenn man das gesamte Nettovermögen eines Haushalts beziehungsweise einer Person betrachtet, sieht die Staffelung in Deutschland wie folgt aus:
- 100.000 Euro: Der Median in Deutschland liegt bei knapp über 106.000 Euro. Das bedeutet: Wer ein Gesamtvermögen von 100.000 Euro besitzt, lässt bereits knapp 50 % der deutschen Bevölkerung hinter sich. Man befindet sich also ziemlich genau in der Mitte der Gesellschaft.
- 250.000 Euro: Mit diesem Gesamtvermögen gehört man bereits zum oberen Drittel. Man zieht an ca. 70 % bis 75 % der Bevölkerung vorbei. In der Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen ist dies in etwa das Durchschnitts- bzw. Medianvermögen (hauptsächlich durch abbezahlte Immobilien).
- 500.000 Euro: Hier bewegt man sich bereits im exklusiveren Kreis. Damit gehört man zu den reichsten 12 % bis 15 % der Deutschen.
- 1 Million Euro: Ab ca. 780.000 Euro beginnt statistisch das oberste Dezil (die Top 10 %). Wer die glatte Million an Gesamtvermögen knackt, gehört zu den obersten 3 % bis 5 % in Deutschland.
Vergleich nach rein liquidem Vermögen ohne Immobilien
Da der Großteil des Vermögens in Deutschland in Betongold gebunden ist, verschieben sich die Perzentile massiv nach oben, wenn man nur das liquide Vermögen (Depots und Bankkonten) betrachtet.
- 100.000 Euro: Top 10 % bis 15 % In der Breite der Bevölkerung haben selbst Menschen mit abbezahlten Immobilien selten sechsstellige Summen auf dem Konto oder im Depot.
- 250.000 Euro: Top 5 % bis 7 % In diesem Bereich befinden sich meist erfolgreiche Privatanleger, gut verdienende Selbstständige oder Erben. Das liquide Vermögen übersteigt hier oft schon den Wert üblicher Durchschnittsimmobilien.
- 500.000 Euro: Top 2 % bis 3 % Eine halbe Million Euro an flüssigem Kapital zu halten, ist in Deutschland extrem selten. Häufig geht dies mit einem Gesamtvermögen von weit über einer Million (inkl. Immobilien) einher.
- 1 Million Euro: Top 0,5 % bis 1 % Das Gesamtvermögen (inklusive Sachwerten) liegt bei diesen Personen im Durchschnitt oft bei 2 bis 3 Millionen Euro.
So .. wie ist das nun beim mir?
Da die meisten Menschen in diesen Vermögensklassen einen erheblichen Teil ihres Vermögens in Immobilien oder im eigenen Unternehmen gebunden haben, ist der Anteil derer, die über 1,7 Millionen Euro rein liquide verfügbar haben, noch einmal deutlich geringer.
- Bei Millionären im Bereich von 1 bis 2 Millionen Euro Nettovermögen macht das liquide Finanzvermögen (Depots, Cash) im Schnitt etwa 40 % bis 50 % des Gesamtvermögens aus. Der Rest steckt im Eigenheim.
- Wer also 1,7 Millionen Euro rein liquide hält, hat statistisch oft ein Gesamtvermögen, das weit über der 3-Millionen-Euro-Marke liegt. (Spoiler: hab ich nicht).
Exakte Daten habe ich nicht gefunden .. aber ich schätze fröhlich vor mich hin:
Es ist davon auszugehen, dass deutlich weniger als 0,5 Prozent, eher um die 0,1 bis 0,3 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland ein rein liquides Vermögen von über 1,7 Millionen Euro besitzen. Das entspricht grob geschätzt etwa 70.000 bis 200.000 Personen in ganz Deutschland.
Kann ich mir jetzt nix von kaufen .. aber damit wäre die Frage beantwortet.
Servus Mad,
ein spannender Vergleich.
Ich glaube irgendwann einmal gelesen zu haben, das man ab 100K flüssigen Vermögen schon interessant ist für die eigene Bank.
Also müsste eigentlich bei dir der goldene Teppich ausgerollt werden und sogar Schokogebäck auf dem Tisch stehen, wenn du deine Filiale betrittst.
Wenn ich meinen Status vergleiche wie ich in der Bank behandelt werde, dann habe ich davon noch nichts gemerkt.. ist aber vielleicht auch gut so.
Mich erden in diesen Fällen dann immer wieder Gespräche mit Bekannten, die teilweise allein erziehend sind… da merkt man einfach.. wie gut es einem geht.