Dividenden Blog

25. Juli 2026

Profi Radsport

Die Zuschauerzahlen beim linearen Fernsehen befinden sich im freien Fall. Gerade bei jungen Menschen ist die durchschnittliche Sehdauer auf 60 Minuten pro Tag eingebrochen, während sie 2020 noch bei über 130 Minuten lag.

Ich habe seit fast 10 Jahren keinen Fernseher mehr und vermisse den auch nicht.

Nur einmal im Jahr schaue ich was, dass auch im linearen Fernsehen übertragen wird.

Das ist die Tour de France.

Meist schaue ich mir dann Abends in der ARD Mediathek das ReLive an und skippe da natürlich auch Phasen wo es etwas langweiliger ist. Also von ner 4 Stunden Etappe schaue ich vielleicht so 2 Stunden.

Ich fahre selbst kein Rennrad und Fan von einem bestimmten Fahrer oder einem Team bin ich auch nicht.

Irgendwie fasziniert mich der Event aber. Zu Ulles Zeiten habe ich mir das live in der ARD angesehen. Aber als dann die ganzen Dopingskandale waren habe ich fast 20 Jahre keine Tour mehr geschaut.

Erst vor ein paar Jahren habe ich wieder angefangen .. und ich mag es.

Es ist irgendwie die Kombination aus landschaftlich schönen Gegenden, den unheimlich enthusiastischen Fans, den Rädern bzw. der Technik und der schieren Qual der Fahrer die mich da vor den Bildschirm zieht.

Gerade wenn man selbst Rad fährt, kann man so grob erahnen wie fit man sein muss um im Schnitt mit fast 20 Sachen auf den Col du Tourmalet oder den Col du Galibier hochzufahren.

In wiefern Doping da heute noch eine Rolle spielt weiß ich natürlich nicht aber selbst gedopt ist die Leistung extrem.

Dann wären da die Stürze .. das gehört leider zum Radsport dazu .. aber ist ja so, dass wenn man gestürzt ist, die Möglichkeit hat die Tour zu beenden oder die Etappe fertig zu fahren. So fahren also immer wieder Fahrer mit offenen Schürfwunden, gebrochenen oder geprellten Rippen bis ins Ziel .. nur damit sie nicht ausscheiden.

Also die Leidensfähigkeit der Fahrer ist dementsprechend krass .. 21 Tage, über 3.000 km, 50.000 Höhenmeter, Stürze, Wunden usw. auch das beeindruckt mich.

Vor allem wenn man dann noch schaut was da bezahlt wird.

Klar ein Pogi, Evenepoel, Lipowitz oder der Vingegaard haben ein Gehalt von bis zu 8 Millionen Euro im Jahr und oft auch noch Sponsorenverträge. Aber der Großteil der Fahrer eben nicht, nur etwa 40 Fahrer haben Gehälter die über 1 Million Euro liegen. Die UCI (Internationaler Radsport-Verband) hat darum vor einigen Jahren ein Mindestgehalt für Radsport Profis festgelegt.

Beim Radsport gibt es Klassen (so wie Ligen beim Fussball) .. die zwei höchsten Klassen sind: UCI WorldTour Teams und UCI ProTeams. In diesen beiden Klassen befinden sich (bei den Männern) etwa 600 Fahrer.

Davon bekommen (nach Schätzungen) etwa 20 bis 30% nur den Mindestlohn.

Hier mal eine Aufstellung des Mindestlohns:

  • World Tour Profi: ca. 44.000 Euro pro Jahr
  • World Tour Profi im ersten Jahr: ca. 35.000 Euro pro Jahr
  • ProTeam Profi: ca. 35.000 Euro pro Jahr
  • Selbständiger Fahrer: ca. 72.000 Euro pro Jahr (muss Sozialabgaben und Versicherungen selbst tragen)

Der Durchschnitt liegt wohl bei etwa 250.000 Euro im Jahr wobei dieser Schnitt durch die Gehälter der Stars stark verzerrt wird.

Dann könnte man ja sagen, die fahren Rennen, da gibts Startgelder, Preisgelder und so weiter. Das ist aber im Vergleich zu anderen Sportarten ein Taschengeld. Der 10 Platz im Gesamtklassement der Tour de France bekommt .. haltet euch fest .. 3.800 Euro Preisgeld. Und das ist das größte und wichtigste Rennen des Jahres. Antrittsgelder können nur eine Hand voll Fahrer fordern .. eben die o.g. Top Stars.

Die Teams welche die Fahrer beschäftigen haben neben den Sponsoren nahezu keine weiteren Einnahmen. Merch Verkauf ist gering, ein Stadion und Eintrittspreise gibts nicht. Preisgelder sind eher ein Tropen auf den heißen Stein. Da ist man natürlich froh wenn man einen Sponsor wie UAE, Lidl oder Red Bull hat .. aber die meisten Teams wirtschaften eher an einer schwarzen 0 oder müssen den Betrieb einstellen wenn der Sponsor abspringt und kein neuer gefunden wird.

So gerne ich Rad fahre .. bei dem Trainingspensum, den Druck während der Rennen und die Qualen muss man da echt Bock drauf haben wenn man Berufsradfahrer wird.

Nach der Tour de France der Männer schaue ich ab dem 01.08. die Tour de France der Damen .. die wird auch in der ARD übertragen.



Kommentare:

  1. Paul

    Sehr interessante Informationen.
    Ab und zu schaue ich mir das auch an.
    Vielleicht sollte man Doping freigeben. Verhindern kann man es eh nicht. Und es würden sich neue Sponsoren auftun, J&J, Pfizer, Lilly, Bayer etc.

    Danke und Grüße
    Paul

  2. Bonanza

    Wer wie ich seit Ulles Sieg ’97 dabei ist und selbst Tausende Kilometer schrubbt, sieht die TdF mit ganz anderen Augen. Die Faszination für diese Quälerei schwindet nie. Und der Blick auf die Mindestlöhne der Wasserträger macht einen umso demütiger. Respect an das gesamte Peloton!
    Viel Spaß heute Abend beim ReLive-Schauen.

  3. Sebastian

    @Paul
    Eine Freigabe von Doping käme einem ethischen Offenbarungseid gleich, da sie völlig falsche Anreizstrukturen etablieren würde.

    Die Mechanik dahinter ist simpel: Ein ungedopter Athlet stünde in jedem Wettkampf systematisch im Nachteil. Das erzeugt zwangsläufig einen toxischen Gruppenzwang, der in ein absurdes medizinisches Wettrüsten mündet, bei dem die eigentliche athletische Leistung zur Nebensache verkommt. Hinzu kommt die ökonomische und regulatorische Realität: Der weltweite Zugang zu diesen Substanzen ist derart zersplittert, dass allein schon diese Asymmetrie jeden fairen Wettbewerb im Keim erstickt.

    Auch Veranstalter und Sponsoren tragen eine treuhänderische Verantwortung für ihr „Humankapital“. Die medizinischen Kollateralschäden eines unkontrollierten Dopings sind schlichtweg desaströs. Im professionellen Bodybuilding lässt sich dieses Trauerspiel bereits heute studieren: Neben den klassischen Organschäden treten dort neuerdings vermehrt groteske Entstellungen in Form von Akromegalien auf. In einem echten, fairen Wettbewerb muss die natürliche menschliche Leistungskurve zwingend das Alleinstellungsmerkmal bleiben.

    Von mir aus darf Doping im Wrestling, in anderen reinen Show-Formaten oder eben bei den kürzlich in Las Vegas debütierten „Enhanced Games“, wo Preisgelder für künstlich gepushte Rekorde locken, seine Nische finden. Im seriösen Leistungssport hat diese Pharma-Jonglage jedoch absolut nichts verloren. Und wer unbedingt sehen will, wohin die Reise geht, wenn der Mensch ohnehin ausgedient hat, der schaue sich auf YouTube Formate wie URKL (Ultimate Robot Knock-out Legend) an. Dort wird dann nicht mehr medikamentös gedopt, sondern digital gehackt.

Du hast auch was zu sagen: