Dividenden Blog

26. Januar 2026

Scheitern im großen Stil: VW

Bezogen auf meinen letzten Beitrag ist VW ein schönes Beispiel.

Äußere Umstände wie Zölle, Krisen und schwache Dollarkurse braucht es gar nicht .. denn einige Firmen in Deutschland schaffen es ganz alleine, sich ihr eigenes Grab zu schaufeln.

VW ist eins der größten Unternehmen der Welt. Die haben 2024 über 300 Milliarden Euro Umsatz gemacht und sind damit leicht in den Top 10 der größten börsennotierten Firmen.

Viele Jahre lief alles mehr oder weniger gut .. Verbrenner, ein bisschen Navigation, Radio, CD Player .. da kann man die Software einkaufen. Dann hat man irgendwann gemerkt, dass man heutzutage für Autos doch eigene Software haben sollte, weil es mittlerweile ein Kernprodukt eines Automobilherstellers bzw. des Fahrzeugs ist und haben darauf hin CARIAD gegründet. Das war (erst) 2019 und wahrscheinlich mussten viele Software Entwickler aus dem VW Konzern dahin wechseln .. zumindest solche die an Fahrzeugsoftware arbeiten.

Cariad ist dann nach wenigen Jahren glorreich gegen die Wand gefahren. Nicht nur, dass Autos nicht verkauft werden konnten weil die neue Software fehlte oder zu viele Bugs hatte. Es wurde massenhaft Geld verbrannt, falsch kalkuliert und quasi nie das geliefert was man so gebraucht hätte.

Folglich wurde Cariad zusammengestutzt und soll nun Software „integrieren“. Das heißt man kauft Software Pakete von anderen Herstellern ein (XPeng oder Rivian) und passt den Bums dann so an, dass sie auf der VW Architektur läuft. Wie gut sowas funktioniert (vor allem bei so komplexem Zeug) kann man sich wahrscheinlich denken.

In den 5 Jahren die Cariad aktiv ist, hat VW an die 14 Milliarden Euro dort hineingesteckt und ist aktuell am restrukturieren.

Bei Rivian ist VW mit weiteren Milliardenbeträgen eingestiegen und hat ein Joint Venture gegründet. Jetzt haben die VW Dudes wohl einen ersten Blick auf die Software von Rivian geworfen und festgestellt, dass sie allenfalls nen Rohbau bekommen anstatt ein fertiges Haus.

Klar .. es wird nun erst mal eine Task Force gegründet. Gabs garantiert bei Cariad auch.

Am Geld scheitert das mit der Software nicht .. wer in 5 Jahren 14 Milliarden verballert und sich am Ende entscheidet doch wieder Outsourcing zu betreiben hat aus meiner Sicht Lack gesoffen.

Damit hätte VW im Silicon Valley tausende von Entwicklern fürstlich entlohnen können und wahrscheinlich am Ende was Brauchbares gehabt. Oder anders gesagt .. hunderte von Startups beweisen, dass man mit weit weniger Geld solide und anwendbare Software bauen kann.

Und wer das nicht glaubt soll sich die Schwarz Gruppe ansehen.

Die machen zwar nur halb soviel Umsatz wie VW, aber haben sich ihre IT komplett selbst gebaut. Irgend ein Mensch hat da vor einiger Zeit gemerkt das diese Computer Dinger nicht mehr weggehen und sie (oh je) ein zentraler Bestandteil einer gut funktionierenden Firma sind.

Mittlerweile betreibt Schwarz eigene Rechenzentren, eine eigene Cloud, Cyber Security Dienstleistungen usw. Und nicht nur für sich selbst .. nein .. die verkaufen diese Dienstleistungen sogar an weitere Unternehmen.

Bei VW scheint es mir so, dass das alles Neuland ist .. am liebsten will man den ganzen IT Scheiß nicht machen und schiebt ihn von sich weg .. so wird das aber nix .. außer sie wechseln die Branche und produzieren zukünftig Schnürsenkel.

Kommentare:

  1. Chris

    Stimme Dir bei VW zu .. aber die Schwarz Gruppe ist ein schlechtes Beispiel. Die eigene Infrastruktur wird kaum selbst genutzt , mehr als IONOS oder Hetzner ist technisch auch nicht drin und das zu fast AWS Kosten. Das machen andere , wie Hetzner , besser – zwar dann nicht mit dem Anspruch auf Hyperscaler, aber dafür zu günstigen Tarifen

  2. Scheues Reh

    Die Sache erinnert mich an ein Erlebnis, das ich ganz zu Beginn meiner Laufbahn hatte (ca. 20 Jahre her). Damals war ich bei einem Zulieferer als Software-Entwickler für VW tätig.

    Ganz zufällig saß ich zu dieser Zeit bei einer Hochzeit neben einer Person, die, wie sich herausstellte, für ein Unternehmen der VW-Gruppe arbeitete. Der gute Mann stellte sich als „Software-Experte“ vor. Fand ich interessant, denn zumindest damals entwickelte VW + Töchter kaum selber Software. Das waren zu der Zeit durch und durch ganz normale Maschinenbaubuden.

    Als ich meinem Sitznachbar dann sagte, dass ich beruflich Software für VW entwickele (für ein nicht ganz unbedeutendes Steuergerät..), fragte er mich, ob ich denn schon ein bestimmtes Buch gelesen habe.
    Als ich dann sagte, dass ich dieses Buch nicht kenne (Name und Autor habe ich vergessen), war ich komplett unten durch, weil ich mich aus seiner Sicht als komplett inkompetent zu erkennen gegeben habe.

    Er erzählte mir, dass in diesem magischen Büchlein beschrieben werde, wie jemand Lotus Notes (die Älteren kennen es noch) in einem Niedriglohnland nachprogrammieren lässt. Ein absolutes Muss dieses Buch gelesen zu haben, denn es enthält alles, was man zur Softwareentwicklung wissen müsse in kondensierter Form.
    Mir war sofort klar, dass der Typ natürlich keinen Dunst hatte wovon er sprach. Andere hat er durch sein bestimmtes Auftreten sicher einwickeln können. Gut möglich, dass der dann 10-15 Jahre später bei Cariad in einer hohen Position saß.

    Vielleicht hätte er mal zum Einstieg besser den ein oder anderen Sortier-Algorithmus mit eigener Hand damals in C oder Java programmiert, oder mit einem Arduino ein paar LEDs blinken lassen, statt sich durch das Lesen von obskuren Büchern fortbilden zu wollen.
    Nix gegen Fachbücher, aber Schwimmen, Radfahren oder Marathon laufen lernt man auch nicht, indem man viele Bücher darüber liest.

    Kennt einer der Blogleser hier zufällig dieses Buch? Ich würde es mir gerne nach der langen Zeit gerne doch mal durchlesen ;-).

  3. Anvyl

    Ich fahre selbst beruflich VW, privat würde ich nie einen VW fahren, man bekommt einfach zu wenig Geld. Einige Kollegen hatten Glück, auf Grund von Engpässen bei VW einen Skoda zu bekommen. Die E-Autos teilen sich die Basis, Skoda wirkt wertiger, hat weniger bugs, mehr Ausstattung für nen geringeren Brutto-Listenpreis. Es sind bei VW auch Kleinigkeiten, wie mal deutsch mal Englisch in der Software. Trotz Spracheinstellung deutsch, steht, clima, rear, usw auf den Display.

  4. Mitleser

    @scheues Reh: Deine Frage nach dem Buch ist die perfekte KI Anfrage 😉 Gemini scheint zu wissen, dass es sich um

    Der Termin (Original: The Deadline: A Novel About Project Management.) von Tom DeMarco handelt.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Termin

    Hört sich nett an 🙂

  5. Henning

    Das Buch „Der Termin“ ist nicht schlecht. Aber es behandelt mehr Projektmanagement Themen, als technische Details der Programmierung. Ein ähnliches neueres Buch ist z.b. Das Phönix Projekt, gibt auch einen Nachfolger dazu bzgl. Cloud.

  6. Thomas

    @scheues Reh, Copilot tippt nach deinen Infos auf:

    The Mythical Man‑Month der wahrscheinlichste Treffer ist
    Dieses Buch war (und ist) das „magische Büchlein“, auf das sich
    Nicht‑Programmierer mit Autoritätsanspruch besonders gern berufen haben:

    Titel: The Mythical Man‑Month
    ✍️ Autor: Frederick P. Brooks Jr.
    ️ Erstauflage 1975, stark rezipiert in den 80er/90er Jahren
    ✅ Galt lange als „alles, was man über Softwareentwicklung wissen muss“

  7. Vroma

    @Scheues Reh
    @Thomas

    Ohh mein Gott!… The Mythical Man‑Month. Das klingt nach einer bestimmten Person…

  8. Thomas

    Porsche kann in China keiner mehr sehen. Audi auch nicht mehr das, was es mal war. VW als Aktie war nie auf meiner WL. Im Depot sowieso nicht.
    Id Serie auch unverkäufliche Gurken dabei. Usw usf.
    Einen Elektro VW würde ich auch nicht kaufen.

  9. mad

    @Chris

    okay .. das mit Schwarz wusste ich nicht bzw. kann ich nicht beurteilen .. ich fands nur für ein deutsches Unternehmen recht bemerkenswert eigene Infrastruktur zu haben und zu bauen

    @Scheues Reh

    gute Geschichte 😉 und du hast (aus meiner Sicht) komplett recht .. man lernt es nicht wenn man nur drüber liest .. man muss es machen, bauen und in Fehler reinlaufen

    @Anvyl

    Bekannte von mir haben eine ID3 .. der stand im ersten Jahre teilweise wochenlang in der Werkstatt wegen Software Problemen ..

    @Thomas

    habe vor einigen Tagen darüber gelesen, dass jüngere Chinesen ungern deutsche Autos fahren wollen, die betrachten die Marken als altbacken, da sie hauptsächlich von der Generation ihrer Eltern gefahren wird

  10. Medicus

    …dazu muss ich jetzt als nicht EDVler auch meinen Senf geben: ist schon lustig, dass man das Auto jetzt auf seine Software reduziert. Das führt automatisch zu einer Halbwertszeit von 2-3 Jahren, und dann? Meines Erachtens ist das alles nicht durchdacht. Ich habe noch nie ein Auto gekauft, dass weniger als 4-5 Jahre alt war und habe die Kisten meist noch etwa 10-12 Jahre gefahren. Ein VW Verbrenner hat früher locker 300000km gehalten, dann war der TÜV das limitierende, obwohl die Kiste noch fuhr. Dabei spart man eine Menge Geld. Wenn ich heute ein e Auto als Gebrauchtwagen möchte, weiß ich nicht, ob ich das wegen veralteter Software in 5 Jahren noch laden kann. Also überlege ich mir genau, ob ich das noch brauche: eigentlich nein. Und wenn das nur 20% der halbewegs intelligenten Menschen so machen, dann gute Nacht mit der Automobilindustrie. Meine Tochter (14) hat mir schon erklärt, dass sie erstmal keinen Führerschein braucht, in der Großstadt, in der sie wohl mal studieren möchte, braucht sie eh kein Auto….Habe leider noch BMW im Depot, zum Glück extrem billig vor mehr als 10 Jahren erworben, aber nachkaufen würde ich davon kein Stück…..

  11. Anvyl

    Es ist nicht nur die Software, unsere ID‘s hatten schon diverse Hardware Defekts. Kein Werkstatt-Aufenthalt unter zwei Wochen. Das schlimmste daran , es waren meistens Bauteile mit Steckverbindungen und wenig Schrauben, aber um an diese Bauteile ranzukommen, müssen umfangreiche Montagearbeiten durchgeführt werden. Zum Austausch, des 12V Ladegeräts, musste die Hinterachse und der Akku ausgebaut werden.

  12. Jo

    Ist mir irgendwie alles zu negativ hier 🙂
    Ja bei Schwarz ist noch nicht alles perfekt, aber die investieren sehr viel Geld und da laufen auch nicht nur Vollidioten rum. Klar, kann scheitern, kann aber auch richtig gut werden. Das ist halt das Risiko das man gehen muss oder? Sichere Wetten gibt es heutzutage eh nicht mehr 🙂
    Bei der Automobilindustrie sehe ich es ähnlich, natürlich läuft es wirklich schlecht und viele Probleme sind hausgemacht. Habe selber ein paar CARIAD Projekte mitgemacht und das war ein riesiger Clusterfuck 😀 Aber auch hier, kann sein das die gesamte deutsche Autoindustrie vor die Hunde geht. Aber was ist wenn nicht? Wenn der Umbruch gelingen sollte, werden in ein paar Jahren die Leute gefeiert die damals in der Krise investiert haben. Ähnlich wie z.B. diejenigen die vor 3-4 Jahren Deutsche Bank Aktien gekauft haben.

  13. Anvyl

    Also ich finde es nicht negativ, sondern realistisch. VW ist auch nicht die deutsche Autoindustrie. Aktuell wird VW noch sehr stark durch die Dienstwagenflotte gestützt. Dazu kommt, ohne den Druck der Gewerkschaften wären schon viel mehr Stellen der Automatisierung zum Opfer gefallen. In den meisten Unternehmen gehen die Mitgliederzahlen aber leider zurück. Ab einem gewissen Punkt wird es dann zum Stellenabbau kommen. Das könnte aber paradoxerweise die Unternehmen retten.

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