Shimano begleitet mich seitdem ich in den 90igern mein erstes Mountainbike bekommen habe. Ein MT Racing mit Daumenschalthebel. Damals hatte man vorne 3 Kettenblätter und hinten hatte die Kassette 7 Gänge .. alles in allem 21 Gänge.
Als ich so um das Jahr 2002 wieder mit dem Rad fahren angefangen habe war an dem Bike (ein Scott Tampico für 750 Euro) natürlich auch eine Shimano Schaltung dran. Ich hab sogar noch ein Bild von dem Rad gefunden:

Shimano war mehr oder weniger alternativlos .. zumindest wenn man was brauchbares haben wollte. Das korrekte Einstellen der Schaltung brauchte aber Übung .. naja zumindest sollte man wissen was man einstellt und dass ne Viertelumdrehung an den Schrauben manchmal schon genug ist.
Im Jahr 2003 hat SRAM seine MTB Schaltungen neu gelauncht und es kam die X.7 auf den Markt .. ich war natürlich heiß drauf das zu testen, weil es ja die erste richtige Alternative war.
Sagen wir so .. ich bin schnell wieder ins Shimano Lager gewechselt und bis vor kurzem dort geblieben. Die SRAM Schaltungen hatten diverse Kinderkrankheiten und irgendwie waren die nicht in der Lage nen funktionierenden mechanischen Umwerfer (Schaltung vorne) zu bauen.
Von Shimano bin ich dann in den folgenden Jahren die ganze Palette an High End MTB Gruppen gefahren: LX, XT, XTR. Bei meinem ersten Gravel Bike war wieder eine SRAM Schaltung montiert und die war okay. Aber Shimano Schaltungen waren irgendwie smoother, exakter, einfach ausgereifter .. an dem nächsten Gravelbike war dann natürlich eine Shimano GRX gesetzt.
Nun habe ich seit einigen Wochen ein neues Rad und entgegen meiner eher konservativen Einstellung was neue Technik angeht ist eine elektrische Schaltung am Rad. Eine SRAM X0 AXS Transmission. Eigentlich wollte ich nie Akkus und Elektronik am Bike .. aber ich kann ja über nichts lästern was ich nicht selbst mal ausprobiert habe.
SRAM macht bei der Schaltung einiges anders.
Sie ist direkt an der Achse montiert und man braucht kein Schaltauge. Es gibt keine Einstellschrauben mehr, sie schaltet unter Last und soll unter Last geschaltet werden (war früher ein Todesurteil für den Antrieb) und sie lässt sich per App feinjustieren (was bisher nicht nötig war). Die Montage und die Einstellung ist kinderleicht und der Akku hält mehrere Wochen bei häufigen Fahrten.
Die Schaltung ist so gut, dass sich das Fahren mit einem meiner alten Bikes (mechanische Schaltung) anfühlt wie ne Zeitreise ins letzte Jahrhundert. Oder .. ich werde mir nie mehr eine mechanische Schaltung kaufen und ich will an allen Bikes irgendwann so eine Transmission haben.
Man muss dazu sagen, dass ich dies nur für die Transmission Antriebe beurteilen kann. Während früher Schaltungen, Ketten, Kettenblätter, Kassetten mehr oder weniger herstellerübergreifend kompatibel waren bzw. sind, ist das bei der Transmission nicht mehr so. Transmission ist ein eigenes neues Schaltungssystem das nur innerhalb des Transmission Ökosystems funktioniert.
Shimano kontert zwar mit neuen elektrischen XT und XTR Schaltungen .. aber nicht mit den Vorteilen die es neben dem elektrischen Schalten noch gibt. (Einfache Einstellung, Schalten unter Vollast, kein Schaltauge mehr usw.) und das ist leider die Geschichte von Shimano in den letzten 10 Jahren.
Während ich bei mechanischen Schaltungen immer noch Shimano bevorzugen würde, haben die den elektrischen Trend komplett verschlafen oder haben nur ihre mechanischen Schaltungen genommen und Servo und Akku drangeklatscht.
Shimano bringt keine wirklichen Innovationen mehr sondern „reagiert“ mehr schlecht als recht auf das was SRAM macht.
So sieht man im High End MTB Bereich nur noch sehr wenig Shimano an neuen Rädern und bei Gravel und Rennrad behaupte ich einfach mal das Shimano viele Marktanteile an SRAM verliert und weiter verlieren wird, da SRAM das Transmission System natürlich auch dort anbietet. Mittlerweile auch als 13-fach Schaltung, was Shimano noch gar nicht im Programm hat.
Das ist der High End Bereich .. zugegeben er ist klein aber extrem margenstark und die Leute zahlen das ohne viel Widerwillen.
Im Massenmarkt kommen in den letzten Jahren chinesische Hersteller dazu. Da wären z.B. L-TWOO, Sensah, Wheeltop und diverse weitere .. die bauen fast alles von der günstigen Massenmarkt Schaltung bis zur Highend Rennrad Gruppe. Und während die in der USA oder EU nur vereinzelt eine Rolle spielen wird das sicher nicht so bleiben. Die Chinesen sponsern mittlerweile auch Pro Tour Teams und waren (als Rahmenhersteller) bei der Tour de France vertreten.
Die Preise die die Aufrufen sind unschlagbar. Eine zu SRAM oder Shimano vergleichbare Gruppe kostet dort einfach mal 50% bis 60% weniger und schlechter Schalten tun sie offensichtlich nicht (zumindest ist das der Tenor derer die sich die Schaltungen in China bestellt haben).
Als nächstes kommen dann chinesische E-Bike Motoren Hersteller mit im Motor integrierten Getrieben um die Ecke. DJI und Gobao haben solche Varianten angekündigt und beim E-Bike würde ich unbedingt eine Getriebeschaltung haben wollen .. schon wegen dem Verschleiß und des Wartungsaufwands. (Von Bosch ist hier übrigens noch nichts angekündigt).
Shimano wird aus meiner Sicht von allen Seiten angegriffen .. und ja der Schaltungsmarkt ist aktuell quasi ein Duopol .. aber die Japaner ruhen sich (aus meiner Sicht) zu sehr auf dem aus was sie haben.
Wird sich zeigen wie sich das entwickelt .. aber 4 Wochen mit ner SRAM Transmission haben mich vom Shimano Fanboy ins SRAM Lager konvertieren lassen.
Hallo Matthias,
also da muss ich dir erst einmal widersprechen. Auch damals in den 90ern gab es schon den Glaubenskrieg beim Thema Schaltung – ich war da ganz bei Suntour. Man war ich stolz auf meine XC Pro 🙂
Wo Du vollkommen recht hast, ist die Innovationskraft bei SRAM. Ich war damals mit der Eagle zu Sram gewechselt und habe dann die AXS lieben gelernt. Am Gravelbike kam dann schon automatisch die Force AXS ran. Das coole ist, man kann auch fix mal das MTB-Schaltwerk an das Gravelbike schrauben und die Kassette tauschen. Und schon hat man ein passend übersetztes Setup für ein Everesting…
Meine Frau schwört auf die GRX und ich muss sagen, die funktioniert klasse… wenn man sich nicht um ein Akku kümmern will. Ich aber bleibe bei meinen elektronischen Schaltungen und bin schon mächtig gespannt, was Sram als nächstes auf den Markt bringt und wie Shimano reagieren wird (denn sie reagieren nur noch – das innovative agieren überlassen sie anderen).
Allzeit gute Fahrt!
Matthias
@Matthias
Suntour Schaltungen kenne ich nur noch aus Erzählungen .. da bin ich wahrscheinlich etwas zu jung dafür und in den 90igern habe ich mich noch nicht so sehr für die Technik wie heute interessiert.
Aber du sprichst da was an .. MTB Schaltwerk am Gravel .. ich hab gerne einen Rettungsanker und wenn ich mir mal wieder ein Gravel Bike aufbaue werde ich definitiv eine Kassette mit 52 oder mehr Zähnen haben wollen .. hier im Schwarzwald runiere ich mir sonst noch die Knie 🙂
Hatte bisher die 11-fach und 12-fach GRX .. und gerade die 12-fach GRX ist eine hervorragende Schaltung, butterweich und präzise ..
Ich bin gespannt wann der erste Großserien Hersteller wie Cube eine chinesische Schaltung verbaut.
Hey mad,
Akku an Schaltung? Nöö, nicht wirklich. Aber Scott ist Kult! Die haben mal richtig gute Räder gebaut, zB das, mit dem ich heute und alle Tage unterwegs bin: sub 10 oder so- vor 11 Jahren keine tausend Euro, Notkauf nach Diebstahl, City bike oder ich weiß nicht was. Alurahmen, Starrgabel, Metallschutzbleche. Das edelste Teil der Schaltung LX Umwerfer hinten, Scheibenbremse. Das Ding hat ca 30000 km runter, vier Paar Pedale, mal ne neue Kette und wenns funkt sogar neue Bremsbeläge. Beim Unfall auf Glatteis war mein Schlüsselbein defekt. Und der rechte Schalthebel wurde mal ersetzt. Ich liebe dieses bike! Im Internet bestellt, passt perfekt. Hab auch ein Mtb und gravel, aber am liebsten fahr ich mit dieser Alltagsgurke. Mein Fazit: Shimano baut viele Sachen, die im Alltag schon fast zu gut und lang funktionieren. Aktien würd ich keine kaufen.