Dividenden Blog

13. Juli 2026

The Blind Will Lead The Blind

Ende Juni war ich auf einer SEO und AI Konferenz in Berlin. Das über allem stehende Thema war natürlich AI. Kaum ein Vortrag oder eine Diskussion wo es nicht darum ging.

Die Leute in der Branche spüren die Veränderungen und verlieren teilweise ihre Geschäftsgrundlage. Selbständige Texte die Inhalte für Websites geschrieben haben bekommen kaum noch Aufträge, Leute die Websites betreiben wo man sich Informationen zu bestimmten Themen holen kann verlieren massiv Nutzer. Einsteiger in diese Jobbereiche finden nur sehr schwer eine Stelle und keiner weiß wo das hinführen wird (Vermutungen gibt es viele).

Ich bin selbst etwas desillusioniert. Vor 5 Jahren hätte ich Leuten noch geraten Software Entwickler zu werden oder eine Website zu starten … heute würde ich das nicht mehr tun und ich glaube die Veränderung die AI bei Bildschirm Berufen mit sich bringt hat erst begonnen.

Ich betreibe ja ein SEO Tool, aber würde ich sowas heute nochmal entwickeln und ins Web stellen?

Wahrscheinlich nicht. Denn auch hier gehen die Nutzerzahlen zurück bzw. stagnieren. Und das ist ein Tool, dass aktuell nur teilweise durch AI ersetzt werden kann.

Vieles was das Tool macht kannst du heute mit Agenten selbst zusammenstellen UND es dann auch noch persönlich auf deine Bedürfnisse zuschneiden .. ich hab das ausprobiert und mir einen simplen Webcrawler durch Gemini erstellen lassen .. das hat keine 10 Minuten gedauert und ich kann ihn immer wieder einsetzen. Code den ich selbst geschrieben habe: 0 Zeilen.

Seiten die rein auf Inhalte setzen (Rezepte, Ratgeber, Blogs, Vergleiche usw) verlieren durch die Bank viele Besucher. Da diese Seiten sich meist über Werbeeinblendungen monetarisieren sinken die Einnahmen und irgendwann lohnt sich dann der Betrieb nicht mehr.

Wahrscheinlich merkt ihr das an euch selbst.

Google hat die AI Übersichten in den Suchergebnissen festgezimmert .. und oft reicht die Antwort die da drin steht erst mal. Für komplexere Recherchen sprecht ihr direkt mit Claude, ChatGPT oder Gemini .. die merken sich mittlerweile eure Unterhaltungen und können bei neuen Fragen einen Kontext herstellen.

Warum sollte man noch aufwändig auf Websites suchen wenn etwas neues kaufen will?

Die AIs liefern euch direkt einen Vergleich der auch noch auf eure individuellen Bedürfnisse zugeschnitten ist. Brauchst du nen neuen Kühlschrank dann gibst du die Maße und gewünschte Austattung in das Sprachmodell und in der Regel bekommst du ne ziemlich gute Vorauswahl und du sparst dir lange Suchen im Web.

Warum also noch eine Seite betreiben die Kühlschränke vergleicht?

Das selbe ist es mit Software.

Ich bin seit über 25 Jahren Software Entwickler und für normale Aufgaben reicht heute ein Claude Code oder Google Antigravity völlig aus. Die schreiben den Code schneller, fehlerfreier und genau so gut (wenn nicht besser als ich).

Mit Antigravity hat Google eine Agentenplattform gebaut die gar nicht mehr auf Code beschränkt ist. Ich habe damit Präsentationen gebaut, Depotanalysen durchgeführt, riesige Datenmengen visualisiert, Excel bearbeitet, geprüft ob ich Obstbäume richtig schneide usw. du kannst dem Ding Ordner auf deinem Rechner freigeben und dann ist es als ob du nen persönlichen Assistenten hast der das Zeug macht auf das du sowieso nicht viel Lust hast .. oder das dich früher Stunden an Arbeit gekostet hat.

Aber das bin ja nur ich .. und ich tauche da vielleicht auch etwas tief ein ..

Die Frage die sich mir stellt:

Was wenn Chefetagen flächendeckend begreifen, dass Agenten Plattformen keineswegs auf Software beschränkt sind, sondern jede Form von klassischer Bildschirmarbeit im Büro übernehmen können?

Nicht das man gar keinen Menschen mehr braucht .. aber wenn deine Finanzbuchhaltung 8 Angestellte hat werden es in ein paar Jahren nur noch zwei sein .. die dann die KI überwachen.

Ich glaube da stehen wir gerade .. die letzten Jahre waren Aufwärmphase für KI .. viele Kinderkranheiten, keine Vernetzung, kein Tooling, schlechte Knowledge Bases usw. das alles wird immer besser, immer genauer und immer schneller.

„Normale“ KIs die für die meisten Aufgaben ausreichen werden billiger und Token Kosten werden irgendwann geringer sein als die Kosten für einen Angestellten.

Wie es weitergeht?

Ich weiß es nicht und vielleicht male ich auch zu schwarz.

Aber ich vermute: Wer heute noch darauf wettet, dass in fünf Jahren im Job alles so läuft wie in den letzten fünfzehn Jahren, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt.

Diese Party ist vorbei.



Kommentare:

  1. Henry

    Mit meinem ehemaligen Fokus auf SEO (Grüße an die Campixx 2011+2013) und als heutiger Web-Allrounder kann ich dir nur beipflichten. Es sieht echt düster aus… ich wollte immer Programmieren lernen und hab das Jahre vor mir hergeschoben. Heute damit anfangen? Hahaha. Niemals.

    Ich bin sehr froh, dass mein Grundstock zum Frugalisten bei 80% ist und nur noch Zeit fehlt… die nächsten Jahre könnten auch in unserem Bereich hart werden. Nur gut, dass viele trotzdem Hilfe bei ihrer Webseite benötigen. Aber standardisierte/sehr ähnliche Arbeiten werden schon schwer werden.

    Wer hätte vor 10 Jahren gedacht, dass die wahren sicheren Jobs Klempner, Dachdecker und Co. sind und nicht Programmierer.

    Naja, mal schauen, was wird.

    LG

    Henry

    P.S.: Ich habe in den letzten 3 Wochen eine komplette Webseite mit einem Inventar von 80.000 URLs und hochwertigen Datenbasteleien gebaut, ohne eine Zeile Code zu schreiben… einfach wahnsinnig. Das war vor 10 Jahren ein Traum jedes Webseitenbauers.

    Umso bedauerlicher, dass Google nun die Search frisst. Welche Daten will Google eigentlich verwerten, wenn es keine Webseiten mehr geben wird, da unrentabel?

  2. denkfabrik

    Ich komme ja quasi auch aus der Branche, baue auch schon seit Ewigkeiten Websites und bin im B2B-Marketing zuhause. AI ist ein täglicher Begleiter, ein Abeitstier und der Einsatz wird aktiv gefordert. Was noch ein fehlt sind mMn konsistent ausgeführte Prozesse…aber wie auch immer..Die Devise lautet Effizienz: Was kann schneller und damit günstiger erledigt werden? Was das (zukünftig) heißt, kann sich jeder selbst zusammenreimen…Lustig finde ich dann aber doch immer Personen, die den Tod zb von „Marketing-Menschen“ herbeischwören, ohne einen Tau zu haben, was das eig. bedeutet und wie viele Bereiche es innerhalb dieser Funktion gibt. Nein, Hans-Jörg, es ist nicht nur labern und schöne Bildchen gestalten. KI wird aber natürlich auch in diesem Bereich viel verändern…es verändern sich dann Funktionen, vllt brechen Bereiche weg, andere werden wichtiger oder neu geschaffen. Dran bleiben schadet deshalb nicht. 😉

  3. Bernd

    Ich bin kurz vor der Fastrente und kann diesem ganzen Hype oder vllt auch der Hysterie (kann man in ein paar Jahren drüber urteilen) etwas entspannter zuschauen. Auch ich sehe viele Fragezeichen und manchmal auch etwas Hoffnungslosigkeit in den Augen meiner jüngeren Kollegen. Als älterer Kollege hat man aber auch schon einiges an Umwälzungen mitgemacht. Ich habe mich zweimal auf die Schulbank gesetzt und die nächsthöheren Qualifikationen erlernt/erkämpft. Ich arbeite in dem bis vor kurzem erfolgreichsten deutschen Industriezweig in Wolfsburg. Auch da herrscht mittlerweile Agilität, Sprint und nun auch AI. Und ja, es wird (nicht nur wegen der Chinesen) weniger Personal gebraucht.
    Ich habe in einer Zeit meinen Beruf (Kfz-Mechanikerhandwerk, auf Handwerk lege ich Wert) erlernt, da gab es noch keine, bzw. sehr sehr wenige Rechenmaschinen. Die wurden tatsächlich noch so genannt. Laptops gab es erst Lichtjahre später und man musste zu dieser Rechenmaschine gehen, um damit zu arbeiten. Also, ich bin sehr alt. 59 genauer gesagt. Die Computer kamen und in den Büros die z.B. mit Personal und Abrechnung zu tun hatten ging die Angst um. Ältere konnten sich an die Rechenmaschinen nicht mehr gewöhnen und mit Renteneintritt wurden diese Mitarbeiter nicht mehr durch neue ersetzt. Eine(r) machte jetzt die Arbeit, die vorher vllt 3, 5 oder auch 10 Leute pur per Hand gemacht hatten. Und wir, also meine Generation (jedenfalls die meisten) haben das überlebt. Es geht weiter, immer weiter. In 10 oder 20 Jahren wird es Berufe geben, von denen wir jetzt noch nichts wissen, die wir noch nicht mal beschreiben können. Vllt wird es jetzt wieder mehr Menschen geben, die sich in physischen Berufen ihren Unterhalt verdienen müssen. Vllt wird es in ein paar Jahren ein bedingungsloses Einkommen, weil Staat, Industrie und Handwerk nicht mehr so viele Leute beschäftigen können. Muss alles nichts Schlechtes sein. Keiner kann in die Zukunft schauen.
    Im Übrigen passt zu deinem Beitrag, @ Matthias, ein Artikel von Ken Fisher (Seite 37) aus der aktuellen Focus Money wie der Arsch auf den Eimer. Ich habe ihn als PDF. Falls nötig, kann ich ihn dir zusenden. Also per Mail und nicht per Brief 😉

    PS. Ich mag, wie Ken Fisher schreibt und wie er denkt. Positiv, vorwärtsgewandt und optimistisch, aber nicht euphorisch und schon garnicht desillusioniert.
    und noch ein bisschen Retro:

    https://www.youtube.com/watch?v=8GKuX4u9xKk

    PPS. dies ist weiterhin einer der besten Blogs deutschsprachigen Raum.

  4. Gurki

    Ich bin auch Softwareentwickler – allerdings mittlerweile in einer Nische. Hostentwicklung auf dem Mainframe. Da wurde schon in den 80er gesagt, wann lösen wir den Mainframe endlich ab. Jetzt haben wir 2026. 🙂
    Ich bin gespannt wohin das geht. Auch mein Arbeitgeber möchte vom Mainframe weg. Könnte noch etwas dauern.

    Habe mir aber jetzt auch mal mit Gemini eine Web-App gebaut und bin fasziniert wie einfach das geht und was dabei rauskommt. Allerdings wird es irgendwann im Prompt schwieriger, weil je länger dieser wird, irgendwann die Ki dann doch den Faden verliert und sich nicht mehr auf den Start des Projekts „erinnern“ kann.

    Da muss man dann doch schon etwas Know How von dem Thema IT und Softwarenetwicklung haben um zu wissen wie man was fragt. Empfand ich jedenfalls so.

    Trotzdem kann einem da schon irgendwie Angst und Bange werden, wenn man sieht was da schon krasses aus der KI-Werkstatt kommt.

    Na mal schauen. Vielleicht wird es dann nicht mehr das klassische Softwareentwickeln, sondern eben Softwareprompten. Schauen wir mal was wird. Was wird.

  5. Andy

    Servus, ich bin ja ähnlich unterwegs. Softwareentwickler, dazu betreibe ich ein paar Blogs, mit Tutorials, Anleitungen, bissel YouTube.

    Der Traffic von den Webseiten ist um 50% eingebrochen. Werbeeinnahmen entsprechend auch, genauso wie VG Wort. Wenn ich vergleiche, was mit dem Leistungsschutzrecht damals für Theater gemacht wurde und jetzt hat die KI alle Inhalte mal abgeschnorchelt.

    Auf Google bekommt man jetzt direkt irgendeine Antwort oder fragt die KI direkt. YouTube läuft noch bissel, aber auch hier kommmen immer mehr KI-Inhalte die um Aufmerksamkeit buhlen.

    Bei der Softwareentwicklung ist es ähnlich. Ich habe seit Monaten kaum noch eine Zeile Code geschrieben. Macht die KI, besser als ich. Ich gebe quasi nur noch die Requirements rein, prüfe und übernehme. Es hilft, wenn man selbst Softwareentwickler ist um das Ergebnis zu beurteilen, aber es wird deutlich weniger Leute brauchen.

    Warum sollte ich die Anforderungen lang und breit anderen Entwicklern im Team geben, wenn ich das direkt selbst umsetzen lassen kann und innerhalb kurzer Zeit ein Ergebnis habe und umsteuern kann.

    Ich bekomme es von kleinen Selbstständigen in dem Bereich mit, dass diese keine Aufträge mehr haben. Die kleinen Sachen frühstückt der Laie auch mit der KI gut ab.

    Für meinen Teil bin ich ganz froh, dass ich mein Depot und Einnahmen auf einem Level habe, dass es ich mir die Sache relativ entspannt anschauen kann.

  6. Thomas

    stimme zu. Bin kein IT Mensch, aber unheimlich verblüfft darüber, wie schlau Claude mittlerweile ist. Super (perfekte) Depotanalysen, klare Finanzmarktanalysen mit These und Antithese.
    Perfekte Physik und Mathematikkenntnisse, aber auch in Philosophie, Vergangenheit und Zukunft (scheinbar) sicher zu Hause. Erklärt aber Lücken auch sauber und nachvollziehbar.
    Früher hat man 10 Screener bemüht, um Aktien zu finden, die zu einem passen, heute beschreibt man lose in einem Prompt, gern 10 bis 15 Kriterien, was man gern hätte und Claude rennt los und liefert.
    Grenzt für mich manchmal an Wahnsinn.
    Je besser die Fragen, je besser die Antworten.
    Leute, die sich über blöde Antworten von KI mokieren, haben meistens auch blöde Fragen gestellt.
    Bin mir über die Auswirkungen unschlüssig , wie sich das in Zukunft auswirken wird.
    Eine gute Seite, um Trends (Konsequenzen, Pricing, Trends, Metaebenen, Hintergründe tief reflektiert) zu verfolgen ist die hier
    https://businessengineer.ai/
    aber manchmal schwere Kost.
    Im Prinzip ist aber KI ein Werkzeug. Alle Handwerker verwenden heute nicht mehr die Werkzeuge, die vor 100 Jahren verwendet worden sind. Aber sie können auch mit den modernsten Werkzeugen nur die Umsätze machen, die der Markt hergibt und keinen cent mehr. Die Frage ist die nach der Monetarisierungslücke zwischen Gigantomanischem Capex und zukünftigen Umsätzen, die damit zu erzielen sind. Die Konsumenten können ihr Geld alle nur einmal ausgeben. Aber die Frage hat der Markt noch nicht abschließend beantwortet. Schauen wir(und staunen) mal, wie es in 5 Jahren aussieht. Der Geist ist aus der Flasche und läßt sich ähnlich wie Zahnpasta nicht mehr in die Tube zurückdrücken.
    Das schlaueste, was wir machen können, um KI selber klug zu nutzen und wir lernen ja auch selbst rapido pronto, wie wir KI am besten für uns nutzen können.
    Wahnsinnig interessant. Trotzdem das real Life nicht vergessen und unser Leben nicht vorm Laptop vertrödeln.

  7. Matthias

    @Henry:

    in den Jahren war ich noch nicht auf der Campixx 😉

    Paradoxon: Es war noch nie so leicht, riesige Projekte aus dem Boden zu stampfen aber gleichzeitig war es noch nie so schwer, damit organischen Traffic zu bekommen 🙂

    Ist schon krass wie schnell sich das gedreht hat .. aber bis man Handwerker ersetzen kann .. da geht hoffentlich noch etwas Zeit ins Land.

    Dann liest die KI ihre eigenen Texte 😉

    @denkfabrik:

    Jupp .. am Ende gehts um die nackte Effizienz .. wie immer

    Marketing wird bleiben und wer KI für sich zu Nutzen weiß hat klare Vorteile. Aber es wird weniger Plätze am Tisch geben und ich sehe aktuell nicht wo Bereiche geschaffen werden die die Masse auffangen .. die durch KI obsolet werden.

    @Bernd:

    Und du hast recht: Der Wandel von der analogen Handarbeit zur „Rechenmaschine“ und zum PC war damals für die Betroffenen wahrscheinlich genauso ein gefühlter Weltuntergang wie für manche heute die KI-Agenten.

    Und aus dem Blick .. die Arbeit wurde ja nicht weniger .. ich hoffe das ist mit KI auch so .. auch wenn ich da etwas pessimistisch bin.

    Darum würde mich auch der Artikel von Ken Fisher interessieren .. (zur Not auch per Post) .. optimistischer Gegenwind zu meiner aktuellen Desillusionierung kann definitiv nicht schaden.

    @Gurki:

    du hast eine krisensichere Nische gefunden 🙂

    Und ja .. Vibe Coding ist nicht perfekt .. aber mich schockiert eher was es jetzt schon kann .. und Context Windows werden immer größer .. ich glaube es ist nur noch eine Frage der Zeit bis ein LLM kein Problem mit umfangreichen Code Bases hat .. klar sollte man dann immer noch jemanden haben der manuell fixen kann .. aber du brauchst halt keine 10 Leute mehr

    @Andy:

    50 % Einbruch beim Traffic bzw. bei VG Wort und Adsense tun sehr weh .. und ja .. AIs haben das Leistungsschutzrecht zum Frühstück gegessen .. und ich sehe keine wirkliche Lösung dafür.

    Agenten meckern nicht, sind nicht krank, wollen keinen Urlaub .. und halten sich wahrscheinlich auch noch genauer an die Vorgaben .. warum noch einem Junior alles beibringen?

    Ich bin auch froh, dass ich mich diesem Markt nicht mehr aussetzen muss.

  8. Bernd

    @Matthias
    Pdf ist per Mail unterwegs. Viel Spaß beim Lesen.

  9. Jo

    Ich bin ehrlich gesagt nicht ganz so pessimistisch, was die Auswirkungen von KI angeht.

    Ich bin bei dir, dass viele mittelmäßige oder repetitive Tätigkeiten wegfallen werden. Das muss aber nicht zwangsläufig etwas Schlechtes sein. Die frei werdende Arbeitskraft kann dann in produktiveren und wertschöpfenderen Bereichen eingesetzt werden.

    Ich arbeite selbst in der IT Beratung und seit drei bis vier Jahren höre ich praktisch täglich, dass Programmierer bald überflüssig werden. Die Realität sieht bei uns allerdings anders aus. Wirklich gute Softwareentwickler mit tiefem Fachwissen sind nach wie vor komplett ausgelastet und wir stellen auch weiterhin ein.

    Natürlich wird KI die Produktivität steigern. Aber hochkomplexe Systeme, beispielsweise die weltweite Produktions oder Logistikplanung eines Automobilherstellers, werden Agenten oder Claude auf absehbare Zeit nicht eigenständig entwerfen oder verantworten können.

    Außerdem gibt es durchaus viele renommierte KI Forscher, die bezweifeln, dass mit der heutigen LLM Technologie noch die riesigen Leistungssprünge möglich sind, die aktuell häufig erwartet werden.

    Falls dich ein etwas anderer Blick auf das Thema interessiert, kann ich dir die Videos von Cal Newport empfehlen. Er ist Informatikprofessor in den USA und ordnet den aktuellen KI Boom aus meiner Sicht angenehm nüchtern ein. Vielleicht gefällt dir seine Perspektive auch.

  10. Jo

    Hier ist z.B. ein passendes Video von Cal Newport 🙂
    https://www.youtube.com/watch?v=QPapwLpog0I&t=89s

  11. Matthias

    @Bernd

    danke dir .. ist angekommen

    @Thomas

    schon richtig .. KI ist ein Werkzeug .. und während man früher ganze Heerschaaren an Baumfällern gebraucht hat um Holz zu machen .. gibts heute die Motorsäge und den Harvester .. vielleicht sehe ich das nur so negativ, weil es meinen Bereich so stark betrifft und sich die Alternativen noch nicht so wirklich abzeichnen

    @Jo

    danke dir .. werde mir das Video ansehen .. wird auf jeden Fall spannend anzusehen wie sich die Dynamik in der IT ändert .. ich höre aktuell von vielen die mit dem Informatik Studium fertig sind und schwer einen Arbeitsplatz finden

  12. Alex

    Ich bin mir sehr sicher dass die Leute die ein bisschen als Dummerchen gesehen werden, z.B. Saunameister, auch manche Lidl-Verkäuferin mitunter die Skills hat die künftig gebraucht werden, Echte Empathie mitunter in spezieller Ausprägung um narzisstische Strukturen in einer Feinheit und Energie zu durchschauen ist eine Superkraft, wer diese clever einsetzt kann sich vor Aufträgen nicht mehr retten.

    Es werden Firmenchefs auf einen zukommen die früher manchen „einfachen“ Menschen belächelt hätten weil er ja nicht auf seiner Dr. Dr. Ebene spielt. Wer aber diese Superkräfte hat wird künftig seine 4 oder 5 Firmen um sich haben und diese wirklich beraten können.

    Dieser geht dann in Firmen, schaut sich die Strukturen an und spürt alleine an Energien, Gestiken, Mimiken binnen Stunden wer hier wirklich toxisch ist – dafür werden Firmenchefs noch sehr viel Geld zahlen die nachts nicht schlafen können und die Leute die sowas draufhaben…wirken auf manche wie Hokuspokus…haben aber eine Prägung die in der Schärfe die KI nie nachbilden kann….

    Klassische Unternehmensberatungen werden aussterben. Momentan zahlt man denen noch viel Geld und wenn es dort Leute gibt die wirklich diese Fähigkeiten hätten, werden Sie auf Linie gedrillt oder kündigen selbst. Ich spüre dass Matthias zumindest exakt weiss was ich meine wenn ich von Hypervigilanz und Co rede.

    Ich bin gespannt inwiefern man damit Geld verdienen kann und markiere mir den Beitrag mal auf WIedervorlage in ein paar Jahren 🙂

    Alles Gute Matthias und genau die Gedanken wie du mach ich mir auch, bin auch grob dein Alter.

  13. Matthias

    Hypervigilanz ist mir (leider) nicht fremd .. in wie weit das aber in der Firmenwelt niederschlagen wird (wie du es beschreibst) kann ich mir derzeit nicht so richtig vorstellen .. aber wir werden sehen .. das ist auf jeden Fall etwas das die AI nicht kann

  14. Alex

    Danke Matthias, dachte ich mir. Doch ich bin mir ziemlich sicher aus eigener Erfahrung. Nicht bei den großen Konzernen da wird das niedergebügelt aber bei kleinen Firmen so bis 100 Mann die am wachsen sind.

    Gerade bei Firmen die nicht das große Geld zahlen können (bruttonetto Spirale aktueller denje) sind oft die Chefs echte Empathen mit Menschenführung…wenn hier die falschen Leute ins Boot kommen um sich selbst zu entlasten, merken das Chefs oft nicht oder zu spät…- Leute mit diesem Blendertalent haben fast immer Skills die andere nicht durchschauen und oft steigen auch Umsätze. Aber die Zufriedenheit sinkt erst innerlich und dann ist die ganze Firma davon angesteckt und es ist zu spät – dann ist es für die Leute kein Beruf mehr weshalb Sie aus „Drecksjobs“ dorthin gegangen sind…sondern wieder nur ein „Job“ und austauschbar.

    Genau deshalb wird das in Anbetracht der aktuellen Situation wichtiger denje und Firmen die das wirklich leben werden erfolgreicher denje.

    Im öffentlichen Dienst gibts schon einige dieser Kulturmanager. Leider sind die ebenfalls wie mancher Berater der großen Unternehmensberatungen gefangen im System, erkennen zwar Muster und könnten handeln, dürfen es aber nicht und werden auf Linie gebracht.

    Entsprechend volle Entfaltung haben diese Leute nur dort wo Sie vom Chef aufgrund Empfehlungen anderer Chefs in diesen Positionen vollstes Vertrauen geniessen…und diese Leute die das können werben im Stillen und im Vertrauen für sich selbst…was ja auch logisch ist 🙂

  15. Alex

    Und zum Thema KI:

    Ja es ist wirklich irre, auch Kollegen welche sich nur alle paar Monate bei mir melden (generell merke ich wie es ruhiger um mich wird sofern man nicht mehr sich groß meldet)berichten mir.

    Das sind keine Leute die sich selbst hochloben oder höher stellen gegenüber mir oder übertreiben. Nein Sie untertreiben.

    Einer davon wurde jetzt von der Führung gefragt gleich 2 Stufen aufzsteigen, man habe gesehen wieviel er mit KI schon macht bzw sich beschäftigt, er soll jetzt in einem der Führungsgremien irgendwelche KI Sachen machen. Da es ein US Konzern ist und mein Kollege wirklich motiviert (für Ihn ist es eher Spiel und Hobby) ist die Chance auch da dass er dafür belohnt wird – was bei vielen anderen deutschen Firmen ja oft nicht der Fall ist.

    Wenn ich alleine sehe wie sich selbst Mindset gegenüber mir geändert hat von „naja der Standort ist save“ ….hin zu „ja wir lagern erstmal Privatkunden nach Ägypten jetzt aus“ vor paar Jahren und jetzt zu „naja auch das andere ist nicht mehr sicher hier“…… weiss ich dass is aus der Praxis echte Realität. Geh davon aus dass der gerade zig Leute überflüssig macht.

  16. Matthias

    @Alex

    ja .. beim Thema KI … ich bin aktuell skeptisch ob der Wegfall von „alten“ Jobs die durch KI nicht mehr gebraucht werden durch „neu“ KI Jobs (für Menschen) ersetzt werden kann .. die nächsten Jahre werden es zeigen

  17. Michael

    >@Bernd
    >danke dir .. ist angekommen

    So schnell?? dachte ängstlich der Briefzusteller in den 90er Jahren. Er trägt bis heute noch Briefe aus; wenn auch weniger…

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