Diese Woche hatte ich wieder eines „dieser“ Gespräche.
Ich spreche meinen finanziellen Status bzw. das Arbeit für mich optional ist nie von selbst an. Wenn mir allerdings wer zu diesem Thema was frägt gebe ich Auskunft.
Ich wurde gefragt was ich denn mit meiner Zeit anfangen würde.
Die Frage kenne ich mittlerweile zu genüge .. meine Antwort ist dabei nicht relevant .. die Leute wollen mir lieber erklären, das dies gar nichts für sie wäre .. also im Kontext: „Man muss doch was tun haben“
Argumente die dann gerne kommen:
- sie hätten dann Langeweile
- sie gehen sehr gerne zur Arbeit
- das ist ja nichts so „in den Tag“ leben
- was sollen sie denn dann den ganzen Tag machen
Ohne das ich es will komme ich dann immer in so eine Art Verteidigungshaltung und fange an mich zu rechtfertigen oder suche Argumente warum mein Lebensstil doch ganz okay ist (Überzeugen will ich sie gar nicht). Danach denke ich immer: Warum rechtfertige ich mich eigentlich?
Es ist ermüdend, wie zuverlässig dieses Muster abläuft. Man wird etwas gefragt, antwortet, und statt eines echten Austauschs bekommt man einen Monolog darüber, warum das Gegenüber unbedingt die feste Struktur eines klassischen Jobs braucht.
Ich glaube mittlerweile das ist ein Reflex meiner Gesprächspartner.
Wenn Menschen mit dem Konzept konfrontiert werden, dass Arbeit optional ist, triggert sie das .. und ich versuche das zu verstehen:
- Menschen definieren ihren Selbstwert, den sozialen Status und ihre Tagesstruktur über ihren Beruf. Die Vorstellung, dieses Gerüst wegzunehmen, löst Verunsicherung aus. Sie wissen schlichtweg nicht, wer sie ohne ihre Visitenkarte wären.
- Die Begegnung mit jemandem, der das Hamsterrad verlassen hat (oder könnte), rüttelt am mühsam aufrechterhaltenen Glaubenssatz, dass der Alltag nun mal so aussehen muss. Die Rechtfertigung „Ich gehe ja sehr gerne arbeiten!“ repariert dieses Weltbild im selben Moment.
- Die Idee, dass man auch ohne äußeren Druck (Chefs, Deadlines) aktiv, kreativ und zufrieden sein kann, übersteigt vielleicht die Vorstellungskraft. Für viele existiert nur der binäre Zustand zwischen Fremdbestimmt auf Arbeit oder Couch und nichts tun. Oder ihnen fehlt (wegen der Arbeit) die Antriebskraft in der Freizeit etwas aktiv zu gestalten?
Das ist natürlich nicht bei allen so (wenn über das Thema gesprochen wird) .. aber doch bei nem Großteil.
Manchmal frage ich dann auch ob sie ihre Arbeit machen würden wenn sie dafür kein Geld bekommen würden .. oder andersrum: Was sie denn tun würden wenn ich ihnen jeden Monat 3000 Euro netto (ohne Bedingung) überweise .. ein Leben lang.
Dann kommen sie manchmal ins Grübeln .. aber so ne konkrete Idee kommt nie. Einfach weil es sich für die meisten Menschen einfach ausschließt darüber überhaupt nachzudenken.
Man arbeitet von Urlaub zu Urlaub, von Wochenende zu Wochenende, so ist das halt und das hat so zu sein.
Ein anderer Aspekt da da manchmal auch kommt:
Wenn ich so viel Geld hätte würde ich mir mehr tolle Dinge kaufen!
Mein Gegenüber:
Matthias, du fährst nen Fiat 500, hast alte Heavy Metal T-Shirts an, läufst in Badelatschen rum und warst zuletzt „nur“ in Italien im Urlaub. Da würde ich mir mehr gönnen.
Ich dann so:
Wenn man genug Geld hat um sich die ganzen tollen Kram zu kaufen verliert der irgendwie seinen Reiz. Außerdem macht mich materieller Kram auf Dauer nicht glücklicher.
Mein Gegenüber:
Verständnisloses Kopfschütteln.
Verunsichern tut mich das nicht, ich merke nur wie anders meine Realität (geworden) ist.
Ich denke im Grunde sucht doch jeder nach Selbstbestätigung (confirmation bias). Jeder will zu einer Gruppe dazugehören. Um das zu erreichen, werden (vermehrt) Statussymbole gekauft.
Um es mit den Worten meines früheren Vorgesetzten zu sagen: Fuck them!
In meinen Augen sind solche Gespräche reine Zeitverschwendung. Die Leute wollen es nicht verstehen.
Womöglich ist Dein Gegenüber einfach nur neidisch?
Menschen verwechseln die Freiheit nichts tun zu müssen mit Müßiggang.
Ein Sklave muss auch so lange ‚extrinsisch motiviert‘ werden (Peitsche), bis er das Sklaven-Sein internalisiert hat; dann steht er inrinsisch motiviert auf, um seine Sklavenarbeit zu erledigen.
Typisch deutsche Mentalität, erzeugt aus Jahrzehnten an linker Indoktrination (Arbeiter, der sich für dumm verkaufen lässt von Politik und Staat = gut. Selbst Verantwortung für Leben übernehmen und Kapitalistisch im Eigeninteresse handeln = sehr böse.).
Viel spannender als der von dir angesprochene Moral-Monolog wäre doch die ehrliche Frage: Was tust du für dich und warum? Was tust du für die Wahrung der Freiheit der Generationen nach dir und warum?
Da kommt sicher ein interessanteres Gespräch bei rum.
Viele Grüße,
C.
Kann man nur 1:1 zustimmen, braucht keinen langen Text. Ich nutz die gewisse Freiheit primär dafür dass ich Situationen die mir nicht gut tun zu entkommen – selbst jetzt wo ich noch nicht ganz deinen Status erreicht habe – es bringt auch nichts wie Teufel komm raus zu sparen und Situationen zu ertragen die einem nicht guttun. Bin aber auf einem guten Weg und lerne 🙂
Das sind aber einfallslose Fragen.
Ich würde folgendes Fragen:
1. Hast du nennenswert an Gewicht zugelegt oder abgenommen ?
2. Trinkst du mehr Alkohol (alternativ kiffen etc pp) ?
3. Lebst du (noch) gesünder oder kommst jetzt dort
auf neue Gedanken – Biohacking/LaVita trinken;)
4. vergrößert sich dein Bekanntenkreis oder wird es eher einsam ?
5. Stehst du wesentlich später auf ?
6. Machst du jetzt die Sachen die du
immer schon machen wolltest ?
7. Nimmt der Sportanteil ungesunde Züge an weil einfach zuviel Zeit da ist ?
8. Ich denke das man auch mehr Zeit zum nachdenken hat. Falls das so ist – ist da was bahnbrechendes rausgekommen ?
Das ist KEINE Aufforderung diese Fragen zu beantworten,
ist mir einfach nur eingefallen als ich den Text gelesen habe.