getmad allem kann ich widerstehen, nur der versuchung nicht
19. August 2021

Hefte raus, Klassenarbeit

Dies ist ein Gastbeitrag von Mike, ja genau der Mike der auch in meinem Podcast zu Gast war.

Bühne frei für Mike:

Heute möchte ich kurz die Chance ergreifen, um euch den Unterschied zwischen Bilanzgewinn und dem Jahresüberschuss näher zu bringen. Viele denken: Jahresüberschuss, Gewinn, Bilanzgewinn … muss doch das gleiche sein.. Kann, muss aber nicht.

Ich zeige es an einem Beispiel.

Dabei helfen wird mir der Jahresabschluss der Vonovia SE. Dies ist nicht der Konzernabschluss mit dem der Kapitalmarkt informiert wird, sondern der Abschluss der Holding, die alle Beteiligungen der Vonovia hält und somit auch verantwortlich ist, den Gewinn als Dividende auszuschütten.

Finden werdet ihr den Jahresabschluss unter diesem Link:

https://investoren.vonovia.de/news-und-publikationen/berichte-publikationen/

Dort nicht den Geschäftsbericht auswählen, sondern den Jahresabschluss der Vonovia SE.

Werfen wir als erstes einen Blick in die Bilanz. Der Bilanzgewinn beträgt: 1.000.000.000,- Euro. Das liest sich sehr ordentlich. Gehen wir in die Gewinn und Verlustrechnung (G&V) auf der Seite 4 und stellen fest der Jahresüberschuss beträgt -53.522.768,55.

Wir haben also einen Verlust in der G&V und einen Bilanzgewinn von 1.000.000.000,-, wie kann das sein?

Es ist korrekt, den der Jahresüberschuss, respektive der Jahresfehlbetrag ist nur ein Bestandteil des Bilanzgewinnes.

Dieser setzt sich wie folgt zusammen:

Bilanzgewinn zum 1.Januar 2020912.721.577,83
Dividende für 2019 in 2020 bezahlt-851.369.569,27
Jahresfehlbetrag-53.522.768,55
Entnahme aus der Kapitalrücklage522.170.759,99
Entnahme aus anderen Gewinnrücklagen470.000.000,00
Bilanzgewinn 20201.000.000.000

Man merkt also 2 Dinge:

Der Bilanzgewinn in der Bilanz muss nicht dem Jahresüberschuss aus der G&V entsprechen.

Ferner wird die Dividende nicht aus dem Gewinn des Jahres bezahlt, sondern aus der Gewinnrücklage (Gewinne der Vorjahre die noch nicht ausgeschüttet wurden), der Kapitalrücklage (hier aus dem Aufgeld der jungen Aktien die ausgegeben worden sind in 2020) und dem übrig gebliebenen Bilanzgewinn aus dem Vorjahr.

Das erreicht, das ein schöner Bilanzgewinn im Eigenkapital steht, dieser ist aber entstanden durch Umbuchungen und nicht durch Erwirtschaftung in diesem Jahr.

Das alles für sich ist vollständig ok. Die Vonovia ist sogar mustergültig und macht einem das Lesen und Finden sehr einfach.

Um sich ein besseres Bild zu machen, muss man nun die Kapitalflussrechnung heranziehen, ob die Dividende zumindest im Free Cash Flow verdient wurde.

Wichtig war aber mir aufzuzeigen, obwohl das gleiche „umgangssprachlich“ gemeint ist, 2 völlig verschiedene Dinge rauskommen können. Achtet also darauf, welche Kennzahlen ihr anschaut und woher diese kommen, Jahresabschluss oder Konzernabschluss.

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