getmad auch die bretter, die mancher vor dem kopf trägt, können die welt bedeuten
11. Januar 2020

Meinungsnarzissmus

Meinungen sind wie braune Häufchen: das Eigene stinkt doch noch am besten.

Seit Jahren beobachte ich ne zunehmende Empörungskultur und den zugehörigen Meinungsnarzissmus. Man unterhält sich nur noch in Extremen und pöbelt aufs übelste über Menschen die nicht der eigenen Meinung sind. Seine eigene Meinung verteidigt man wie eine Löwenmutter ihr Junges, wird man angegriffen oder fühlt sich betroffen heult man im Gegensatz dazu rum wie ne Kompanie Babys denen man den Schnuller weggenommen hat.

Wir führen mittlerweile Debatten auf dem Niveau von Fünfjährigen .. wer am lautesten schreit wird schon recht haben.

Und wehe du kritisiert meine Art zu Leben, zu essen und zu trinken, zu glauben .. du scheiß Fundamentalist. Dabei merkt man oft nicht das man selbst schon einer geworden ist.

Du darfst im übrigen glauben was du willst und für dich alleine jede Meinung zu jedem Thema haben.

Nur beim laut aussprechen solltest du vorsichtig sein.

Schau .. nehmen wir alles faktische Wissen der Welt, welches belegbar, reproduzierbar und bestätigt ist und stellen uns selbst daneben, dann vergleichen wir Einzeller (wir selbst) mit Blauwalen (das Wissen der Welt).

Beispiel: Das Rauchen von Tabak.

Keiner streitet heute noch ab, das es schädlich ist, zur Krebs führen kann und das Leben verkürzt.

Aber stimmt das?

Glauben tu ich es, wenn mich wer fragt würde ich das wohl auch zum Ausdruck bringen .. aber ich weiß es nicht wirklich .. denn ich habe keine einzige Studie, keine wissenschaftliche Analyse oder sonstige fundierte Belege gelesen. Ich glaube dem was viele hundert Zeitungsberichte, Filme und Dokus behaupten und sage mir: Das wird schon stimmen (wenn alle so auf den Busch klopfen).

Ich muss mich auf das gesammelte „Gehörte“ verlassen wenn ich ne Diskussion anfange. Oder ich lesen mich durch Studien in wissenschaftlichen Magazinen etc. und bilde mir eine belastbare Meinung.

Beispiel: Klimaerwärmung

Es gibt eine gewisse Anzahl von Menschen (aus dem konservativen und rechtem Spektrum) welche abstreiten, dass die Klimaerwährmung vom Menschen gemacht ist.

Liegen die richtig?

Ich weiß auch das nicht. Ich (persönlich) glaube die Klimaerwärmung ist vom Menschen gemacht. Aber Glauben ist nicht Wissen. Will ich nun in die Debatte einsteigen muss ich ich aufrüsten. Ich sollte anfangen meine Meinung durch Fakten zu untermauern und dabei aber auch die Gegenseite nicht ignorieren.

Welche Fakten führen Befürworter, welche Fakten führen Gegner an.
Wie ist der wissenschaftliche Tenor?
Welche Studien sprechen für meinen Glauben, welche dagegen?
Was sind die Quellen und sind diese belastbar?

Wenn ich bei einer ernsthaften Debatte nicht bereit bin meine Hausaufgaben zu machen sollte ich besser still sein.

Und da ist das Problem. Der (von mir beobachtete) zunehmende Narzissmus fördert das nicht gerade, eher im Gegenteil. Durch den Ich-Bezug wird immer weniger das eigene Denken und Handeln reflektiert.

Dazu kommt dann unglaubliche Empörung wenn jemand was konträres zu meinem eigenen Weltbild behauptet.

Klar .. soziale Medien fördern das. Jeder noch so doofe Honk kann anfangen auf Facebook, Twitter usw. seinen Glauben rauszuhauen. Dann findet er noch ein paar Menschen welche die Weisheit auch nicht mit Löffeln gefressen haben und plötzlich ist Impfen schädlich, die Bundesregierung durch die CIA kontrolliert, die Erde eine Scheibe und Elvis auf dem Mond.

Meine Devise für die 2020er Jahre .. wenn ich was nicht weiß, sondern nur „glaube“ was zu wissen -> besser mal Fresse halten.

Wenn ich an einer Debatte interessiert bin bringt es nur was wenn man diese sachlich, mit Quellen und Fakten belegt, diskutiert.

Empörungen spare ich mir, die waren mir schon immer peinlich.

Und was sind eure Vorsätze fürs neue Jahr?

Kommentare:


  1. chn

    Mein Vorsatz für dieses Jahr: Ich besorge mir endlich ein richtiges Smartphone und fange mit Social Media an. Bisher war es nämlich immer so: Wenn die Masse der Leute irgendwas gemacht hat, hat mich das immer abgeschreckt. Habe ich dann irgendwann doch damit angefangen, war der Trend schon längst wieder vorbei.
    Das ist dann also mein Beitrag zur Verbesserung der Diskussionskultur – ich sorge dafür, dass alle mit Social Media afhören, indem ich damit anfange 🙂

  2. Stefan

    Das stimmt doch gar nicht! …

    Meine Devise für die 2020er Jahre: Die Leute reden lassen, gelassen bleiben. Ab und zu kaputt lachen, wenn die Leute sich wieder um Kopf und Kragen empören. Und, auch besser mal selbst die Fresse halten.

    P.S.: Mein Häufchen stinkt am besten.

  3. Hans

    Basiert nicht fast alles auf Glauben, was wir selbst nicht gesehen oder erlebt haben? Weiss ich, ob die Amerikaner auf dem Mond waren? Nein, denn ich war nicht dabei. Ich glaube es, ja. Andererseits, wenn man immer alles anzweifelt, wird man ja auch verrückt und ggf. zum fanatischen Verschwörungstheoretiker. Viele „Rechte“ (was auch immer das sein soll, schließlich sind auch CDU/CSU irgendwie rechts und rechts und links und liberal sind ganz normale Sichtweisen im Pluralismus), sagen übrigens auch nicht, dass der Klimawandel nicht vom Menschen gemacht wurde. Sie sagen lediglich, dass sie nicht wissen, wie hoch genau der Einfluss des Menschen auf den Klimawandel ist/war. Schließlich lässt sich das nicht so einfach berechnen, wie man denken mag. Es gibt hier Modelle und Theorien dazu, aber es sind eben nur Modelle und Theorien. Dass der Mensch Einfluss auf unser Klima hat, streiten auch die wenigstens „Rechten“ ab. Und es gibt sicherlich auch bei den „Linken“ Leute, die den Klimawandel vielleicht für eine natürliche Sache halten. Schließlich gab es in der Erdgeschichte schon viel heißere Perioden. Ich finde es aber gesund, über alles nicht unreflektiert nachzudenken. Es ist niemanden geholfen, immer alles ungeprüft hinzunehmen oder nachzuplappern, was gerade Mainstream ist.

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