Dividenden Blog

23. August 2023

Das Finanzcoaching für Dich?

Keine Angst .. die Headline ist Clickbait. Ich biete immer noch keine Coachings an. Denke das bleibt auch so.

Vielmehr wurde ich durch die Frage eines Freundes wieder mehr drauf aufmerksam.

Er fragte mich ob ich einen P.J. Müller (https://www.pjmueller.de/) kennen würde. Kenne ich natürlich nicht.

Dort möchte eine Arbeitskollegin ein Coaching (auf der Website wird es „Ausbildung“ genannt) buchen.

Kostenpunkt knapp unter 4.000 Euro für ein Gruppencoaching welche laut Website zwei Tage dauert.

Schnapper.

Ich möchte nun nicht auf die ganze Coachingszene eingehen und über Sinn und Unsinn referieren. Ich habe auch per se nichts gegen bezahlte Beratungen und möchte auf keinen Fall alle Anbieter über einen Kamm scheren.

Es kann durchaus Sinn machen einem Experten für eine Beratung etwas zu bezahlen.

Zwei Dinge stören mich aber:

Überzogene Versprechungen und Wucher.

Der Wucher ist oft auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen. Das „Erstgespräch“ ist schließlich kostenlos. Allerdings dient es eben meist dazu schwammige Aussagen zu treffen und Angst zu schüren. Angst davor, dass man ohne besagtes Coaching quasi am Arsch ist. Das Ende der Welt ist nahe und man muss unter der Brücke schlafen. (Marketing durch die Erzeugung von Angst).

Mehr oder wenige bekannte (ehemalige) Finanzblogger verlangen dann gerne mal 5.000 Euro für ein Mentoring das im Grund nichts weiter vermittelt als was man auf dutzenden Blogs täglich lesen kann: Schulden abbauen, Haushaltsbuch führen, Notgroschen aufbauen, ETF Sparplan starten (Ja scheiße .. mehr ist es halt nicht).

Dann suggeriert man Verknappung, denn man muss sich um einen Platz im Coaching „bewerben“. Also besser schnell sein und das nächste Mentoring bloß nicht verpassen.

Obendrauf gibt es dann noch Zugang zur exklusiven Community, drei Jahre alte Schulungsvideos und Power Point Folien bis die Festplatte schmilzt.
Hint: Bekommst du auch alles kostenlos musst nur Google benutzen. Zur Not einfach jeden Tag bei Tim Schäfer im Blog abhängen.

Nun lernt jeder anders und manche bekommen das mit dem ETF Sparplan alleine nicht hin .. gut .. ist so. Aber dafür mittlere vierstellige Beträge zu nehmen halte ich halt einfach für unseriös und sollte so ganz allgemein als Warnsignal gelten.

Wenn der ganze Finanzkrams auch nach harter Anstrengung ein Buch mit sieben Siegeln bleibt brauchst du Beratung .. OK. Aber für 5.000 Euro kannst du dir auch einen Privatcoach ne ganze Woche mieten .. das ist dann allemal effektiver und zielführender. Der kümmert sich GENAU UM DEIN ANLIEGEN und verkauft dir keine allgemein gehaltene Schulung.

Dann die überzogenen Versprechungen.
Oben genannter Philipp J. Müller wirbt auf seiner Website damit, dass schon mehr als 16.000 Menschen an seiner Ausbildung teilgenommen haben und es eine Zufriedenheitsquote von 96,7% Prozent gibt. Er hat also mindestens schon 64 Millionen Euro Umsatz mit diesen Coachings gemacht und nahezu jeder Teilnehmer (15.472) können „nachweislich Erfolge im Leben und an der Börse“ verzeichnen. Realistisch? Das Gegenteil kann ich ihm nicht beweisen, also muss es wohl so sein.

Was mich aber aufhorchen lässt sind die hohen Renditen der Teilnehmer welche oft genannt werden. Nicht selten wird hier von 2, 3 und fast 4% im Monat gesprochen. Das entspricht Jahresrenditen von 24, 36 und 48%. Damit befinden sich diese Menschen in einer Liga mit den besten Tradern der Welt.

Natürlich wirbt PJM nicht selbst damit, sondern lässt diese Erfolge durch seine Teilnehmer als Testimonials verpackt, auf der Website veröffentlichen.

Jeder Aktionär oder auch Trader hat schon mal 3 oder mehr Prozent im Monat „gemacht“ .. die Frage ist aber eher ob dies von Dauer sein kann?

Auch hier kann ich das Gegenteil nicht beweisen und muss wohl einfach glauben was die Website erzählt.

Wem das alles etwas zu schön vorkommt recherchiert dann natürlich im Netz und versucht Informationen und Bewertungen auf Websites von Dritten zu finden.

Erste Anlaufstelle oder Fundstelle ist dabei oft Trustpilot und die Google Unternehmensprofile.

Dazu sollte man wissen, dass man das Google Unternehmensprofil deaktivieren kann. Als Firma kann man also aktiv entscheiden ob es angezeigt werden soll oder nicht.

Während Google keine sachlich korrekten Bewertungen löscht passiert dies leider auf Trustpilot recht häufig.

Bei einer Website welche kostenpflichtige Aktienanalysen veröffentlicht („Deutschlands beste Aktienanalysen“) habe ich das selbst verfolgt: In kurzer Zeit wurden dutzende von schlechten Bewertungen auf der Plattform entfernt. Darunter waren sicher einige unangemessene Bewertungen, die meisten Texte welche ich gelesen habe waren allerdings sachlich korrekt geschrieben.

Auch sollte man drauf achten wie viele Bewertungen es gibt. Bei mehreren tausend Bewertungen einen Score von 4,9 (von 5,0) zu erreichen ist gelinde gesagt der Wahnsinn.

Selbst der 3 kg Nutella Eimer auf Amazon schafft das nicht.

Wenn dann noch ein Großteil der überaus positiven Bewertungen von Menschen stammt welche nur eine oder zwei Bewertungen auf der Plattform hinterlassen haben sollten eigentlich … naja.

PJM hat aktuell nur zwei ein Sterne Bewertungen.

Hier ein Auszug:

In Kombination mit dem nicht vorhandenen Google Unternehmensprofil bleiben hier natürlich viele Fragen offen.

Ich bin wirklich erst gestern auf das Angebot von PJM aufmerksam gemacht worden und er soll hier nur als Beispiel dienen. Ich kann die Leistungen und den Nutzen seiner angebotenen Ausbildung nicht beurteilen und vielleicht tue ich ihm unrecht.

Sollte es so sein, dass Teilnehmer mehr als 20% Rendite (reproduzierbar) Jahr für Jahr machen .. dann Hut ab und ich würde sagen die 4k sind gut investiert!

Kommentare:

  1. Peter

    Hallo Matthias,
    super beschrieben.Sehe ich auch so. Aber bei dem 3 Kg Eimer Nutella verstehe ich schlechte Bewertungen nicht.Sauerrei ist das
    Liebe Grüsse
    Peter

  2. Frank S.

    Das „Coaching“ muss so teuer sein, bei dem großen „Team“. Da arbeiten ja mindestens 25 Leute. Vom „Gründer & Visionär“ bis zum „Senior Software-Entwickler“ ist da alles dabei. Die wollen alle bezahlt werden 😉

  3. DerFinanznomade

    Hey Mad,

    Freut mich, dass du das Thema aufgreifst, gerade auch mit genau diesem „Coach“.

    Wurde zu ihm auch schon häufiger gefragt und sehe das wie du.

    Erstens total überteuert, zweitens nur Massenware (egal ob Videos, Powerpointfolien oder gleichzeitige Coachees).

    Aber sein Marketing ist gut und führt anscheinend zu vielen Abschlüssen. Schade für die Käufer…

    Für mich macht ein gutes Coaching aus, wenn es ein 1 zu 1 ist, also der Coach wirklich nur für eine einzelne Person im Videocall da ist.
    Dafür dann noch vernünftige Stundenlöhne (keine abgehobenen!) und auch tatsächliches Wissen, was weitergegeben wird.

    So macht es Sinn.

    Außerdem ist jeder Mensch anders. Manche lernen durch Lesen (Bücher, Blogs, etc.), andere haben gern einen „Lehrer“ mit dabei, der sie unterstützt. Für erstere macht daher ein Coaching auch keinen Sinn für letztere aber definitiv!

    Liebe Grüße,
    DerFinanznomade

  4. Ben

    HI, Klugscheißermodus an. 2% im Monat sind nicht 24 sondern 24,3%, 3% wären dann schon 37,1% und 4% wahnsinnige 53,9%. Gut das Du keine Finanzcoachings gibst 😉 Aber schöner Artikel – volle Zustimmung!

  5. Andy

    Kann Dir nur zustimmen, am Ende genügen die kostenlosen Blogs, es gibt jede Menge guten Video-Content auf YouTube, dazu gibt es jede Menge Podcasts, welche die Grundlagen ebenfalls vermitteln.

    Wenn man es runterbricht, tut es am Ende der ETF-Sparplan.

    Gruß
    Andy

  6. Marion

    Hallo,

    Ich bekomme seit einiger Zeit Mails von
    Klartext Thorsten wittmann. Wie ist deine Einschätzung zu Wittmann ist das nur angstmacherei mit der Enteignung unserer Gelder? Der verlangt auch sehr hohe Gebühren für den Eintritt in seinen Diamant Klub.
    Ich versuche mich weiterzubilden und finanziell unabhängig zu werden.
    Was ist besser 10 bis 20 Aktien kaufen mit guten dividenden oder etfs? Oder beides?
    Viele Grüße Marion Hoffmann

  7. maTTes

    Einige Geschäftszahlen kann man auch beim bundesanzeiger zu PJM nachschauen, ist immerhin eine GmbH 🙂

  8. Kassenwart

    Reich wird man nicht, indem man anderen Menschen sein Geld gibt, damit diese einem erklären wie man reich wird.

  9. Rosi

    Sehr gut geschriebener Artikel. Danke. Ich habe auch gerade eine Email im Postfach weil ich angeblich auf einer Warteliste stehe für ein Finanzmentoring damit ich „Plötzlich Investorin“ werden kann. Kostenpunkt 2499 Euro (Ratenzahlung möglich). Das ganze wird von einer Frau für Frauen angeboten. Also ganz ehrlich ein zwei Finanzbücher und ein simpler ETF Sparplan sind günstiger.

  10. Claudi Omin

    „…nach x Monaten im Echtgeld…“ –> die Formulierungen von Daniel und Silvia sind auffallend ähnlich und könnten tatsächlich von nur einer Person geschrieben sein 🙂

    Zitat: „Mehr oder wenige bekannte (ehemalige) Finanzblogger verlangen dann gerne mal 5.000 Euro für ein Mentoring…“ –> auch dieses Thema kommt immer wieder gerne hoch. Beim P. J. Müller ist nun mal noch ganz offensichtlich erkenntlich, dass er für viel Geld etwas verkaufen möchte. Etwas problematischer erschien mir vor nicht allzu langer Zeit die Seite von Frau Geldpfennig, einer doch recht bekannten Bloggerin … das war sogar der „Welt“ ein Artikel wert:
    https://www.welt.de/wirtschaft/article237448411/Die-Netz-Checkerin-Wenn-die-feministische-Finanzberatung-mehr-als-ein-Monatsgehalt-kostet.html

  11. Queen All

    Gesunder Menschenverstand ist halt für kein Geld der Welt käuflich. Ich frage mich ernsthaft, wer tatsächlich so viel Geld für ein Coaching ausgibt?!
    Der Wunsch, ein anderer wird das mit der finanziellen Unabhängigkeit für mich schon richten, lässt sich halt einfach nicht in die Realität überführen, auch nicht für viel Geld. Aber immerhin füllen solche Coaches das Netz mit schönen Geschichten wie dieser 🙂

  12. Gurki

    @Queen All: Leider wahrscheinlich zu viele, weshalb das Ganze ja so lukrativ für die Coaches ist und diese wie Pilze aus dem Boden sprießen. Siehe Madame Moneypenny. Das Coaching (5000€ – nicht auf der Homepage explizit ausgewiesen) nehmen doch sicher auch ganz viele Frauen. Und dann ists im Grunde nur eine Anleitung wie man einen ETF-Sparplan einrichtet. Aber das hat Mad ja schon oben erklärt. 🙂

  13. Babo

    Der Typ, der meiner Meinung nach in dieser Branche alle toppt, ist ein gewisser Herr Lüddemann. Bin leider, genau nach dem Motto „Gier frisst Hirn“ auf seine völlig überteuerte Seminar-Masche reingefallen. Qualität ist, wie bei vielen Anbietern, auf Anfänger-Niveau. Man kann sich praktisch mit Eigeninitiative alles selber im Netz raussuchen oder wesentlich günstiger an das Wissen kommen.
    Diese ganze Coaching-Szene ist, wenn man mal etwas tiefer gräbt, sehr gut miteinander vernetzt und nur auf Umsatz & Verkauf fokussiert. Sieht man allein daran, daß es Unternehmen mit jeweils eigenem Sales-Team sind. Die Bewertungen sind oft von Bekannten und Freunden bzw. Geschäftspartnern und gegen negative wird versucht, diese anwaltlich löschen zu lassen (kann hier aus eigener Erfahrung sprechen). Hinzu kommen unseriöse Versprechungen bezüglich Rendite und Aufwand. Diese ganze Szene gleicht schon einer Mafia, und ich kann jedem nur raten, gerade in Zeiten von Youtube etc., sich selbst damit zu beschäftigen. Gab auch mal eine Reportage über die Coaching-Szene „Erleuchtet oder abgezockt“, da wird’s ganz gut dargestellt (auch wenn’s nicht um die Finanz-Coaching-Szene) geht. Im Nachhinein ärgert man sich halt nur. Und das perfide an dieser Masche ist, man muss sich immer wieder selbst disziplinieren, nicht darauf reinzufallen. Es werden halt auf psychologischer Ebene Sehnsüchte des Menschen angesprochen und tlw. auch Ängste geschürt. Darin sind diese Anbieter alle hervorragend. Eigentlich sind diese Buden alles Fälle für den Verbraucherschutz und gehören streng überwacht. Also, nehmt es lieber selber in die Hand und übt erst mit kleinen Summen!

  14. Thomas mit T

    Das finde ich jetzt ein wenig unfair, dass nicht erwähnt wurde, dass das Kapital mit dem was man in dem Seminar lernt, zu 100% geschützt ist. Ohne großem Zeitaufwand.

  15. Olli

    Hey Mad ! …und alle anderen!

    wunderbar aufgenommen…scheinbar muss immer alles teuer sein. Ich selbst starte gerade mit einem Kurs (siehe Link, Kursnummer: 2322408) „Finanzielle Grundbildung“ bei der VHS in Friesland. Mit den Teilnehmerbuchungen aus der Yoga- und Aquarell-Ecke komme ich nicht im Ansatz mit. Auch im Bekannten- und Verwandtschaftskreis ist es immer wieder schwierig zu erklären, dass Finanzen kein Hexenwerk sind. Die Gründe dafür kennen wir alle…Wie schaffen wir es, dass sich insgesamt mehr Leute für ihr eigenes Leben interessieren ?

  16. Arndt

    Schon spannend zu lesen. Wenn ich den Stein der Weißen zum Investieren gefunden hätte, würde ich den keinem verraten. Ich hatte auch schon einige Montage mit 3% Rendite, mal im Plus mal im Minus.

    Das Thema Coaching gibt es ja für viele Bereiche. Es scheinen immer noch genügend aufzustehen und zu buchen.

    Danke für deinen Post und die Aufklärung!

    Wenn nur einer weniger drauf reinfällt, dann hat es sich schon gelohnt.

  17. Thomas mit T

    Wer am Sonntag noch nix vor hat, kann sich PJM online einmal ansehen. Könnte unterhaltsam werden.

    https://www.pjmueller.de/event/?utm_campaign=Online_Event_031123_broad_Leads_CBO_Lowest_Cost&utm_medium=cpc&utm_source=facebook&utm_term=registriert_broad_25-65+_DACH_7_DC%2F1_DV_Auto&utm_content=online_Event_VideoH7&fbclid=IwAR0IpNbZbzEPhE34K434bmj6_0qYNpOhWqnxUQOdGsKU3BhnkhA-B42m89U

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