Zitat Friedrich Merz:
„Mit Vier-Tage-Woche und Work-Life-Balance allein werden wir den Wohlstand dieses Landes nicht erhalten können“.
Was das genau heißt weiß ich nicht.
Ein paar US Firmen machen da aber schon Nägel mit Köpfen:
Sergey Brin (der Google Bro) fordert in einem Brief an seine Mitarbeiter die 60 Stunden Woche.
Ein US Software Unternehmen (Rilla) sagt ganz offen in den Stellenausschreibungen, dass man sich nicht bewerben soll wenn man nicht 70 Stunden pro Woche arbeiten möchte. (Quelle)

Das kommt nicht von ungefähr. Der Wind in einigen Branchen hat sich gedreht. Hatten wir viele Jahre einen Arbeitnehmermarkt wo man sich zwischen mehreren Jobs entscheiden konnte und die Firmen händeringend nach Mitarbeitern gesucht haben, ist es nun so, dass es aktuell mehr Leute gibt die einen Job suchen als Stellen angeboten werden.
Wenn sich Angebot und Nachfrage verändern kann man höhere Preise verlangen oder Vergünstigungen weglassen. In diesem Fall eben mehr Arbeitszeit und die Einschränkung / Streichung von z.B. Home Office.
Aus der Reihe Opa erzählt von früher:
Bei meinem ersten Arbeitgeber war nur das Wasser kostenlos .. alles andere musste bezahlt werden. Da hat sich dann so langsam geändert. Kostenloser Kaffee und Getränke, frisches Obst, Müsli Flatrate, kostenloses Mittagsessen, Mitgliedschaft in der Muckibude, großzügiges Weiterbildungsbudget usw. all das gab es schon in Firmen wo ich gearbeitet habe und das wird offensichtlich zusammen gestrichen.
So ist der Arbeitsmarkt und er unterscheidet sich damit wenig von anderen Märkten.
Bei der Rilla Stelle gibt es ein Gehalt von 200.000 bis 300.000 US Dollar pro Jahr. Das ist natürlich üppig, selbst wenn man dann halt zwei Jobs macht (zeittechnisch).
In meinem Kopf habe ich dann mal gerechnet.
Bei ner 5 Tage Woche wären wir bei 14 Stunden Arbeit pro Tag.
Bei ner 6 Tage Woche wären wir bei knapp 12 Stunden Arbeit pro Tag.
Wenn ich davon ausgehe, dass man (pro Tag):
- 7 Stunden schläft
- 1 Stunde für Essen aufwendet
- 1 Stunde am Tag für Körperhygiene, dies und das
- 1 Stunde Pause macht
- 1 Stunde pendelt
kommt man auf 11 Stunden und hat noch nix gearbeitet.
Pack ich dann die 12 Stunden der 6 Tage Woche oben drauf liege ich bei 23 Stunden die weg sind.
Bei ner 60 Stunden Woche und 5 Arbeitstagen sind es übrigens auch 12 Stunden Arbeitszeit.
Man hat also 1 Stunde pro Tag zur freien Verfügung und mit etwas Glück noch das Wochenende frei.
Okay, ich habe mir hier sicher extreme Beispiele rausgepickt. Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass es Menschen gibt die diese Arbeitsbelastung über einen längeren Zeitraum unbeschadet überstehen.
Daneben frage ich mich wie man 12 Stunden am Tag 100% Leistung bringen kann.
Aber die schlauen CEOs werden sicher auch dafür Antworten haben.
Hey Mad,
Manchmal frage ich mich auch, ob unsere Welt (oder nur die Entscheider) langsam einen an der Waffel haben…
Grade in den von dir genannten Berufen wird ständig Höchstleistung vom Gehirn abverlangt (programmieren, konzeptionieren, entscheiden).
Da sind oft schon 8 Stunden kaum mit guter Qualität machbar, geschweige denn 12.
Ein sinnvollerer Ansatz wäre da: halbes Gehalt, dafür „nur“ 35 Stunden in der Woche aber mit doppelter Mannschaft.
So wird ein Schuh draus.
Liebe Grüße,
DerFinanznomade
Bei uns gibt es kostenloses Leitungswasser und letztens sogar Kekse für umme…
Merz? Der und seine Kumpanen plündern uns aus, wie alle anderen Regierungen davor. Da bin ich lieber ärmer und arbeite weniger. Ist gesünder. Mit dieser Einstellung lebe ich offenbar nicht alleine.
Ich habe an mir persönlich gemerkt, dass 50h so meine Grenze ist. Wenn das Arbeitspensum über einen längeren Zeitraum darüber liegt geht es mir an die Psyche. Bei 40-45h fühle ich mich wohl.
Ich frage mich schon wie das einige „Highperformer“ machen. Ob die Fähigkeit super viel und gleichzeitig hochqualitativ zu arbeiten reine Veranlagung ist weiß ich nicht.
diese Art von Job sollte man anders sehen. Man ist kein Arbeitnehmer, sondern Spitzensportler. Für relativ kurze Zeit seine Gesundheit ruinieren und soviel verdienen, das es für den Rest der Lebenszeit reicht.
Dafür finde ich die 200.000-300.000 aber deutlich zu wenig. Und wenn sie AI machen, sind Jahresgehälter bis 300.000 bei 70/h pro Woche ein Witz.
Hey, zusätzlichman blendet man Familien völlig aus.
Keine Kinder, kein Sport, kein Privatleben.
Will ich dieses Leben? Nein.
Bin ich gerne Mama, ja.
Und diese LeistungsPropaganda möchte ich dazu auch nicht.
Eine 4 Tage Woche führt nachweislich zu weniger Krankheitstagen.
Wirklich Reich bin ich, wenn ich zeitlich flexibel bin.
Diese Einstellung von sogenannten Arbeitgebern ist für mich eine schöne rote Flagge.
Schade, dass Familien (im Mainstream) so negativ bewertet werden.
Umso wichtiger die eigene finanzielle Bildung im Kopf zu haben,
Beste Grüße.
Ich find’s fair, sowas in die Stellenausschreibung reinzuschreiben.
Wer den Job will weiß worauf er sich einlässt.
Wer das mich will wird dort auch nicht glücklich.
Ich wollte ihn nicht. Für alles Geld der Welt nicht.
In Einzelfällen mag sowas funktionieren.
Während der industriellen Revolution haben sich schon Kinder kaputt, bzw. totgearbeitet in der Hoffnung zu überleben.
Gewerkschaften sind nicht vom Himmel gefallen, sondern solchen Arbeitsbedingungen geschuldet. Seien wir glücklich, dass es Gewerkschaften gibt!
Ich denke das Beispiel ist für die USA auch treffend.
Wenn sich Leistung richtig lohnt wird man auch die Motivation finden für eine geraume Zeit. In Kombination mit einer Einstellung wie von Matthias und dem Effekt dass man das was netto mehr bleibt sofort investieren kann…kann mal da schon gutes Geld machen und das mal paar Jahre durchziehen. Aber lohnt sich das in DE?
In DE erlebe ich quasi mindestens 1 x die Woche Situationen aus der Praxis bei der ich über die Jahre zusehen konnte wie Sie Ihre Leistung nach unten hin angepasst haben.
Grund waren immer mehr Situationen bei denen bei steigenden Sozialabgaben und Steuern die Leute einfach keine Lust mehr haben.
Ich erinnerte mich daran wie motiviert ich mit Anfang 20 war und wieviele Gründer es vor gut 20 Jahren gab….. wo sind diese heute in DE?
Letzte Woche traf ich eine Bekannte meiner Exfreundin und den ca Anfang 20 jährigen Sohn.
Er erkannte mich nicht mehr und fragte aber irgendwann „ach moment, warst du der mit dem weissen AMG-Mercedes?!“
Genau meinte ich. Und dass es mir nicht mehr wichtig ist und auch nie wichtig war und andere Prioritäten habe.
Ab diesem Zeitpunkt blühte er dennoch auf, er erzählte von seinen Plänen und dann davon dass er nur noch ca 1.5 Jahre mitarbeiten wird in den Filialen seines Vaters und das Business immer mehr lernt. Danach möchte er in Zypern mit einem Partner eine Firma gründen….. Ich hab ihm viel Erfolg gewünscht.
Was ich früher für „Spinnerei“ gehalten habe, kann ich jetzt sehr gut nachvollziehen und es gibt…auch dank vieler „vernünftiger“ Blogs auch genug junge Leute die sich weiterbilden und dann leider zumindest für eine längere Zeit das Land verlassen – und dann dort entsprechend auch richtig leisten – Leistung die sich dann lohnt.
Wenn ich persönlich nochmals die Power hätte um durchzustarten und 60-70h zu blockern, dann hab ich mindestens auch die Power dies gleich im Ausland zu tun und den oben genannten Effekt mitzunehmen.
Traurig macht es mich schon etwas zu sehen dass ich sogut wie keinen mehr kenne als „Nachfolger“ meiner Generation die mit Anfang 20 hier gründet..aber vielleicht bin ich da in der falschen Umgebung.
An die Runde gefragt: Würdet Ihr hier das Beispiel von Amerika 1:1 auf DE übertragen oder hier die Leistungskultur umsetzen wollen?
@Katharina
„Wirklich Reich bin ich, wenn ich zeitlich flexibel bin.“
Das is auch mein Ziel..ich brauch nicht viel zum leben, hab jetzt auch keine Familie, keinen Kredit oder sonstiges dem ich verpflichtet bin.
Finde es super wenn du MIT Familie und das ganze zeitlich flexibel gut hinbekommst – das ist einfach Gold wert.
Umgemünzt auf mein Leben ist es schon Gold wert wenn ich selbst entscheiden kann wann ich wie wo Urlaub mache, wohin Fliege usw…. alleine das nutzen guter Angebote spart soviel Geld…das muss man Brutto erstmal wieder verdienen mit starren Zeiten.
Hey,
„Mit Vier-Tage-Woche und Work-Life-Balance allein werden wir den Wohlstand dieses Landes nicht erhalten können“.
Ganz ehrlich: Was das heißt, kann auch ich nicht nachvollziehen.
Die Forderungen nach eine längeren Arbeitszeit sind in meinen Augen schwierig. Bei einem „durchschnittlichen Menschen“ entspricht Arbeitszeit != Produktivität & Output != Linear. Es gibt Menschen, die lange Arbeiten und auch in dieser Zeit entsprechend Leistung bringen, aber das will und kann halt nicht jeder. Und dauerhaft ist das auch sehr belastend. Ich denke, es kommt dann auch darauf an, in welcher Position gearbeitet wird – C-Level oder Team-Lead etc. Dann stellt sich natürlich auch noch die Frage, was Arbeitszeit genau beinhaltet. Randbedingungen wie Familie, Hobbies etc (Wie schon im Artikel und in Kommentaren erwähnt) werden ausgeblendet und nicht jeder hat den Luxus, sich C-Level-Annehmlichkeiten leisten zu können – sprich Bedienstete, die sich um dich kümmern.
Einen Kommentar hier finde ich gut: Wenn es in der Stellenanzeige erwähnt wird, weiß man als Bewerber:in worauf man sich einlässt. Erwartungsmanagement ist alles.
Zu Forderungen von längeren Arbeitszeiten allgemein: Ich wundere mich aus psychologischer Sicht immer wieder darüber. Es gibt zahlreiche Studien, dass längere Arbeitszeiten unzählige Probleme mit sich bringen. Heißt: Weniger Performance + Mehr Belastung fürs Sozialsystem. Wo ist hier der Benefit??
Teilzeit wird auch gerade wieder explizit als Feindbild präsentiert, zumindest hier in Österreich. Merz sagt das ja implizit. Und auch hier denke ich mir wieder. Ja, kann man schon machen, aber bitte ändert die Rahmenbedingungen, bevor irgendetwas an Teilzeitarbeit geknüpft wird (z. B. Sozialleistungen) oder damit eingeschränkt wird. Das führt wieder zu zahlreichen Problemen.
..puh, interessantes Thema. Ich belasse es erstmal dabei.. 😉
LG
Interessanter Beitrag. Mit 4-Tage-Woche meint er vermutlich mit vollem Lohnausgleich? Weil eigentlich ist das ein 3/4-Job. Im öffentlichen Dienst gang und gäbe, oft gibt es sogar nur halbe Stellen. Wer voll arbeiten will, benötigt dann zwei Jobs im Haus.
In der Wirtschaft ist das natürlich anders. Hat jemand von Euch in letzter Zeit mal einen Steuerberater gesucht? Die nehmen keine neuen Mandanten mehr an. Keiner. Inzwischen schaue ich auf der Webseite zuerst, ob sie Leute suchen. Wenn ja, brauche ich gar nicht erst anzurufen. (Mache ich trotzdem, aber die nehmen keine neuen Mandanten mehr an…) Und wer nicht sucht, nimmt auch keine neuen Mandanten mehr.
Oder Handwerker. Man telefoniert erstmal rum, bekommt dann jemanden von weiter weg und der kommt in zwei Monaten. Wenn man Glück hat. (Nein, ich wohne nicht auf dem platten Land… sondern in ener Stadt mit ca. 380k Einwohnern.)
Das wird sich noch verschärfen. Die Alten gehen in Rente (oft arbeiten sie auch noch ein paar Jahre länger), und es kommen wenige junge Leute nach.
Volkswirtschaftlich gesehen hat Merz also recht. Wenn die vorhandene „Workforce“ keine 40 Std. mehr arbeitet, wird das schwierig und wir werden Wohlstand verlieren.
Matthias, Du schreibst,
„Bei meinem ersten Arbeitgeber war nur das Wasser kostenlos .. alles andere musste bezahlt werden. Da hat sich dann so langsam geändert. Kostenloser Kaffee und Getränke, frisches Obst, Müsli Flatrate, kostenloses Mittagsessen, Mitgliedschaft in der Muckibude, großzügiges Weiterbildungsbudget usw.“
Also ich hatte noch keinen solchen Arbeitgeber, auch heute nicht. Bei mir war und ist auch immer nur das Wasser kostenlos.
Hängt sicher sehr stark von der beruflichen Qualifikation und der Branche bzw. vom jeweiligen Arbeitgeber ab.
Wer sich mit FIRE beschäftigt, wird da eher am oberen Rand sein und vergleichsweise häufiger auf solche Arbeitgeber treffen.
60 Std.-Wochen finde ich auch zuviel, das kann man vielleicht mal ein viertel bis halbes Jahr in einer heißen Projektphase machen, aber nicht ständig.
Steve Jobs hat teilweise 70-90 Std. gefordert 😉
Früher hat man samstags noch gearbeitet, aber oft nur halb, also 4-6 Std., so dass man pro Woche auf 48 Std. kam (an den anderen Tagen also 8-9 Std.).
Ich finde, dass wir heutzutage in Zeiten des Gelddruckens eh schon ziemlich gef*ckt sind, da muß man sich was einfallen lassen. Arbeiten ist für mich völlig ok, aber es muß was übrig bleiben und dann muß man schauen, dass es nicht der Inflation zum Opfer fällt.
Ich befasse mich aus diesem Grund gerade mit Bitcoin. Es ist zwar alles andere als anonym, Gewinne müssen auch versteuert werden und das FA ist ordentlich dahinter, aber als Asset finde ich es wichtig fürs Portfolio.
Man will schließlich auch was aus den Früchten seiner Arbeit ernten… also Immos, Aktien, Bitcoin ist so mein Plan.
@Denkfabrik:
„Es gibt Menschen, die lange Arbeiten und auch in dieser Zeit entsprechend Leistung bringen, aber das will und kann halt nicht jeder. Und dauerhaft ist das auch sehr belastend. Ich denke, es kommt dann auch darauf an, in welcher Position gearbeitet wird “
absolut!