Dividenden Blog

28. Mai 2024

Lifestyle

ist sehr persönlich .. ich weiß.

Ich stoße in Foren und Sozialen Medien immer wieder drauf, dass manche Menschen argumentieren, dass sie locker von 1.500 Euro / Monat leben können (für eine Person). Andere antworten dann, dass ihnen persönlich das hinten und vorne nicht reichen würde oder sie sich damit so stark einschränken müssten, dass sie Lebensqualität verlieren würden.

Widersprechen kann ich beiden nicht.

Persönlich kann ich gut von 1.500 Euro leben ohne das Gefühl zu haben, dass ich mich einschränken muss. Das liegt aber in erster Linie daran, dass ich für mich festgestellt habe dass ich auf gewisse Dinge verzichten kann ohne das ich das als Verzicht empfinde.

Das hat zwei Gründe.

Materieller Besitz der nicht regelmäßig verwendet wird empfinde ich als Belastung. Besitz verpflichtet, man muss sich drum kümmern, warten, pflegen, reinigen, Platz dafür usw. während das Ding vielleicht 10 Monate im Jahr gar nicht benutzt wird. Ich kenne Menschen, die besitzen ein Ferienhaus und fahren einmal im Jahr für drei Wochen dorthin. Ein Boot das ich nur ein paar Wochenenden im Sommer benutze oder ein Oldtimer der nur vier mal im Jahr aus der Garage darf. Aber auch kleinere Dinge wie vielleicht ein Heimkino in dem ich nur ab und zu einen Film schaue.

Das sind alles schöne Sachen und da ist auch nichts dagegen einzuwenden aber für mich persönlich ergibt sich der Sinn nicht etwas zu besitzen das nicht oft benutzt wird. Wenn ich Bock auf ein Ferienhaus auf Korsika habe miete ich mir das. Will ich mit dem Camper in den Urlaub dann leihe ich mir den usw. danach gebe ich es ab und muss nie wieder einen Gedanken daran verschwenden.

Ein anderer Bereich ist Luxus, Genuss oder vielleicht auch Status. Es gibt Menschen die legen viel Wert darauf in einem luxuriösen Hotel abzusteigen, in einem Sterne Restaurant zu essen, hochwertige (Marken) Klamotten zu tragen oder eine gewisse Automarke zu fahren.

Auch das kann ich begrenzt nachvollziehen. Aber es ist nichts für mich. Ich fühle mich sofort unwohl wenn es zu fein oder zu edel wird.

Nach nem Rucksack Urlaub in Asien hatte ich mich (zum entspannen) noch ne Woche in nem Fünf Sterne Hotel eingemietet. Die anderen Gäste kamen morgens schon gestylt im Kleid und weißen Hemd zum Frühstück während ich in Bundeswehrhosen, Heavy Metal T-Shirt und Flip Flops einmarschiert bin .. die Blicke waren mir egal aber ich fühlte ich mich doch komplett fehl am Platz und so war es seitdem immer wenn ich (aus versehen) in solche Gefilde geraten bin.

Ich kann das nicht genießen. Vielleicht bin ich anspruchsloser als der Durschnitt aber dann ist es halt so.

Auch empfinde ich nicht, dass oben genannte Dinge mein Leben signifikant verbessern würden. Ja sicher ist es nett in einem Luxushotel abzusteigen aber bei mir entwickelt sich daraus nicht mehr Glück.

Im Gegenteil.

Mein mit Abstand bestes Hotel war, als ich mit nem Packesel durch das Hadschar-Gebirge (Oman) gewandert bin und jede Nacht auf ner dünnen Isomatte in der Wildnis übernachtet habe. Lagerfeuer am Abend, Himmelszelt in der Nacht und geschlafen habe ich wie ein Baby.

Oder die Zeit als ich auf Khong Island (Laos) in ner kleinen Hütte ohne Klimaanlage gewohnt habe und morgens in den Mekong gesprungen bin.

Ein kaltes Bier, Streetfood und dann Leute beobachten finde ich spannender als ein Restaurantbesuch.

Nun ist das natürlich nur für mich so. Andere Menschen ziehen Glück aus Besitz oder einem luxuriösen Lifestyle und wären weniger glücklich wenn es Abends nur ne Pizza auf die Hand gäbe.

Das ist Individualität und wenn man in die Diskussion einsteigt ob man von 1.500 Euro / Monat leben kann, muss man wissen was dem Zugrunde liegt. Während ich eben keinen Luxus brauche bzw. diesen sogar teilweise als unangenehm empfinde gehen andere Menschen fünf mal die Woche essen oder kaufen ein Auto für 70.000 Euro.

Weniger würde diese Menschen unglücklich machen .. genau so wie wenn man mich ins Burj al Arab nach Dubai zwingen würde.

Kommentare:

  1. DerFinanznomade

    Hammer Beitrag @Mad!

    Du sprichst mir da mit jeder Zeile aus dem Herzen 🙂

    Brauche selbst aktuell nur ca 1.650 € im Monat (inkl. Rücklagen für Urlaub, Auto, etc.).
    Und bin vollstens zufrieden damit 🙂

    Bin ebenfalls sehr genügsam und mir geben Werte wie Freiheit, Freizeit, Ehrlichkeit mehr als sämtlicher Konsum der Welt.

    Nur das Reisen muss sein (auch mit etwas Luxus, aber nicht zu viel) 🙂

    Liebe Grüße,
    DerFinanznomade

  2. Gerhard

    Hallo Matthias,
    für mich habe ich festgestellt, dass die folgende Beziehung gilt: Je höher mein Depotguthaben, desto frugalistischer/minimalistischer werden meine materiellen Wünsche.
    Sobald ich mir einen materiellen Wunsch erfüllen könnte, verliert der Drang es zu tun an Bedeutung.

    Liebe Grüße Gerhard

  3. Roger

    Hallo Matthias,
    wie immer ein sehr bodenständiger Beitrag, und habe mich da in vielem selbst gefunden. Besonders bei dem Punkt mit dem Luxushotel und Frühstück fand ich mich direkt wieder, inkl. der Blicke.

    Wie sagt man so schön, man hat keinen Einfluss darauf, was andere über einen sagen oder denken, aber durchaus darauf, wie man selbst damit umgeht. Ich quetsche mich der Netiquette wegen nicht in irgendeinen Zwirn, nur weil es die Gesellschaft so erwartet.

    Wenn jemand das für sein Wohlbefinden braucht und sich das auch gönnt, so what warum nicht. Für mich ist das nichts.

    Bleib wie Du bist, so bist Du genau richtig!

    Gruß
    Roger

  4. Thomas

    Ich feier es wenn ein neuer Artikel von Getmad kommt. Danke dafür!
    Da wir zu dritt sind reichen uns die 1500/Monat nicht. Das wäre auch schon die Kaltmiete unserer 3 Zimmer Wohnung. Aber mit 3000 insgesamt/ Monat kommen wir hin. DANKE!!

  5. Steff

    Hallo in die Runde!
    Wir sind zu fünft, deshalb komme ich mit 1500€ leider nicht hin, sondern eher mit 4-5k/monatlich. Trotzdem schaffe ich es, pro Monat ca. 3k in Aktien zu investieren.
    Ich kann den Matthias so gut verstehen. Von dem ganzen All-Inc/High-Lux-Urlaub bleibt einem oft kaum was im Gedächtnis. Ich war öfter mal mit dem Rucksack in Asien und habe das immer als „Urlaub-mit-Tiefgang“ in Erinnerung 🙂

    Danke dir für deinen Input, Mad.

    Cheers

  6. Daniel

    Ich lebe (wie wahrscheinlich nahezu alle hier) deutlich unter meinen finanziellen Möglichkeiten ohne das Gefühl zu haben mich einschränken zu müssen.
    Dennoch gebe ich zu, dass wenn ich deutlich mehr Geld hätte auch deutlich mehr ausgeben würde. Ein neues Oberklassefahrzeug macht mMn objektiv mehr Spaß als ein 20 Jahre alter Corsa. Genauso ist es schöner in einem neuen Haus (ggf. mit Haushaltshilfe) zu wohnen, als in einer alten 2-Zimmer-Wohnung.
    Wenn man also den Aspekt „Geld“ aus der Gleichung streicht. „Ist mir etwas eine gewisse Geldsumme wert oder nicht“ hin zu „Macht mir etwas mehr Spaß, egal was es kostet“ dann komme ich zu dem Fazit, dass mehr Geld ausgeben schon mehr Spaß machen sollte.

  7. Marc

    Super Beitrag, und wenn ich keine Familie (zwei Kids) hätte, dann würde mir ne kleine Butze und irgendwas um die 1500-2000 pro Monat bestimmt auch reichen. Dem ist aber nicht so. Und so leben wir in unserem Zwei-Familienhaus, mit tollen Mietern, und seit kurzem dem ersten neuen Auto was wir uns gekauft haben (Als Firmenwagen macht dass Sinn). Davor waren es nur alte gebrauchte KFZ.
    Ob 1500 reichen oder nicht kann pauschal nicht beantwortet werden. Jeder der eine Familie mit X-Kindern hat, kann da nur schmunzeln.
    Wir gehen gerne Essen, Familienzeit. Wir lieben „unser Zuhause“. Und nachdem wir 1,5 Jahre lang quasi ohne Auto gelebt haben, machen die Ausflüge mit unserem Mittelklassewagen richtig Spaß.
    In unsere Depots fließt trotzdem noch genug. Und beim nächsten Urlaub im Airbnb sind auch keine Gäste mit weißen Hemden und Gucci-Sandalen.
    Die Mischung machts. Wir empfinden unsere Situation als sehr privilegiert, und jeder Restaurantbesuch, jeder Urlaub wird wertgeschätzt und wir sind dankbar.

    Kostolany hat geschrieben, dass manche Menschen Geld ausgeben müssen, Dinge kaufen müssen, um „zufrieden zu sein“. Andere Menschen wiederum sind mit der Vorstellung bedient, sich Dinge kaufen zu können, und diese Vorstellung reicht aus um es dann gar nicht mehr tun zu müssen. Zu der Kategorie würde ich mich zählen. Der Gedanke jederzeit ins Porsche-Autohaus laufen und einen mitzunehmen zu können, reicht mir völlig:-)))

    Ein geiles Bike leiste ich mir dann aber doch, gell Mad;-)

    In dem Sinne. Gebt Geld aus für Dinge die euch Freude bereiten. Gebt Geld aus für Erlebnisse…die bleiben nämlich.

  8. Whirlwind360

    Dazu passend vielleicht ein Absatz aus John Strelecky‘s „Wiedersehen im Café am Rande der Welt“:

    >> Geld ist nicht die Währung, die wirklich zählt. Es ist Zeit, es sind Minuten. Materieller Reichtum ist weder gut, noch schlecht. Er ist kein Garant für das Glück. Arm zu sein bedeutet im Gegenzug noch lange nicht, dass man unglücklich ist. Ob in den ärmsten Regionen der Welt oder in den wohlhabendsten Gegenden, überall gibt es Menschen, die ständig lächeln und andere, die ständig die Stirn runzeln.<<

    In diesem Sinne: Ein wunderbarer Beitrag. Vielen Dank.
    Viele Grüße, Daniel.

  9. Nedsord

    Sehr guter Artikel…es ist übrigens von 1500 Euro für eine Person die Rede..viele Grüße aus Zelturlaub in Schweden.

  10. Queen All

    Ach, die guten alten Luxushotels… Da hab ich leider auch nur (ähnliche) durchwachsene Erinnerungen dran. Bei einem sind wir nach dem 3-Gänge-Abendessen hungrig zum Italiener getigert. Bei einem anderen gab es abends einen Dresscode mit langen Hosen für Männer – bei 30° C Außentemperatur! Mein Mann hatte natürlich keine lange Hose dabei und in der hoteleigenen Einkaufsmeile gab es lediglich Pluderhosen in Einheitsgröße (immerhin schwarz). Da sind wir beim Abendessen natürlich auch aufgefallen. Heute darf ich das gute Stück auftragen, mir steht und passt es ein bisschen besser
    Was den monatlichen Grundbetrag angeht, käme ich wohl ähnlich sparsam raus. Daher haben wir uns beide ganz mutig auch einen Hausbau zugetraut. In keinem Luxushotel der Welt könnte ich so entspannt und zufrieden sein, wie in unserem eigenen Häuschen! Wird auch jeden Tag genutzt

  11. Lifestyle, 1500 Euro …. – DerPranger

    […] paar Gedanken zum Blogpost von Matthias zum Thema […]

  12. Sonnemohn

    Ich wünschte ich käme mit 1500€ aus. Das könnte eine neue Challenge für das nächste Jahr werden.
    Bei mir sind es 1950€ und ich komme mir richtig verschwenderisch vor.,

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