Lukas hat ja in seiner Geschichte am Ende einige Fragen gestellt.
Den Kommentatoren kann ich eigentlich nur zustimmen, trotzdem habe ich Lukas versprochen, dass er auch noch von mir eine Antwort bekommt.
Zuerst sollte ich sagen: Mit 37 Jahren ein Depot von 700k aufgebaut zu haben und die eigenen Fixkosten nahezu über Dividenden abzudecken, ist ne ziemlich krasse Leistung. Mein Vermögen lag mit 37 bei etwas über 200k .. wenn du jetzt in mein Depot guckst kannst du grob erahnen wohin dein Weg geht wenn du so weiter machen solltest.
Aber nun zu den Fragen:
Sollte ich mich nicht gefestigter fühlen, weil ich meinem Ziel näher komme?
😉 das habe ich auch mal gedacht .. und ja man hat zwar das Geld im Rücken .. aber solange ihr nicht entscheidet wie es mit eurem Leben weiter gehen soll bist du etwas im Limbo. Du hast dich viele Jahre auf etwas fokussiert, nun steht es mehr oder weniger vor der Tür und was sollst du jetzt machen? Dein Alltag hat sich deshalb aber nicht plötzlich verändert aber du hast mehr Optionen und musst dich wahrscheinlich entscheiden
Ich habe auch Zeit gebraucht um zu realisieren was das „Geld“ bedeutet und es gibt manche Tage da Zweifle ich auch ob das alles so richtig war, ob es hinhaut usw. Ich denke das wird mit der Zeit besser wenn man seinen Weg gefunden hat.
Wieso fühlt sich das alles nicht so sicher an, obwohl ich für mein Alter gut aufgestellt bin?
Und was ist der Grund dahinter?
Weil finanzielle Freiheit an Faktoren hängt die du nicht immer kontrollieren kannst. Wie entwickeln sich die Märkte, für was wirst du in Zukunft Geld brauchen, wollt ihr Nachwuchs usw. Ein Börsencrash kann bei dir auf einmal 100k oder 200k pulversieren .. vielleicht schwingt auch das mit?
Sicherheit entsteht aus Kontrolle .. du hältst deinen Job für unsicher, auch den deiner Frau, du weißt nicht was die nächsten Jahre bringen und so ganz konkret was ihr tun sollt .. das strahlt vielleicht auf den Rest eures Lebens ab.
Aber vielleicht solltest du es so sehen: Wenn KI deinen Bereich verändert bzw. dein Job nervt: Nutz deine Freiheit! Reduziere Arbeitszeit, wechsel die Stelle oder nimm dir ein Sabbatical, such dir einen Job im Ausland. Genau dafür hast du das Geld (auch).
Fühlt es sich für andere Personen gleich an?
Oder bin ich der einzige Schräge der so denkt?
Ich glaube viele empfinden so .. du hast viel Geld, aber eben nicht soviel dass dir das alles komplett egal sein könnte und Lebensentscheidungen keine Konsequenzen (aus finanzieller Sicht) haben. Auch gibt es halt einen Typus an Mensch der viel hinterfragt, sich viele Gedanken macht, Zukunftsszenarien evaluiert usw. Ich weiß zwar nicht ob du das tust aber bei mir fördert das Unsicherheit und ja .. ich denke da auch (immer noch) manchmal drauf rum.
Mal angenommen du wärst in meiner Situation, wie schätzt du persönlich meine Lage ein?
Aus finanzieller Sicht ziemlich gut.
Das was dir (glaube ich) zu schaffen macht sind die Optionen die du hast.
Sieh es mal anders rum. Angenommen du hättest kein Vermögen und ihr wärt gerade Eltern geworden, dann würdest du erst mal stur deinen Job weitermachen müssen. Ein finanzielles Risiko einzugehen wäre nicht so einfach möglich. Deine Familie muss versorgt werden usw. ein Haus an der Backe zu haben das zu einem Teil finanziert ist und Angst um den Job zu haben ist vielleicht auch kein Ding bei dem man ruhig schlafen kann.
So steht es euch offen:
- im Job Vollgas geben, Vermögen weiter aufbauen und wenn die KI euch rationalisieren sollte, habt ihr genug Geld
- wenn ihr den Traum vom Haus habt, dann vielleicht nicht in München und Remote Jobs suchen?
- kündigen, Jobs im Ausland suchen oder Jobs suchen die erfüllender sind
- kündigen, Auszeit, klar werden was du (ihr) willst
- ein Jahr auf Weltreise gehen
- usw.
Am Ende sollte das Geld für etwas gut sein das euer gemeinsames Leben verbessert oder Träume umsetzt die ihr habt.