Dividenden Blog

2. August 2026

Geschichten: Lukas

Ich hatte ja hier gefragt ob ihr Leser Lust habt eure Geschichten zu teilen. Einige von euch haben kommentiert. Andere haben mir eine Email geschrieben aber gebeten diese nicht zu veröffentlichen. Das Angebot steht weiterhin und ihr könnt mir gerne ne Mail schreiben.

Lukas ist aber damit einverstanden und hat auch ganz konkrete Fragen am Ende. Bevor ich antworte wollte ich erst mal schauen was ihr dazu zu sagen habt.

Hier die Mail von Lukas:

Kurz zu mir:

Ich bin Lukas, 37 Jahre alt, seit 3 Jahren verheiratet und kinderlos. Ob sich das mit den Kindern ändert, da sind sich meine Frau und ich unsicher, Tendenz geht eher in Richtung 1 Kind, aber das wird sich zeigen. Ich habe dual studiert, klassisch BWL, bin früh ausgezogen und über Umwege in München gelandet, hier habe ich auch meine Frau (Münchnerin) kennengelernt. 

Durch Zufälle bin ich dann in die SAP (HR Systeme) Schiene gerutscht und arbeite dort seit 2015, beim aktuellen Arbeitgeber mit guter Auftragslage seit ca. 3 Jahren. Ich war immer relativ sparsam und habe 2018 eine kleine Wohnung im Umkreis von München mit meinem Ersparten gekauft, die Bank zur Finanzierung damals trotz Probezeit davon überzeugt mir diesen doch bitte zu gewähren. 

Die kleine 2-Zimmer Wohnung habe ich nach 4 Jahren Eigennutzung mit einem Plus wieder verkauft bevor der Markt schwieriger wurde, bei dem Timing hatte ich mehr Glück als Verstand, dieses Plus ist damals sofort in das Depot geflossen. Zudem habe ich Anfang 2023 ein vorgezogenes Erbe erhalten von ca. 200k. Ich will nicht zu viel auf diese Situation eingehen: Aber durch schwierige Familienverhältnisse, mein Vater ist zudem vor einem Monat gestorben, war das Drängen von mir damals auf eine Klärung der Immobilienverhältnisse goldrichtig, vermutlich hätte ich jetzt nach dem Tod meines Vaters lediglich das Pflichterbe erhalten.

Gestartet habe ich 2021 mit einem ersten Kauf von Bitcoin, dadurch bin ich immer mehr in die Invest-Schiene gerutscht (meine Familie hat die Börse verteufelt). Kryptowährungen besitze ich schon länger nicht mehr, bei der Börse bin ich jedoch geblieben. Nach anfänglicher Findungsphase ist mein Depot mittlerweile auf Dividenden / Dividendenwachstum ausgerichtet, mal ein kleiner Auszug aus den Top-10 Positionen:

  • DBS Group (Singapore Bank)
  • L&G Global Quality Dividends (Einziger ETF im Depot – relativ neu im Depot)
  • Kri Kri Milk Industry (Joghurt Produzent aus Griechenland)
  • CVS Health
  • Texas Roadhouse
  • Philip Morris
  • ASML
  • Blackrock
  • Realty Income
  • Microsoft

Als ich mit dem Investieren gestartet habe, war mein Ziel : Ich will meine Fixkosten von 1750€ komplett durch Dividenden abdecken. Mittlerweile sind die Fixkosten etwas gestiegen, trotzdem peile ich immer noch die Nettojahresdividende von : 21.000 € an. (Das Ziel habe ich aktuell zu ca. 90% abgedeckt)

Es hat insgesamt 1940 Tage gebraucht, um vom ersten Tag der Investment-Reise bis kurz vor meinem 37. Geburtstag die 50k in erhaltenen Total Dividends vollzumachen, ein kleiner Meilenstein für mich.

Mein Depot steht aktuell bei ca. 700k, Eingezahlt wurden ca. 500k + die 50k Dividenden + Kursgewinne (sicherlich den breiten Markt underperformt, was aber auch nicht mein Ziel war und ist, sondern ich will ein stabiles Einkommen aufbauen was mich Tag für Tag freier werden lässt und hoffentlich relativ zuverlässig steigt). 

Während den letzten Jahren habe ich natürlich versucht sehr viel zu sparen, gleichzeitig reisen meine Frau und ich sehr gerne und wir sind irgendwann mal auf den Geschmack der teuren Hotels gestoßen, seitdem geben wir sehr viel Geld aus für tolle Übernachtungen um den Globus (z.B. Luxus Hotel in Singapore für 2 Nächte), wo viele Leute vermutlich, wenn Sie den Preis hören würden, die Hände über den Kopf schlagen würden, uns begeistert das aber total. Auch in unsere Hochzeitsreise nach Mauritius war Schweine teurer, aber das macht man ja hoffentlich nur einmal im Leben. Ich versuche trotzdem natürlich die Balance zu halten zwischen Lifestyle und dem Investieren.

Ungeachtet, dass ich weiß dass ich für mein Alter gut aufgestellt bin & auch Glück hatte – trotzdem fühl ich mich in letzter Zeit vermehrt lost obwohl ich meinem anfänglichen Ziel immer näher komme:

Meine finanzielle Lage ist gut, ein Haus in München bzw. Wohneigentum ist mittlerweile trotzdem unerreichbar, wenn man es betriebswirtschaftlich durchrechnet, das war lange mein Ziel – sehe ich mittlerweile aber anders. Auch in meinem Job gibt es min. 2-3 Tage in der Woche, wo ich unglücklich bin, mich Kollegen ankotzen, Themen einfach komplett sinnlos durchgesetzt werden sollen und ich an Non-Sense konfiguriere oder mich mit Fehlern der SAP rumschlage.

Durch einige Wechsel in der Vergangenheit habe ich es trotzdem auf ein hohes Gehalt gebracht ohne zu viel Führungsverantwortung (ca. 120k Jahresgehalt nach Tarif mit 40h-Woche). Natürlich wird auch in meinem Unternehmen nur noch von KI philosophiert, mit dem Betriebsrat hoch & runter diskutiert und man fragt sich was das alles für einen in der Zukunft bedeutet. Die Konfigurationen die ich heute vornehme, sehe ich als nicht so komplex an, sodass ich meine Tätigkeit schon in Gefahr sehe – da erwische ich mich manchmal wie ich denke: Einfach noch paar Jahre aushalten so lange man überhaupt noch so eine IT-Tätigkeit durchführen kann und dann wird das passive Einkommen zumindest so hoch sein, dass ich relativ abgesichert bin. Auch den Job meiner Frau (Unternehmensberaterin) sehe ich als nicht wirklich gesichert an. In den letzten Jahren habe ich immer mal wieder versucht auch im Ausland einen Job zu finden, das war immer unser Traum – leider erfolglos und für eine Entsendung innerhalb der Firma gab es nie gute Rahmenbedingungen.

Wie man merkt hinterfrage ich mich oft selbst:

Sollte ich mich nicht gefestigter fühlen, weil ich meinem Ziel näher komme?
Wieso fühlt sich das alles nicht so sicher an, obwohl ich für mein Alter gut aufgestellt bin?
Und was ist der Grund dahinter?

Fühlt es sich für andere Personen gleich an?
Oder bin ich der einzige Schräge der so denkt?

Mal angenommen du wärst in meiner Situation, wie schätzt du persönlich meine Lage ein?

Über ein Feedback von dir & deiner Community würde ich mich sehr freuen!

Kommentare:

  1. Scannerin

    Hallo Lukas,
    Vielen Dank für das Teilen deiner spannenden Story!
    Ich (38) bin vermögenstechnisch nicht so weit wie du, kann deine Gedanken aber trotzdem nachvollziehen. Manchmal geht es mir ähnlich.
    Ich vermute dein psychisches „Problem“ liegt darin, dass du dein großes Ziel mit harter Arbeit quasi erreicht hast und dich noch nicht mit dem „danach“ beschäftigt hast. Es geht wohl auch vielen Rentnern so. Wir sind es gewöhnt immer Vollgas zu geben und auf ein Ziel hinzuarbeiten. Die Zeit danach bzw. das Ziel wird romantisiert als „glücklich leben bis ans Lebensende“. Gleichzeitig ist dein Vermögen nicht so hoch, dass du finanziell sicher bist für die nächsten 60 Jahre. Glücklichsein und sich sicher fühlen sind Entscheidungen, für die man auch arbeiten muss, an sich selbst und der Einstellung zum Leben. Ich habe die Weisheit des Lebens sicher nicht inhaliert, würde dir aber mitgeben wollen dich zu Erden und in Dankbarkeit zu üben.
    Liebe Grüße und weiterhin viel Erfolg

  2. Paul

    Sucht euch einen Job in der Schweiz und wandert aus. Ihr seid noch jung.
    Viele Grüße
    Paul

  3. Phese

    Danke für die Story
    Tja, Geld allein macht nicht glücklich, könnte das sein..? Nutz die Zeit in der du halbwegs jung bist und schon ausgesorgt hast, um Kinder groß zu ziehen.

  4. Scannerin

    @Paul: 😀 ja, wir sind auch vor 5 Jahren in die Schweiz ausgewandert und uns geht es sehr gut damit. Nur brauchen wir jetzt ein um einiges höheres Vermögen für das wir genauso lange Arbeiten müssen, wie in Deutschland…

  5. mike

    Hallo Lukas,

    erstmal herzlichen Glückwunsch zu deinen Zahlen.

    Ja München ist was Immobilien angeht sehr teuer, aber auch hier kommen die Preise langsam zurück oder stagnieren. Eventuell kannst du ein Schnäppchen machen, vor allem weil doch viel an Sicherheit da ist.

    Deine Überlegungen kenne ich. Ich dachte mal wenn meine Wohnung abbezahlt ist wird alles besser. Man fühlt sich erst einmal leer. Man hat zwar das Ziel erreicht, aber eine große Veränderung gibt es nicht wenn man sie nicht selbst vornimmt. Man sagt sich natürlich, jetzt bin ich nicht mehr so erpressbar.. stimmt.. aber auf der anderen Seite bedeutet ein Job auch viel Struktur, Sicherheit und eben auch zusätzliches Spielgeld was du in deine tollen Urlaube stecken kannst.

  6. Airnesto

    Hallo,

    nach langem Stillen Mitlesen mal mein (ich glaube zumindest) erster Kommentar: Ich gratuliere dir zu der tollen Lebensleistung bis hierher. Ich selbst bin knapp über 40 und finanziell nicht so frei wie die meisten hier, aber immerhin auch bei einem niedrigen 6stelligen Vermögen angelangt, obwohl ich erst spät in meinem heutigen Beruf eingestiegen bin (öffentlicher Dienst, gut bezahlt, sicher aber auch gedeckelt) und zwei Kinder mit meiner Frau habe.

    In Berlin ist Wohneigentum damit auch ausgeschlossen. So what.

    Ich kenne deine Lage ehrlicherweise weniger von mir selbst, aber von zahlreichen Altersgenossen: viel geschafft, aber irgendwie…

    Ich empfehle euch das Fragezeichen an eurem Kinderwunsch in ein Ausrufezeichen zu verwandeln. Ihr seid ein hoffentlich glückliches Paar, finanziell top ausgestattet, um die wirklich intensiven Jahre entspannt zu verleben und alle notwendigen Entscheidungen selbstbestimmt zu treffen: wollt ihr verreisen, tut ihr das. Wollt ihr mehr Zeit für die Familie, nehmt ihr sie euch, wollt ihr ein Jahr komplette Auszeit vielleicht vor der Schulpflicht, macht ihr auch das. Die Zeit kommt nicht zurück. Eure Jobs haltet ihr jetzt schon für unsicher, in drei oder vier Jahren werden sie das immer noch sein. Und wenn sie weg sein sollten, habt ihr wenigstens nicht gezittert, sondern eure Enddreißiger genossen und SELBST entschieden, statt dass wer anders das für euch getan hat. Genau dafür baut man sich doch ein Vermögen auf, oder nicht?

    Jetzt sind das aktive Entscheidungen, deren Freiheitsgrade es zu nutzen gilt. Diese Freiheitsgrade habt ihr euch erarbeitet…Wer weiß schon ob und welcher Schicksalsschlag einem möglicherweise irgendwann jede Freiheit nimmt im weiteren Verlauf, ob nun mit oder (hoffentlich nicht) ohne finanzielles Polster. Ich wünsche uns allen keine solchen Schicksalsschläge, aber „Garatien gibt es keine“. Kinder nehmen einem sicherlich den einen oder anderen Freiheitsgrad, was persönliche Entfaltung angeht. Sie geben aber auch Dinge, die man anders nicht erreichen und auch nicht beschreiben kann.

    Toller Blog übrigens!
    Liebe Grüße

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