In den letzten Wochen habe ich mich mit vielen Menschen unterhalten. Leute die im Job sind, Leute die Jobs suchen und Leute die Jobs anbieten. Viele davon meinen, dass das Umfeld so schwierig wie zuletzt vor 15 Jahren ist.
Eine Person hat mir berichtet, dass sie in den letzten Monaten über 200 Bewerbungen geschrieben hat und darauf nur fünf Einladungen zu Vorstellungsgesprächen bekommen hat. Eine feste Anstellung hat sich daraus nicht ergeben.
Auf Stellen die ausgeschrieben sind, bekommen Bekannte, die Firmen haben oder in HR arbeiten bis zu 100 Bewerbungen. Wo man vor 2-3 Jahren noch kämpfen musste um überhaupt die Stelle zu besetzten, wird man von Bewerbern und Recruitern überrannt.
Bei anderen wurde Stellenabbau schon angekündigt bzw. Leuten nahegelegt sich auf Jobsuche zu begeben.
Zwar gibt es im Dienstleistungsbereich (z.B. Gastro, Supermärkte) noch viele offene Stellen. Die sind aber oft weit schlechter bezahlt als im Industrie Sektor (wo der hauptsächliche Abbau stattfindet). Aber selbst da ist man nicht immer sicher.
Ich kann auch durchaus verstehen, wenn jemand der 20 Jahre in nem IG Metall Unternehmen gearbeitet hat, nicht als Kassierer in nem Supermarkt anfangen will.
Die Gründe für die Rezession sind vielfältig. Deutschland lebt vom Export. Mehr als 30% der exportierten Waren sind Kraftfahrzeuge und Maschinen.
Da sind zum einen die Zölle welche die USA auf Waren erhoben hat, der Nachfragerückgang in China und die Sanktionen gegen Russland. International werden viele Waren in Dollar bezahlt und im Vergleich zum Euro hat der mehr als 10% abgewertet. Das schlägt sich dann auch auf die erzielbaren Preise für Exportgüter durch und dementsprechend auf die Einnahmen der deutschen Exporteure.
Oder anders gesagt .. wenn deutsche Waren in den USA 10% teurer werden lohnt sich vielleicht doch der Blick auf alternative, günstigere Anbieter.
Durch die Abwertung des Dollars und die Handelszölle wird es für die US-Wirtschaft wieder lukrativer Waren im Land zu produzieren. Ausländische Produkte werden für US-Amerikaner teurer, während exportierte Produkte höhere Preise erzielen können.
Das alles passiert natürlich nicht über Nacht aber die Europäer haben damit natürlich ein Problem. Mit der in den letzten 30 Jahren zunehmenden Globalisierung hatte man immer ausländische Märkte auf denen man wachsen konnte, wo man mehr Produkte verkaufen konnte etc. das scheint nun zu stagnieren bzw. kommen neue Schranken hinzu. Da die innereuropäische Nachfrage bestenfalls sanft wächst, aber doch eher stagniert ist hier kein Nachfrageschub zu erwarten.
Ich bin gespannt wie das weitergehen wird und ob die deutsche Industrie Wege findet bzw. Ideen hat neue Märkte zu erschließen.

Höre ich das richtig heraus?
An der Misere sind hauptsächlich die Anderen schuld, USA, China und Russland.
Nicht nur das produzierende Gewerbe ist vom Stellenabbau betroffen. Auch (akademische) Berufe bzw. Aufgaben, die nach Auffassung der Geschäftsleitung „problemlos“ von künstlicher Intelligenz übernommen werden können, sind auf dem chopping block gelandet. Und diese Entwicklung kann man den USA, Russland und China kaum anlasten.
Nach meiner Auffassung werden Geschäftsleitungen und Führungskräfte generell mit dem Einsatz und der Weiterentwicklung von KI überflüssig.
Wofür noch einen teuren, wenn auch selbst Guten CEO und tausende „Manager im Mittelmanagement“ bezahlen, wenn eine KI hunderte Prognosen erstellt und man nur noch die eine logische Entwicklung für die weitere Geschäftsstrategie festlegen muss?
Wozu noch ein mittleres Management aufrechterhalten, wenn eine KI Arbeitsergebnisse protokolliert und Mitarbeiter immer wieder anweist und erklärt, was als nächstes zu erledigen ist?
Führungskräfte sind sowieso überflüssig, ein gutes Team braucht keine Führung ;). Als Argument gegen eine KI wird oft Empathie genannt. Ich sehe das eher umgekehrt, eine gute Führungskraft kann Gefühle ausblenden und Entscheidungen auf Fakten-Basis treffen. Ich lese nicht aus den Text raus, dass die Schuld bei den anderen liegt. Ich merke in meinem beruflichen Umfeld ziemlich oft das KI und Robotik belächelt wird. In Deutschland wird es ein Böses erwachen geben, sobald der Rest der Welt davon zieht,
@Paul
„Schuld“ gibt es in dem Zusammenhang nicht .. das sind äußere Umstände .. die hätte man kommen sehen können oder auch nicht .. ein schlauer Manager hätte schon frühzeitig drauf reagiert und Maßnahmen eingeleitet .. nur Dumme weisen „Schuld“ zu .. Schlaue versuchen das Problem zu fixen
@Christiane
das mag ein weiterer Faktor sein .. wobei ich glaube KI wird da noch etwas überschätzt
@MarcMitC und @Anvyl
das Problem mit KI ist der Faktor an Halluzination .. ich arbeite seit ein paar Jahren mit KI Modellen und alle halluzinieren bis zu nem gewissen Grad .. das wird langsam besser und verlässlicher .. aber da sind wir noch nicht wirklich .. durch Grounding und Thinking Modelle macht das aber große Schritte vorwärts .. wer KI ablehnt und sich nicht damit beschäftigt macht meiner Meinung nach einen großen Fehler
Jupp, KI macht auch gerne Fehler, ist halt ein Werkzeug das richtig eingesetzt und kontrolliert werden muss. Ein offenes Feuer auf den Wohnzimmertisch hat schlimme Folgen, ein kontrolliertes Feuer im Kamin hat Wärme und Gemütlichkeit.
@mad:
Alle Deine Punkte sind absolut valide. In meiner internationalen Industriebutze hat man aber schon vor 10 Jahren die Prioritäten bzgl. Investionen aus Deutschland verschoben.
Wir gehen durch ein Tal was die Wirtschaft angeht, aber man schießt sich hier noch mit Liebe dabei selbst ins Knie.
[…] auf meinen letzten Beitrag ist VW ein schönes Beispiel. Neben äußeren Umständen sind einige Firmen in Deutschland dabei […]