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25. Juni 2022

Tagebuch eines Bärenmarktes #4

Nachdem die letzte Woche freundlich geendet hat, habe ich einen Blick in mein Depot gewagt.

Wir befinden uns zwar seit Januar 2022 in einem Bärenmarkt, aber wissen kann man das natürlich erst in der Nachbetrachtung.
Also .. im Februar wussten wir das noch nicht, da ein Index ja erst mal so 20% verlieren muss oder z.b. jeden folgenden Monat unter dem vorhergehenden abschließen muss .. je nach Definition.

Ein Bärenmarkt zeichnet sich dadurch aus, dass es im Laufe dieses Marktzyklus immer tiefere „Tiefs“ und immer tiefere „Hochs“ gibt.

Hier sieht man das am S&P 500:

Bedeutet schlicht nur, dass die letzte Woche in Indiz für rein gar nichts ist oder war.

Die Minus 20% welche für viele die Definition einer solchen Marktphase sind, haben wir im S&P am Anfang letzter Woche gesehen.

Das bedeutet aber auch das es ohne Probleme noch einmal 10% bis 20% runter gehen kann.

Wir können durchaus weitere tiefere „Tiefs“ sehen. Ebenso ist eine Zwischenerholung wie Ende März, Anfang April möglich.

Einige US Hedgefonds (Ray Dalio) shorten bevorzugt europäsiche Aktien und sehen hier mehr Risiken für weitere Abwärtstrends .. aber das ist natürlich eine Wette.

Mein Depot hält sich weiter stabil und ich habe etwa nur 8 – 10% Buchverlust abbekommen.

Hier meine 8 besten Aktien der letzten drei Monate:

Und die 8 schlechtesten Aktien der letzten drei Monate:

Mittlerweile habe ich etwa 5% Cash aufgebaut (bezogen auf den Depotwert) und warte immer noch ab. Man muss aber dazu sagen, dass ich keine Sparpläne laufen habe.

Persönlich rechne ich damit, dass wir das absolute Tief noch nicht gesehen haben. Das kann ich aber natürlich nur „glauben“ und sicher nicht beweisen.

Die Dividenden sind ein Trostpflaster und die sind natürlich auch der Grund warum ich keine Aktie verkauft habe.

Ich bin nun gespannt wie sich in den nächsten Monaten die Inflation in Europa und den USA entwickeln wird. Weitere Zinserhöhungen sollten weitere Dämpfer für die Märkte bedeuten.

Eine neue Coronapandemie wäre nicht gut und ebenso der anhaltende Konflikt in der Ukraine bzw. eine Verschärfung oder Tendenz, dass Russland die Oberhand gewinnt.

Darum .. abwarten, Tee trinken und hoffentlich eine Strategie am Start haben die euch ruhig schlafen lässt.

Kommentare:

  1. Thomas

    Währung: Der Euro hat vs Dollar seit 6M etwa 10% verloren. Da Du stark US lastig bist, hat Dich das um 10% gerettet, sonst wäre der Buchverlust auch bei 18 bis 20%
    Ich sehe aber auch wg EZB und der in Europa aufziehenden Energiekrise keine fundamentale Änderung der weiteren Abwertung des Euro. Die Dollarparität ist bestimmt im nächsten Quartal erreicht.

    Dividenden: unheimlich motivierend, man sammelt immer bissel was an und kann dann für „lau“ neue Anteilscheine (zur Zeit immer günstiger) erwerben.

    Energie: Das ausgerechnet Robert Habeck jetzt Kohlekraftwerke hochfahren läßt, zeigt auch die Not, in der er (wir) sich (uns)befindet(n.) Die Sparapelle an die Bevölkerung wirken da wie das berühmte Pfeifen im Walde, wenn da nichts substantielles mehr nachkommt.
    Bei einer derzeit kolportierten wahlweise Verdreifachung/Vervierfachung/Versechsfachung des Gaspreises ist das von den meisten Haushalten gar nicht mehr zu stemmen, ohne immer mehr ins Minus zu rutschen trotz Vollerwerb.
    Eine kleine Frage an Google sagt, das in Deutschland etwa 19.6 Millionen Wohnungen mit Erdgas beheizt werden. Wenn man pro Wohnung durchschnittlich 2 Köpfe ansetzt, dann ist das fast die Hälfte der Gesamtbevölkerung.
    Deutschland setzt auf Europa, das hat aber im Krisenfall bei Corona auch schon nicht funktioniert. Wenn Europa und Amerika helfen, dann nur zu MARKTPREISEN.
    Wenn wir beim Heizen auf Strom switchen wollen, brauchen wir mehr Strom, und zwar ziemlich viel. Interessant wird es bei dann bei beginnenden Rationierungen.
    und die Heizungen können auch nicht gleichzeitig gewechselt werden. Das kann keiner leisten und keiner bezahlen und dafür gibt es kein Material und kein Personal. So sorry.

    Ich lasse Sparpläne laufen, da dies emotional unabhängig von der Tagesstimmung läuft, ein konsequentes und stetiges Umwandeln von Geld in Produktivkapital bedeutet, Man erwischt jetzt auch günstige Preise
    da der Markt bei positiven Triggern ja auch jederzeit wieder nach oben drehen kann und dann rennt man steigenden Kursen hinterher.
    Aber das Tief haben wir wohl noch lange nicht gesehen. In USA wohl eher Stabilisierung als in Europa. Die runterkommenden Rohstoffpreise entspannen, (Man kann nur verkaufen, wenn jemand das Geld dafür hat)
    Öl scheint zumindest zu stagnieren. Über Umwege ist russisches Öl ja trotzdem auf dem Markt.

    Bei den drei schlechtesten Aktien ist Cytosorbent selbsterklärend, aber irgendjemand muss IMMER zwangsläufig den schlechtesten Platz besetzen. Da kann man die dann auch lassen.
    Intel ist charttechnisch schwer angeschlagen, da die 4 jährige Untergrenze von 40 $ zügig durchgerauscht ist. Die würde ich zur Zeit nicht kaufen.
    Target ist denke ich nach dem 15% Rutsch durchaus einen Nachkauf wert, da sich das Geschäftsmodell ja nicht grundlegend geändert hat.

  2. Mike

    Lieber Mathias,

    schön das du uns an deinen Gedanken teilhaben lässt.

    Ich möchte Sie vielleicht noch ein wenig ergänzen. 

Der Kleinanleger:

    Wieviele Kleinanleger werden wohl jetzt Verluste realisieren und danach die Börse eine Zeit scheuen? Wenn die Aktienkurse nicht um die gewohnten X Prozent steigen und die Dividendenrendite mit der Rendite für festverzinsliche Papiere vergleichbar sind eher in diese Assetklasse gehen.

    Wer bewertet Geld für sich nochmal neu und überlegt, das er sich lieber jetzt die Träume erfüllt als später.

    Und wer wacht vielleicht böse auf, weil das Baugeld plötzlich 3% kosten (bei 0% Refinanzierungssatz der Banken. Bezogen auf ein Darlehen von 500.000 Euro sind das 15.000 Zinsen im Jahr oder 1.250 im Monat.. zuzüglich Tilgung. Auch wenn sich das bei einer Anuität dann ändert.

    Der ein oder andere wird gar nicht mehr so sparen können, weil einfach die anderen Kosten dich auffressen.

    Der Influencer

    Hat man schon vor ein paar Monaten gehört, das sich der ein oder andere Gedanken macht, weil professionelle Zeitung jetzt Podcasts machen, so merkt man, das plötzlich nicht nur die Börse im Vordergrund steht.. sondern auch immer öfter von Mindset, etc geschwafelt wird.

    Vielleicht verkauft der XYZ bald auch Fooddrinks und Bambusmatten neben Büchern und Steuertricks.

    Oder ganz beliebt.. Luxusuhren.

    Man merkt es an den Scharmützeln die die ersten schon gegeneinander ausfechten.

    Die Berichtssaison

    Wirklich spannend wird die Berichtssaison und ich bin mir nicht sicher, ob die jeder eingepreist hat. Wenn ich aber an die Ausschläge in diesem Quartal denke..das könnte spannend werden.

    Die Dankbarkeit

    Bei all dem Mist bin ich dankbar, das es eben auch Leute wie dich, den Prof. Goldgraf und all die anderen vernünftigen gibt.

    In dem Sinne.. Bärenmärkte können lang dauern, gehen aber auch vorüber.

  3. Solvum

    Danke für deinen Beitrag.
    Ich hadere auch mit mehr Cash aktuell stillzusitzen.
    Was mich aber dennoch dazu treibt die Aktien quote hoch zu halten ist die Inflation…
    Natürlich kann es nochmal 20% abwärts gehen, aber aktuell sind garantiert 8 bis 10% Wertverfall infolge der Inflation.
    Garantierte 10% Wertverfall machen mir aktuell mehr Sorgen als das zeitweise Risiko von weiteren 20% Kursverluste.
    Was denkst ihr aktuell zu dem Thema Inflation vs. Risiko Kursverluste?

  4. Ghammer

    @solvum: die Inflation ist ja da, egal ob ich investiere oder nicht und ob Kursverluste oder Kursgewinne. Ich muss es immer ‚abziehen‘. Von daher ist die Inflation selbst nicht der Grund, großartig was zu ändern.

  5. Thomas

    @solvum + Ghammer auch interessant:
    https://stockspinoffinvesting.com/buffett-on-inflation-over-the-last-50-years/

  6. Tagebuch eines Bärenmarktes #5 – getmad

    […] Einen Nachtrag zum letzen Beitrag: […]

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