Dividenden Blog

17. Oktober 2026

Multi-Asset-Entnahmesimulation mit wählbarer Strategie und Simulationsmethode: Wie lange reicht mein Vermögen?

Dieser Beitrag ist von Planschkuh. Er hat unter dem letzten Beitrag seine Tools vorgestellt und damit das nicht untergeht und weil ich denke die Tools können für viele Leser hilfreich sein habe ich ihm angeboten einen Beitrag zu schreiben wo er eben genau diese Tools vorstellt.

Hier geht es los:

Wer ein ordentliches Depot aufgebaut hat, landet irgendwann bei der Frage: Wie viel kann ich regelmäßig entnehmen, ohne dass das Geld zu früh ausgeht?

Eine bekannte Faustregel ist die 4-Prozent-Regel: Im ersten Jahr werden 4 % des Startvermögens entnommen, anschließend wird der Betrag jährlich an die Inflation angepasst. Bei einer Million Euro wären das zunächst 40.000 Euro pro Jahr.

Der Haken: Die Börse läuft nicht jedes Jahr gleich. Ein Kurseinbruch direkt zu Beginn des Ruhestands kann deutlich schwerwiegender sein als derselbe Einbruch viele Jahre später. Dieses Risiko nennt man Renditereihenfolgerisiko.

Um solche Situationen besser einschätzen zu können, habe ich den Entnahme-Simulator entwickelt.

Die Durchschnittsrendite reicht nicht

Für eine erste Überschlagsrechnung ist die durchschnittliche Rendite hilfreich. Bei regelmäßigen Entnahmen greift sie allerdings zu kurz. Entscheidend ist auch, in welcher Reihenfolge die guten und schlechten Börsenjahre auftreten.

Zwei Depots können langfristig dieselbe Durchschnittsrendite erzielen und sich bei regelmäßigen Entnahmen trotzdem völlig unterschiedlich entwickeln. Fällt der Aktienmarkt gleich zu Beginn stark, während gleichzeitig Geld entnommen wird, bleibt weniger Kapital übrig, das sich später wieder erholen kann.

Deshalb betrachtet der Simulator nicht nur ein einzelnes Szenario, sondern eine ganze Bandbreite möglicher Entwicklungen.

Historische und simulierte Verläufe

Für die Simulation stehen verschiedene Methoden zur Verfügung:

  • Historische Daten: Du kannst beispielsweise den S&P 500 oder einen stärker international ausgerichteten Weltmarkt-Proxy verwenden. So lässt sich nachvollziehen, wie sich dein Entnahmeplan in Krisen wie der Weltwirtschaftskrise, der Inflation der 1970er-Jahre oder bei großen Börsencrashs entwickelt hätte.
  • Block-Bootstrap: Historische Abschnitte werden zufällig neu kombiniert. So entstehen neue Verläufe auf Basis realer Daten, die in dieser Form historisch nicht aufgetreten sein müssen. Auch die Länge der verwendeten Blöcke lässt sich variieren.
  • Monte-Carlo-Simulation: Hier werden mögliche Zukunftsverläufe auf Basis statistischer Annahmen zu Renditen und Schwankungen erzeugt.

Die Vergangenheit ist keine Garantie für die Zukunft. Sie zeigt aber, welche Belastungen ein Entnahmeplan bereits hätte aushalten müssen. Da jede Simulationsmethode ihre eigenen Stärken und Schwächen hat, lohnt sich der Vergleich.

Das Portfolio macht einen Unterschied

Neben Aktien-ETFs lassen sich auch Gold, Liquidität, Anleihen und optional Bitcoin berücksichtigen. Darüber hinaus können eine Eigentumswohnung und die gesetzliche Rente in die Planung einfließen.

Natürlich ist nicht jede Anlageklasse für jeden sinnvoll. Ein hoher Aktienanteil bietet langfristig größere Ertragschancen, bringt aber auch stärkere zwischenzeitliche Verluste mit sich. Liquidität und Anleihen können als Puffer dienen, kosten aber möglicherweise Rendite. Gold kann sich in manchen Krisen anders als Aktien entwickeln, ist jedoch ebenfalls kein Allheilmittel.

Der Simulator hilft dabei, die Auswirkungen unterschiedlicher Vermögensaufteilungen auf den Entnahmeplan zu untersuchen, statt nur abstrakt über Rendite und Risiko zu sprechen.

Welche Entnahmestrategie passt?

Es macht einen großen Unterschied, ob du jedes Jahr denselben inflationsbereinigten Betrag entnimmst oder dich am aktuellen Depotwert orientierst.

  • Statisch: Der Betrag wird im ersten Jahr festgelegt und anschließend nur an die Inflation angepasst. Das macht die Ausgaben gut planbar, kann das Depot nach einem frühen Börsencrash aber stark belasten.
  • Prozentual: Du entnimmst jedes Jahr einen festen Prozentsatz des aktuellen Depotwerts. Das schützt das Vermögen tendenziell vor einer vollständigen Aufzehrung, allerdings schwankt dein Einkommen entsprechend stark.
  • Dynamisch mit Ober- und Untergrenzen: Die Entnahme wird an die Vermögensentwicklung angepasst. In guten Jahren darf sie steigen, nach schlechten Jahren wird sie begrenzt reduziert.
  • Klassiker zum Vergleich: Auch die 4-Prozent-Regel und die Guyton-Klinger-Strategie sind enthalten.

Keine Strategie ist grundsätzlich die beste. Entscheidend ist, wie wichtig dir ein möglichst stabiles Einkommen ist, wie flexibel deine Ausgaben sind und wie viel Risiko du akzeptieren kannst.

Ich persönlich bevorzuge die dynamische Entnahmestrategie von Vanguard (Vanguard Dynamic Spending) in Kombination mit einem festen Mindestentnahmebetrag. In meinen Simulationen lässt sich damit unter bestimmten Annahmen gegenüber einer statischen Entnahme eine höhere anfängliche Entnahmerate bei gleicher Erfolgsquote erreichen. Gleichzeitig kann man stärker von steigenden Kursen profitieren. Wie gut das funktioniert, hängt allerdings von den gewählten Parametern und dem zugrunde liegenden Marktverlauf ab.

Monatlich oder jährlich entnehmen?

Bei der monatlichen Entnahme wird der Jahresbetrag auf zwölf Raten verteilt. Bei der jährlichen Variante wird der gesamte Betrag zu Jahresbeginn entnommen.

Die jährliche Entnahme entzieht dem Depot das Kapital früher und in größerem Umfang auf einmal. Dadurch kann sich die Vermögensentwicklung von der monatlichen Variante unterscheiden. Welche Variante vorteilhafter ist, hängt unter anderem von der Marktentwicklung und den Modellannahmen ab.

Gesetzliche Rente und andere Einkünfte

Die gesetzliche Rente kann ab dem gewählten Rentenbeginn den Betrag reduzieren, den du zusätzlich aus deinem Depot entnehmen musst.

Das ist besonders interessant, wenn du einen längeren Übergang in den Ruhestand planst: Zu Beginn benötigst du möglicherweise höhere Entnahmen, während die gesetzliche Rente später einen Teil deiner laufenden Ausgaben deckt. Auch Mieteinnahmen und andere regelmäßige Einkünfte lassen sich berücksichtigen.

Was zeigt das Ergebnis?

Der Simulator liefert keine garantiert richtige Vorhersage. Er zeigt, wie häufig dein Entnahmeplan unter den gewählten Annahmen erfolgreich war und wie sich Vermögen und Entnahmen im Zeitverlauf entwickelt haben.

Interessante Fragen sind beispielsweise:

  • Wie oft reicht das Vermögen über den gesamten Ruhestandszeitraum?
  • Wie viel bleibt am Ende übrig?
  • Was verändert eine andere Aktienquote oder eine flexiblere Entnahmestrategie?
  • Wie stark hilft die gesetzliche Rente?
  • Wie reagiert der Plan auf höhere Inflation oder einen längeren Ruhestand?

Oft ist der Vergleich mehrerer Varianten aufschlussreicher als die Betrachtung eines einzelnen Szenarios.

Ein Werkzeug für deine Planung

Vorhersagen kann der Simulator nicht. Niemand weiß, welche Renditen, Inflationsraten und Krisen uns in Zukunft erwarten. Er kann aber helfen, realistischer zu planen und Schwachstellen im eigenen Entnahmeplan zu erkennen.

Vielleicht ist eine etwas niedrigere Anfangsentnahme sinnvoll, vielleicht eine größere Liquiditätsreserve oder eine flexiblere Ausgabenplanung. Wichtig ist, nicht nur den günstigen Verlauf zu betrachten: Ein guter Plan sollte auch dann möglichst tragfähig bleiben, wenn die ersten Jahre schlechter laufen als erhofft.

Der Entnahme-Simulator rechnet ausschließlich mit Bruttobeträgen, also vor Steuern und Abgaben. Deshalb habe ich zusätzlich einen Steuer- und Abgabenrechner für Privatiers entwickelt. Er richtet sich speziell an Menschen, die ausschließlich oder überwiegend von ihren Kapitalanlagen leben möchten.


Steuer- und Abgabenrechner für Privatiers: Was bleibt von der Entnahme wirklich übrig?

Nachdem sich mit dem Entnahme-Simulator eine mögliche Bruttoentnahme abschätzen lässt, stellt sich die nächste Frage: Wie viel davon bleibt nach Steuern und Sozialabgaben tatsächlich übrig?

Je nach persönlicher Situation fallen Steuern sowie Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung an. Außerdem ist entscheidend, welcher Teil der Entnahme auf Kursgewinne entfällt und welcher lediglich bereits investiertes Kapital zurückführt.

Nicht die ganze Entnahme ist steuerpflichtig

Der Steuer- und Abgabenrechner für Privatiers behandelt nicht die gesamte Auszahlung aus dem Depot als steuerpflichtiges Einkommen. Er unterscheidet zwischen dem Anteil, der auf Kursgewinne entfällt, und dem Anteil, der lediglich das ursprünglich investierte Kapital zurückführt.

Auch die Teilfreistellung für Aktienfonds wird berücksichtigt. Die Vorabpauschale (VAP) ist standardmäßig aktiviert, kann bei Bedarf aber deaktiviert werden.

Mit dem Rechner lässt sich außerdem untersuchen, wie stark sich unterschiedliche Annahmen zur Vorabpauschale auf das Ergebnis auswirken. Ebenso kann man vergleichen, ob die Besteuerung mit dem individuellen Einkommensteuertarif oder die Abgeltungsteuer im jeweiligen Szenario günstiger ausfällt.

Das ersetzt keine individuelle Steuerberechnung. Es hilft aber dabei, die Auswirkungen verschiedener Annahmen besser zu verstehen.

Kranken- und Pflegeversicherung nicht unterschätzen

Dieser Punkt wird bei der Ruhestandsplanung gerne übersehen. Wer nicht mehr regulär beschäftigt ist, kann bei den Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung eine Überraschung erleben. Als freiwillig gesetzlich versicherter Privatier muss man die Beiträge grundsätzlich selbst tragen.

Im Rechner lassen sich verschiedene Situationen abbilden, darunter:

  • freiwillige gesetzliche Krankenversicherung
  • Krankenversicherung der Rentner (KVdR)
  • gesetzliche Renteneinkünfte
  • sonstige laufende Einkünfte
  • Einkünfte aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung
  • private Krankenversicherung

So lässt sich nachvollziehen, wie sich die jeweilige Versicherungssituation und die berücksichtigten Einkünfte auf die monatlich verfügbaren Mittel auswirken.

Wichtig ist dabei: Welche Einnahmen tatsächlich beitragspflichtig sind und wie hoch die Beiträge ausfallen, hängt unter anderem vom Versicherungsstatus und den geltenden gesetzlichen Regelungen ab.

Verschiedene Szenarien durchspielen

Besonders hilfreich finde ich, dass sich unterschiedliche Situationen schnell miteinander vergleichen lassen. Zum Beispiel:

  • Was ändert sich bei einem höheren Gewinnanteil innerhalb der Depotentnahme?
  • Wie stark reduzieren Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge den verfügbaren Betrag?
  • Welche Auswirkungen haben eine zusätzliche gesetzliche Rente oder andere Einkünfte?
  • Wie unterscheiden sich die Besteuerung nach dem individuellen Einkommensteuertarif und die Abgeltungsteuer?
  • Welche Rolle spielt die Vorabpauschale?

Du passt die Werte an und siehst unmittelbar, wie sich das Ergebnis verändert. So bekommst du ein besseres Gefühl dafür, welche Stellschrauben für deine persönliche Planung wirklich wichtig sind.

Ein Beispiel

Angenommen, du möchtest jährlich 35.000 Euro aus deinem Vermögen entnehmen. Das entspricht knapp 2.900 Euro im Monat.

Nach Steuern und Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung kann dir davon allerdings deutlich weniger zur Verfügung stehen. Wie groß der Unterschied ausfällt, hängt unter anderem davon ab,

  • wie hoch dein Depotvermögen ist,
  • welcher Anteil der Entnahme auf steuerlich relevante Gewinne entfällt,
  • ob und in welcher Höhe eine Vorabpauschale anfällt,
  • ob du eine gesetzliche Rente oder weitere Einkünfte beziehst,
  • ob du zusätzlich sozialversicherungspflichtig beschäftigt bist,
  • und wie du krankenversichert bist.

Genau diese Unterschiede macht der Rechner sichtbar. Es geht nicht um die eine vermeintlich richtige Zahl, sondern um eine realistischere Einschätzung des finanziellen Spielraums im Ruhestand.

Keine individuelle Beratung

Der Rechner arbeitet mit vereinfachten Annahmen und Näherungen. Steuer- und Sozialversicherungsrecht hängen von vielen persönlichen Details ab und können sich ändern. Die Ergebnisse sind deshalb keine verbindliche steuerliche oder sozialversicherungsrechtliche Berechnung.

Für eine erste Planung, den Vergleich verschiedener Szenarien und ein besseres Gefühl für die Größenordnungen ist das Tool aber eine hilfreiche Unterstützung.

Kommentare:

  1. Volker

    Perfekt!
    Hab ich bisher in dieser Form noch nicht gefunden, danke!

  2. Martin

    Respekt und vielen Dank für die Tools!
    Insbesondere der Steuer- und Abgabenrechner für Privatiers hat mir gerade nochmal für ein Detail die Augen geöffnet. Da meine bisherigen Rechnungen ohnehin schon mit Netto-Werten erfolgten und dem (hochgerechneten) Tarif meiner privaten KV, lagen die Werte bereits nah an meinen Rechnungen. ABER: Ich war bisher immer stur von einer Versteuerung auf Basis KESt ausgegangen. Interessanterweise liegt je nach angenommenem End-Depotwert der normale Tarif teilweise besser. Schön, dass ich auf diesen weiteren Puffer aufmerksam gemacht wurde. Vielen Dank für die tolle Arbeit und das Zur-Verfügungstellen der Tools!

  3. Enrico

    Moin,
    Wahnsinns Rechner – super komplex, danke für deine Zeit die du dort reingesteckt hast.
    Kurzer Wunsch – auch wenn ich hier vielleicht die Eierlegende-Wollmilchsau suche. Gibt es auch die Möglichkeit die Tools (insbesondere das Privatier Tool) für ein Ehepaar aufzubohren?

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