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15. Juni 2022

Tagebuch eines Bärenmarktes #1

Anfang Januar 2022 begann an den Börsen ein Abwärtstrend.

Der S&P 500 ist vom Höchsstand 4.800 Punkte auf bisher 3.700 Punkte gefallen.
Der Dow Jones von knapp 37.000 Punkten auf etwas über 30.000 Punkte.
Der Nasdaq 100 von etwa 16.500 Punkten auf etwas über 11.300 Punkte.

Alle Indizies befinden sich noch weit über den Tiefstständen vom März 2020 (Corona Crash).

Der S&P bei 2.300 Punkten.
Der Dow lag damals bei 19.170 Punkten
Und der Nasdaq 100 bei knapp 7.000 Punkten

Die Gründe sind vielfältig.

Da wären:

Im Zuge der Corona Krise wurden die Märkte mit Geld der Zentralbanken geflutet. Zinslose Kredite waren in großem Rahmen möglich und da es nahezu nirgends wirkliche Renditen gab floss das Geld in Kapitalmärkte. Dies führte zu einem massiven Bullenmarkt ab dem Frühjahr 2020.

Jeder konnte an billiges Geld kommen und dies führt dazu, das die Nachfrage nach begrenzen Gütern steigt. Das sah man besonders gut am Immobilienmarkt in Deutschland.

Nun ist Corona noch nicht besiegt und es gibt Lockdowns in China. Da quasi 90% der Vorprodukte und Produkte aus China kommen bringt dies Lieferketten nach Europa und in die USA in Schwierigkeiten.

Die Inflation steigt global stark an. Während wir in den letzten 10 Jahren in der EU und den USA Inflationsraten von 1-2% hatten gehen die Inflationsraten seit Anfang 2022 massiv durch die Decke und wahrscheinlich sehen wir Ende des Jahres eine Inflation von über 5% in Deutschland (aufs Jahr gesehen.)

Teurer wurde insbesondere Energie. Da wir quasi für alles was wir tun also produzieren, transportieren usw. Strom und Sprit brauchen wird auch alles andere teurer. Der Salat muss ja irgendwie zum Supermarkt kommen.

Dann haben wir den Ukraine Krieg. Durch die Sanktionen gegen Russland stiegen die Öl und Gaspreise auf den Weltmärkten stark an, da weniger verfügbar ist aber die Nachfrage weiterhin hoch ist.

Weizen und Pflanzenölprodukte aus der Ukraine können nicht mehr verschifft werden bzw. sinkt die Produktion. Die Preise steigen ebenfalls, da Nachfrage hoch aber das Angebot geringer ist.

Was machen wir:

Um die Inflation in den Griff zu bekommen erhöhen die Zentralbanken nun die Leitzinsen. Das ist der Zinssatz zum dem sich Geschäftsbanken bei der Zentralbank Geld leihen können.

Wenn dieser Leitzins steigt, steigen die Zinsen für Kredite und Einlagen bei den Geschäftsbanken. Was bedeutet, das Kreditkosten für Firmen und Privatpersonen teurer werden.

Lagen die Bauzinsen in den letzten 10 Jahren bei etwa 1% sind sie nun auf etwa 3% gestiegen. Hört sich nicht viel an, kann aber eben darüber entscheiden ob du dir ein Haus kaufst (und finanzierst) oder eben nicht.

Die Zentralbanken haben aber nur begrenzt Einfluss auf die Inflation. Gegen steigende Spritpreise bzw. Lebensmittelpreise können sie wenig tun.

Was hat das nun mit der Börse zu tun:

Staatsanleihen, Einlagen bei Banken usw. bringen plötzlich wieder Zinsen (ohne Risiko). Das bedeutet, es fließt Geld aus den Börsen ab und wandert in sichere Anlagen. Besondern institutionelle Anleger (Versicherungen, Rentenfonds etc.) shiften einen Teil ihres Kapitals. Dazu müssen sie natürlich erst mal Aktien los werden.

Dann gibts keine so günstigen Kredite mehr für Firmen. Das bedeutet Investitionen werden zurückgefahren.

Simpel ausgedrückt:
Hattest du 2020 was vor, dass 4% Rendite abwerfen würde hast du es vielleicht gemacht, da du zu 1% Geld leihen konntest. Das machst du heute nicht mehr, da es sich nicht mehr rentiert.

Venture Kapital und das wetten auf Geschäftsmodelle wird zurückgeschraubt. Die Venture Kapital Geber müssen sich in der Regel einen Teil ihres Geldes auch irgendwo leihen und wenn das teurer wird, leiht man sich weniger oder ist nicht mehr so risikofreudig.

Durch die höheren Preise für Basisgüter haben Menschen und Firmen nicht mehr soviel Geld für Schnickschnack. Man fängt also an zu sparen um für die wirklich notwendigen Dinge Geld zu haben. Das führt dazu das viele Firmen weniger umsetzen (Beispiel Netflix).

Dadurch das die weniger umsetzen, müssen die Firmen sparen und stellen keine Leute mehr ein bzw. führen Entlassungen durch. Investitionen werden ausgesetzt oder zurückgefahren.

Wachstum ade.

tl;dr

Um die Inflation zu verlangsamen versucht man die Geldmenge zu begrenzen. Das macht man über höhere Zinsen. Das führt zu höheren Kreditkosten und höheren Zinsen bei Bank Einlagen. Dies bremst das Wachstum und Geld fließt aus den Märkten ab um „sichere“ Zinsen zu bekommen. Kurse fallen.

Bonus:

Ukraine Krieg führt zu steigenden Öl und Gas Kosten was zu steigenden Verbraucherpreisen für eigentlich alles führt.

.. to be continued ..

Kommentare:

  1. ziola

    Hallo Mad,

    schöne Analyse.

    Ich wurde allerdings den EU- und US-Markt anders betrachten. Die Sachlage in der EU ist u.A. sehr stark durch die, aus meiner Sicht, fehlerhafte Politik der EZB verursacht. Die Leitzinserhöhung im Bereich 0.25% bei einer Inflation von ca. 7-8% ist ein Witz und zeigt nur, dass man vor Allem sich sorgen um die Finanzierung der Süd-Europa macht.

    Gute Vergleichsindex ist hier Schweiz, die ebenso von der europäischen Lage und Einfluss des Ukrainekriegs betroffen ist, aber die Inflation im Bereich 2-3% hält.

    In den USA gibt es diesen Süd-Faktor nicht. Ebenso ist die energetische Abhängigkeit bzw. Lage in der Ukraine nur nebensächlich. Vielmehr profitiert USA durch ansteigenden Waffen-, Öl- und Gas-Exporte. Hier ist vorwiegend nur Lage in China ein ernstes Problem, was aber bereits im industriellen Sektor durch Rückholung einigen nach Asien outgesourcten Zweige begradigt wird. Ebenso wird hier auf FED wesentlich heftig reagieren – dies wird kurzfristig Börse umschlagen, langfristig diese aber wieder stärken.

    In jedem Fall wird es jetzt 1-2 Jahre dauern, bis wieder sich die Lage entspannt – hierbei kann sowohl Putin, wie auch China noch einiges verlängern.
    Was bleibt ist die fallenden Aktienpreise zu nutzen und in gute Firmen zu investieren.

    Gruss
    ziola

  2. Tagebuch eines Bärenmarktes #2 – getmad

    […] hat im Post gestern noch einen guten Punkt angebracht, Inflation und die Gründe dafür können natürlich regional […]

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