Dividendenstrategie ist tatsächlich mein aktuelles Thema – wie stark die werden soll, überlege ich aber derzeit noch.
Wenn es alle im großen Umfang machen, kann das Ganze etwas kippen und ggf. nicht mehr so vorteilhaft sein. Also zumindest warnte die Wirtschaftswoche (Paywall) gerade davor, aber das muß ich mir nochmal durchlesen und vor allem nochmal durch den Kopf gehen lassen. Die WiWo muß ja auch immer irgendwelche Schlagzeilen produzieren und man weiß nicht, was da wirklich dran ist.
@Matthias, vielleicht hast Du ja Lust, dazu mal etwas zu schreiben?
Klar .. gerne:
Ich kenne den Inhalt des WiWo Artikels nicht da ich da kein Abo habe.
Aber vielleicht erst mal ein paar Hinweise auf vergangene Artikel:
- https://www.getmad.de/learnings-aus-10-jahren-dividendenstrategie/
- https://www.getmad.de/warum-nur-eine-dividendenstrategie/
- https://www.getmad.de/dividendenstrategie-anyone/
- https://www.getmad.de/dividendenstrategie-und-corona/
- https://www.getmad.de/ein-klitzekleiner-vorteil-der-dividendenstrategie/
Und wie sieht das nun HEUTE aus?
Wie schon früher gesagt, eine Anlage in Aktien die nur darauf abzielt hohe Dividenden zu kassieren und andere Bereiche außer acht lässt, ist zum scheitern verurteilt.
Andreas Frage suggeriert, dass wenn alle auf Dividenden setzen die Kurse der Unternehmen die gekauft werden über die Maßen steigen und es keine realistische Bewertung mehr gibt. Das Ganze könnte dann kippen.
Das ist aus meiner Sicht komplett unwahrscheinlich.
Warum?
Die Anzahl der Privatanleger die fokussiert auf Dividenden Aktien setzen ist im Vergleich zum globalen Kapitalmarkt extrem gering. Kurse von Dickschiffen wie Microsoft, Apple, Allianz oder Procter & Gamble werden nicht von Kleinanlegern gemacht.
Über 80–90 % des Handelsvolumens an den Börsen stammt von institutionellen Investoren. Diese Akteure kaufen Aktien nicht wegen eines Trends, sondern basierend auf Bewertungsmodellen (DCF-Modelle, KGV-Vergleiche, Cashflow-Analysen). Sobald eine Aktie fundamental zu teuer wird, schichten die einfach um.
Eine Blase entsteht, wenn Kurse rein aus Erwartungen steigen, ohne dass dem ein realer Gegenwert gegenübersteht (Dotcom-Blase).
Bei einer Dividendenstrategie ist das Gegenteil der Fall:
- Eine Dividende kann man nicht fälschen oder herbeisehnen. Sie muss als Cashflow auf dem Bankkonto des Unternehmens liegen und ausgeschüttet werden.
- Wenn eine Aktie durch zu viele Käufer extrem im Kurs steigt, sinkt automatisch die Dividendenrendite
- Eine Aktie, die bei einem Kurs von 100 € eine attraktive Rendite von 4 % hatte, hat bei einem Kurs von 200 € nur noch 2 %. In dem Moment verliert sie für die Dividenden Dudes ihren Reiz und die Herde kauft weniger.
Andrea spricht davon, dass alle auf Dividenden setzen. Aber worauf genau?
- Setzen sie auf hochzyklische Dividenden-Ausrutscher mit 8 % Rendite? (Autobauer / Reedereien / Rohstoffe)
- Setzen sie auf defensive Aristokraten? (Konsumgüterhersteller)
- Oder setzen sie auf Dividendenwachstum bei dem die aktuelle Rendite niedrig ist, aber die Dividende jährlich um 10 % steigt?
Weil sich das Kapital auf tausende verschiedene Unternehmen weltweit in völlig unterschiedlichen Branchen verteilt, kann es gar nicht den einen großen Knall geben, bei dem das ganze Konzept kippt.
Alle weiteren Disclaimer zur Dividendenstrategie gelten weiterhin!
Kurz:
- Die Dividendenstrategie ist NICHT der Königsweg!
- Höchstwahrscheinlich verlierst du gegenüber der Anlage in einen World ETF sogar Rendite.
- Sie hat steuerliche Nachteile.
- Dividenden sind NICHT garantiert.
- Man muss genau wissen warum man auf Dividenden setzt und das bewusst wollen.
Update 07.06.:
Martin hat mir heute einen Scan des Artikel gesendet. Danke Dir @Martin.
Zusammengefasst steht das auch im Kommentar von @Bernd
Folgendes steht drin:
Ein Leser fragt: Ist eine Dividendenstrategie mit wenigen Einzelaktien im aktuellen Marktumfeld sinnvoll und welche Auswirkungen sinkende Unternehmensgewinne hätte.
Der Honorarberater Robert Förg rät in einer wirtschaftlichen Schwächephase von einer Dividendenstrategie mit wenigen Einzelaktien ab, da diese in einer Rezession gefährlich sein kann.
Risiko von Dividendenkürzungen: Dividenden sind keine Zinsen, sondern Auszahlungen aus der Unternehmenssubstanz. Brechen in einer Rezession die Gewinne ein, werden Ausschüttungen oft gekürzt, worauf die Börse meist mit starken Kursverlusten reagiert.
Substanzfalle und Klumpenrisiko: Bei wenigen Einzelaktien besteht die Gefahr, in eine Substanzfalle zu tappen .. also in Unternehmen zu investieren, die zwar optisch mit hohen Dividenden locken, deren Geschäftsmodell jedoch bröckelt.
Er rät zu ausschüttenden Welt ETFs die keinen expliziten Fokus auf Dividenden haben um eben keine wachstumsstarken Firmen auszuschließen
Meine Einschätzung:
Ich denke für die breite Masse und für alle die sich nicht gerne mit Einzelaktien beschäftigen wollen ist das komplett richtig. Mit einer Einzleaktie hat man immer ein Klumpenrisiko und gerade wenn Dividenden gekürzt oder gestrichen werden schmiert der Kurs komplett hab .. das habe ich selbst schon einige mal erlebt.
Für alle Menschen die Cashflow UND Ruhe im Depot haben wollen eignet sich der ausschüttende ETF. Für Leute die noch dabei sind ein Vermögen aufzubauen bzw. gerade anfangen würde ich sogar sagen ein thesaurierender ETF ist die bessere Wahl.
Wenn man dann Spaß an der Sache hat und sich etwas mehr mit Aktien beschäftigen will kann man sich durchaus mal Aktien kaufen .. da spricht rein gar nichts dagegen.
Und sowohl Mr. Pino Cavallo, Philipp, Phese und Mike führen gute Argumente auf.
Am Ende kommt es auf das persönliche Ziel und den eigenen Geschmack an.
Braucht man monatlich Geld um Arbeitszeit zu reduzieren sind Ausschüttungen ein unkomplizierter Weg. Psychologisch können regelmäßige Ausschüttungen einen Menschen motivieren am Ball zu bleiben (wie bei mir). Wenn man das Geld in absehbarer Zeit aber gar nicht braucht machen Ausschüttungen keinen Sinn und man hat steuerliche Nachteile.
Vermögen aufbauen ist kein Wettbewerb .. man hat meist einen langen Weg vor sich, man macht Fehler und muss ab und zu korrigieren. Darum sollte man „seine“ Anlagestrategie finden … mit der man nachts gut schlafen kann und die einen ans Ziel bringt.
Hallo, ein wirklich wichtiges Thema und ich liebe Dividenden. Was ich mich derzeit Frage ob ich nicht doch von den reinen Dividenden Aktien komplett umschichten sollte auf ausschüttende ETFs, da diese weniger Steuern kosten als die Aktien Dividenden, da bleibt mehr übrig unterm Strich zumindest auf den ersten Blick. Wie siehst du das, Unabhängigkeit davon das Aktien und die Unternehmen einfach Spass machen sich mit ihnen ein wenig zu beschäftigen. Bin zur Zeit hin und her gerissen, welchen Weg ich einschlagen soll.
Verkürzt wiedergegeben antwortet der Honorarberater, das in einer Rezession die Fokussierung auf Dividenden ein Gefahr darstellt -> keine Zinsen, sondern Geld aus der Unternehmenssubstanz und somit die Gefahr der Kürzung/ Streichung der Dividende. Weiterhin schreibt er von einem Klumpenrisiko bei nur wenigen Aktien.
Er rät zu einem breit diversifizierten ETF Weltportfolio mit einer Portion Cash und kurzlaufenden Anleihen.
Ich halte sowohl ETF und knapp 50 Aktien.
Und ich hab mich vor ein paar Monaten an die Global X und JPM Premium Income getraut. Da will ich mal schauen, wie die sich so entwickeln.
Wenn man, wie ich, überzeugt davon ist, das es McDonalds, Coca Cola, Procter & Gamble usw. in 20 oder 30 Jahren auch noch gibt, ist es derzeit ein Vergnügen diese Aktien einzusammeln. Aber wer kann schon in die Zukunft schauen?
Ich investiere in „Qualitätsaktien“, also Unternehmen mit starken Bilanzen (geringe Verschuldung), einem Geschäftsmodell mit vielen sich wiederholenden Transaktionen bei den Kunden, hohem Cashflow und hohen Margen.
Fast alle dieser Aktien in meinem Portfolio sind Dividendenzahler, meistens allerdings bei/unter 2% Dividendenrendite. Diese steigern jedoch üblicherweise ihre Dividendenzahlungen über die Zeit, so dass man auch hier langfristig eine schöne Entwicklung hat. Auf eine Investition, die nur auf die Höhe der Dividenden abzielt, würde ich abraten, da eine hohe Dividendenrendite oft ein Zeichen für eine runtergeprügelte Aktie ist (meistens zurecht!) und dann oft eine Dividendenkürzung erfolgt.
ETFs spielen bei mir eine untergeordnete Rolle, da ich mich gerne mit einzelaktien beschäftige. Letztes Jahr habe ich auch eine unschöne Erfahrung mit ETFs gemacht, die ich vorher gar nicht auf dem Schirm hatte: mein ETF ist mit einem anderen ETF zusammengelegt worden, was technisch einen Verkauf meiner Anteile und einen unmittelbaren Wiederkauf zur Folge hatte. Das hat natürlich eine ungewollte Zahlung von Gewinnsteuern (Abgeltungsteuer) ausgelöst. Man stelle sich jemanden vor, der hier signifikante Kursgewinne vorweist und ohne darüber entscheiden zu können, dazu gezwungen wird, seine Position zu veräußern und richtig viel Geld dafür zu bezahlen.
Daher wird auch weiterhin mein Fokus auf Einzelaktien bleiben.
Als eher stiller Mitleser, aber großer Dividendenfreund, ein paar Anmerkungen.. Wie auch offensichtlich andere, bin ich, ursprünglich von Dividenden-Investments kommend, inzwischen zweigleisig unterwegs und habe auch ein ETF-Depot mit Schwerpunkt FTSE all-world, da natürlich einige Aspekte (bessere Gesamtrendite, Steuerstundung, Diversifikation) sehr dafür sprechen.. Aber die Dividendenseite ist mir weiterhin sehr wertvoll und ich halte sie auch weiter, ich nenne das „hybrides Investieren“. Ein historisch gewachsenes Depot aus ca. 80 Einzelwerten, aber auch Sammelanlagen wie ETFs (da gibt’s viele gute Entwicklungen in den letzten Jahren). Meiner Meinung nach gibt es viele schöne Möglichkeiten und immer wieder Gelegenheiten für gute Einstiege und Auffstockungen. Ich mag „Mid-Yield/Medium-Growth“-Werte gerne, mit 4-6 % Dividende und trotzdem spürbarem Wachstum sowie natürlich auch diversen Kriterien wie Ausschüttungsquote, Verschuldungsgrad, Gesamtrendite etc. Daneben bin ich mit einem Teil auch bewusst und gerne im High-Yield-Bereich unterwegs (CEF, BDC, REITs).. Insgesamt erlaubt mir die Dividendenstrategie mit Mitte 40 die wöchentliche Arbeitszeit erheblich zu reduzieren, („Barista-FIRE“), wenn es auch noch nicht das FIRE des Blogbetreibers hier erreicht 🙂
Letzten Endes ist es Geschmacksache… mir zB gefallen Aktienrückkäufe besser als Dividenden. Bin aber auch der extrem logisch-pragmatische Typ. Cashflow für das „gute Gefühl“ gibt mir keinen Mehrwert.
Kann aber verstehen, dass es den Anfänger reizt („diese Aktie hat 4 Prozent Dividende und diese 2,7 Prozent aber Wachstum…“).
Letzten Endes muss man dranbleiben, und da sind die genaue Strategie und die letzten paar Prozentpunkte Rendite (auf die der „Dividendensammler“ dann eben verzichtet) nebensächlich.
Hi Mad,
viele Wege führen nach Rom.
Wichtig ist es das man mit dem Weg den man geht zufrieden ist und ihn durchhält.
Vielleicht aber auch eine grundsätzliche Frage, möchte ich ein bestimmtes Ziel erreichen (weniger arbeiten, Rentenlücke schließen, FIRE) oder möchte ich mich mit anderen vergleichen?
Natürlich ist ein Benchmark nicht schlecht. Aber alles hat einen Tradeoff irgendwie.
Ich verzichte auf die paar Prozent, habe dafür die Dividende.. Für mich fein, weil sie mir ermöglicht Dinge gelassener zu sehen. Du musst etwas unvorhergesehenes zahlen (z.B. Autoreparatur) und du merkst.. sind ja nur 2 Monate Dividende.. und es ist nicht mehr so das Drama.
Aber ich kann sagen.. bin fein damit.. und ich gönne jedem sein Nvidia Momentum
@all
ich habe heute noch ein Update dazu im Artikel geschrieben
Lieber Matthias,
herzlichen Dank für das schnelle Aufgreifen und Beantworten meiner Fragen – in fact so schnell, dass ich gar keine Gelegenheit hatte zu reagieren 😉
Und danke auch an alle Kommentatoren!
Jetzt hatte ich immer mal wieder was aufgeschrieben, was aber teilweise schon angesprochen wurde… anyway.
Vorab: Es waren tatsächlich zwei Artikel, die ich gelesen bzw. eher überflogen hatte… hätte ich gleich richtig gelesen, hätte ich womöglich die Frage gar nicht gestellt. Aber der Reihe nach:
„Frage eines Lesers war, ob insbesondere im aktuellen Marktumfeld mit rezessiven Risiken eine Dividendenstrategie mit nur wenigen Einzelaktien noch dauerhaft sinnvoll ist.“
Klumpenrisiko. Das ist natürlich nie sinnvoll, seine Eier in nur wenige Körbe zu packen.
„Zweitens reagiert die Börse extrem empfindlich, wenn historisch stabile Dividendenzahler ihr Dividende kürzen. Die Aktie wird in solchen Fällen oft schlagartig abverkauft. Sie erleben dann, dass Ihre Ausschüttungen schrumpfen und gleichzeitig der Kurswert Ihres Kapitals dahinschmilzt.“
Klumpenrisiko 2: Wenn einem das mit einem von vier gehaltenen Werten passiert, ist das natürlich schlimm.
Wenn es ein Wert von >20 ist, ist es sicherlich nicht ganz so schlimm.
Empfehlung der WiWo ist Welt-ETFs (keine Dividenden-fokussierten, sondern ETFs, die den „normalen“ Gesamtmarkt abbilden) zu kaufen, weil man dann auch starke Wachstumsaktien dabei hätte, die bei Div.-Fokus nicht dabei wären.
Ja, auch.
Aus einem anderen WiWo-Artikel, den ich gelesen hatte („Warum Dividenden weniger bringen als gedacht“ aus 2022 allerdings, und dann habe ich beide Artikel gedanklich kombiniert) wurden nur drei (von natürlich mehr möglichen) Optionen genannt, um eine Dividendenstrategie umzusetzen: Einzelaktien mit hohen Div., Fonds (aktive) oder Indexfonds mit Fokus auf Div.
Naja, bei dieser limitierten Auswahl schneidet wenig überraschend der Div.-ETF am besten ab.
Empfohlen wird noch ein guter Branchenmix (hier: nicht zu viele Banken und Versicherer) und ein guter Ländermix (heute würde man wohl vor zu vielen US-Aktien warnen? USA haben in vielen ETFs mehr als 65% Anteil.)
Und es ist auch in diesem 2022er Artikel, wo gewarnt wurde, dass Div.-Aktien in Zukunft keinen größeren Ertrag mehr brächten als ein weit diversifiziertes weltweites Aktienportfolio ohne Div.-Fokus.
In der Vergangenheit sei das mit dem höheren Ertrag tatsächlich so gewesen, aber je mehr Leute eine Div.-Strategie verfolgten, so der Artikel, desto mehr sei das schon in den Kurs eingepreist – Div.-Aktien wären somit teurer und damit unattraktiver. Die Mehrrendite würde schrumpfen und im schlimmsten Fall hätte diese Strategie einen Renditenachteil.
Naja, einige Div.-Aktien sind in der Tat in den letzten Jahren/Jahrzehnten vergleichsweise teuer geworden, aber das gilt ja sicher auch nicht für alle im selben Ausmaß? Und einige nicht-Div.-Aktien sind auch teuer … Ob Aktien generell und einige im besonderen (Tech/KI-Bereich) jetzt überbewertet sind und wenn ja, wie stark, ist ja eh seit längerem die Frage.
Andererseits, ist es so überraschend, wenn Div.-Aktien im Vergleich zu 2010 / 2015 sehr teuer sind? Inflation kommt ja auch noch….
Ok das erstmal dazu – und nochmal herzlichen Dank!
@Dividendensammler
Nach meinem derzeitigen Verständnis ist die Sache steuerlich sogar etwas komplizierter.
Ein physischer irischer Aktien ETF kann die auf US Dividenden gezahlten 15 % Quellensteuer nicht an den Anleger weiterreichen. Bei einer direkt gehaltenen US Aktie werden die 15 % US Quellensteuer zunächst von der Dividende einbehalten, können aber auf die deutsche Abgeltungsteuer angerechnet werden. Beim irischen ETF fällt die Quellensteuer dagegen bereits auf Fondsebene an. Der Fonds erhält also nur 85 % der Dividende und der Anleger kann diese 15 % nicht mehr individuell anrechnen. Dafür gelten bei Aktien ETFs in Deutschland die Regeln der Teilfreistellung. 30 % von Ausschüttungen und Kursgewinnen bleiben steuerfrei.
Meine überschlägige Rechnung. Gerne korrigieren, falls ich einen Denkfehler habe:
100 € US Dividende als Einzelaktie
Bruttodividende: 100,00 €
15 % US Quellensteuer: 15,00 €
verbleiben: 85,00 €
deutsche Abgeltungsteuer inkl. Soli: 26,375 €
Anrechnung der 15 € Quellensteuer: 15,00 €
Nachzahlung in Deutschland: 11,375 €
Netto für den Anleger: 73,625 €
100 € US Dividende im physischen Irland ETF
Bruttodividende: 100,00 €
15 % Quellensteuer auf Fondsebene: 15,00 €
im Fonds verbleiben: 85,00 €
Ausschüttung: 85,00 €
davon 30 % Teilfreistellung = 25,50 € steuerfrei
steuerpflichtig bleiben 59,50 €
Abgeltungsteuer inkl. Soli auf 59,50 € = 15,69 €
Netto für den Anleger: 69,31 €
Auf der Dividendenseite wäre selbst ein irischer ETF damit leicht im Nachteil. Etwa 69,3 € gegenüber 73,6 €.
Der Vorteil des ETFs liegt aus meiner Sicht deshalb nicht bei den Dividenden, sondern bei den Kursgewinnen. Diese werden durch die Teilfreistellung langfristig nur mit effektiv ca. 18,46 % statt 26,375 % besteuert. Da der größte Teil der langfristigen Aktienrendite typischerweise aus Kurssteigerungen stammt, würde ich persönlich trotzdem den breit gestreuten ETF bevorzugen und zwar möglichst als Thesaurierer.
Bei synthetischen Swappern könnte die Rechnung anders aussehen, wenn dort die 15 % US Quellensteuer tatsächlich vermieden werden können. Da bin ich aber nicht tief genug im Thema und lasse mich gerne korrigieren.
Noch ein Gedanke für eine eigene Diskussion:
Ich meine, dass der von Finanztipp vorgestellte Steuertrick zur Optimierung der FIFO Regel besonders gut mit thesaurierenden ETFs funktioniert. Durch die zusätzliche Steuerstundung könnte, sofern der Gesetzgeber daran nichts ändert, langfristig noch einmal eine spürbare Mehrrendite entstehen.
https://www.youtube.com/watch?v=4T0oulT66ps
Hier auch sehr gut erklärt:
https://www.youtube.com/watch?v=3xYLNbJbvA8&t
Falls ich irgendwo einen Denkfehler habe oder jemand belastbare Quellen oder praktische Erfahrungen dazu hat, freue ich mich über eine Korrektur.
Wer sich nicht mal grob oberflächlich mit Bilanzen und den operativen Cash-Flow und Investitionen von Unternehmen beschäftigen möchte und trotzdem in Unternehmen investieren möchte, dem bleiben nur physisch replizierende ETF’s. Dann sollte man auf jeden sich vor sich selbst schützen und die Finger von Einzelaktien lassen.
Allerdings wenn man von vorne anfängt, ist es egal ob ausschüttend oder thesaurierend. Der Sparerpauschbetrag beträgt 1000 € und wenn man von Null von seinem Gehalt was spart, dann dauert es bis man diesen durch ETF-Ausschüttungen aufbaucht.
ETF’s führen auch zu Fehlentwicklungen an den Börsen. Wir sind in einem Run seit 2010 und wenn heute bereits mehr als 50% aller Fonds passive ETF’s sind, dann braucht man sich nicht mehr über sehr hohe KGV’s der Top Indexwerte wundern. Solange die Masse an die Börse in Form von ETFS flutet, werden ständig die gleichen großen Fisch gekauft und aufgebläht. Kleinaktionäre mit Dividendenstrategie sind noch nur ein winziger Teil an der Börse, der praktisch keine Rolle spielt.
Der Autor ist m.E. nicht seriös. Kann doch jeder mit 10.000 € über fast jeden Broker mit 20 x 500 € Trades einen schönes kleines Depot aufbauen und hat keinerlei Klumpenrisiko. Gerade in aktuellen Zeiten ist Stockpicking und kurze Unternehemsbewertung wichtig, weil das Klumenrisiko hat man heute in vielen ETF’s. Da blähen sich die Top 10 zu 25% Anteil auf oder die Top 20-30 zu 40% und der Rest ist doch schon egal. Auch sind es oft überteuerte Hightechwerte, Finanztitel, sonstige übliche Consumer, etc mit hohen KGV.
Personlich bin ich bei Fonds nur noch raus.
Die Gebühren sind nicht allein mit TER abgebildet. Die Handelsgebühren und andere Gebühren sollen nicht drin sein. Wenn wir für 0€ oder 1€ handeln, ist es nicht garantiert, dass der ETF es macht. Wir werden uns sicher wunden zu welchen ungünstigen Konditionen mancher ETF seine Transaktion Inhouse durchführen, um seinen Erträge zu maximieren.
Dann kann ich die Quellensteuer nicht anrechen oder zurückfordern und inlandische Fonds dürfen teilweise Körperschaftsteuer blechen und dafür gibt es dann die Teilbefreiung.
Man stelle sich vor, man muß seine US-Aktien in die US bringen, weil das Land durchdreht und die Regeln sind konfus. Dann kann es passieren, dass ETF durch das Raster fallen und nur Einzelaktionäre rüberkönnen. Personen, die Osteuropa oder Russland-ETF’s hielten, wissen was ich meine.
Sondervermögen ist auch nicht so sicher, wie immer behauptet wird. Viele ETF können ggf. den ganzen Bestand weiterverleihen. Möchte nicht wissen wie die großen sich mit ihren zahlreichen ETF’s die Anteile hin und herverleihen. Solange die Maschine geölt und weiter gefüttert wird, werden ETF gute Investments sein, aber wehe die Maschine stottert.
@Andrea
Klumpenrisiko: Wer nur 4–5 Werte hält (vielleicht dann sogar 8%-Rendite-Fallen), der spielt russisches Roulette. Bei 20, 30 oder mehr soliden Werten tut eine Kürzung zwar weh aber das System kippt nicht
Argument aus 2022 .. überlaufene Strategie: Wird eine Aktie zu teuer, sinkt die Dividendenrendite und die „Herde“ zieht weiter. Das regelt sich meiner Meinung nach automatisch. Auch findest du immer wieder ausgebombte Firmen mit solidem Geschäftsmodell die aus irgendwelchen Gründen (trotz Dividenden) starke Kurseinbrüche hatten
@Casius
Klumenrisikio .. aktuell gebe ich dir Recht .. Big Tech hat da leider ein viel zu hohes Gewicht .. auch dass Sparpläne ETFs treiben .. kann ich nicht widersprechen.
Die Kosten (Handelsgebühren) sind im ETF versteckt:
Ja .. ein ETF hat interne Transaktionskosten (wenn er den Index anpasst). Diese sind nicht in der TER (Total Expense Ratio) enthalten, müssen aber auch im sogenannten KID (Key Information Document) als Transaktionskosten ausgewiesen werden.
Die großen Anbieter (BlackRock, Vanguard) handeln zu institutionellen Konditionen das wird im Vergleich sehr günstig sein.
Sondervermögen ist nicht sicher wegen Wertpapierleihe:
Ja ..viele ETFs verleihen Aktien an Shortseller um Zusatzeinnahmen zu generieren. Aber: Diese Leihe ist gesetzlich (UCITS-Richtlinien) reguliert. Der Leihende muss Sicherheiten hinterlegen (oft über 100 % des Wertes in Form von Cash oder Staatsanleihen).
Das Problem bei den Osteuropa-/Russland-ETFs nach dem Beginn des Ukraine Kriegs war nicht das Konstrukt ETF, sondern dass der russische Aktienmarkt komplett eingefroren wurde.
Auch als Einzelaktionär von Gazprom kommt man als West-Europäer nicht mehr an seine Aktien oder Dividenden heran. Das ist ein geopolitisches Risiko, kein ETF-Risiko.
@Mad
Hi, habe hier einen Kommentar hinterlassen, der nicht auftaucht. Woran könnte das liegen, bevor ich nochmal aus neu schreibe?
Danke und Gruß
@Hüseyin
der war als Spam gekennzeichnet .. wahrscheinlich wegen der Links .. jetzt ist er aber zu sehen
@Matthias
Einzelanleger konnten zumindest ihre ADR im Originale umwandeln, wenn sie denn bereit waren, ein Depot im Reich des Bären zu eröffnen.
ETF’s konnten und wollten die russischen Bedingungen gar nicht erfüllen. Russische C-Konten sind auch gesperrt, aber die Dividenden fließen zuverlässig. ADR-Halter gehen aktuell leer aus und auch die ADR’s gelten als wertlos. Als ETF-Halter hatte man keine Möglichkeit zum Wandeln, weil ETF als Eigentümer gilt. Das Risiko der Enteignung besteht immer. Am Ende könnte beide also ADR-Halter und Gewandelte Originale leer ausgehen. Aber die gewandelten Originale haben bessere Chancen.
Ich lege schon seit vielen Jahren meine Ersparnisse in Aktien an und habe die Dividenden Strategie aus allen im Artikel genannten Gründen belächelt. Inzwischen sehe ich das aber anders. Ich habe nämlich an mir selbst beobachtet, dass ich bei Kursrücksetzern bei Aktien mit Dividende gelassener reagiere und es mir einfacher fällt die Aktie zu halten „Dividende kassieren und auf Erholung warten“. Da die meisten Privatanleger aus psychologischen Gründen keine ordentliche Rendite zusammenbringen, denke ich inzwischen, dass für viele eine Dividendenstrategie der sinnvollste Weg sein kann.