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4. Februar 2022

Warum nur eine Dividendenstrategie?

Ich wollte schön länger mal etwas zu der Art und Weise wie ich anlege schreiben. Manche nennen das Konzept Dividendenstrategie. Auf Twitter und hier im Blog bekomme ich ab und zu Kritik dazu.

Ein paar Dinge vorab:

  • eine Dividendenstrategie ist nicht der heilige Gral
  • ich empfehle sie nie weiter, vor allem nicht an Einsteiger
  • sie hat diverse Nachteile
  • es gibt bessere Möglichkeiten sein Geld anzulegen

Die Nachteile:

  • sobald du den Sparerpauschbetrag (in D 801 Euro) überschritten hast, zahlst du auf deine erhaltenen Dividenden Steuern (etwa 26%)
  • du zahlst ebenfalls in vielen Fällen (US Aktien und weitere Länder) eine Quellensteuer. Diese ist in den USA 30% und lässt sich auf 15% reduzieren (aber das musst du aktiv beantragen)
  • Dividenden sind nicht garantiert, Unternehmen können sie jederzeit aussetzen oder reduzieren
  • wenn die Dividende bezahlt wird, erfolgt ein Dividendenabschlag auf den Kurs. Das bedeutet der Kurs der Aktie wird um die Höhe der Dividende reduziert
  • nicht alle Firmen zahlen eine Dividende, besonders diverse „Wachstumsaktien“ schütten nicht aus (z.b. Google, Amazon usw.)
  • es gibt Firmen, die Dividenden aus der Substanz oder gar über neue Schulden bezahlen. Das ist nicht nachhaltig
  • einige Broker verlangen eine Gebühr wenn sie dir Dividenden gut schreiben
  • du hast ein Währungskursrisiko wenn du z.B. Dividenden von US oder kanadischen Aktien bekommst und wenn du ein Euro Depot hast kann es sein, dass dir dein Broker die Währungsumrechnung nicht zum „besten“ Kurs durchführt
  • historische Dividenden sind kein Garant für zukünftige Ausschüttungen
  • historisches und regelmäßiges Dividendenwachstum ist kein Garant für zukünftiges Wachstum
  • kürzt ein Unternehmen seine Dividende, schmiert in der Regel auch der Kurs ab
  • im Vergleich zu Technologie Aktien sind Kurssteigerungen weniger hoch bzw. stagnieren auch viele Dividendenzahler
  • Dividenden ETFs haben in der Regel höhere Kosten (TER) als vergleichbare andere ETFs
  • mein eigenes Depot schlägt den MSCI World (als Vergleichsindex) nicht

Die Vorteile:

  • du bekommst regelmäßig Bargeld aufs Girokonto
  • viele Unternehmen schaffen es, nachhaltig ihre Ausschüttungen regelmäßig zu steigern, was bedeutet dein initialer Invest wird mit zunehmender Zeit automatisch höher verzinst
  • Dividenden werden auch in einem Bärenmarkt bezahlt
  • solide Dividendenaktien sind weniger volatil als z.b. Techwerte
  • Psychologie #1: Dein Fokus liegt auf den Dividenden, darum sind Kursschwankungen zweitrangig, du wirst weniger (oder gar nicht) nervös wenn die Kurse gen Süden gehen
  • Psychologie #2: Du handelst weniger, weil eben Kursgewinne und Verluste erst mal „egal“ sind. Somit wird Buy & Hold zu nem Kinderspiel
  • Psychologie #3: Du musst keine Entscheidung treffen ob und wann du etwas verkaufst.
  • Psychologie #4: Wachsende Dividendeneinahmen führen bei mir dazu eher noch mehr Aktien zu kaufen, da ich Spass daran habe jedes Jahr mehr Dividenden zu kassieren

Du siehst also .. die meisten Vorteile sind (für mich) softe bzw. psychologische Faktoren. Die sind mir allerdings so wichtig, dass ich die Nachteile in Kauf nehme.

Wenn du nun auch mal das mit den Dividenden ausprobieren willst habe ich ein paar Tipps. Als ich damit angefangen habe, habe ich viele Fehler gemacht.

Hier ein paar Eckpunkte:

  • ein guter Startpunkt um Dividendenaktien zu finden ist die CCC Liste vom (verstorbenem) Dave Fish. Hier eine Version davon: https://www.digrin.com/stocks/list/ccc/
  • besser regelmäßiges Dividendenwachstum als absolut hohe Dividendenrendite
  • wenn eine Firma über 5% Dividendenrendite bezahlt werde stutzig und prüfe ob die sich das auch dauerhaft leisten können
  • Vorsicht bei Firmen welche Rohstoffe fördern, Dividenden sind hier massiv von den Rohstoffpreisen abhängig und die können volatil sein
  • auch bei Dividendenaktien gilt: kaufe nix was zu teuer ist, ist der Fair Value der Aktie weit unter dem aktuellen Kurs, dann Finger weg
  • bevorzuge starke Marken und Firmen die einen Burggraben haben
  • ist das Geschäftsmodell für die nächsten Jahre nachhaltig? Oder kommt da was disruptives um die Ecke (siehe Karstadt vs. Amazon oder Blockbuster Video vs. Netflix)
  • wenn eine Aktie, nicht mehr die Gründe erfüllt wegen der du sie gekauft hast, dann verkaufe sie. Egal wie hoch der Verlust sein sollte

Was ich dir aber wirklich empfehle:

Bis du vielleicht eine eigene Strategie entwickelst mach einen ETF Sparplan auf einen großen thesaurierenden ETF .. MSCI World.

Probiere nebenher vielleicht ein paar eigene Ideen und Strategien aus .. mach das mit so wenig Geld das es irgendwie verschmerzbar bleibt wenns schief geht.

Du musst weiterhin gut schlafen können und deine Investments dürfen dich nicht stressen. Das ist mit Abstand wichtigste.

Kommentare:

  1. Aktieninvestor

    Sehr guter Beitrag. Ich bin aufgrund der volatilen Märkte und der derzeitigen Unsicherheit was hohe Bewertungen angeht auch dazu geneigt mehr in Dividendenaktien zu investieren.

    Der Januar hat es mir wieder gezeigt. Im Dividendendepot feste Erträge die die Kursverluste fast wegradiert hatten. Im Investing-Depot eine größere Delle aufgrund hoher Techlastigkeit.

  2. JC83

    Hi Mad,

    was hälst du persönlich denn davon, diese Strategie ausschließlich mit Dividenden-ETFs abzubilden?
    Der (subjektive) Vorteil für mich wäre nämlich, dass monatliche Zahlungen mit nur wenigen Positionen zu erzeugt werden können.
    LG

  3. Thorsten

    Ich würde noch eine Empfehlung die Du implizit erwähnt hast – und die ich selbst gemacht habe – hinzufügen:

    Wenn jemand eine eigene Strategie entwickelt, dann sollte man sich einen Vergleichsindex setzen – und wirklich mal jährlich schauen, wie man da im Vergleich abschneidet…

    Bei mir war das nach ein paar Jahren der Grund statt Einzel-Aktien nur noch auf ETFs im Weltansatz zu setzen 😉

  4. Andy

    Jo, ich sehe auch die psychologischen Faktoren als die wichtigsten an. Die halten mich auch dazu an mehr zu investieren und bei der Stange zu halten. Ich halte auch Werte, welche im Minus sind, wie Kraft-Heinz, zahlen aber weiterhin Dividende. Am Ende bekomme ich sicher weniger Rendite, als andere Ansätze, aber ob ich diese auch so nachhaltig verfolgen würde?
    Gruß
    Andy

  5. Arndt

    Finde deine Seite echt Top. Viele Blogger wollen den Markt schlagen, schaffen es auch ab und an. Ich verfolge eine ähnliche Strategie und an Tagen mit sinkenden Kursen schaue ich einfach, was in den nächsten Tagen an Dvividenden reim kommt. Ich hatte im letzten Jahr auf Grund einer großen BASF Position den MSCI nicht geschlagen, sieht jetzt aber wieder besser aus. Aber hey: was will ich mit dem BASF Kurs: ich hoffe auf 10 oder 20 Cent mehr Dividende.

    Mach weiter so!

  6. Christian

    Stehe auch total auf die Dividendenstrategie. Man hat dieses Jahr bei den Wachstumsaktien wunderbar gesehen wie es bergab ging. Mein Depot ist aufs Jahr gesehen immer noch im +.
    Vor allem der monatliche Cashflow ist ganz nett. Was bringen mir abstruse Kursgewinne die dann irgendwann ohne Cashflow wieder weg sind. (Siehe Paypal, AMD, Tesla, etc.)

    Gazprom wird für dieses Jahr ne Dividende von 90 Rubel pro ADR erwartet. Das macht knapp nen Euro bei nem Kurs von 7,5 Euro. Bei ner Ausschüttungsquote von um die 50%

  7. Mike

    Ich verfolge auch die Dividendenstrategie, vor allem weil ich mich nicht von dem psychologischen Aspekt des „sicheren“ Erfolges freisprechen kann.

    Ich mag es einfach, wenn in gewissen Zeitabständen, Geld auf dem Konto landet, auch wenn ich das bis her immer zu 100% reinvestiert habe. Auf der anderen Seite muss man auch damit leben können, das das Depot nicht an einem Tag um Summe x nach oben geht wie bei Snap.

    Ich bin allerdings auch sehr gespannt, was mit den Aktienwerten passiert, wenn die Zinsen wirklich einen „risikolosen“ Zinssatz von 1,5 erreichen. Ob da nicht mancher Anleger aus einer Union Pacific oder ähnlichem rausgeht und das Geld umschichtet.

    Dazu wieder nur ein Beispiel, der Wert von Wirecard war Ende 2018 16,41 Milliarden Euro und jetzt stellen wir uns vor wieviel nur vernichtet wurde wegen schlechter Zahlen bei Meta.

  8. Catamaran

    Mir hilft ein Dividendenstrategie Anteil bzw. Anteil an schwankungsarmen Sektoren bis auf einen Notgroschen eine 100% Aktienstrategie zu fahren. Es handelt sich meist um etablierte, langweilige Geschäftsmodelle wie z.b. Consumer Staples, also eine relativ sichere Bank.

    Außerdem mag ich es, wenn ich selbst bestimmen kann, ob die Dividenden in die gleiche Aktie oder Fonds investiert werden, oder nicht.
    Zu guter Letzt sind die Dividenden für mich ein defensiver Gradmesser, wieviel sichere Entnahmen ich mir dauerhaft leisten könnte. Anteilsverkäufe würden dann doch mehr schmerzen.

    Mir sind ebenso alle Nachteile bewusst, nehme diese aber bewußt in Kauf. Ich denke man sollte unterscheiden:
    Könnte man objektiv gesehen ein besseres Ergebnis erzielen? Ja!
    Könnte ich selbst das bessere Ergebnis erzielen und gleichzeitig so wohl damit fühlen, wie mit dem eigenen Depot? Nein!

  9. Enrico

    Hey Mad,
    Nur als Hinweis: Auf dem iPad wurden mir die Aufzählungen nicht angezeigt? Auf dem Windows Rechner war das kein Problem. Vielleicht ging es nur mir so – aber es wäre schade, wenn dein Blog auf iOS nicht gut dargestellt wird.
    Grüße
    Enrico

  10. Enrico

    Liebe Dividendensammler,
    noch ein Kommentar zur Dividendensicherheit und dies hat man auch schön während Corona gesehen. Wenn man gut mit den Dividenden sein Leben bestreiten kann, dann hat man einiges richtig gemacht ;). Jedoch wird in richtigen Krisen und dann lohnt sich der Blick auf die Finanzkrise, die Ausschüttungsrate dermaßen runtergeschraubt, das plötzlich die erhaltene Dividende bei Weitem die Kosten nicht deckt und man doch im schlimmsten Fall Anteile verkaufen muss. Somit sollte eine finanzielle Freiheit auf Dividendenbasis einen soliden Puffer enthalten, um welche die Dividenden gekürzt werden können.
    @Mad: Ich finde deine Einschätzung zum MSCI World als Benchmark sehr ehrlich. Jedoch ist nur der MSCI World selten der richtige Benchmark. Manche Portfolios sind komplett US lastig, dann wäre es eher der S&P500 oder aber bei weltweit streuenden Portfolios ein 70/30 World/EM Benchmark. Gefühlt vergleichen sich gerade alle gegen den MSCI World, jedoch sparen die wenigsten dann ja nur in diesen ETF, somit hinkt der Vergleich meistens ein wenig.
    Grüße
    Enrico

  11. mad

    @All

    danke für eure zahlreichen Kommentare 😉

    @JC83

    habe ich nichts dagegen einzuwenden, weniger Aufwand und breitere Streuung. Habe mich aber noch nie mit speziellen DIV ETFs auseinandergesetzt.

    @Thorsten

    korrekt .. zumindest weiß mann dann wo man steht

    @Andy

    Das ist auch mein Gedanke

    @Arndt

    so ähnlich geht es mir auch .. Dividensteigerungen erfreuen mich 😉

    @Christian

    Das Ding ist halt, dass man irgendwann verkaufen will oder muss .. und wie bei Kauf .. den richtigen Zeitpunkt trifft man wahrscheinlich nicht

    @Mike

    kann ich 100% unterschreiben

    @Catamaran

    Ich denke auch nicht, dass ich ein besseres Ergebnis erzielen kann. Dazu bin ich zu wenig ein Vollblutinvestor.

    @Enrico

    der Bug sollte nun eigentlich behoben sein

    An dem Puffer arbeite ich gerade 😉

    Ist schon klar, dass der MSCI World nicht immer (oder selten) taugt um sich zu vergleichen. Ich wollte nur den Punkt bringen, dass ich nicht so ein toller Investor bin um einen großen, namhaften Vergleichsindex zu schlagen (so wie nahezu alle Fondsmanager)

  12. @Sabine

    Mit der Dividendenstrategie fühle ich mich auch am wohlsten. Wenn dann mal ein Wert absackt tut mir dass nicht so weh, solange die Dividende noch kommt. Anders bei Wachstumswerten, da tut sich möglicherweise lange nichts.
    By the way, auf meinem iPad wir die neue Seite auch nicht korrekt angezeigt.

  13. Matthias

    @Sabine

    das lag wohl an den Custom Schriftarten welche ich verwende. Ich habe die nun ersetzt und auch Fallbacks für den Safari eingebaut .. wenn du den Cache deines Browsers leerst sollte es nun eigentlich gehen

  14. Gurki

    Hey Mad,

    was ich sehr schön finde ist, dass Du wirklich sagst und zugibst, dass Du deinen Vergleichsindex – den MSCI World – nicht schlägst. Ist ja auch nicht schlimm wenn man eben eine andere Strategie fährt.
    Leider machen das viel zu wenig Influencer. Sei es auf den diversen Blogs oder auf Instagram. Irgendeinen Vergleich sollte man schon anstellen, damit man sieht wo man steht. Meist wäre man dann eben mit einem simplen ETF auf den MSCI World besser gefahren und hat wenn man eben schlechter Abgeschnitten hat, Geld liegen gelassen. Zumindest Performancemäßig.
    Und die Influencer die eben nicht auf solche Fragen reagieren oder generell ihre Performance offenlegen (be)lügen sich wahrscheinlich selbst in die Tasche – oder eben ihre Follower.

  15. JC83

    Man sagt ja nicht ohne Grund, dass das schwierigste am Passiven Investieren ist, dass man quasi „nichts“ weiter tun muss, um quasi fast perfekt zu investieren…

  16. LetMoneywork

    Hi Mad,

    du hast recht. Dividendenstrategien sind nicht perfekt. Ich fahre ja mehrgleisig mit Dividenden- und reinen Wachstumsaktien. Die Dividenden sind für mich auch psychologisch unheimlich wichtig. Da man Aktien/ETFs langfristig halten soll (10 Jahre und mehr) helfen sie unheimlich a) dran zu bleiben und b) diese wieder zu reinvestieren.

    Gruß und mach weiter so.

    LetMoneywork

  17. Christian

    Hi Mad,

    den Artikel finde ich gut, Danke dafür, aber was ich dir eigentlich sagen möchte:
    Bin meist mit iPhone unterwegs im darkmode und Safari als Browser und da kann ich nur die Hälfte deines Artikels lesen und auch keine Kommentare abgeben bzw. finde die Eingabemasken nicht.

    Vielleicht schaust du mal…. 😉

    Grüße
    Christian

  18. Thomas_Blu

    Bin heute in Kommentarlaune, lach. Auch ich fahre zum Grossteil eine Dividenden Strategie, plus ETFs auf den S&P 500. Der wichtigste Aspekt ist für mich der psychologische: an ungefähr 90 Tagen im Jahr kriege ich eine Dividendengutschrift (habe viele US Aktien, die Quartalsweise bezahlen und einen REIT der monatlich bezahlt). Das motiviert ungemein weiter diszipliniert zu investieren. Und jeder Zahltag löst bei mir schöne Gefühle aus, weil ich Geld kriege ohne was zu tun.

  19. Antwort: Langfristig hohe Dividenden? – getmad

    […] Ich beziehe mich auf diesen Leserbrief und möchte als Disclaimer das hier vorausschicken. […]

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