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12. November 2022

Optionen für Dummies

In letzter Zeit muss ich des öfteren verschiedenen Menschen erklären wie Optionen funktionieren:

Eine Aktienoption ist eine Versicherung.

Es gibt die Versicherungsgesellschaft und derjenige der sich für/gegen etwas versichern will.

Bei einer normalen Versicherung schließt man einen Vertrag.
Man bezahlt 100 Euro im Monat und wenn man sein Auto gegen die Wand fährt bekommt man den Schaden ersetzt.

Bei einer Aktienoption ist es genau so.

Sagen wir der Kurs von Coca Cola steht am 01.01.2022 bei 50 Euro.
Du hast 100 Aktien im Depot.
Die sind folglich 5000 Euro wert.

Sagen wir du hast Angst, dass der Kurs bis zum 01.02.2022 stark fällt.

Dann kannst du eine Versicherung abschließen.

Du musst eine Versicherungsprämie bezahlen und bekommst dafür das Recht, am 01.02. deine Coca Cola Aktien zu 50 Euro zu verkaufen, EGAL wie der Kurs steht.

Angenommen der Kurs steht am 01.02. bei 45 Euro.
Dann hättest du 500 Euro Verlust gemacht.

Durch die gekaufte Option kannst du (musst aber nicht) die Aktien für 50 Euro / Stück an die Versicherungsgesellschaft verkaufen.

Es ist also eine Wette.

Genau so wie jede andere Versicherung auch.

Bei einer Vollkasko fürs KFZ wettest du, dass du einen selbstverschuldeden Unfall baust.

Die Versicherung wettet dagegen.

Einer verliert.

Baust du nie einen Unfall, verlierst du jeden Monat deine Prämie.
Knallst du mit deiner Schüssel an die Wand verliert die Versicherung weil sie dir den Schaden bezahlen muss.

Bei Optionen gibt es vier Richtungen:

Oben habe ich den PUT beschrieben.

Dann hätten wir den CALL. Das ist eine Option, die dir das Recht gibt eine Aktie am Stichtag X zum festen Preis zu kaufen.

Also du willst Coca Cola Aktien kaufen, hast aber aktuell nicht das Geld dafür.

In nem Monat kommt das Gehalt und dann hast du das Geld.

Du findest den Kurs aber heute (01.01.2022) gut und hast Angst, dass die Aktie bis zum 01.02. (wenn das Gehalt kommt) zu sehr steigt.

Dann kaufst du eine CALL Option, die dir das Recht gibt am 01.02.2022 die Aktie zu 50 Euro zu kaufen, egal wie der Kurs steht.

Dafür zahlst du wieder die Prämie.

Steht der Kurs am 01.02. bei 49 Euro wirst du die Option nicht ausüben, weil du die Aktien ja billiger an der Börse bekommst.

Steht der Kurs bei 55 Euro wirst du die Option ausüben und die Aktien kaufen und hast direkt mal 500 Euro Kursgewinn gemacht.

Warum jetzt vier Richtungen?

  • du kannst eine Versicherung abschließen um eine Aktie zum Tag X zu verkaufen
  • du kannst eine Versicherung abschließen um eine Aktie zum Tag X zu kaufen

Du kannst aber auch selbst die Versicherung sein.

Das heisst du kannst Optionen auch verkaufen und die Versicherungsprämie bekommen.

Das ist dann der Stillhalter.

Hast du 100 Coca Cola Aktien im Depot kann ich dich z.B. gegen einen Kursverlust versichern.

Du hast Angst, dass der Kurs in 4 Wochen auf unter 47 Euro fällt.

Ich verkaufe dir dann eine Versicherung sagen wir für 40 Euro Prämie.

Für die 40 Euro garantiere ich dir, dass ich dir in 4 Wochen 47 Euro pro Aktie gebe, auch wenn der Kurs z.B. bei 10 Euro steht.

Risiko für mich:
Der Kurs fällt stark und ich muss dir die Aktien über dem aktuellen Marktpreis abnehmen.

Umgekehrt geht das auch.

Ich kann dir eine Versicherung verkaufen, welche dir garantiert in 4 Wochen die Coca Cola Aktie bei mir für sagen wir 55 Euro zu kaufen.

Egal wie der Kurs steht.

Würde der Kurs in vier Wochen bei 100 Euro stehen hätte ich schön in die Scheisse gefasst und du wärst fein raus weil ich dir die Aktien liefern muss.

Wichtig zu wissen

Bei einer Option geht es immer um 100 Aktien.

Sprich, verkaufst du einen PUT auf Coca Cola und der Kurs der Aktie steht aktuell bei 50 Euro könnte dein Verlust im schlimmsten Fall 5000 Euro betragen (wenn die Bude pleite geht).

Verkaufst du einen Call ist das (wenn du die 100 Aktien nicht im Depot hast) noch riskanter.
Steigt die Coca Cola in 4 Wochen von 50 auf 1000 Euro müsstest du mit 100.000 Euro gerade stehen weil du die Aktien zum Marktpreis kaufen musst um sich deinem Versicherungspartner zu geben.

Das Risiko des Käufers der Option ist immer nur die Prämie, da der Käufer die Wahl hat eine Option auszuüben.

Update 13.11.

Lest den Kommentar von Ben (3. Kommentar). Ich habe oben amerikanische Optionen beschrieben. Aber es gibt noch andere Arten.

Kommentare:

  1. DerFinanznomade

    Sehr schön und einfach erklärt, super.

    Oft wird in den Medien so getan, als ob Optionen so wahnsinnig kompliziert wären, dabei ist es im Grunde doch so einfach…

    (Eventuell verwechseln die aber Optionen mit Optionsscheinen, wer weiß…)

    Grüße,
    DerFinanznomade

  2. Norman

    Gerne mehr von solchen Artikeln!

    Einfach und verständlich das Wesentliche auf den Punkt gebracht.

    Viele Grüße Norman

  3. Ben

    kleine Ergänzung. Britische Aktien werden meistens in 1000er Slots verkauft und, sehr schön, Optionen auf Schweizer Aktien gibt es in unterschiedlichsten Slots wie 1, 10 oder 100. So kann man z.B. Optionen auf Lindt (kleine und große Aktie) bereits auf eine Aktie schreiben. Dasselbe gilt für Futures, falls jemand Optionen auf Gold, Silber, Soybeans oder Wheat schreibt, hier geht es immer um einen 1 Future (normal, Mini, Micro).

  4. Adam von 99bit

    Coll geschrieben, leicht zu lesen und zu verstehen. Und ein Vergleich mit Auto (Versicherung) das macht es wirklich anschaulich.
    Danke

  5. Dividenden Markus

    Bravo! Besser und verständlicher kann man’s kaum erklären.

    Wie schon vom Finanznomaden erwähnt denke ich auch, dass viele Optionen mit Optionsscheinen verwechseln.

    Als ich persönlich, vor Ort, mein Firmendepot eröffnet hatte ist mir das auch beim „Anlageexperten“ dieser Bank aufgefallen. Der hatte davon gar keine Ahnung…

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