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31. August 2017

Konsumstreik?

Mein Handy mag nicht mehr so richtig laden. Wenn ich den Mini USB Stecker einstöpsle muss ich schon arg rumwackeln das sich etwas tut. Heute habe ich mich dann nach einem neuen Gerät umgesehen. Nur leider habe ich scheinbar keine Lust eins zu kaufen.

Früher war ich ein Apple Jünger der am liebsten in Ralph Lauren Hemden durch die Gegend gelaufen ist. Es gab sicher Jahre in welchen in ein paar tausend Euro in Klamotten, Schuhe etc. mit schicken Labels investiert habe. In Fahrräder und Fahrradteile habe ich grob überschlagen auch schon 30K angelegt.

Wie gut das Amazon alle Bestellungen archiviert und man diese nach Jahren noch sehen kann. Ich hab wirklich jeden Scheiß gekauft. Dutzende DVDs, CDs, Bücher, Möbel und Kleinmöbel .. ich hab die Kohle halt rausgehauen .. notwendig war vieles davon nicht.

Das ist fast 15 Jahre her ..

Außer einige Fahrräder (meine Achilles Ferse) besitze ich nichts mehr davon. Die DVDs und CDs habe ich sogar verschenkt. Meinen Apple Laptop zahlt mein Arbeitgeber und mein letztes Bike ist ein Firmenfahrrad (siehe Firmenwagen). Das hat hat ein 3500 Euro Preisschild und kostet mich netto 35 Euro im Monat.

Ich lebe grob überschlagen von 10.000 Euro im Jahr, konstant die letzten 10 Jahre und .. ich vermisse nichts, also nichts was man sich für Geld kaufen kann.

In der Zeit entwickelt man ganz unbewusst Gewohnheiten die auf andere Menschen manchmal befremdlich wirken.

Ich zähle mal ein paar davon auf:

  • ich kaufe nur Lebensmittel die ich die nächsten Tage brauche, ich kaufe nie auf Vorrat
  • ich kann micht nicht erinnern wann ich das letzte Mal Lebensmittel weggeworfen habe
  • ich plündere des öfteren den Gemüsegarten meiner Eltern
  • wenn ich keinen Sport mache dusche ich nur alle 3 Tage
  • ich hab noch nie ein DEO benutzt und zum duschen nehm ich Kernseife
  • ich hab 5 Hosen, 5 Hoddies und 15 T-Shirts welche ich regelmäßig trage
  • je 4 Hosen, 4 Hoodies und 5 T-Shirts sind das identische Model
  • meine Winterjacke hat 70 Euro gekostet und ist aus Armeebeständen
  • ich hab 5 Paar Schuhe und 3 paar davon hatte ich seit Jahren nicht an
  • neue Dinge kaufe ich nur wenn alte völlig kaputt sind
  • ich horte nichts und versuche eigentlich dauern was loszuwerden
  • ich habe keine emotionale Bindung zu Gegenständen

Wirkt vielleicht etwas creepy, aber ja, ich hab durchaus soziale Kontakte und Freunde. Es gibt aber sehr wenig Menschen bei welchen es mir wichtig ist was sie über mich denken, viel wichtiger ist aber das mir das so leicht fällt, daß ich heute zum ersten mal seit langem wieder drüber nachgedacht habe.

Ich bin sicher kein Gutmensch der die Welt retten will, der kleine ökologische Fußabdruck kommt von ganz alleine. Ich tue das auch nicht damit ich möglichst viel Geld sparen kann, das ist auch nur ein Nebeneffekt.

Warum tue ich das also?

Ich habe einfach keine große Lust mir über Alltäglichkeiten Gedanken zu machen. Wenn alle Hosen, Shirts und Hoddies gleich sind stellt sich nicht die Frage was ich anziehe. Wenn ich keine Lebensmittel auf Vorrat kaufe, muß ich nicht daran denken was alles noch „im Haus“ ist. Wenn ich mich nicht mit anderen Menschen vergleiche komme ich gar nicht auf die Idee, daß ich das neue Ding XYZ brauchen könnte.

Und das Handy?

Ist ja noch nicht komplett kaputt .. und wenn es soweit sein sollte bestelle ich in Asien wieder einen Xiaomi Chinaböller für 120 Euro.

23. August 2017

Equilibrium

per Definition ein System in welchem alle Dinge ausgeglichen sind ..

Ich erzähle nun zwei Geschichten ..

Geschichte 1: Der Arbeitnehmer

Stell dir vor du hast einen Traumjob. Um diese Arbeit zu machen musst du die Ausbilung selbst bezahlen. Diese ist teuer und kostet dich knapp 100.000 Euro. Nach dieser Ausbildung solltest du einen Job bekommen der gut bezahlt ist. Je nach Arbeitgeber liegt das Einstiegsgehalt zwischen 50.000 und 80.000 Euro im Jahr. Wenn alles gut läuft sind nach ein paar Jahren auch 120.000 bis 200.000 Euro drin.

Nun ist es aber so das in der Branche ein Preiskampf tobt. Sofern du in Europa bleiben willst hast du es schwer eine solche Anstellung zu finden. Du bewirbst dich beim europäischen Marktführer, die laden dich zu einem Gespräch ein und du bekommst den Job.

Die sagen dir aber, daß sie dich nicht direkt anstellen sondern du einen Vertrag bei einer anderen Firma bekommst welche deine Arbeitskraft dann diesem Marktführer zur Verfügung stellt. Diese andere Firma will dich aber nur als selbständigen Subunternehmer anstellen.

Kurzum .. um den Job zu bekommen arbeitest du als selbständiger Unternehmer.

Warum?

Der Marktführer spart sämtliche Sozialleistungen wie Krankenversicherung, Rentenversicherung, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall usw. ein. Er kann sich so sehr günstig deine Arbeitskraft sichern und wenn man dich mal nicht mehr braucht bist du schnell wieder weg.

Du schluckst die bittere Pille weil in deinem Job alles auf Erfahrung basiert. Frisch ausgebildet musst du dringend Erfahrung sammeln. Ohne viel Erfahrung nimmt dich nämlich auch kein anderer Marktteilnehmer.

Da du in diesem Job viel Verantwortung hast solltest du ihn wirklich nur ausüben wenn du 100% gesund bist. Problem hierbei .. da du selbständig bist gibt es kein Geld wenn du nicht arbeitest.

50% deines Gehalts sind variabel und werden direkt von deinem Arbeitnehmer bestimmt. Du kannst es selbst nicht beeinflussen. Die Vorbereitung auf deinen Job wird nicht als Arbeitszeit anerkannt und auch nicht bezahlt. Dein Arbeitgeber kann dich ohne große Vorwarnung überall in Europa einsetzen. Wenn keine Aufträge da sind kannst du einfach so in unbezahlten Urlaub geschickt werden.

Außerdem führt dein Arbeitgeber interne performance Listen. Diese sind für alle Kollegen einsehbar. Sie zeigen wer dem Arbeitgeber bei der Ausübung des Jobs am meisten Geld spart und eben auch welcher Kollege Ressourcen „verschwendet“.

Die Gehälter deiner Kollegen bewegen sich allesamt am unteren Limit der Branche. Manche verdienen weniger als den gesetzlichen Mindestlohn.

Geschichte 2: Der Marktführer

Du bist Chef einer Firma die über 20% Umsatzrendite macht und das in einer Branche in der andere erfolgreiche Wettbewerber knapp über 5% Rendite schaffen. Du hast in 20 Jahren den Markt planiert. Du bist von ein paar hundert auf 11.000 Angestellte gewachsen. Machst 2016 6,5 Milliarden Umsatz und 1,3 Milliarden Gewinn. Du hast 117 Millionen Kunden. Vor 20 Jahren waren es nicht mal zwei Millionen.

Filialen öffnest du zu 90% nur an Orten welche dir massive Subventionen zugestehen. Du verlangst von diesen Orten über Jahre hohe Marketingzuschüsse. Sollten die Subventionen weniger werden schließt du deine Filiale und ziehst in den nächsten Ort. Deine Kunden behandelst du wie Legehennen. Dein Produkt ist im besten Fall befriedigend, dein Kundenservice ist mangelhaft und du verlangst für alles extra Gebühren.

Trotzdem wächst die Anzahl deiner Kunden weil du einfach der billigste Anbieter bist. In dieser Branche ist billig alles. Kaum jemand ist bereit für ein besseres Produkt mehr zu bezahlen. Deine Kunden lassen sich mieß behandeln weil sie einfach Geld sparen.

Ein Großteil der anfallenden Kosten in deiner Branche ist für alle Wettbewerber gleich. Diese fallen an und lassen sich nicht reduzieren. Die variablen Kosten sind deine Angestellten, die Qualität deines Produkts und der Standort bzw. die laufenden Kosten deiner Filialen.

Deine Angestellten beutest du aus. Deine Filialen wechselst du (sofern notwendig) wie andere ihre Unterwäsche und dein Produkt ist gelinde gesagt scheisse. Du wächst pro Jahr um 10% – 15%. Ein Ende ist nicht abzusehen.

Trotzdem sind diverse deiner Wettbewerber (u.a. wegen dir) mittlerweile insolvent bzw. massiv angeschlagen. Allesamt Wettbewerber die nicht sooo viel teurer sind als du, ihre Angestellten etwas fairer behandeln und auch ein besseres Produkt haben.

Ja und .. ist doch nur eine Geschichte?

Nein. Der Marktführer ist Ryanair und der Angestellte jeder frisch ausgebildete Co-Pilot der dort anfängt. Seine Kollegen sind Flugbegleiter. Alles was da oben steht ist Fakt und lässt sich leicht nachrecherchieren.

Das ist halt die Krux mit der Liberalisierung von Märkten. Sie kann Märkte effektiver machen und Preise senken. Man sollte aber nicht außer acht lassen zu welchem Preis. Ryanair nutzt jedes Loch in den Gesetzen. Nichts von dem was sie machen ist aktuell illegal. Die EU ist zu träge um zu agieren. Wenn eine Gesetzeslücke geschlossen wird hat Ryanair schon wieder drei neue gefunden.

Am Rande .. wenn Ryanair jedem seiner Angestellten 10.000 Euro mehr pro Jahr zahlen würde, würde der Gewinn um 110 Millionen Euro sinken.

15. August 2017

Bullshitjobs

Ein Zitat von David Graeber (Ethnologe, lehrt an der LSE)


1930 sagte John Maynard Keynes voraus, dass die Technologie bis zum Ende des Jahrhunderts so weit fortgeschritten sein würde, dass Länder wie Großbritannien oder die Vereinigten Staaten eine 15-Stunden-Woche erreicht haben würden. Alles deutet darauf hin, dass er recht hatte. Technologisch gesehen sind wir hierzu in der Lage. Dennoch passiert dies nicht. Stattdessen wurde Technologie dafür eingesetzt, damit wir alle mehr arbeiten. Um dies zu erreichen, mussten Jobs geschaffen werden, die im Resultat sinnlos sind. Große Mengen an Menschen, insbesondere in Europa und Nordamerika haben ihr gesamtes Arbeitsleben damit verbracht, Tätigkeiten auszuführen, von denen sie heimlich denken, dass sie eigentlich nicht getan werden müssten. Der moralische und spirituelle Schaden, der hier aus dieser Situation resultiert, ist schwerwiegend. Es ist eine Wunde in unserer kollektiven Seele. Doch niemand spricht hierüber.

Dazu gab es auch eine Umfrage in Großbritannien (2015) wo 37% der Befragten angaben das ihr Job im Grunde bedeutungslos ist.

Was ist ein Bullshit Job?

Eine Tätigkeit die keinen volkswirtschaftlichen Mehrwert bringt, bzw. die nicht zum Gemeinwohl beiträgt.

Ich habe mich z.B. immer gefragt was den Beruf eines Steuerberaters rechtfertigt. Wäre es nicht besser eine Steuergesetzgebung zu haben die so einfach wäre das es diese Berufsgruppe nicht bräuchte? Die wachsende Horde der Berater und Consultants halte ich ebenso für überflüssig. In meiner Zeit bei 1&1 hatten wir Booz im Haus. Da haben mir dann einige Jungs die frisch von der Uni kamen erklärt wie ich meinen Job besser machen kann. Dann waren sie wieder weg und alles lief so weiter wie gehabt.

Warum brauche ich einen Immobilienmakler?
Einen Ernährungsberater?
Oder nen Finanzberater?

Wäre ich wirklich schlechter dran wenn es die nicht gäbe, würde ich mir vielleicht mehr Mühe geben Dinge selbst zu lernen? Aber halt das geht ja nicht. Da ist der Mangel an Zeit unter dem wir alle leiden.

In vielen Bereichen kann man auch nur teilweise von Bullshit Jobs sprechen.

Während die Bauarbeiter am neuen Berliner Flughafen sicher einer sinnvoller Tätigkeit nachgehen, wurde durch beschissene Planung und Missmangement, ein vielfaches an Arbeitsstunden angehäuft als tatsächlich benötigt worden wäre. Viele Arbeiten die verrichtet wurden waren einfach überflüssig.

Oder im Gesundheitswesen .. die Techniker Krankenkasse hat über 13.000 Angestellte (10 Millionen Versicherte), die DAK 10.000 (6 Millionen Versicherte). Die kassieren Geld und geben es wieder an Ärzte und Krankenhäuser. Nahezu alle Leistungen sind gesetzlich standardisiert. Die Beiträge steigen ab und zu und ich bekomme alle paar Jahre etwas weniger für meinen Beitrag. Dazu brauche ich aber keine 100.000 Angestellten im Krankenkassensektor. Also was machen die den ganzen Tag?

Als ich bei 1&1 war haben die mit 5000 Mitarbeitern 10 Millionen Kunden betreut. Und selbst da war ein Teil der Jobs einfach Bullshit. Als ich angefangen habe, haben wir mit 2-4 Entwicklern prima eine Kampagne (Monatsangebot Hosting oder Mobilfunk) gebaut. Als ich gegangen bin hatten wir 10 mal soviel Leute, einen Wasserkopf aus Projektmanagern, UXlern, QAlern usw. schneller waren wir nicht und besser auch nicht.

Seis drum ..

Wirklich wichtige Jobs haben wir komplett automatisiert oder werden in unserer Gesellschaft schlecht bezahlt und haben oft auch kein hohes Ansehen. Oder stellt euch mal vor wenn morgen alle Krankenpfleger, Müllmänner, Bauern oder Paketzusteller nicht mehr hier wären. Das nackte Chaos würde ausbrechen.

Nen Immomakler, Personal Trainer oder nen Firmenanwalt wird aber so schnell keiner vermissen.

Es ist doch schon massiv verdächtig, daß der Kapitalismus eine so hohe Anzahl an überflüssigen Beschäftigungen hervorbringt und dann diese Jobs in der Regel auch noch besser bezahlt, als Jobs die uns als Gesellschaft weiterbringen.

Glücklich der welcher nicht darüber nachdenkt .. man könnte ja sonst in Depressionen versinken.

9. August 2017

Einnahmen Juli 2017

Letzte Woche hatte ich Jahresgespräch. Also im Job. Davor muss ich immer einen Fragebogen ausfüllen. Da wird unter anderem gefragt wo ich mich in 3-5 Jahren sehe. Habe dann reingeschrieben „Finanziell frei“.

Das war wohl gelogen wie dann im anschließenden Gespräch rauskam. Mein Chef fragte mich ob ich noch arbeiten muss um meine Lebenshaltungskosten zu decken ..

Hier die Bruttoeinnahmen vom Juli

  • Dividenden € 1849
  • SEORCH Whitelabel € 1809
  • SEORCH Werbung € 100
  • SEORCH Keywordmonitor € 1120
  • Google Adsense € 350

Macht 5228 Euro

Der Juli wird 2017 der beste Monat bleiben. Warum?

April, Mai, Juni und Juli sind in meinem Portfolio die stärksten Dividendenmonate. August bis Dezember die schwächsten. Außerdem haben doch glatt drei Kunden Ihre SEORCH Whitelabel Versionen gekündigt und darum wird es auch hier weniger werden.

Auf Marketing und Werbung habe ich keine Lust .. wobei da sicher noch einiges an Potential vorhanden wäre. Allerdings habe ich festgestellt das ich eigentlich nicht so gerne Kunden habe.

Whaaaat? Das hat Gründe:

  • Kunden zahlen oft ihre Rechnungen verspätet, man bitte öfter mal freundlich offene Rechnungen zu begleichen
  • Mahnen mag ich nicht, weil sollen ja Kunden bleiben
  • Manche Kunden wollen immer wieder Dinge die vorher nicht abgesprochen waren, und ich hab echt keine Lust ihnen das immer auszureden
  • Einige wenige beauftragen Leistungen, dann hört man nie wieder was von ihnen, auf Emails .. keine Antwort
  • ein paar sind einfach unfreundlich, der Ton ist aggressiv, kein Bitte, kein Danke
  • die Gruppe (welche in meinem Fall) immer Probleme macht: selbständige Männer über 40 die gerade ihr Unternehmen gegründet haben, mit zwei Dritteln davon hatte ich Ärger

Darum mag ich Aktien irgendwie lieber. Die fragen nix, die jammern nicht, die Einnahmen sind irgendwie kalkulierbarer, Dividenden kommen pünktlich oder gar nicht .. vor allem muss ich nicht anstrengend kommunizieren .. ja jemandem zum dritten mal zu erinnern, daß seine Rechnung noch offen ist, ist einfach anstrengend.

Aus Scheiss stelle ich mal meine Ausgaben im Juli 2017 gegenüber, also Strom, Wasser, Sprit, Nahrungsmittel, sonstige Ausgaben außerdem die angerechneten jährlichen Kosten. Ich zahle glücklicherweise keine Miete, die Hütte in der ich wohne gehört meinen Eltern. Denen habe ich vor ein paar Jahren vorgerechnet das ich eine theoretische Miete besser verzinsen kann als sie selbst. Da ich das Geld sowieso irgendwann erbe wäre es somit ein Verlustgeschäft Miete zu bezahlen. Gab wenig was man dagegen sagen kann.

Die Ausgaben im Juli 2017 beliefen sich auf 792 Euro.

Außerdem gibts in 3 Wochen wieder Lebkuchen im Supermarkt!

Während Tesla das Modell 3 in den Verkauf bringt und die deutsche Automobilindustrie scheinbar in einer Art Nokia Schockstarre verfallen ist, mutmaßen einige mit denen ich diskutiert habe schon, daß wir hierzulande bald gar keine Autos mehr bauen.

Ist dem so?

iPhone und Android haben Nokia, Blackberry und Windows Phone gekillt. Das kann keiner bestreiten. Als Nokia halbherzig versuchst hat dem gegenzusteuern war es eigentlich zu spät. Tausende von Entwicklern haben schon Apps für iOS und Android gebaut und keiner hatte noch Lust auf ein schlecht zu bedienendes Nokia Betriebssystem (Symbian).

Ob Tesla nun dasselbe mit der alten Automobilindustrie macht? Ich wage keine Prognose zu treffen. Aber möglicherweise werden die nächsten zwei Jahre die entscheidenden sein. Der Dieselskandal und die Kartellvorwürfe haben es den Deutschen sicher nicht leichter gemacht. Das Image von VW in den USA ist beschissen. Tausende von Autos wurden zurückgegeben. Konsumenten sind enttäuscht und suchen Alternativen.

Da kommt er 35.000 USD Tesla gerade recht. Angeblich hat Tesla ne halbe Million Vorbestellungen. Das wäre immerhin die doppelte Anzahl von Fahrzeugen die Opel letztes Jahr verkauft hat. VW hat knapp 10 Millionen Fahrzeuge in 2016 verkauft. Nur um das mal in Relation zu setzen.

Das erste iPhone war nun kein richtiger Renner, das iPhone 3G hat den Markt geöffnet und die Leute haben es Apple aus den Händen gerissen. Mit dem iPhone 4 wurde dann der Markt planiert. Das hat 3-4 Jahre gedauert.

Sollte Tesla 2019 ein bis zwei Millionen Model 3 verkaufen, und VW immer noch denken es reicht nen halbherzigen e-Golf mit 150 km Reichweite zu bauen, kann man in Wolfsburg bald günstig Industriebrachen mieten.

Aber lassen wir mal die Häme.

Uns wird es vielleicht bald auch so gehen. Ich bin Software Entwickler und staune was in den letzten 5 Jahren in meiner Branche passiert ist. Ich baue heute Tools und führe Analysen automatisiert durch für die vor einigen Jahren ganze Abteilungen viele Tage gebraucht hätten.

Jede Art von Verwaltungsarbeit und Sachbearbeitung lässt sich zumindest teilautomatisieren. Statt einer Abteilung mit fünf Leuten, brauche ich dann nur noch einen der im Fehlerfall (wenn die Software nicht klar kommt) manuell entscheidet.

Als Beispiel soll mal der Buchhalter herhalten:

  • 2013 gab es in D 240.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Buchhalter
  • 2017 waren es 244.000

Wäre der Job dem Arbeitsmarkttrend gefolgt müssten heute 253.000 Buchhalter in Lohn und Brot stehen. Die Anzahl aller Beschäftigten stieg in diesem Zeitraum um 5,5%, die Anzahl der Buchhalter nur um 1,8%.

Es ändert sich also nicht von heute auf morgen. Aber es wird Jobs geben die in den nächsten Jahren weniger werden oder ganz verschwinden. Jede technologische Veränderung die uns in großem Maßstab betrifft hat dies unwiederbringlich zur Folge.

Anderes Beispiel:

Ich bin einmal im Monat in München. Dort gehe ich dann gelegentlich zu einem Edeka.

  • 2014 hatte er nur Kassen an welchen Kassierer saßen
  • 2015 gab es die ersten Kassen zum selbst scannen und bezahlen .. die funktionierten nicht so toll und dauernd musste ein Mitarbeiter helfen
  • 2016 war die Anzahl der herkömmlichen Kassen im Vergleich zu den Scannerkassen bei etwa 50/50
  • 2017 gibt noch zwei Kassen an welchen Mitarbeiter sitzen und zwölf Kassen zum selbst scannen

Klar, da stehen immer noch ein bis zwei Leute und überwachen das. Aber eben keine 10 Kassierer mehr wie früher.

Die Welt ändert sich, und sie nimmt keine Rücksicht auf dich. Wenn du noch mehr als 15 – 20 Jahre arbeiten musst, solltest du mal drüber nachdenken was mit deinem Job passiert -> https://job-futuromat.ard.de/

22. Juli 2017

Proletarierkoks

Konsum find ich gut.
Also bei anderen.
Bei mir nicht so.

Ich bin ein Junkie. Ich bin schwer süchtig. Wenn ich Cold Turkey gehe werde ich .. sagen wir .. schwierig bis unangenehm. Ohne meinen Schuß am Morgen geht eigentlich gar nichts.

Meine Drogen koche ich mit einer Bezzerra BZ 10 aus Mailand auf. Vorher jage ich das schwarze Gold durch eine Compak aus Barcelona. Mein Stoff muss gut sein. Frisch. Am liebsten nach neapolitanischer Machart.

Es geht natürlich um Espresso.

Problem für mich ist mittlerweile, der Kaffee oder Espresso der in unseren Breitengraden in Bahnhöfen und Cafés verkauft wird, genügt meinen Ansprüchen schon lange nicht mehr. Es kann also sein das ich schon mal 20 Minuten durch die Stadt laufe und einen Laden suche der seinen Kaffee nicht aus einem Vollautomaten mit Billigbohnen bezieht.

Tchibo ist für mich der Teufel, Jacobs, Dallmayr und wie sie alle heißen seine Weggefährten. Kaffee vom Discounter? So schnell hat man mich noch nie rennen sehen!

Ich bin bereit für guten Espresso 25-30 Euro pro Kilo zu bezahlen und ich verstehe Menschen nicht die sich einen Vollautomaten für 2000 Euro hinstellen und dann das Kilo Bohnen für 8 Euro kaufen. (Ich habe schon über 100 verschiedene Espressosorten getrunken, wenn der Kilopreis unter 14 Euro lag waren sie nicht genießbar. Nie. Punkt. Außerdem wird Kopi Luwak überschätzt.)

Vor einigen Tagen bin ich über das hier gestolpert .. es geht um den Preis für Kaffee.

Ich war nach Lesen des Artikels freudig begeistert.

Bin ich doch nicht der einzige Trottel der nach etwas süchtig ist, welches einen nicht mal High macht. Viel besser ist noch, daß meine Mitbürger auch noch viel mehr dafür bezahlen als ich. Und aus meiner Sicht für mindere Qualität.

Der oben verlinkte Artikel unterstellt, daß jeder Deutsche ca. 170 Liter Kaffee pro Jahr trinkt (Anfänger). Unter der Annahme, daß für 1 Liter Kaffee ca. 35 Gramm gemahlene Bohnen benutzt werden ergeben sich Extreme ..

Die Kosten pro Jahr:

  • Bin ich der ALDI Kaffee Typ: 45 Euro / Jahr
  • Der Senseo Trinker: 202 Euro / Jahr
  • Bin ich eher der Nespresso Mensch: 560 Euro / Jahr

Wohlgemerkt für die selbe Menge.

Der Kilopreis:

  • Aldi: 8 Euro
  • Senseo: 23 Euro
  • Nespresso: 63 Euro

Anmerkung:
Ich halte Aldi und Senseo Kaffee für nicht wirklich genießbar. Nespresso für ordentliches Mittelmaß.

Der Abstand von Senseo (23 Euro / kg) zu Nespresso (63 Euro / kg) beträgt also über 350 Euro im Jahr. Der Kauf und Betrieb einer Nespresso Maschine entbehrt also, von den Zahlen her, einfach jeder Logik. Für das Geld kann ich mir hervorragenden italienischen Chromstahl kaufen. Und dazu noch erstklassige Bohnen meiner Wahl. Selbst dann muss ich mich anstrengen den Nespresso Preis zu toppen.

Schön für Nestlé und deren Aktionäre.

Und nun würden mich mal die Argumente der Kapsel und Padnutzer interessieren?

Freaky Finance hat zur Blogparade über passives Einkommen aufgerufen. Ich beteilige mich dann mal.

Passives Einkommen brauche ich, denke ich, nicht mehr ausführlich erklären!? Es geht darum Einkommensquellen aufzutun ohne daß man regelmäßig dafür arbeiten muss. Also Geld welches man auch bekommt wenn man mal vier Wochen im Urlaub ist.

Vorab

Ich habe das erste mal mit 15 oder 16 Jahren nen Ferienjob gemacht. (Mit 18 hatte ich mal nen Ferienjob in ner Druckerei .. die haben Pornohefte gedruckt .. war auch ganz okay.) Während der Ausbildung und auch während ich dann richtig gearbeitet habe, habe ich immer irgendwas nebenher gemacht wobei ich Geld verdienen konnte.

Das war für mich gar nicht allzu schwer. Ich kann Webseiten bauen, ich kann SEO, ich kann programmieren. Da findet sich immer was. Sei es ein kleines Unternehmen im Dorf das eine neue Website oder ne SEO Optimierung braucht, teilweise habe ich auch Webseiten für Autohäuser und Hotels nebenher gebaut. Alles in allem konnte man dafür ganz ordentliche Rechnungen schreiben. Allerdings waren diese Einnahmen mehr oder weniger auch an die Arbeitszeit die ich dafür aufgewendet habe geknüpft. Kein neues Projekt = keine Kohle.

Doof das ist .. weil ich habe ja nicht unendlich Zeit um Homepages zu bauen oder ne SEO Analyse durchzuführen. Mit einigen Kunden habe ich Wartungsverträge geschlossen. Diese zahlten also eine monatliche bzw. jährliche Gebühr und ich habe dafür Updates auf den Webseiten „pauschal“ durchgeführt. Das konnte sich für mich rechnen oder auch nicht.

Skalieren kann das aber alles nur wenn ich mich klone oder eben Leute einstelle.

Passives Einkommen

Meine erste Idee war nicht ein passives Einkommen zu haben. Ich wollte vor allem NICHT von einer Einkommensquelle abhängig sein. Eine Einkommensquelle kann mal schnell wegfallen. Wenn man vier oder fünf hat ist es aber unwahrscheinlich das alle auf einmal flöten gehen.

Wie konnte ich also an mehrere Einkommensquellen rankommen. Aktien .. klar. Hab mich schon immer dafür interessiert und demenstprechend wusste ich was hier möglich ist. Mit etwas Risikobereitschaft sind hier 4 – 8% Rendite im Jahr drin. Dafür braucht man Kapital und das muss man sparen. Es dauert.

Da ich ganz ordentliche Websites bauen kann und auch gern mal blogge habe ich mehr aus Spass 2007 den Fiat 500 Blog erstellt. Nach etwa einem Jahr mit vielen Beiträgen kamen die ersten Firmen die Werbung buchen wollten. Ich habe Google Adsense integriert und auch ein paar Backlinks verkauft. Am Anfang hab ich damit so 50 Euro im Monat verdient. Nicht viel .. aber immerhin. Ein paar Jahre später waren es in manchen Monaten bis zu 500 Euro. Mehr Artikel habe ich nicht geschrieben. Die Arbeit war also die selbe. Das fand ich schon irgendwie ziemlich geil.

Da bin ich dann auch auf den Geschmack gekommen.

In den Folgejahren habe ich dann nicht mehr meine ganze Kohle in Fancy Bikes investiert sondern angelegt. Das Fiat 500 Blog gibt es mittlerweile nicht mehr. Dafür habe ich aber 2012 SEORCH gestartet. SEORCH hat natürlich in den ersten Jahren kein Geld verdient. Das war ursprünglich auch gar nicht die Idee. Ich habe es einfach über die Jahre besser gemacht und optimiert und ein paar Jahre später fing es dann automatisch an Geld zu verdienen. Ich habe Adsense Banner, verkaufe API Zugänge, Whitelabel Versionen usw.

Am Anfang hat das gerade mal gereicht um die Server zu bezahlen. Heute kann ich eigentlich davon leben.

Was habe ich in den Jahren gelernt?

Um ein passives Einkommen zu generieren muss man Geduld, Durchhaltevermögen, ne Idee und etwas Glück haben. Nichts was ich gemacht habe, hat von Anfang an Geld verdient. Im Gegenteil. Zuerst musste ich Zeit und Geld investieren. An SEORCH habe ich viele Monate entwickelt. Ich kann mich an zwei Wochen um Weihnachten erinnern in welchen ich von 7 Uhr bis 22 Uhr Code in die Tasten gehämmert habe. Auch heute muss ich des öfteren noch etwas anpassen oder einen Bug fixen. Genauso wie bei meinem Aktienportfolio. Allerdings entscheide ich wann ich das tue und vor allem sind es wenige Stunden im Monat.

Irgendwann fängt es dann an sich bezahlt zu machen .. das sah dann im Juni 2017 so aus:

  • Dividenden: 1830 Euro
  • SEORCH Whitelabel: 1730 Euro
  • SEORCH Werbebuchung: 100 Euro
  • SEORCH Keywordmonitor: 1030 Euro
  • Google Adsense: 310 Euro
  • alles brutto ohne Abzug von Steuern

Macht ziemlich genau 5000 Euro brutto für die ich im Juni vielleicht alles in allem 10 Stunden meiner Zeit aufgewendet habe. Hätte auch weniger sein können.

Es gibt übrigens auch schon Kongresse zu dem Thema: http://vermoegens-akademie.de

30. Juni 2017

Deduktion vs. Induktion

Habt ihr schon mal die BBC Serie Sherlock geschaut? Sherlock ist ein Detektiv und ein Meister der Deduktion. Deduktion ist die Kunst oder Fähigkeit aus allgemeinen Fakten oder Wissen logische Schlussfolgerungen abzuleiten. Holmes kann durch genaues Beobachten der Menschen und Ereignisse um ihn herum exakte Theorien beschreiben, die er meist später auch beweisen kann. Deduktion geht von grundsätzlich beweisbaren, allgemeingültigen Wissen aus und versucht dies auf den Einzelfall anzuwenden.

Jeder von uns betreibt in gewissem Maße Deduktion, oft völlig unbewusst.

Ein Beispiel?

  • Wenn ich Wasser abbekomme werde ich nass. (Regel)
  • Draußen regnet es gerade. (Beobachtung)
  • Wenn ich bei Regen raus gehe werde ich nass. (Resultat)

Das ist logisch und man braucht wenig Wissen dafür. Es ist so lange gültig bis es falsifiziert werden kann.

Ich bin eher ein Meister der Induktion.

Das hat jetzt wieder was mit den Wahrnehmungsverzerrungen zu tun über die ich schon einmal geschrieben hatte.

Induktion ist genau das Gegenteil von Deduktion. Es bedeutet aus vereinzelten, isolierten Fakten oder Erfahrungen eine allgemeine Regel abzuleiten. Das muss natürlich keine falsche Regel sein, aber die Gefahr besteht.

Beispiel:

  • Ich habe auf eine Herdplatte gefasst. (Fall, Beobachtung)
  • Darum habe ich mir die Finger verbrannt. (Resultat)
  • Wenn man eine Herdplatte berührt verbrennt man sich die Finger. (Regel)

Hmm .. jein .. es kommt natürlich drauf an ob die Herdplatte an ist oder nicht.

Während eine korrekte Deduktion also ziemlich kugelsicher ist, sind Induktionen angreifbarer. Aus einer Einzelbeobachtung falsche Schlüsse zu ziehen ist eher die Regel als die Ausnahme.

Wichtig ist nun, daß wir beide Möglichkeiten haben. Wir können Deduktion und Induktion anwenden. Allerdings sind wir keine Vulkanier. Das logische Denken ist uns als Konzept zwar bewusst und wir sind in der Lage es zu benutzen. Viel lieber denken wir aber emotional. Und somit verzerrt sich unsere Wahrnehmung.

Das liegt daran das wir nicht alle Fakten kennen bzw. diese uns nicht zugänglich sind. Wir interpolieren fehlende Informationen um eine Regel zu erstellen.

Diese fehlenden Informationen beziehen wird aus unserer Erfahrung, ggf. aber auch dem Confirmation Bias und/oder unserer Filterblase, also dem Umfeld in dem wir uns bewegen.

Gut das war nun eine lange Einführung. Aber diese Woche hat meine Induktion mal wieder zu einem akuten Anfall von Existenzangst geführt.

Wie das (und ich beschreibe meinen Gedankengang)?

Meine Firma fusioniert mit einer anderen Firmengruppe. Mein Chef verkauft seine Anteile. Er erhält dafür Anteile an der neuen, fusionierten Firma. (Soweit die Fakten)

Jedesmal wenn ich solche Veränderungen erlebt habe wurden Kollegen überflüssig. Der Status Quo ändert sich und meine Komfortzone ist irgendwie nicht mehr so geil. Was bringt die Zukunft? Brauchen die mich noch? Können die auf mich verzichten? Entlassen die nun? Wie wird die Arbeit und das Tagesgeschäft in Zukunft aussehen. Setzen die mir jetzt nen Businesskasper vor die Nase? Verlässt mein Chef mittelfristig die Firma? Als Fragen habe ich das zwar formuliert. Bei mir sind es aber Ängste.

Ich könnte jetzt ne ganze Weile so weiter machen.

Was ist induktiv bei mir passiert?

  • Die Firma fusioniert mit einer Anderen. (Fall, Beobachtung)
  • Wenn das (in meinem bisherigen Berufsleben) so war, wurden Kollegen entlassen, gab es unangenehme Veränderungen. (Resultat)
  • Wenn Firmen fusionieren werden Leute entlassen und der Job macht keinen Spass mehr. (Regel)

Was sind aber (heute) die Fakten?

  • Die fusionierte Firma hat 500 Mitarbeiter
  • Außerdem ca. 100 offene Stellen für die Kollegen gesucht werden
  • Keiner wird entlassen, wir haben soviel Arbeit .. es wäre einfach nur dämlich.
  • Es bleibt erst mal alles so wie es ist.
  • Cultural Fit ist den Chefs wichtig .. darum langsam Schritt für Schritt
  • Negative Auswirkungen? Möglich. Aktuell unwahrscheinlich

Ihr seht was passiert. Ich kenne Fakten. Ich habe Erfahrungen. Ich weiß nicht was in 2,3 oder 5 Jahren mit meinem Job passieren wird. Ich erzeuge dieses fehlende Wissen durch Erfahrungen und Gefühle.

Und das ist leider (verfickt nochmal) FALSCH!

Für manche Leser muss ich ja rüberkommen wie ein Wichtigtuer. Also von außen betrachtet gebe ich hier mit meinen Einahmen und meinem Vermögen an. Kannst du gerne so sehen. Mir dienen diese Beiträge zur Selbstmotivation. In dem ich sowas schreibe mach ich es mir bewusster und ich sehe meinen Fortschritt. Finanzen sind ein Hobby von mir und ich kann gewissen Themen nur sehr schwer abstrakt behandeln.

Die ersten 6 Monate 2017 sind nun fast vorbei und hier kurz mal die Kassakurse:

  • Dividendeneinnahmen Januar bis Juni 2017: 5.994 Euro
  • Dividendeneinnahmen Januar bis Juni 2016: 4.410 Euro
  • Dividendeneinnahmen Januar bis Juni 2015: 2.810 Euro

Alles netto.

  • Umsatz SEORCH Januar bis Juni 2017: 19.830 Euro
  • Umsatz SEORCH Januar bis Juni 2016: 14.193 Euro
  • Umsatz SEORCH Januar bis Juni 2015: 8.163 Euro

Bedeutet passive Einnahmen:

  • Erstes Halbjahr 2017: 25.824 Euro
  • Erstes Halbjahr 2016: 18.603 Euro
  • Erstes Halbjahr 2015: 10.973 Euro

Hier gehen natürlich noch die Steuern für SEORCH weg.

Besonders gut finde ich, daß ich bei den Dividenden vorne liege. Ich möchte 2017 mindestens 10.000 Euro / netto Dividenden kassieren. Davon sind nun schon 6000 Euro eingetroffen. Im Schnitt muss ich in den nächsten 6 Monaten nun 666 Euro pro Monat erreichen. Das sollte eigentlich machbar sein obwohl das zweite Halbjahr generell schwächer ist.

We will see.

16. Juni 2017

Die Maschine spricht

Wir alle haben Vorurteile. Und damit meine ich das Wort Vorurteil im buchstäblichen Sinn.

Beispiele?

  • Alle AFD Wähler sind verkappte Nazis!
  • In einem hochmotorisierten Fahrzeug sitzt doch sicher ein aggressiver Fahrer!
  • Ein übergewichtiger Mensch ist faul und hat keine Disziplin!
  • Alle Bayern München Fans sind Idioten!
  • Menschen die mit dem Wohnwagen in den Urlaub fahren sind Spießer!
  • Jeder Golf Plus Fahrer hält den Verkehr auf!

Das sind jetzt alles negative Vorurteile. Es gibt aber auch positive (wirklich):

  • Mercedes Fahrzeuge haben ne gute Qualität!
  • Beim Biobauern sind die Produke auf jeden Fall hochwertiger als beim Discounter!
  • Alle Deutschen sind fleißig und pünktlich!
  • Schweizer Schokolade ist die Beste!
  • Menschen aus Köln sind herzlich, offen und tolerant!
  • Südländer sind feurige Liebhaber 😉

Bei genauer Betrachtung ist das da oben natürlich Bullshit. Für alles gibt es Gegenbeispiele. Wir nutzen Vorurteile und Stereotypen um uns die Welt einfacher zu machen und um unser Hirn zu schonen. Man kann sich leicht darüber hinwegsetzen wenn man nur will. Einfacher ist das bei Stereotypen da uns hier einfach nur Wissen fehlt, schwieriger bei Vorurteilen da diese (auch) mit Emotionen behaftet sind.

Okay .. das war jetzt einfach und auch nur kurz angeschnitten. Ihr wisst das alles und ich will eigentlich auf was anderes hinaus.

Es gibt den Bias.

Während wir Vorurteile ganz gut erkennen können ist das beim Bias nicht so einfach. Der Bias passiert unbewusst. Es gibt dutzende Arten unbewusster Biase, man nennte sie auf deutsch auch kognitive Verzerrungen. Wir alle haben sie und es ist weit schwerer wenn nicht sogar fast unmöglich sie zu erkennen.

Ein Beispiel sind emotionale Schlussfolgerungen:

  • Ich bin sauer auf meinen Partner, also hat er/sie etwas falsch gemacht.
  • Wenn ich mich schuldig fühle, muss ich ja auch Schuld an XYZ sein.

Geiler ist aber der Confirmation Bias, auf deutsch: Bestätigungsfehler.

Wir suchen Beweise für unsere vorgefertigten Meinungen. Jeder Beweis stärkt diese Meinung und Ansichten die dieser Meinung entgegenstehen blenden wir aus.

Beispiel?

Alle Frauen sind schlechte Autofahrer.
Man sieht mal wieder eine Dame, die ihre Mühe beim einparken hat, und schon hat man wieder eine Beweis mehr der die eigenen Meinung bestätigt.

Bei Finanzentscheidungen:

Seit 2011 erzählen mir Menschen das es bald an den Aktienmärkten eine starke Korrektur oder nen Crash geben wird. Es muss ja so sein. In der Vergangenheit war es auch so. Darum investiere ich jetzt nicht mehr, baue Cash auf und warte auf den Crash.

Andere investieren nur in ETFs und halten Einzelaktien für Teufelszeug, zu riskant, zu wenig Streuung. Alles was diese Meinung belegt, stärkt die eigene Ansicht. Alles was das Gegenteil stärkt, wird ausgeblendet oder marginalisiert.

Es gibt aber immer zwei Seiten der Medaille.

Während du mit ETFs sicherlich eine gute Risikostreuung hast, wirst du aber nicht von starken Kursgewinnen oder massiven Dividendenerhöhungen profitieren. Auch haben ETFs Verwaltungsgebühren (auch wenn diese in der Regel gering sind). Einzelaktien haben ein Klumpenrisiko. Die Volatilität kann viel höher sein, das Management den Laden gegen die Wand fahren usw.

Der Confirmation Bias verstärkt sich dann mit der Zeit, man umgibt sich selektiv mit Informationen und Menschen, welche die eigene Meinung untermauern. Dies führt dann zu einer Selbstüberschätzung der eigenen Kompetenz für ein Fachgebiet. Im schlimmsten Fall bist du nicht mehr diskussionsfähig und jede Meinung die deinem Weltbild widerspricht ist Lüge und Propaganda der Gegenseite.

Ich beobachte das gerne bei Verschwörungstheoretikern, aber so weit muss man gar nicht gehen.

Stichwort: Lügenpresse, alternative Fakten

Den Begriff kennen wir seit den PEGIDA / AFD Demos (gab es aber auch schon früher). Er bedeutet, daß nahezu alle populären Medienerzeugnisse gezielt falsche Informationen verbreiten, insbesondere was Zuwanderung, Klimawandel und Kriminalität angeht.

In rechten Kreisen manifestiert sich das, es werden nur noch alternative Medienportale gelesen (Breitbart, Kopp Verlag) die dann als einzig korrekte Nachrichtenquelle gelten.

Das ist natürlich genau so falsch wie alle Informationen aus der Bild Zeitung oder dem Spiegel zu beziehen.

Ihr seht ja aktuell was auf der Welt passiert wenn immer mehr Menschen ihre Bestätigungsfehler pflegen und stärken. Das populärste Beispiel ist sicher Donald Trump. Sein Verhalten und seine Aussagen sind teilweise so absurd, daß ich mich frage wer heute schon wieder mein Gehirn gefickt hat.

Also wir alle haben Biase und wenden die täglich bewusst aber vor allem unbewusst an.

Wie das nun verhindern?

Am besten des öfteren mal den Status Quo hinterfragen. Einen offenen und liquiden Charakter bewahren. Ist meine Sicht der Dinge noch belastbar? Gibt es neue Erkenntnisse? Habe ich auch Quellen zu Rate gezogen die mir unangenehm erscheinen? Ist meine Meinung rational und logisch? Bewege ich mich gerne in Filterblasen die meine Weltanschauung stärken? Was wären denn harte Fakten die meine eigenen Thesen widerlegen?

In erster Linie muss man kritisch mit sich selbst sein. Es bedeutet schließlich nicht das man sich verhalten soll wie ein Fähnchen im Wind. Es bedeutet viel mehr, daß einen nichts und niemanden daran hintern sollte jeden Tag ein bisschen klüger zu werden.

8. Juni 2017

Down With The Sun

ich habe ja versprochen das ich was über meine Motivation schreibe. Also meinen Antrieb die finanzielle Freiheit zu erreichen und meinen Antrieb neue Dinge zu lernen. Die Idee der finanziellen Freiheit (auch wenn ich es damals nicht so genannt habe) hatte ich im Jahr 2004. In der Firma in der ich damals gearbeitet hatte gab es eine Entlassungsrunde. Die Firma gehört zu einem US Konzern (Pentair) und die Bosse hatten ausgegeben, daß man gefälligst 10% der Belegschaft abzubauen hatte. Vorher hatten wir einige Monate Kurzarbeit.

Vielleicht könnt ihr euch vorstellen wie dann die Stimmung in der Firma ist? Massive Unsicherheit und Angst den Job zu verlieren waren für die nächsten Wochen an der Tagesordnung. Gerüchte machten die Runde wen es denn treffen wird. Ich bin ein sensibler Mensch (behaupte ich jetzt einfach) und kann oft schwer die Richtung meiner Gedanken steuern. Folge war, daß ich wochenlang Angst hatte, daß es mich auch erwischen wird.

Diese Angst hat mich langsam verändert.

Ich kann mich nicht erinnern, daß ich bis zum Ende meiner Ausbildung vor irgendwas Angst hatte (Vielleicht keine Freundin abzubekommen). Ab dann, als ich mehr oder weniger auf eigenen Füßen stehen musste, hat sich die Angst eingeschlichen. Pure und nackte Existenzangst. Also Angst keinen Job zu finden, Angst nicht genug Geld zu verdienen, Angst auf der Straße zu landen, Angst nicht gut genug zu sein, Angst Fehler zu machen.

Klar .. solche Ängste haben die meisten Menschen irgendwann in ihrem Leben. Es gibt sicher Situationen wo diese Angst vollkommen angebracht ist. Wenn man sich dann umorientiert hat .. verschwindet die Angst auch wieder.

Bei mir ist sie geblieben.

Die Angst hat sich eingenistet wie ein Parasit. In den ersten Jahren habe ich diesen „Fehler“ in meinen Denkmustern noch nicht wirklich realisiert. Auch war die Angst am Anfang eine seichte Brandung und wurde erst später zum Sturm. Sie ist auch nicht immer gleich, wie das Wetter verändert sie sich.

Die Folge war, daß ich mein Leben und Handeln sukzessive an die Angst angepasst habe. Wenn man dauernd vor etwas Angst hat, versucht man es zu vermeiden und sich dieser Situation nicht mehr auszusetzen (ist falsch das zu machen).

Ein Trigger für diese Angst konnte zum Beispiel schon eine News sein, daß wieder in einer Firma Leute entlassen werden. Oder daß die Konjunkturzahlen schlecht sind. Wenn mein Chef wen aus der Geschäftsführung im Büro hatte, und er die Tür geschlossen hat, hatte ich Angst. Vor Betriebsversammlungen hatte ich Angst, wenn Umstrukturierungen anstanden .. you name it. Die Angst war dabei grundsätzlich auf meinen Job und damit meine Finanzen bezogen.

Ich hatte (habe) also Existenzängste.

Nun .. ich muss mich meiner Existenz aussetzen, solange ich die Kraft dazu habe. Meine Existenz, mein normales Leben ist mehr oder weniger an nichts gekoppelt. Per se bin ich frei zu tun und zu lassen was ich will. Wenn da die Kohle nicht wäre. Da ich nun einmal Geld zum Leben brauche muss ich das beschaffen. Das nennt sich Arbeit. Ohne Arbeit hat man kein Geld und kann kein normales Leben führen (soweit mein Denkmuster). Wenn du dann noch glaubst, daß du nicht gut genug bist und im Falle einer Entlassung keinen Job mehr finden wirst (was sicher extrem unrealistisch ist) hast du ein Problem.

Wenn sich dieses Angstgefühl über Jahre manifestiert, wächst und dein Leben, deine Emotionen beeinflusst, du nicht mehr richtig schlafen kannst, Herzrasen hast, Atemnot, du nicht mehr runterkommst und permanent so angespannt und angstvoll bist als ob du jeden Moment explodieren wirst spricht man von einer generalisierten Angststörung (hab ich schriftlich).

Ich möchte euch jetzt nicht mit meinem Psychokram langweilen .. nur noch soviel:

Bis ich eine korrekte Diagnose hatte sind mehr als 10 Jahre vergangen. Dazwischen wurde einmal quer durch diverse psychologische Krankheiten alles diagnostiziert. Angefangen von bipolarer Störung über ADHS, Dysthymie bishin zur klassischen Depression. Für die Hälfte davon war ich auch in Behandlung (die oft wenig gebracht hat).

Eine Angstsörung ist weder für dein Umfeld noch für dich einfach zu handhaben. Aber man kann lernen damit zu leben.

Sie hat allerdings (zumindest bei mir) auch Vorteile.

Was tust du wenn du Angst hast?
Angst ist unangenehm also versuchst du etwas dagegen zu unternehmen.

Und genau das habe ich getan. Ich bin durch die Existenzangst auf die Idee gekommen, daß ich soviel Geld brauche, daß ich von keiner Erwerbstätigkeit mehr abhängig bin. Nur wie soll man das anstellen? Damals (2004) habe ich ausgerechnet, daß ich etwa 400.000 bis 500.000 Euro brauche um dieses Ziel zu erreichen. Mein Net Worth (wie die US Kollegen so schön sagen) lag vielleicht bei 3000 Euro (Girokonto). Ich hab ein schickes Excel gebaut und mir dutzende von Szenarien durchgerechnet. Wieviel kann ich sparen? Wieviel Zinsen bekomme ich? Rendite? usw. dort hab ich dann auch zum ersten mal bewusst die massiven Auswirkungen des Zinseszins gesehen.

So habe ich angefangen Geld zu sparen und zu investieren. Wobei man es 2004 sicher nicht investieren nennen konnte. Ich habe alle Fehler begangen die man sich so vorstellen kann, war auf schnelle Kursgewinne aus, hab klassische Aktienfonds gekauft nur weil sie in der Vergangenheit gut performt haben, habe oft bei Höchstkursen gekauft und diverse Male ins fallende Messer gegriffen (Gruß an griechische Staatsanleihen).

Trotzdem, mein Kapital wurde jedes Jahr etwas mehr, wenn auch in einigen Jahren nur durch pures Sparen und nicht durch Renditen oder Gewinne am Wertpapiermarkt. Meine Exceltabelle habe ich über die Jahre gepflegt und auf dem neusten Stand gehalten. Jedesmal wenn die Panik und Angst wieder da war habe ich das Excel geöffnet und mir mein Ziel vor Augen geführt. Die Tabelle war und ist immer noch mein Mantra. Sie zeigt meine Vergangenheit und meine Zukunft. Dreizehn Jahre später stehe ich wenige Jahre vor der finanziellen Freiheit (Die Einnahmen von SEORCH waren in der Planung nie berücksichtigt). Wenn also alles gut geht habe ich in 3-5 Jahren mein Ziel erreicht.

Die Angst war (ist) hier immer mein Hauptantrieb und der ursprüngliche Grund diesen Plan zu stricken und durchzuziehen.

Und was ist mit der Angst passiert?
Was denkt ihr?

Die Existenzangst ist nicht weg. Sie verlagert sich. Wenn die Angst keinen Nährboden mehr findet sucht sie sich ein neues Feld. Das wird bei der Krankheit nicht weggehen, sie wird bleiben, dann und wann etwas den Schwung verlieren nur um dann wieder zurück zu kommen. Du kannst die Symptome behandeln. An den Ursachen forschen usw. aber ich kenne niemanden der davon geheilt wurde. Ist natürlich nicht geil. Aber ich versuche auch hier den Vorteil zu sehen.

Die Angst diszipliniert dich in vieler Hinsicht (in meinem Falle z.B. darauf das ich mich als Software Entwickler weiterentwickle, das ich viel Sport mache usw.)

Während ich wirklich keinem Menschen eine psychische Krankheit wünsche, hat sie mir geholfen mich auf den Weg zur finanziellen Freiheit zu machen.

Ich habe die Schule gehasst. Nahezu alle Fächer. Bis auf Geschichte und Gemeinschaftskunde. In Sport war ich schlecht weil ich zu dick war. Mathe war mir zu abstrakt. Deutsch .. naja ihr seht ja wie bescheiden meine Orthographie ist. Chemie hab ich nicht kapiert. Physik siehe Mathe. Sprachen habe ich nicht gelernt solange ich sie nicht täglich sprechen musste. Geographie, Biologie .. okay fand ich ähnlich aushaltbar wie Geschichte hat trotzdem meist nur zu einer Drei gereicht.

Ich war nach der Grundschule auf der Realschule. Die habe ich mit einem Notenschnitt von 3,0 beendet. Damit war keine ordentliche Ausbildungsstelle zu bekommen. Ich bin dann aufs Wirtschaftsgymnasium gegangen (die nehmen einen in BW mit nem Schnitt von drei) und die Geschichte setzt sich fort. In der elften Klasse sitzen geblieben (Mathe und Physik 5) im Jahr darauf hab ich es geschafft durch die 11. Klasse zu kommen. Hab mich mit Ach und Krach durchgequält. Ich habe dann Bio Leistungskurs gewählt, BWL musste ich sowieso machen. Hat mir den Kopf gerettet da ich kein schriftliches Mathe ABI schreiben musste. Dafür aber mündlich. Hatte mir ausgerechnet das ich zwei Notenpunkte (von 15) brauche um nicht durchs ABI zu rasseln. Zwei bekommt man wenn man freundlich grüßt und die Formel an die Tafel schreibt. Hab ich dann gemacht und war wieder draußen. Abi bestanden.

Mit Computern war ich immer schon gut. Ich konnte Rechner zerlegen und zusammenbauen. Im Terminal schlaue Befehle eingeben und Systemdateien so konfigurieren das die neusten Spiele auch auf alten Rechnern liefen. Sonst war ich eigentlich in nichts gut. Problem war nur das es damals dafür keinen Ausbildungsberuf gab bzw. Ausbildungsplätze für nen Fachinformatiker selten waren.

Also Abi mit Note 3 im Schnitt. Übergewicht, lange Haare .. so der ungepflegte Heavy Metal Typ (btw. ne Freundin hatte ich auch nicht). Die Folge war das ich auch nach 40 Bewerbungen keine Ausbildungsstelle bekommen habe. Informatik studieren mit meinen Mathe Noten? Utopisch! Buchstäblich mit den letzten Bewerbungen habe ich dann eine Ausbildung als Industriekaufmann ergattert. Interesse daran? Sicher nicht.

In der Zeit habe ich angefangen mit nem Kumpel die ersten Websites zu bauen. Das war so Ende der neunziger Jahre. Zu Zeiten von Netscape Navigator 4 und Internet Explorer 3/4. Mich hat das fasziniert. Tut es heute auch noch. Aber das war alles damals sehr amateurhaft.

Als die Ausbildung rum war wollte mich die Firma übernehmen. Die haben mir ne Stelle im Versand und in der Buchhaltung angeboten. Aufgrund dieser frustrierenden Nachrichten bin ich ins Marketing marschiert, hab denen erklärt das ihre Website doch ziemlich armselig ist, und vor allem ich der Typ bin der das alles viel besser machen kann.

Zack .. ich hatte den Job und seit dem baue ich Websites. Ich musste ne extrem steile Lernkurve hinlegen da ich eigentlich nur die Basics drauf hatte. Das hat mich aber nicht gestört. Im Gegenteil. Das hat mich mehr .. achwas .. extrem viel mehr motiviert als ne gute Schulnote. So ist das auch noch heute. Es gibt da ein Problem das man mit Software lösen kann? Ich schreie ganz laut „HIER“ und werde zum Wadenbeißer. Bis ich mit nem Tool um die Ecke komme.

Fazit daraus:

Wenn ich was spannend finde, wenn mich was fasziniert dann kann ich es mir beibringen egal wie schwierig es ist und wie lange ich dafür brauche. Ich habe aus Büchern nie viel gelernt. Klar die Basics .. was ist eine Variable, ein Array, eine Schleife, ein Objekt, eine Klasse usw. aber alles weitere habe ich immer nur durch Try and Error gelernt.

Egal was.

Ich lerne nur praktisch, aus Fehlern und aus Erfolgen. Klar ich habe schon jede Menge Sachbücher über alles mögliche gelesen. Diverse Kostolanys (sehr unterhaltsam), Guerilla Investing, Bücher über Aktienanalyse, ETFs, Programmiersprachen, Ernährung, Psychologie, Geschichte. Aber es ist eigentlich nur Unterhaltung. Maximal ne Inspiration mir das genauer anzusehen. Ich kann mir aus den Büchern 98% der Inhalte nicht merken. Das war wahrscheinlich auch der Grund warum ich kein guter Schüler war. Auswendig lernen hielt (und halte ich) für maximal Überflüssig und ich war nie bereit meine Energie darauf zu verschwenden (Auch unter Zwang nicht). Und wenn ich keine innere Motivation gefunden habe war es für die Katz.

Beim investieren war das genau so.

Während der Dotcom Blase 99/00 hatte ich in Union Fonds (u.a. Uni Neue Märkte) angelegt. Die sind durch die Decke (naja was nicht) und ich hielt mich für den Größten. Glücklicherweise habe ich alle Fonds Ende 99 verkauft. 4 Monate bevor der Laden nach Süden ging. Keine Angst. Ich wusste weder was ich tue noch gabs nen wirklichen Grund dafür. Und wie es eben so spielt bin ich viel zu früh wieder eingestiegen.

Nämlich im Frühjahr 2000.

Dort habe ich dann alles gekauft was irgendwie „Online“ und .com im Namen hatte. Um ein paar zu nennen: China Online und nordasia.com .. was das genau war weiß ich bis heute nicht. In den Folgejahren hab ich mir dann an so ziemlich allem die Finger verbrannt was die Finanzbranche sich ausgedacht hat. Knock Outs, Hebelzertifikate, CFDs usw. Sagen wir so .. mit allem was der Derivate Markt hergegeben hat. Manchmal hatte ich zeitweise vielleicht auch mal ein Plus. Das hat mich aber nur dran gehindert frühzeitig zu merken, daß ich kleine Kaulquappe es sicher nicht mit den großen Fischen im Teich aufnehmen kann.

Schlüsselerlebnis war ein Urlaub. Ich saß im Hotel auf Borneo und auf CNN im Ticker liefen gerade die Kurse durch. Der DAX hatte korrigiert und ich hatte Panik weil ich nicht wusste ob meine Stops gezogen hatten. Damals gab es noch nicht in jedem Hühnerhof Netz und ich musste drei Tage warten bis ich funktionierendes Internet fand. Waren drei schmerzhafte Tage. Ich hatte mein Lehrgeld bezahlt und wieder etwas dazu gelernt.

Dann hab ich mich erst mal von der Börse verabschiedet. Da ich aber ein Wadenbeißer bin, hab ich ein paar Jahre später wieder angefangen zu investieren. Solide, konservativ ohne große Renditeerwartungen. Das habe ich dann ausgebaut, meine Strategien angepasst, hier und da optimiert und wenn mal wieder die Lust auf einen Zock kam habe ich das mit weniger als nem hundertstel des mir verfügbaren Kapitals gemacht.

Was Hänschen nicht lernt .. lernt Hans also nimmermehr?

Vielleicht.

Bei vielen Menschen beobachte ich das. Irgendwann entwickeln sie sich nicht weiter. Der Antrieb fehlt und die Neugier die man als Kind hatte. Man hat sich an seinen Alltag gewöhnt. Arbeiten, Kohle kommt rein passt doch alles. Urlaub ist drin, das Häuschen wird abbezahlt und die 1,47 Kinder müssen auch bespasst werden. Wieso also noch etwas Neues lernen oder ausprobieren?

Bei mir ist das nicht so. Ich habe (auch zu meinem Leidwesen) einen Antrieb der mit den Jahren immer stärker geworden ist. Was das ist erzähle ich dann das nächste mal.

30. Mai 2017

The Burden

Ich habe ein Problem mit Menschen die jammern und sich beschweren und mit Problem meine ich das ich versuche diese Leute konsequent zu meiden. Natürlich habe ich dadurch auch Probleme mit mir. Nur kann ich mich nicht meiden (und glaubt mir ich habs schon versucht). Ich spreche keinem das Recht hab zu meckern und rum zu heulen, scheinbar brauchen das manche Menschen, aber ich halte es für eine furchtbar anstrengende Charaktereigenschaft.

Dabei gibt es sicher auch gerechtfertigte Gründe um zu jammern. Glaube ich. Vielleicht sollte ich das oben abschwächen. Ich gestehe jedem einmal Jammern zu. Einmal. Kommt das Jammern dann über den selben Umstand wieder vor kann ich sehr doof werden.

Zu abstrakt?

Manche Menschen beschweren sich über zu wenig Geld, über einen zu dicken Bauch, über zu wenig Kondition, über zu wenig Zeit, über zu hohe Spritpreise, über das Wetter, über Hitze, über Kälte, über Stau, über Raser, über Krankheiten, das Essen, die Post, die Bahn usw.

Einerseits suchen sie vielleicht eine Konversation andererseits finde ich dann ein solches Gespräch anstrengend. Für mich ist das verschwendete Zeit. In der Häfte der Fälle lag der Grund allen Übels bei ihnen selbst. Wahrscheinlich sogar öfter. Aber ich will mich hier ja nicht beschweren.

Schau:

  • Wenn du findest du verdienst zu wenig liegt es an dir das zu ändern.
  • Ist es dir zu warm oder zu kalt ist kleide dich entsprechend oder bleib zuhause, kauf dir nen Ventilator oder zieh nach Lappland.
  • Gegen Stau kannst du wenig tun außer vielleicht ne andere Strecke fahren .. warum also jammern?
  • Die meisten Krankheiten sind nicht der rede Wert und vergehen wieder. Chronisch Kranke beschweren sich eher weniger.
  • Wenn dir das essen nicht schmeckt iss woanders. Schonmal versucht in Westafrika zu essen?
  • Hast du Schmerzen im Rücken solltest du vielleicht dort die Muskeln stärken.

Ja, das alles erfordert mehr oder weniger das man sein Hinterteil aus der Komfortzone bewegt und selbst anpackt.

Sicher gibt es Probleme die schwerwiegend sind. Artensterben, Vermschutzung der Meere, Rassismus, Hungersnöte. Allerdings beschweren sich die meisten Menschen darüber eher selten.

Wenn ich Twitter reinschaue, in diversen Foren lese oder Gespräche führe geht es eher darum das der DHL Mann mal wieder das Paket falsch abgegeben hat, die Spritpreise zu hoch sind oder man soviel Steuern zahlen muss.

  • Wenn ich in den USA leben würde könnte ich mich darüber echauffieren das die Basiskrankenversicherung abgeschafft wird.
  • In Syrien fände ich es vielleicht ärgerlich das dauernd Fassbomben an meinem Haus vorbeisausen.
  • Möglicherweise könnte sich ein Nordkoreaner darüber ereifern das seine halbe Familie urplötzlich in nem Arbeitslager verschwunden ist.
  • In der Türkei könnte jemand die Beherrschung darüber verlieren, daß sein Erdogan kritischer Kumpel in den Knast gewandert ist.
  • Ein Mexikaner könnte darüber in Rage geraten, daß seine Ordnungsbehörden für die lokalen Drogenbarone arbeiten.
  • Die Malediven saufen ab ..
  • Auf den Philippinen bombt sich der IS durch den Tag ..
  • In Somalia sind schon wieder tausend Kinder an Unterernährung gestorben ..
  • In Venezuela bricht die öffentliche Ordnung zusammen ..
  • In Brasilien wird der Regenwald abgeholzt ..
  • Im Kongo die Gorillas getötet ..

Ich finde das sind Probleme über die man durchaus in Tränen ausbrechen kann.

Aber wenn mir wer mit Spritpreisen kommt könnte ich Stacheldraht kotzen.

24. Mai 2017

Dividendenupdate 2017

Ziel sollen ja bis Ende 2017 die 10.000 Euro (netto) sein.

Nun haben wir Ende Mai und hier kurz der Kassenstand:

  • Januar: € 1100
  • Februar: € 688
  • März: € 623
  • April: € 1117
  • Mai: € 1150

Macht etwa: 4680 Euro oder im Schnitt 937 Euro / Monat. Ziel für dieses Jahr sind 833 Euro / Monat. Auf jeden Fall liege ich schon mal vorne 😉

21. Mai 2017

Was ist SEORCH wert?

Wer hier öfter liest weiß das SEORCH ein SEO Tool ist das ich seit Anfang 2012 entwickle und pflege. SEORCH ist also jetzt bald 5,5 Jahre alt. Angefangen damit habe ich damals als ich bei 1&1 beschäftigt war. Das hatte mehrere Gründe:

Ein Kollege von mir hatte so etwas ähnliches gebaut, allerdings als Browser Extension für den Firefox. Fand ich insofern doof das man die Analysen nicht abspeichern und rumschicken konnte. Dann war ich damals Frontend Entwickler für die DSL und Mobile Shops und wir hatten permanent Stress mit dem Online Marketing die für SEO zuständig waren. Grund war das wir einerseits SEO Fehler machten und uns auf der anderen Seite Fehler unterstellt wurden die wir nicht zu verantworten hatten.

Um nun nicht jedesmal den Quelltext abzusuchen wollte ich einen SEO Check bauen um eben schnell zu sehen wo das Problem lag. Hab ich dann auch gemacht .. zack .. online gestellt und gut war. Eher aus versehen haben dann auch andere Menschen angefangen das Tool zu nutzen. Am Anfang waren das dann so zehn SEO Checks pro Tag. Heute können es auch mal 3000 am Tag sein. Dann entstanden weitere Tools die eigentlich alle kostenlos waren und immer noch sind.

Parallel haben mich Agenturen und Freelancer nach Whitelabel Versionen angefragt. Also eine SEORCH Version wo die ihr eigenes Logo draufkleben und das dann auf der eigenen Website einbinden können. Hatte ich am Anfang keine Lust drauf und habe alles abgelehnt. Irgendwann kam dann ein Ami und meinte er gibt mir dafür 200 Tacken im Monat .. da kam ich dann ins Grübeln. Naja seit dem gibt es Whitelabel Versionen. Dann kam der nächste und wollte ne API .. usw.

2014 kam dann der Keywordmonitor dazu wo man nen Zehner im Monat bezahlt um 100 Keyword Rankings in Google zu überwachen. Das war konkret geplant um nebenher was zu verdienen. Den habe ich dann dreimal neu geschrieben bzw. eine andere Datenbank verwendet und man muss sagen das ich im ersten Jahr .. also 2014 .. nur etwa 500 Euro damit verdient habe.

Naja dann gibt es auf der Seite noch Google Adsense was einige Euros macht und ab und zu bucht noch jemand Werbung. Folgende Einnahmequellen hat SEORCH also:

  • Whitelabel Versionen vom SEO Check und SEO Crawler
  • SEO Check API
  • Keywordmonitor (Google Ranking Überwachung)
  • Google Ranking API
  • Google Adsense
  • Werbebuchung

Seit 2014 schreibe so ein bisschen auf was SEORCH Umsatz macht .. also Brutto und vor Steuern. Das ist recht einfach:

2014: ca. 10.000 Euro
2015: ca. 20.000 Euro
2016: genau 30.000 Euro
2017: 40.000 Euro (ziemlich wahrscheinlich)

Wie gesagt .. BRUTTO ohne Abzug von Kosten usw. Da meine Kosten im Grunde nur diverse Server sind ist der Bruttogewinn aber nur leicht geringer.

Was ist aber SEORCH nun wert?

Ich orientiere mich hier mal an der Umsatzrendite des Mittelstands in Deutschland. Diese lag je nach Branche im Jahr 2015 zwischen 5% und 10%. Ich könnte auch die Phantasiebewertungen von Webstartups zugrunde legen .. aber das halte ich nicht für realistisch. Ich bin pragmatisch und frage mich wieviel Kapital müsste ich haben um 40.000 Euro als Zinsen zu bekommen. Und das zu einem Zinssatz von 7,5%.

Die 7,5% sind quasi der Median der Umsatzrendite des deutschen Mittelstandes und die 40.000 Euro sind meine Bruttoeinnahmen in 2017. Etwas Dreisatz und raus kommt dabei 533.333 Euro. Bedeutet ich müsste 530.000 Euro in bar haben und mir die am Kapitalmarkt mit 7,5% verzinsen lassen um auf die selben Einnahmen zu kommen. Wenn ich 5 oder 10% zugrunde lege dementsprechend mehr oder weniger. Also bei 5% Rendite wäre der Wert 800.000 Euro. Bei 10% Rendite 400.000 Euro.

Also der innere Wert von SEORCH ist in 2017 und für mich eine halbe Million Euro und das ist schon krass irgendwie 😉