getmad allem kann ich widerstehen, nur der versuchung nicht
30. November 2021

Eine kurze Geschichte der Zeit

Im Jahr 2001 lag mein Vermögen (bis auf etwas Cash) bei 0 Euro.
Heute liegt es bei +/- 800k.
Der Kaufwert des Portfolios liegt bei etwa 550k.
Davon sind 100k (des Kaufwerts) durch Dividenden erzeugt worden.

Bleiben 450k.
Nur woher sind die gekommen?

450k .. umgelegt auf 20 Jahre .. da muss ich jedes Jahr 22.500 Euro auf die Seite gepackt haben. Wären im Monat unglaubliche 1.875 Euro als Sparrate.

Kann natürlich nicht sein.

Mein erstes richtiges Gehalt waren etwa 3700 Mark brutto. Das sind in ca. 1.895 Euro und wären somit die komplette Sparrate .. selbst der härteste Frugalist schafft das nicht.

Woher kam die Kohle?

Sparraten über die Jahre in Euro (teilweise geschätzt, da ich keinen Aufschrieb für einige Jahre habe):

  • 2001: ~ 1.000
  • 2002: ~ 1.000
  • 2003: ~ 2.000
  • 2004: ~ 2.000
  • 2005: 5.000
  • 2006: 10.000
  • 2007: 12.000
  • 2008: 11.000
  • 2009: 7.000
  • 2010: 14.000
  • 2011: 13.000
  • 2012: 26.000
  • 2013: 20.000
  • 2014: 26.000
  • 2015: 36.000
  • 2016: 44.000
  • 2017: 50.000
  • 2018: 43.000
  • 2019: 35.000
  • 2020: 45.000
  • 2021: 50.000

Macht in Summe ca. 453.000 Euro

Zwei Dinge fallen wohl auf:

Ab dem Jahr 2005 und wieder im Jahr 2012 stieg meine Sparrate sprunghaft an.

Während meine einzige Quelle um Geld zu sparen bis ins Jahr 2005 im Grunde nur das Gehalt war, habe ich auch ab etwa 2005 ein Nebengewerbe angemeldet. In diesem Nebengewerbe habe ich ab und an eine Website für Kunden (Hotels, Autohäuser, Heilpraktiker) gebaut und mich dafür bezahlen lassen. Außerdem habe ich ebenfalls 2005 angefangen Haushaltsbuch zu führen und hatte damit einen besseren Überblick über meine Löcher in der Kasse und habe auch angefangen meine Ausgaben zu optimieren. (Günstigere Versicherungen, Handyvertrag usw.)

Im Jahr 2012 habe ich mein SEO Tool (SEORCH) online gestellt. Einnahmen standen da erst mal nicht im Fokus. Allerdings haben sich recht schnell Firmen gemeldet die eine Whitelabel Version haben wollten. Diese habe ich dann fortan per Abo Modell angeboten und verkauft.

Ab 2014 ging innerhalb von SEORCH der Keyword Monitor online, das erste Tool welches ich ganz konkret und absichtlich gebaut habe um damit Geld zu verdienen.

SEORCH ist nun nie als Startup durch die Decke gegangen (was auch nicht der Plan war) .. aber es verdient Geld und auch nicht zu knapp. Ich kann es weiterhin als Ein-Mann-Team managen und die Kosten sind überschaubar (Server, Hosting).

Ein Learning war (für mich), dass ich Nebeneinnahmen brauche, die ohne zusätzlichen Zeitaufwand, skalieren. Baust du Websites wirst du in der Regel für deine Arbeitszeit bezahlt. Je mehr Zeit du aufwenden kannst umso mehr Projekte kannst du an Land ziehen und desto mehr Geld solltest du verdienen.

Eine SEORCH Whitelabel Version ist in einer Stunde eingerichtet und dann schreibe ich jeden Monat nur noch die Rechnung. Genau so beim Keywordmonitor. Meine Einnahmen hängen nicht von meiner Arbeitszeit ab. Aber natürlich muss ich ab und zu Updates machen, Bugs fixen oder die Tools verbessern.

Mein Gehalt ist in den letzten 20 Jahren natürlich auch gestiegen. Allerdings wären die Sparraten der letzten Jahre ohne das Nebengewerbe nicht möglich gewesen.

Trotzdem ist das Gehalt und dein Lebensstil einer der wichtigsten Faktoren. Jobwechsel habe ich 2010 und 2014 gehabt und ich konnte jeweils (beim neuen Job) mein Gehalt steigern ohne das meine Ausgaben mehr wurden.

21. November 2021

100.000 Euro Dividenden

Ohne es wirklich zu merken habe ich diesen Monat die 100.000 Euro Dividenden geknackt. Also, seit dem ich notiere welche Dividenden ich erhalte und der Betrag ist netto.

Die erste Dividende die ich in meinem Spread aufgeschrieben habe ist vom 11.04.2013 und zwar Altria (MO) mit einer Netto Zahlung von 99 Euro. Die Zweite kam dann gleich ein paar Tage später am 15.04. und war von Apollo Commercial Real Estate (ARI) mit 103 Euro.

Sowohl Apollo als auch Altria habe ich immer noch im Depot. Meine initiale Dividendenrendite bei Altria lag bei 5,18% und bei Apollo bei 9,58%.

Heute ist meine Dividendenrendite auf den Einstandspreis bei Altria bei 11,58% und bei Apollo bei 8,84%.

Das zum Thema: Hochdividenden-Werte.

In den 8,5 Jahren seit 2013 ist natürlich viel passiert. Viele Werte befinden sich nicht mehr im Depot (Pitney Bowes, Lightstream, Seadrill, Barrick, VOC, Northern Tier, Vale, Whole Foods, MPH, diverse ETFs) und jede Menge neue Aktien sind dazu gekommen. Das Depot besteht seit letzter Woche aus genau 100 Werten und der Fokus liegt ganz klar auf Firmen die möglichst nachhaltig und regelmäßig die Dividende steigern.

Die kassierten Dividenden verteilen sich wie folgt:

  • 2021: 16.421 Euro (bis dato)
  • 2020: 17.250 Euro
  • 2019: 15.974 Euro
  • 2018: 13.092 Euro
  • 2017: 11.596 Euro
  • 2016: 8.565 Euro
  • 2015: 7.439 Euro
  • 2014: 5.918 Euro
  • 2013: 4.040 Euro

Die geringeren Steigerungen der letzten Jahre sind zum einen darauf zurückzuführen, dass der USD im Vergleich zum Euro um über 10% nachgelassen hat und das ab und zu noch Verlustvorträge verrechnet wurden.

Verlustvorträge habe ich derzeit keine mehr und der Dollar bewegt sich seit Sommer 2021 wieder nach oben.

Die kompletten 100.000 Euro wurden wieder angelegt, da ich sie aktuell einfach nicht für Lebenshaltung etc. brauche.

Wahrscheinlich werde ich dieses Jahr 18.000 Euro netto Dividenden kassieren. Das sind dann meine avisierten 1.500 Euro netto / Monat. Die decken meine kompletten regelmäßigen monatlichen Kosten incl. einer theoretischen Krankenversicherung welche ich für mich selbst abschließen müsste wenn ich einen auf Privatier mache.

Im Frühjahr 2013 müsste ich einen Depotwert von ca. 125.000 Euro gehabt haben. So genau weiß ich das nicht, da ich immer nur den Jahresendwert aufschreibe.

Im Winter 2021 liege ich nun bei > 800.000 Euro und mehr als 100.000 Euro (inkl. Buchgewinne) ist durch Dividenden entstanden.

8. November 2021

The Year After

Ende Februar 2020 begann der Corona Crash an den Börsen.

Der Dow Jones verlor im Zeitraum vom 20.02. bis zum 23.03. mehr als 10.000 Punkte. Es ging von ca. 29.000 Indexpunkten auf 18.500 Punkte hinab. Oder grob gesagt wurde der Index um 30% zurechtgestutzt.

Am 05.11.2021 sahen wir im Index 36.300 Punkte und damit ein neues All Time High.

Zu Beginn des Crashs stand mein Depot bei ca. 504.000 Euro. Am Ende des Crashs lag es bei 402.000 Euro.

Am 05.11.2021 stand mein Depot bei 805.000 Euro.

Der Zuwachs im Depot verteilt sich wie folgt:

Im Zeitraum von März 2020 bis November 2021 habe ich ca. 145.000 Euro neu investiert.

Damit waren 255.000 Euro reine Kursgewinne.

Ich habe von März 2020 bis zum Sommer 2020 mich etwas mit Neuinvestitionen zurück gehalten und nur einen Wert gekauft. Allerdings habe ich zu keinem Zeitpunkt irgend etwas verkauft sondern habe den Crash quasi „aus­ge­ses­sen“. Nach dem Sommer und für den Rest des Jahres habe ich dann brav weiter Aktien gekauft.

Dabei habe bin ich auch nicht von meiner Strategie abgewichen. Ich habe weder Cryptos gekauft, keine Firmen die als Corona Gewinner gelten (Biontech oder Stay At Home Aktien) und auch sonst habe ich keine Zocks auf Gewinner oder Verlierer der Corona Krise durchgeführt.

Das mag clever oder auch doof sein .. die Entscheidung überlasse ich euch.

Dies war der dritte Crash welchen ich aktiv (investiert) erlebt habe (Dotcom Crash 2000, Finanzkrise 2008). Trotzdem war ich 2020 sehr vorsichtig, da ich nicht erwartet habe, dass sich die Märkte so schnell erholen. In der Vergangenheit hat dies immer wesentlich länger gedauert.

Ich habe in den letzten 1,5 Jahren einige Menschen kennengelernt die durch Glück oder vielleicht auch weise Voraussicht aus wenigen hundert bzw. tausend Euro hohe sechsstellige und teilweise siebenstellige Beträge gemacht haben.

Das hat mich aus durchaus beeindruckt und ich habe mich ehrlich für das glückliche Händchen dieser Menschen gefreut. Ganz tief in mir war ich vielleicht auch mal kurz neidisch.

Aber so ist das, man kann nicht alles haben und auch ich stehe gut da, gerade im Vergleich zu der großen Masse an Menschen die keine Aktien besitzen.

Das zeigt aber auch das stures Buy & Hold von (größtenteils) qualitativ guten Unternehmen zu Erfolg führt. Auch ohne Glück, tiefes Wissen und riskante Trades.

14. Oktober 2021

Ryanair Aktienanalyse

Ryanair Geschäftsmodell

Das Ryanair Geschäftsmodell hat mehrere Säulen. Natürlich geht es erst mal darum Menschen von einem unbekannten Kuhkaff in ein anderes zu fliegen, wo sie im Grunde nicht willkommen sind. Aber das machen mehr oder weniger alle Airlines. Ryanair ist da allerdings gerissener.

Man verbindet also Süderbrarup mit Buxtehude zu einem möglichst ähnlichen Preis wie ein ÖPNV Ticket. Den kann man aber nur verlangen, weil man von den Flughäfen auf denen man landet Marketing-Subventionen und extrem geringe Gebühren fordert. Hat zwar zur Folge, dass die wenigsten der angeflogenen Airports schwarze Zahlen schreiben und dauerhaft auf staatliche Subventionen angewiesen sind, aber da heute jeder drittklassige Landrat meint seinen Privatflughafen zu brauchen ist das wohl okay (schätze ich). Wenn ein Flughafen an der Gebührenschraube dreht, ist mann schneller wieder weg als Michael O’Leary Pups sagen kann, Grüße gehen raus an Frankfurt Hahn (Frankfurt hihihihi).

Im Flieger betreibt Ryanair durch Drückerkolonnen eine Art Strukturvertrieb. Das Personal muss gewisse Umsätze mit Zusatzverkäufen erwirtschaften sonst gibts vom Chef aufs Dach. Das erzeugt beim Personal solch einen Druck, dass dies nicht selten selbst den Ramsch kauft um die Quote zur erfüllen, was aus Nachhaltigkeitsgesichtspunkten (schweres Wort) auch sinnvoll ist, denn sonst müsste man den Fraß ja auf die Müllhalde karren.

Aja, das Personal oder sollte ich eher Sklaven sagen? .. gerne über Zeitarbeitsfirmen angestellt, die von Ryanair selbst gegründet wurden. Gibt es Arbeitsrechtliche Probleme macht man die Zeitarbeitsfirma dicht und setzt alle Angestellten auf die Straße. Dadurch spart man natürlich auch Personalkosten. Ein Ryanair Flugbegleiter kommt immerhin so auf 1.500 Euro Brutto (nicht in der Woche, sondern pro Monat).

Daneben kauft man im großen Stil Flugzeuge, aktuell nur bei Boeing, und dann auch nur wenn der Hersteller Preisen zustimmt die quasi gerade mal die nackten Produktionskosten decken (munkelt man). Da dies gerade die 737MAX ist und die, sagen wir mal, ein angekratztes Image hat nennt man die in Irland nun 737-8200. Rafft der normale Ryanair Neandertaler sowieso nicht. Die Flugzeuge verkauft man dann gerne zu Marktpreisen weiter und verdient damit noch Geld. Dumm nur, das sowohl Boeing als auch Airbus das Spiel durchschaut haben und Ryanair seine Preise wohl nicht mehr durchsetzen kann.

Ryanair Zukunftsaussichten

Sagen wir das mal so, solange dem Pöbel die Klimaerwärmung wurscht ist und man dringend für nen Samstag, zum saufen nach Ibiza fliegen muss steht das Geschäftsmodell wie ne Eins. Klar dem Laden könnten die Flugzeuge ausgehen, aber ich bin sicher das Michael (dem Fuchs) da noch was ganz Tolles einfällt. Zur Not kauft er russische oder chinesische Flieger und nennt sie dann einfach ConnerSheamus 9000. Und wenns von der EU weiterhin aufs Dach gibt (Subventionen, Umgang mit Personal) dann gründet man halt zukünftig Ryanair Aserbaidschan oder Ryanair Turkmenistan um dem ganzen Ärger aus dem Weg zu gehen.

Ryanair Wachstum

Allmählich gehen Ryanair die Flughäfen aus welche man noch einigermaßen sinnvoll verbinden könnte. Auch hat sich im Osten ein fieser Wettbewerber etabliert der noch ein bisschen extremer als die Iren unterwegs ist (Wizz Air). Ich denke aber, durch den Verkauf von Wärmedecken, Granderwasser und Kerrygold lässt sich der Umsatz pro Passagier noch massiv steigern. Die meisten Airlines in der EU stehen sowieso kurz vor der Pleite oder haben ne superdünne Kapitaldecke, Ryanair muss im Grunde nur abwarten und bei Gelegenheit zukaufen oder nicht mehr bediente Märkte mit seinem Produkt begeistern. Zur Not kann man aber auch wieder Michael O’Learys S-Klasse in Dublin als Taxi fahren lassen, das sorgte in der Vergangenheit auch schon für eine schwarze Null.

Ein weiteres Problem, welches aber wahrscheinlich erst in 50 bis 100 Jahren akut wird, einige Flughäfen dürften dann unter dem Meeresspiegel liegen. Ggf. findet man aber irgendwo noch ein paar alte Deutsche U-Boote und macht das ganze Ding halt einfach unter Wasser.

Ist die Ryanair Aktie ein Kauf?

Wenn man auf hässliche Airline Lackierungen steht, auf jeden Fall. Wenn man gerne mit seinen Steuergeldern ne solide und reiche Firma unterstützt würde ich davon eher abraten. Außer man möchte natürlich über Umwege seine gezahlten Steuern wieder zurück.

GETMAD Ultra-Qualitätsscore (GUQS) von 489 / 638

BTW:

Die nächsten Wochen mache ich mich hier wahrscheinlich rar, bin geschäftlich zwei Wochen unterwegs und auch noch fast zwei Wochen auf Korsika (Bier trinken und junge Menschen davon abhalten sich zu vervielfältigen) .. also kein Podcast, keine doofen Kommentare und keine unnützen Blogbeiträge.

6. Oktober 2021

Podcast #021 – Christian

Mein heutiger Gast ist Christian und wir haben uns auf Twitter gefunden. Er ist Mitte vierzig, Vater von zwei Kindern, in Freiburg geboren und lebt in Los Angeles, genauer gesagt in Santa Monica. 

Christian ist im Sportmarketing selbständig und ich will natürlich erst mal wissen was er da genau macht und wie hier Sponsor und Club bzw. Veranstaltung zusammenfinden.

Wir sprechen über unsere Investments, Kryptos, Aktien, Dividenden und die Vorsorgemöglichkeiten in den USA (Stichwort: 401k). Wie ist das mit den Steuern, der Krankenversicherung und so ganz allgemein mit dem Leben in der USA. Warum gibt es so unterschiedliche Lebenseinstellungen zwischen Deutschland und den Staaten (German Angst, Neid).

Christian will spätestens mit Mitte 50 die Wahl haben ob er seinen Job weiter macht oder an den Nagen hängt. Bis dahin möchte er sich ein Depot in Höhe von 2 bis 2,5 Millionen US Dollar aufbauen.

Gegen Ende geht es um die Ergebnisse der Bundestagswahl und was wir davon halten, Christian stellt Fragen zu meinem Depot und wie ich bei so vielen Werten den Überblick behalte und dann gebe ich noch glatt einen Aktientipp.

Hier ist das Transcript.




29. September 2021

Podcast #020 – Jonas

Jonas kommt aus Frankfurt am Main, ist Familienvater und hat eine Ausbildung als Bankkaufmann gemacht. Er ist seit 12 Jahren im Bereich der Immobilienfinanzierung selbständig.

Außerdem ist er Finblogger (blogsparen.de) und auch auf Twitter sehr aktiv (@blogsparen). Wir reden über seine Selbständigkeit, seinen eigenen Immobilienkauf und was er für die Zukunft mit seiner Firma plant.

Natürlich geht es um die Bundestagswahl 2021 und wir klären was wir vom Mindestlohn, dem Bedingungsloses Grundeinkommen und den politischen Zuständen (so ganz allgemein) halten.

Ein weiteres Thema sind Aktien und Geldanlage u.a. um Wasserstoff Aktien, Dividendenwerte und Cashflow durch Dividenden.

Mit Abstand am längsten reden wir aber über Fussball. Jonas ist Fan des FSV Frankfurt und ich will wissen was in den europäischen Top Ligen falsch läuft und warum sich der Profi Fussball in den letzten 25 Jahren so stark verändert hat (seit dem ich das letzte mal im Stadion war). Für unsere Aufnahme musste Jonas sogar auf seine wöchentliche Doppelpass Sendung verzichten 😉 

Hier ist das Transcript.




25. September 2021

Podcast #019 – Emanuel

Emanuel ist Mitte 30, kommt ursprünglich aus der Steiermark und lebt heute mit seiner Familie in Wien.

Er tradet aktiv und regelmäßig Aktien und beschreibt mir seinen Ansatz und seine Strategie, also wie er Aktien findet und was für ihn ein Trading Szenario ist. Daneben hat er allerdings auch noch ein normales Depot in welchem er per Sparplan auf ETFs und Einzelaktien setzt, hierbei besonders auf Wachstumswerte.

Emanuel erzählt wieso er mit dem Buy And Hold / Value Ansatz auf die Nase gefallen ist und warum er aktiv tradet. Wir sprechen auch über die Risiken der ungebremsten Geldpolitik der Zentralbanken, Nullzinsen und die Auswirkungen dieser Dinge auf z.b. Immobilienpreise oder Aktienmärkte.

Am Ende landen wir dann noch bei Politik und bevorstehenden Wahl in Deutschland. Korruption ist ein Thema und Emanuel erzählt mir vom Erfolg der Kommunistischen Partei Österreichs im Grazer Gemeinderat und warum die dort 20% der Stimmen bekommen. 

Hier ist das Transcript.




21. September 2021

Selles und Jenes

heißt auf hochdeutsch: Dies und Das.

Aktuell habe ich etwas den Blues. Ich kann nicht so genau sagen woran es liegt. In der Firma gehen viele Kollegen mit denen ich gerne zusammengearbeitet habe und irgendwie fühlt es sich scheiße an. So ein bisschen Sinnkrise ist dann zusätzlich das Salz auf der Suppe. Vielleicht sind es auch die knapp 2 Jahre Corona Pandemie. Ich kann es nicht genau sagen. Mir fehlt auch gerade das Werkzeug mich auf andere Gedanken zu bringen.

Podcast

Mit den Podcasts geht es demnächst weiter. Ich bin gerade dabei neue Gesprächspartner zu finden und neue Termine auszumachen. Die erfolgreichste Folge wurde inzwischen ca. 900 mal gehört oder zumindest abgespielt.

Feedreader

Mein kleiner Feedreader wird rege genutzt und verzeichnet mittlerweile im Schnitt genau so viel Traffic wie mein eigentliches Blog hier. Ich habe in den letzten Wochen nochmal einige Blogs hinzugefügt. Wenn ich anhand des Artikels erkenne das es sich um bezahlten Content handelt, versuche ich auch den Beitrag nicht anzuzeigen. Sollte es da weitere Wünsche oder Verbesserungsvorschläge geben, dann gerne kommentieren.

Wahl

Am Sonntag wird es spannend .. aber Politik .. don’t get me started. Ich empfehle jedem für sich auszumachen, was sein persönlich wichtigstes Anliegen ist und dann danach zu wählen. Für mich wird das wohl die Klimakrise sein und dementsprechend .. naja .. man hat ja irgendwie nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Ehrlich gesagt will ich weder Scholz, Laschet oder Baerbock als Kanzler.

12. September 2021

Erben und Schenken

Kurz vorab .. im aktuellen Finanzblogroll Magazin gibt es ein Tacheles mit mir .. hier entlang.

Und nun folgt ein weiterer Gastbeitrag von Mike.

Keine Steuer, Rechts oder Anlageberatung. Keine Tipps es so zu machen!

Ein Thema, das man gerne vor sich herschiebt und gleichzeitig zu komplex ist, das zu dulden. Allerdings, wird nichts gemacht, muss man sich meist recht schnell entscheiden und das in einer Phase, in der man trauert.
Und ja das Thema ist sehr umfangreich, deswegen reiss ich es auch nur an und erzähle über die für mich wichtigsten Punkte. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.


Tipps um sich besser mit dem Thema auseinanderzusetzen:

1. Werdet euch über die Werte klar. 

Häuser die man „billig“ vor x Jahren gekauft hat und die eventuell in euren Augen verlebt sind, werden vom Finanzamt ganz anders gesehen. In München und den Umlandgemeinden sind die Bodenrichtwerte in den letzten Jahren explodiert. Und plötzlich ist der ungenutzte Garten ein Vermögen wert.

Beispielsweise Wohnung im Münchner Stadtteil Haidhausen. Bodenrichtwert 12.000 Euro pro qm. Die Wohnung mit einem Bodenanteil von z.b. 100 QM ist plötzlich mindestens 1.200.000 wert, nur deswegen. Und wenn an dem Haus dann was saniert wurde, wird dieses eben auch noch dazuaddiert. Das heißt auch ein 50 Jahre alte Wohnung kann da von der Substanz her nochmal 100.000 bringen. Und jetzt sind es 1,3 Millionen. Eurer Freibetrag ist als Kind 400.000 als Ehepartner 500.000, dann herzlichen Glückwunsch und viel Spaß bei der Kreditaufnahme.
Genauso Aktien (werden mit dem Stichtagskurs am Tage des Todes des Erblassers bewertet), Bankkonten, Autos (Papas alter Porsche)… es läppert sich.

2. Wie umgehen?

  • Freibeträge geschickt nutzen
  • macht ein Testament und lasst es notariell beglaubigen oder sprecht mit den Eltern, darüber das sie eins machen
  • Schenkungen durchführen 
  • Nießbrauch eintragen lassen um den Wohnungswert zu senken. 
  • Erbverzicht des überlebenden Elternteils

Wenn es eure Eltern sind und beide Vermögen haben, verzichtet vielleicht euer überlebender Elternteil auf sein Erbe, gegen eine Barabfindung. Bsp Die Mutter hat ein Haus hat und der Papa eine Wohnung. Ein Elternteil stirbt, dann ist es besser, ihr erhaltet die Wohnung gleich und könnt den Freibetrag komplett nutzten. Dafür zahlt ihr eurer Mutter Geld. Dies kann auch aus dem Erbe stammen. 
Auch für die Abfindung gelten die steuerlichen Freigrenzen und es muss nicht später ein Haus und die Hälfte der Wohnung, die auf euch vererbt werden, der Erbschaftsteuer unterworfen werden. Gleichzeitig könnt ihr die Barabfindung von eurem Erbteil für die Berechnung der Steuer geltend machen. Achtung hier gibt es Fristen von zur Zeit 6 Wochen nach dem Todesfall um eine Erbschaft auszuschlagen. => siehe Punkt Beratung

Beratung 

Man kann das pauschal nicht sagen, es ist eine Einzelfallbetrachtung und bitte geht zu einer Kanzlei die sowohl Steuerberater (für den steuerlichen Teil) als auch Anwälte (für das Erbrecht) hat. Das kostet Geld, ist aber billiger als es beim Staat zu lassen. Der Notar kann sowas auch, da ist die Frage in wie weit er die Steuer und eure Steuerverhältnisse berücksichtigt. Und nein der ICHWEISSALLESÜBERSTEUER aus YouTube kann das nicht. Der muss nämlich nicht für seine Aussagen haften. Ich verweise an den berühmten Disclaimer bei Echtgeld TV.

Liquidität

Sorgt dafür, das ihr euren Partnern, Konto Vollmachten über den Tod hinaus gebt. Die kann man so beschränken, das zum Beispiel nur bis zu einem gewissen Betrag oder zusammen mit einer anderen Person (z.B. Mutter) Überweisungen getätigt werden dürfen. Bringt euren Bankberater ruhig ins schwitzen was es da an Möglichkeiten gibt. Ansonsten sind die Konten gesperrt und die Erteilung eines Erbscheins kann bis zu 4 Monate dauern. Solange werden maximal die Beerdigungskosten überwiesen.

Witwen oder Witwerrente/Betriebsrenten

Klärt ob ihr Anspruch auf habt. Schaut nach welchem Stand  (altes oder neues Recht) und was alles angerechnet wird. Auch da gibt es viele Kürzungen. Die heile Welt für die jungen Ehen ist vorbei. Wer Betriebsrenten hat, bitte prüft wie lang man verheiratet sein muss, das hier der Anspruch entsteht und ob es eine Kappungsgrenze gibt. z.B. Heirat vor dem 55 Lebensjahr sonst kein Anspruch.
Ganz wichtig. Das ist nicht allumfassend. Im Einzelfall kann es anders sein, aber kümmert euch und sprecht offen und lasst euch beraten. Aber von jemand der für die Beratung in die Haftung geht (z.B. Steuerberater) und nicht der Steuercoach aus dem YouTube Kanal der die von vornherein ausschließt.

Leibliche vs. Kinder aus Patchworkfamilien

Hier wird es delikat, den Erben sind erstmal nur der Ehepartner und die leiblichen Kinder. Auch wenn diese schon lange nicht mehr im Haushalt leben. Immer in die Betrachtung mit einbeziehen. Das ist auch der Grund, warum manche die Kinder adoptieren, einfach um sie gleichzustellen mit den eigenen und Ihnen den Anteil am Erbe zukommen zu lassen.
Beispielsweise es gibt 3 leibliche Kinder aus einer Ehe. Der überlebende Elternteil verzichtet zur Nutzung von Freibeträgen auf das Erbe gegen Barausgleich. Jetzt gibt es aber noch ein uneheliches Kind aus einer Beziehung vor x Jahren. Was passiert ist folgendes. Anstatt der erwarteten 33,33 Prozent erhalten die Kinder nur 25%. In dem Fall kann es besser sein, eine andere Gestaltung zu wählen.

3. Patientenverfügung

Wir alle leben in der Hybris uns passiert nichts. Macht Patientenverfügungen. Verlangt nicht von euren Angehörigen, das sie entscheiden was zu tun ist, wenn ihr am Scheideweg zwischen Maschinen abschalten oder weiterlaufen lassen seit. 

1. September 2021

Der Markt regelt einen Scheiß

Aktuell sehe ich mich keiner politischen Richtung verortet.

Vor ein paar Jahren hätte ich noch gesagt: Im Zweifel Links. Aber zumindest in Deutschland ist „links“ sein heute auch was anderes als es mal war. Stichwort Lifestyle Linke: fahren die Kids im SUV zur Kita, fliegen in den Urlaub und kaufen zum Greenwashing nur Bio und machen nen Veggie Day .. klassische Grünen Wähler. Mit „Die Linke“ kann ich nichts anfangen da die genau so populistisch daher kommen wie die AFD .. aja die AFD .. da wird mir schon schlecht wenn ich die Hackfressen nur den Mund auf machen und wenn Weidel oder Storch loslegen .. naja so viel kotzen kann kein Mensch.

Die Mitte ist mir zu konservativ und im Falle der CDU/CSU in den letzten Jahren zu korrupt (Masken Deals, Scheuer Maut, Aserbaidschan Deals usw.), was die SPD für ne Agenda hat ist mir schleierhaft.

Bliebe die FDP.

Grundsätzlich finde ich liberale und progressive Ideen gut und das Wahlprogramm liest sich nicht schlecht. Allerdings kenne ich die FDP aus den letzten 25 Jahren so: Viel nettes Zeugs erzählen, dann aber prima Lobby Arbeit für Wirtschaft und Industrie. Wähler? Uuups die haben wir vergessen. Wollten die auch was? Ach egal.

Kann dieses mal anders sein. Aber das müssen die erst mal beweisen.

Auch habe ich Probleme mit der Idee eines „freien Marktes“. Lindner propagiert immer wieder, dass man wenig bis keine staatliche Eingriffe in Märkte vornehmen sollte da ja der Markt sich selbst regelt.

Beim Klimaschutz möchte Lindner keine Verbote und keine Einschränkungen und seine freie Lebensweise beibehalten. Find ich gut. Nur wie ist das zu erreichen wenn gerade unsere freie Lebensweise u.a. für hohe CO2 Emissionen verantwortlich ist. Lindner sagt wir müssen das über „Technologie“ lösen. Krasse Idee. Welche meint er damit? Gibt es eine Technologie die heute verfügbar ist und sich für den breiten Einsatz eignet? Ich kenne keine. Das ist halt keine Lösung einfach scheiß Buzzwords rauszuhauen und dann mal laufen lassen.

In einem freien Markt haben Industrie und Wirtschaft kein Incentive sich um Umweltschutz zu kümmern, weil es in der Regel zu höheren Kosten führt, Wachstum bremst und Gewinne schrumpfen lässt.

In den 80ern hatten wir in Europa das Waldsterben, Ursache war saurer Regen und der Regen war sauer weil Abgase (Industrie, KFZ usw.) ungefiltert in die Atmosphäre gelassen wurden. Gefixt wurde das durch Gesetzte. Katalysatoren wurden zur Pflicht, die Industrie musste Filteranlagen installieren. In vielen Teilen der Welt ist das aber heute noch nicht so. Wer mal in Indien oder China war kann ein Lied davon singen.

Anderes Beispiel war/ist die EU Osterweiterung. Diese hat es erst (unbürokratisch) möglich gemacht, dass viele gut bezahlte Industrie Jobs in Länder mit niedrigem Lohnniveau ausgelagert wurden. Diese Jobs sind in Deutschland für immer verloren und haben Horden der ehemaligen SPD Wählerschaften der AFD in die Arme getrieben, da es für die Arbeiter keinen gleichwertigen Ersatz gab.

In der Pflege und bei Paketausfahrern herrscht Personalmangel, wenn Personalmangel herrscht sollten nach der Markttheorie eigentlich die Löhne steigen. Das passiert allerdings nicht, da man versucht billige Arbeitskräfte aus Niedriglohnländern zu „importieren“ welche dann in Subunternehmen ausgelagert sind, die sich oft einen Dreck um Mindestlöhne und Arbeitsstandards scheren. Die ausländischen Arbeiter kennen ihre Rechte nicht und wenn sie aufmüpfig werden schmeißt man sie raus und sucht sich neue. Es gibt hierfür dutzende Beispiele und die 15 Subunternehmen die Tönnies gegründet hat um Leiharbeit und Werkverträge umzusetzen sind nur die Spitze des Eisbergs.

In den 60ern und 70ern war der Rhein ein toter Fluss. Wasserwerke konnten Rheinwasser fast gar nicht zu Trinkwasser umwandeln. Vieh hat sich geweigert die Brühe zu trinken. Damals waren fast 1 Million Tonnen organische Chemikalien (Blei, Chrom, Kohlenwasserstoffe) im Rhein zu finden. Eingeleitet von Papierfabriken, chemischer Industrie usw. Es hat bis in die 90er gedauert bis überall Filter installiert waren bzw. Produktionsmethoden geändert waren. Der Druck kam von Umweltschützern und vom Staat … welches Interesse hätte auch die Industrie gehabt?

Fazit ist für mich .. der „freie Markt“ bringt nur Vorteile für Unternehmen und hoch qualifizierte Fachkräfte. Die haben tatsächlich was davon. Für alle anderen Marktteilnehmer (Geringverdiener, wenig qualifizierte Menschen, Umwelt, Natur) ist er ein großer Stinkefinger.

29. August 2021

Podcast #018 – Kai

Kai ist 39 Jahre alt, verheiratet und wohnt in Franken und ich muss gleich vorausschicken, dass es sehr viel um das Thema SEO (Suchmaschinenoptimierung) geht.

Das liegt daran, dass Kai einer der bekanntesten SEOs in Deutschland ist und ich auch in dieser Branche arbeite. Aber wir reden nicht so viel über technische Details von SEO (und wenn doch versuchen wir das zu erklären), sondern Kai erzählt von seinem beruflichen Werdegang.

Wie er vor 20 Jahren als Webentwickler in München begonnen hat, wie er zum Online Marketing gekommen ist und sich dann über diverse Karrierestationen schlussendlich selbständig gemacht hat.

Zu Beginn will ich wissen, warum er sich mit Ende dreißig und erfolgreichem Business doch noch entschlossen hat einen Master Studiengang zu belegen. Ein weiterer großer Teil des Gesprächs geht um das Thema Eigenvermarktung. Wie wird man als Experte auf seinem Gebiet oder in seiner Branche wahrgenommen und welche Vorteile bringt das mit sich.

Gegen Ende sprechen wir über psychische Belastungen im Job und was Gründe sein können, dass es zu einem Burnout oder gar einer Depression kommen kann. Wenn ich nicht irgendwann auf die Uhr geschaut hätte, würden wir wahrscheinlich immer noch reden 😉

Hier ist das Transcript.




Dies ist ein weiterer Gastbeitrag von Mike.

Hintergrund ist, dass gestern der Kurs von Lang & Schwarz um über 35% abgestürzt ist. Der Grund war diese Ad-hoc Mitteilung.

Hier die Erklärung von Mike:

Rückstellungen sorgten immer wieder in der letzten Zeit für den Niedergang von Aktienkursen und damit auch für Buch oder reale Verluste bei Anlegern. Allianz und aktuell Lang und Schwarz vernichten in kurzer Zeit große Werte. Deswegen will ich den Bilanzposten hier einmal kurz und oberflächlich beleuchten.

Für die Bildung von Rückstellungen sind die jeweiligen Rechnungslegungsvorschriften zu verwenden. Um es zu vereinfachen werde ich hier nur die Vorschriften nach IFRS heranziehen. Diese sind die Grundlage für die veröffentlichten Jahres und Quartalsabschlüsse von börsennotierten Gesellschaften in Europa.

Es ist wichtig zu wissen, das es ein sogenanntes Matching Principle gibt. Das heißt Aufwendungen und Erträge werden in dem Jahr gebucht, in dem Sie entstehen. Vereinfacht gesagt, bei einer Warenlieferung werden die Kosten für die Warenlieferung in das gleiche Jahr gebucht, in dem auch der Umsatz anfällt. (Spezialfälle außen vor).

Was aber tun, wenn es noch keine Kosten gibt weil keine Rechnung vorliegt? In dem Fall kommt die Rückstellung ins Spiel.

Diese wird gebildet, wenn eine Schuld vorliegt, welche in ihrer Höhe und oder dem Zeitpunkt Ihrer Fälligkeit ungewiss ist. Bevor jetzt jeder Gewerbetreibende auf die Idee kommt, wunderbar, damit kann ich meine Steuerschuld auf 0 rechnen, nein, das geht nicht.

  • Die Schuld muss auch hinreichend sicher sein, bezüglich ihrer Entstehung. In den IFRS spricht man von more likley than not. Also die Wahrscheinlichkeit, das die Zahlung entsteht liegt bei mehr als 50%.
  • Die Kosten für die Rückstellung müssen zuverlässig geschätzt werden können.

Im aktuellen Fall von Lang und Schwarz ist es so, das es einen Zwischenbericht des Finanzamtes gibt, das Steuerunregelmäßigkeiten im Raum stehen. Damit ist das erste Kriterium erfüllt, die Eintrittswahrscheinlichkeit der Schuld liegt bei mehr als 50%.

Ferner werden in dem Bericht die Kosten für die Nachzahlungen mit knapp 61 Millionen Euro angegeben. Lang und Schwarz hat eine andere Auffassung und denkt das nur knapp 45 Millionen gerechtfertigt sind. Damit ist auch das zweite Kriterium erfüllt, die Kosten sind mess- und schätzbar, die Rückstellung ist einzubuchen. Es gelten aber hier die Ansätze, die das Unternehmen für erforderlich hält.

Wenn noch mehr Unregelmäßigkeiten auffallen, dann wird der Betrag erhöht oder auch vermindert werden. Ich empfehle jedem die Adhoc Meldung zu lesen, da lauert meines Erachtens noch Potential. Deswegen wohl auch der heftige Ausschlag. Die Rückstellung betrifft die Jahre 2008 und 2009. Für die Jahre 2007, 2010 und 2011 liegt noch kein Bericht vor.

Eine Rückstellung ist also ein „Schätzposten“ für eine Schuld in der Bilanz und gleichzeitig werden die Kosten in der G&V erfasst und verringern den Jahresüberschuss.

Spannend wird sein, wie die der Sachverhalt in der HGB Bilanz bewertet wird. Anders als bei IFRS wo es um Informieren geht, gilt beim HGB das strenge Vorsichtsprinzip, den dieser ist Basis für Ausschüttung der Dividende und die Steuer. Es könnte sein, das die Schuld hier höher angesetzt wird. Deswegen vielleicht den Jahresabschluß HGB von Lang und Schwarz im Auge behalten. (Im Bundesanzeiger kostenlos einzusehen nächstes Jahr).

22. August 2021

Podcast #017 – Victoria

Victoria ist Mitte 20, lebt in Schleswig-Holstein direkt an der Nordsee und ist eine ehemalige Kollegin von mir. Sie hat sich vor Kurzem mit ihrer eigenen Firma (seo4good.de) selbständig gemacht.

Eines Tages hatte ich eine Email von ihr im Posteingang. Victoria wollte wissen ob ich über die Themen Nachhaltigkeit in Kombination mit Finanzen und Wo Suchmaschinenoptimierung (SEO) aufhört und Manipulation anfängt? mit ihr sprechen würde. 

Zu Beginn der Aufnahme wussten wir noch nicht ob wir unser Gespräch als Podcast veröffentlichen da wir mit SEO ja auch ein Thema drin haben das eigentlich nicht zum Format passt. Wir fanden aber dann (am Ende), dass wir ein spannendes Gespräch geführt haben und ob das wirklich so war könnt ihr ja nun selbst beurteilen. 

Wir sprechen sehr viel über das Klima, Umwelt und wie man Menschen und Unternehmen dazu bringen kann nachhaltiger mit den Ressourcen der großen blauen Kugel umzugehen. Wie kann man man nach ökologischen, sozialen und ethischen Kriterien investieren? Wie machen das die Norweger mit ihrem staatlichen Pensionsfonds? Warum ist es ggf. aufwändiger und teurer nachhaltig und klimafair zu leben? 

Am Ende geht es dann noch um SEO, Digitalisierung und Monopole im Internet. 

Hier ist das Transcript.




Weitere Gespächspartner habe ich derzeit nicht .. falls du also auch Lust hast: matthias.hotz@gmail.com

19. August 2021

Hefte raus, Klassenarbeit

Dies ist ein Gastbeitrag von Mike, ja genau der Mike der auch in meinem Podcast zu Gast war.

Bühne frei für Mike:

Heute möchte ich kurz die Chance ergreifen, um euch den Unterschied zwischen Bilanzgewinn und dem Jahresüberschuss näher zu bringen. Viele denken: Jahresüberschuss, Gewinn, Bilanzgewinn … muss doch das gleiche sein.. Kann, muss aber nicht.

Ich zeige es an einem Beispiel.

Dabei helfen wird mir der Jahresabschluss der Vonovia SE. Dies ist nicht der Konzernabschluss mit dem der Kapitalmarkt informiert wird, sondern der Abschluss der Holding, die alle Beteiligungen der Vonovia hält und somit auch verantwortlich ist, den Gewinn als Dividende auszuschütten.

Finden werdet ihr den Jahresabschluss unter diesem Link:

https://investoren.vonovia.de/news-und-publikationen/berichte-publikationen/

Dort nicht den Geschäftsbericht auswählen, sondern den Jahresabschluss der Vonovia SE.

Werfen wir als erstes einen Blick in die Bilanz. Der Bilanzgewinn beträgt: 1.000.000.000,- Euro. Das liest sich sehr ordentlich. Gehen wir in die Gewinn und Verlustrechnung (G&V) auf der Seite 4 und stellen fest der Jahresüberschuss beträgt -53.522.768,55.

Wir haben also einen Verlust in der G&V und einen Bilanzgewinn von 1.000.000.000,-, wie kann das sein?

Es ist korrekt, den der Jahresüberschuss, respektive der Jahresfehlbetrag ist nur ein Bestandteil des Bilanzgewinnes.

Dieser setzt sich wie folgt zusammen:

Bilanzgewinn zum 1.Januar 2020912.721.577,83
Dividende für 2019 in 2020 bezahlt-851.369.569,27
Jahresfehlbetrag-53.522.768,55
Entnahme aus der Kapitalrücklage522.170.759,99
Entnahme aus anderen Gewinnrücklagen470.000.000,00
Bilanzgewinn 20201.000.000.000

Man merkt also 2 Dinge:

Der Bilanzgewinn in der Bilanz muss nicht dem Jahresüberschuss aus der G&V entsprechen.

Ferner wird die Dividende nicht aus dem Gewinn des Jahres bezahlt, sondern aus der Gewinnrücklage (Gewinne der Vorjahre die noch nicht ausgeschüttet wurden), der Kapitalrücklage (hier aus dem Aufgeld der jungen Aktien die ausgegeben worden sind in 2020) und dem übrig gebliebenen Bilanzgewinn aus dem Vorjahr.

Das erreicht, das ein schöner Bilanzgewinn im Eigenkapital steht, dieser ist aber entstanden durch Umbuchungen und nicht durch Erwirtschaftung in diesem Jahr.

Das alles für sich ist vollständig ok. Die Vonovia ist sogar mustergültig und macht einem das Lesen und Finden sehr einfach.

Um sich ein besseres Bild zu machen, muss man nun die Kapitalflussrechnung heranziehen, ob die Dividende zumindest im Free Cash Flow verdient wurde.

Wichtig war aber mir aufzuzeigen, obwohl das gleiche „umgangssprachlich“ gemeint ist, 2 völlig verschiedene Dinge rauskommen können. Achtet also darauf, welche Kennzahlen ihr anschaut und woher diese kommen, Jahresabschluss oder Konzernabschluss.

16. August 2021

Podcast #016 – Mike

Mike ist Mitte vierzig kommt aus München ist Diplom-Betriebswirt und Bilanzbuchhalter und hat in seinem Berufsleben viel mit Wirtschaftsprüfern zusammen gearbeitet.

Im Jahr 2020 hatte er, kurz vor dem Zusammenbruch, ein Jobangebot von Wirecard und hat den damaligen Chefbuchhalter Stefan von Erffa persönlich kennen gelernt.

In unserem Gespräch bekomme ich Einblicke in die Arbeit von Wirtschaftsprüfern, wir reden über die „Big Four“ (Deloitte, Ernst & Young, KPMG und PricewaterhouseCoopers), den Enron und Flowtex Skandal, die Probleme bei Grenke und so ganz allgemein wie man sich so eine Wirtschaftsprüfung vorstellen muss.

Warum ist Wirtschaftsprüfung keine triviale Angelegenheit, wo liegen die Fallstricke, wie werden Unternehmensvermögen bewertet und wie wandern ausländische Assets in eine deutsche Bilanz.

Ich stelle jede Menge doofe Fragen und Mike kann sehr gut beschreiben wo die Interessenkonflikte zwischen Geschäftsführung und Unternehmen auf der einen Seite und Wirtschaftsprüfern auf der anderen Seite liegen. Ich habe extrem viel erfahren was ich vorher noch nicht wusste und hätte noch ne ganze Weile mit Mike weiter sprechen können .. 

Hier ist das Transcript.