getmad alle sind irre; aber wer seinen wahn zu analysieren versteht, wird philosoph genannt
19. April 2018

The Most Beautiful Black

Als ich klein war (also im letzten Jahrtausend) hatten wir drei Fernsehsender. Da kam bis Nachmittags Videotext für alle. Wir hatten eine Zeitung und Montags hat mein Vater den Spiegel gekauft. Wenn irgendwas in der Welt passiert ist hat man es Abends in der Tagesschau mitbekommen. Gut man hätte noch Radio hören können aber das fand ich schon damals zu banal.

Das war eine gute Zeit.

Dann kamen die Privatsender, das Fernsehprogramm wurde ausgedehnt. Videotext für alle war Geschichte und zu jeder vollen Stunde kam in der ARD die Tagesschau. Es wurden Morgenmagazine, Mittagsmagazine und Nachrichtensender erfunden. Abends kam immer noch die Tagesschau, dann das heute Journal oder die Tagesthemen und irgendwann dann auch das Nachtmagazin. Politische Talkshows, investigative Nachrichtenmagazine usw. .. jeder Sender wollte sie haben. Heute gibt es Dutzende.

Das war nur eine gute Zeit wenn man hart weggezappt hat.

Dann kam das Internet. Jede Zeitung und jedes Magazin hat ne Website gebaut und Nachrichten veröffentlicht. Für Privatpersonen war es noch nicht so einfach. Blogs gab es nicht wirklich und man musste wissen wie man ne Website erstellt wenn man etwas veröffentlichen wollte.

Das war nur eine gute Zeit wenn man hart weggezappt hat und kein Internet hatte.

Dann kam das Web 2.0 (scheiß Name) .. jeder konnte nun bloggen und seinen Senf im Web veröffentlichen. Die Technik dahinter musste man nicht mehr beherrschen. Man musste nur den Willen zum Schreiben haben. Ob man gelesen wurde war da mehr oder weniger Zufall. Damals dachte ich, cool, jetzt kann jeder „senden“ und das Nachrichten Monopol liegt nicht mehr bei einigen wenigen .. denkste.

Da ahnte ich noch nicht mal wo das hin führt.

Dann kamen die sozialen Medien, Twitter, Facebook, YouTube und die Schleusen öffneten sich. Nun konnte jeder, der halbwegs nen Rechner bedienen kann, seine Inhalte ins Netz raushauen. Und spätestens seit dem Erfolg von Facebook passiert das auf breiter Basis. Ungefiltert, unredigiert, falsch, richtig, beleidigend, lustig .. jeder ist Sender. Manche nennen sich Influencer.. Propaganda, Werbung, Meinung etc. prasseln ungefiltert auf uns ein und wir konsumieren (und glauben) wie ein Junkie auf kaltem Entzug. Für normale Menschen ist nicht mehr zu unterscheiden was wirklich Relevanz hat und was nicht.

Das ist die schöne neue Welt

Jede Verschörungtheorie fällt bei irgendwem auf fruchtbaren Boden, Fakten zählen nicht mehr, wir werden nicht erst seit Cambridge Analytica manipuliert. Wir sollen Meinungen entwickeln die irgend einer politischen Fraktion, einem Land, einer Firma, einer Agenda oder auch nur einer Privatperson dienen. Wer nicht in der Lage ist Bullshit von Wahrheit zu unterscheiden wird so lange im Kreis gedreht bis er gar nicht mehr weiß was richtig oder falsch ist.

Vor Jahren habe ich täglich dutzende Male irgendwelche Newsseiten im Netz aufgerufen .. um auf dem „laufenden“ zu bleiben .. habe ich mir eingeredet. Ich habe Zeitung gelesen und den Spiegel von vorne bis hinten inhaliert. Ich hatte zig Seiten in meinem Feedreader abonniert und habe einen Großteil meiner Zeit damit verschwendet Dinge zu lesen die 48 Stunden später völlig belanglos sind.

Ich habe aufgehört das zu tun.

Vor zwei Jahren war ich das letzte mal auf Spiegel Online, Zeit Online oder Website der SZ. Bei meine Eltern lese ich in der Tageszeitung alle zwei Wochen mal den Lokalteil. Nachrichten im Fernsehen schauen? Ich habe keinen Fernseher mehr. Radio höre ich immer noch nicht und auf FB habe ich alles geblockt was nur im entferntesten „dubios“ daher kam. Ich lebe in einem beruhigenden News Black Out.

Naja fast.

Einmal am Tag rufe ich die Startseite der Wikipedia auf. Was dort unter In den Nachrichten steht klicke ich eventuell an. Vorteil: Reine Fakten ohne einen roten oder brauen Anstrich, ohne Agenda ohne Meinungsmache. Und ich habe nicht das Gefühl das ich was verpasse.

Bei vielen Blogs halte ich es ähnlich (sorry liebe Kollegen) .. ich scanne ggf. 1-2 mal in der Woche über Finanzblognews bzw. Finanzblogroll und wenn es ne interessante Überschrift gibt klicke ich den Link an. Ich frage mich beim lesen ob mich der Artikel irgendwie weiter bringt und wenn ich das verneine bin ich auch schon wieder weg.

Ich mache schon fast eine Kunst daraus das Grundrauschen im Äther auszublenden und das mit Relevanz für mich zu selektieren.

Ein Meister bin ich da noch nicht .. aber es wird 😉

14. April 2018

Invest 2018

Heute war ich auf der Invest 2018 in Stuttgart. Ja .. was habe ich erwartet? Wie immer gar nichts. Wenn ich wo noch nicht war gehe ich immer unvoreingenommen dahin. Am Eingang waren dann die üblichen Prospektverteiler und wollten mir ihre Tüten, Flyer und Broschüren andrehen. Wie immer lehne ich freundlich dankend ab. Wobei ich schon den Eindruck hatte das recht viele Besucher den Papiermüll sammeln wie andere Briefmarken.

Die Messe findet im Grunde nur in einer Halle der Messe Stuttgart statt. Da gibt es dann jede Menge Stände. Angefangen von Banken über Börsenverlage, Medienhäuser, ein paar Fintechs, Fondsgesellschaften, Rohstoffhändler bis hin zur BaFin war alles vertreten. An diversen Ständen gab es regelmäßig Vorträge zu allen möglichen Finanzthemen. Sei es Trading, Rohstoffhandel, Immobilien, Finanzprodukte der Banken, Kryptowährungen usw. also man konnte sich echt über so ziemlich alles informieren was die Branche derzeit hergibt.

Gerald Hörhan

Die ARD hatte ne große Bühne und um 12:00 Uhr gabs eine Diskussionsrunde zum Thema Immobilien und Zinsen (nicht das ich das spannend fände) aber einer der Gäste war der Investmentpunk Gerald Hörhan und den finde ich nun auf jeden Fall sehr unterhaltsam. Leider hatte er aus meiner Sicht irgendwie zu wenig Redezeit und die anderen Gäste waren eher langweilig.

In der Bloggerlounge hat man die üblichen Verdächtigen erspähen können (Finanzwesir, Ex-Studentin, Mrs. Monneypenny, Finanzrocker usw.) was ich zumindest insofern cool finde, dass bekannte Blogger in der Finanzbranche Beachtung finden und das was mit den Finanzblogs in den letzten Jahren passiert ist nicht unter dem Radar läuft.

Ein paar Vorträge habe ich mir (teilweise) angehört. Meist dann aber leicht schmunzelnd. Also Banken die ihre Discount oder Index Zertifikate verkaufen wollen. Wie erwartet wurde hier auch knallhart verkauft .. Risiken oder Nachteile wurden in der Regel nicht genannt (stehen ja auch im Kleingedruckten) .. trotzdem hatten die Vortragenden wirklich regen Zulauf was mich etwas verwundert hat.

Osmium .. musste kaufen .. schnell

Einer von den Rohstoff Menschen wollte mich für Osmium begeistern (das neue Platin) .. Zweck? Schmuck .. Anlageobjekt. Hab dann gemeint das ist ja schön und gut. Aber welche Frau wünscht sich einen Osmiumring zur Verlobung. Gold, Platin, Diamanten usw. klar .. kennt Frau. Aber Osmium .. das kannte noch nicht mal ich. Nächstes Argument .. Osmium ist in den letzten 2 Jahren um 200% +/- im Wert gestiegen. Also wirds auch die nächsten Jahre steigen. Hab ihn dann gefragt woher er das weiß. Als ich dann gefragt habe wo Osmium industriell eingesetzt wird ist er auf Hard Reset gegangen .. naja ihr denkt euch den Rest .. und nachdem ich mir an Rohstoffen (finanziell) schon ein paar mal massiv die Finger verbrannt habe war das Thema auch gegessen.

Exporo Opa

Das interessanteste Gespräch hatte ich mit einem etwa 80 jährigen Hamburger (aus der Stadt) der mir erklärt hat wie er sein Geld anlegt. Er war am morgen extra aus Hamburg nach Stuttgart geflogen (u.a. weil er ein kostenloses Ticket bekommen hatte). Außerdem sind im Aktien zu heiß. Er investiert nur in Immobilien, informiert sich ausführlich und investiert pro Immobilie max. 2000 Euro. Das macht er alles über Exporo. Hat alle seine Wohnungen in Hamburg verkauft und sein Geld über die Exporo Plattform in Immos verteilt. Fand ich irgendwie cool 😉

Ja und sonst?
Man muss die Invest sicher nicht besuchen .. aber um mal über den Tellerand zu gucken taugt es allemal.

7. April 2018

Frühjahrsoffensive

Alt Nazi Addi hatte es ja auch mit seinen Frühjahrsoffensiven und so auch die Bewohner meiner Straße. Das hier ist ein Update zu nem Post den ich vor einiger Zeit mal geschrieben hatte. Es geht darum um des Deutschen liebstes Kind .. das Auto. Während ich nun rumnölen könnte, daß VW trotz des Dieselbetrugs (und der Strafzahlungen) Rekordgewinne verbucht oder dass mich auf dem Rad jeder zweite Audi Fahrer ohne Abstand überholt .. berichte ich lieber was sich bei meinen Nachbarn getan hat.

Ihr erinnert euch .. Nachbar Gröfaz hatte sich einen 2er BMW Active Tourer gekauft, welchen er in der Regel (trotz zwei Kindern und Frau) alleine fährt (Frau fährt mit den Kindern einen Nissan Micra). Nun der 2er BMW ist einem 5er BMW Kombi gewichen .. weil eben größer geht immer. Ich schätze mal der Herr hat einfach mehr Platz gebraucht außerdem muss man ja auch zeigen was man hat. Die Farbe des Fahrzeugs ist in etwa Schlammtümpel braun und er hat sich einen Stromtrooper aufs Armaturenbrett gepappt. Seis drum .. ich verstehe es ja sowieso nicht.

Dafür haben wir einen neuen Teilnehmer im Spiel. Einen jungen Mann der früher einen alten Audi A3 gefahren hat. Wenn ich davon ausgehe, daß die Zahlen auf dem Nummernschild in etwa das Geburtsdatum des Besitzers widerspiegelt (Warum wählt man solche Nummernschilder?) ist er etwa 25 Jahre alt. Der A3 ist Geschichte und er hat ihn durch einen Seat Leon Kombi ersetzt. Der Seat Leon ist ein Cupra (Sportversion) mit 300 PS und kostet ohne Sonderausstattung etwa 35.000 Euro. Hätte ich im Alter von 25 nicht bar bezahlen können. Naja ihr denkt euch euren Teil.

Ein weiterer Nachbar der ebenfalls in den frühen Zwanzigern sein sollte hat bis vor einiger Zeit einen alten Audi A4 gefahren. Nun er hat er sich ebenfalls verbessert. Er war etwas cleverer (oder hatte die Kohle nicht) und hat sich „nur“ einen gebrauchten 3er BMW gekauft. Allerdings mit Allradantrieb (xDrive). Kurz nach dem Kauf ging jedenfalls das Getriebe flöten. Kosten scheinbar an die 7000 Euro (neues Getriebe und Werkstatt). Ratet mal ob er die Kohle für die Reparatur hatte.

Ein Update zu meinem Fiat 500? Er ist jetzt sieben Jahre alt. Ich musste dieses Jahr den Gurt wechseln lassen und der Auspuff röhrt ganz schön laut. Vielleicht brauche ich auch mal neue Reifen .. hmmm. Ernst nimmt mich immer noch keiner.

Full Disclosure:
I am long on BMW

30. März 2018

Grundeinkommen

Bedingungsloses Grundeinkommen sagt dir was? Wenn nicht erst mal hier nachlesen. Es geht darum, dass jeder Bürger eines Landes eine finanzielle Zuwendung vom Staat bekommt. Unabhängig davon wie seine wirtschaftliche Lage, sein Alter oder sein sozialer Status ist. Diskutiert werden hier Beträge von z.B. 1000 Euro im Monat die du einfach dafür bekommst das du deutscher Staatsbürger bist.

Dafür werden dann das Arbeitslosengeld, Hartz IV, Sozialhilfe, Kindergeld usw. abgeschafft. Diese Betrag liegt über dem aktuellen Existenzminimum von 735 Euro / pro Monat / pro Person und soll jedem Bürger ein menschenwürdiges Leben ermöglichen.

Das Existenzminimum wird in Deutschland alle zwei Jahre von der Bundesrgierung bestimmt und soll ausdrücken was ein Mensch (unter sehr sparsamen Bedingungen) im Monat an Geld benötigt um am am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Primär also Unterkunft, Nahrung, Kleidung, Strom, Krankenversicherung, Bildung, Kosten für Nahverkehr und sogar Kultur. Die deutschen Sozialleistungen wie Hartz IV orientieren sich daran.

Ob sich das finanzieren lässt oder nicht darüber wird gestritten. Bei 83 Millionen Bürgern die ein Anrecht drauf hätten wären es 996 Mrd Euro im Jahr. Die gesamten Steuereinnahmen von Bund Ländern und Gemeinden lagen allerdings nur bei 674 Mrd Euro im Jahr 2017. Da fehlt also ein dicker Brocken. Und wenn wir möchten das auch weiterhin Straße usw. gebaut werden ist es sogar ein sehr dicker Brocken.

Fakt ist allerdings das es ohne zusätzliche Steuern oder Erhöhung bestehender Steuern nicht gehen wird.

Aber darum soll es gar nicht gehen.

Der psychologische Aspekt eines Grundeinkommens ist allerdings nicht zu verachten. Klar .. von 1000 Euro kann man keine großen Sprünge machen aber in den meisten Orten in Deutschland kann man davon seine Lebenshaltungskosten bestreiten. Also Miete, Futter, Klamotten usw. Urlaub und Auto dürfen eher schwierig werden. Doof wenn du jetzt in München oder Hamburg wohnst.

Was passiert wenn du ein Grundeinkommen von 1000 Euro im Monat bekommst?

  • die Angst vor Jobverlust verliert ihren Schrecken .. gerade in dem Bereich wo nicht gut bezahlt wird und der Cut nicht so groß ist
  • du kannst in Ruhe Luft holen und dir überlegen wie es weitergehen soll, ohne sofort den nächstbesten Job anzunehemen
  • du kannst erst mal einen Halbtagsjob machen oder wenn du minimalistisch veranlagt bist, das tun wonach dir eben gerade ist
  • du kannst es dir „leisten“ einer Arbeit nachzugehen die weniger gut bezahlt wird .. aber vielleicht dir mehr Freude bereitet
  • der Druck Geld zu verdienen und somit der Leistungsdruck sinkt .. wenn er nicht gar ganz verschwindet
  • du fühlts dich freier

Woher ich das nun weiß?

Keine Angst .. keiner zahlt mir ein bedingungsloses Grundeinkommen (Ich würds aber nehmen). Ne ich habe mir selbst ein bedingtes Grundeinkommen verschafft. Letztes Jahr habe ich 11.500 Euro an netto Dividenden kassiert. Also etwa 966 Euro im Monat. Der Großteil davon aus sehr soliden Firmen die ziemlich kugelsichere Geschäftsmodelle haben. Dieses Jahr werden es über 12.000 Euro sein.

Mir hilft das sehr. Ich habe mich viel zu oft von Arbeitgebern unter Druck setzen lassen. Diverse Male hatte ich auch Angst um meinen Job. Zu wissen das ich sehr weich Falle hat mir (ironischerweise) aber auch den Spass an der Arbeit zurück gebracht. Ich bin kreativer und leistungsfähiger wenn ich keine Angst und vor allem keinen negativen Druck verspüre.

Ich mache keine sinnlosen Überstunden mehr nur um vielleicht mit Kollegen mitzuhalten. Am Wochenende bin ich weder per Mail noch per Telefon erreichbar.

Klar ist keine Blaupause für jeden .. ich kenne Leute die kann man nicht unter Druck setzen .. andere haben vielleicht Spass daran und sehen das oben als Herausforderung.

Ich bin so (leider / zum Glück) nicht und darum bin ich froh den Weg eingeschlagen zu haben.

Der Spruch lautet natürlich: Jeder Mensch hat etwas das ihn antreibt .. das NICHT ist meine kreative Ergänzung.

Damit hat die Volksbank vor ein paar Jahren Werbung gemacht und ich glaube es ist wahr. Manche mehr, manche weniger, manche eben gar nicht. Ist es aber einfach? Ich meine schaut euch um: Tim Schäfer wiederholt seine Glaubenssätze mantramäßig: spare Geld, lebe auf kleinem Fuß, investiere, kauf kein Clownauto, mach keine Schulden. Diverse Finanzblogs aber auch Blogs zur Persönlichkeitsentwicklung blasen ins gleich Horn.

Da steht dann:

  • Fünf einfache Regeln um deine Schulden loszuwerden
  • Wie du immer ruhig und gelassen bleibst – in drei Schritten
  • Minimalist werden in 10 Tagen
  • Drölf Bücher die du gelesen haben solltest
  • Geld sparen durch Konsumverzicht
  • Wege aus dem Hamsterrad (Autor: Sisyphos)
  • usw.

Alles sehr gute Empfehlungen. Prima Tipps. Nein .. echt jetzt .. vieles davon ist wahr und richtig.

Nur ist es nicht einfach.

Wenn es einfach wäre würde wahrscheinlich kaum jemand drüber schreiben. Und der liebe Tim hätte nicht so viel Feedback auf seine Beiträge.

  • Warum sparen nicht alle Menschen Geld und legen es in ETFs an?
  • Warum ist der Anteil der übergewichtigen Menschen in Deutschland größer als der der Normalgewichtigen?
  • Warum machen Menschen Jobs die sie nicht mögen?
  • Warum schieben Menschen Wünsche und Träume in die Zukunft?
  • Warum ist es scheinbar so schwer sich an Vorsätze zu halten?

Was ist der Antrieb?

Ich spreche jetzt mal nur für mich. Ich habe drei Dinge die mich antreiben: Angst, Freude und Neugier. Die sind je nach Situation unterschiedlich ausgeprägt. Meine Existenzangst hat mich dazu gebracht Geld in Aktienmärkte zu investieren und dan der finanziellen Freiheit zu arbeiten. Freude lässt mich im Sommer fünf mal die Woche aufs Rad steigen und irgendwelche Berge hochfahren. Neugier hat mir das Programmieren beigebracht.

Ich behaupte jetzt mal, mein innerer Antrieb ist stärker ausgeprägt als bei vielen Menschen die ich kenne. Sowohl Angst als auch Neugier .. bei der Freude zweifle ich da .. leider.

Will sagen .. viele Menschen verspüren sicher keine so tiefe Angst wie ich, aber auch keine große Neugier an diversen Dingen. Viele geben sich mit dem Status Quo zufrieden. Ihnen macht es keine Angst vielleicht den Job zu verlieren und auf der Straße zu sitzen. Sie haben auch keine Angst davor, durch Übergewicht und wenig Sport ggf. gesundheitliche Probleme zu bekommen.

Sie entwickeln vielleicht aber auch keinen Drang etwas Neues auszuprobieren.

Sie haben einfach grundsätzlich weniger Antrieb, halten ihre Situation für ganz okay und sehen nicht so wirklich einen Grund die Komfortzone zu verlassen.

Und das ist der Punkt.

Einige übergewichtige Menschen wären sicher gerne schlank, arme Menschen (arm an Geld und Geist) wären sicher gerne reich und ein paar Dorffussballer sicher gern so gut wie Messi.

Nur muss man das wollen. Und ich meine nicht so wie man einen Burger essen will oder einen Film sehen will. Man muss es unbedingt wollen und man muss Opfer bringen: Schweiß, Zeit, Geld, Frustration, Rückschläge usw.

Ich kenne (von mir selbst) dutzende Dinge dich ich mal angefangen habe und die im Sande verlaufen sind. Die Idee war nett. Der Antrieb und der Wille dazu aber nicht von Dauer. bzw. die Angst / Neugier / Freude daran haben nach einiger Zeit nachgelassen .. lange bevor ich das Ziel erreicht hatte.

Darum ist es für die meisten Menschen eben nicht wirklich einfach Minimalist, schlank, finanziell frei oder „gelassener“ zu werden. Man muss einen massiven Antrieb spüren. Und das auch noch über einen langen Zeitraum.

Ich war jahrelang ziemlich dick. Zu Spitzenzeiten wog ich ca. 115 kg bei 180 cm Körpergröße. Ich mochte meinen Körper nicht wirklich und wäre gerne schlank gewesen. Die Energie und den Willen das zu ändern habe ich aber erst entwickelt als ich schon Mitte 20 war.

Wo kam die Energie plötzlich her?

Vielleicht hatte ich Angst keine Freundin abzubekommen, war frustriert das ich bei der kleinsten körperlichen Aktivität schnell nicht mehr konnte, das ich mich nicht ins Schwimmbad getraut habe .. kurz .. irgendwann ist das Fass überglaufen.

Darum sind zwar die oben angesprochenen Artikel und Blogs ganz nett um jemanden Alternativen vorzuschlagen .. aber mehr auch nicht. Die meisten Menschen (glaube ich) haben nicht wirklich Lust darauf sich zu verändern .. außer sie haben keine andere Wahl.

Im April wird es das nächste Finanzwesir Lesertreffen in Karlsruhe geben .. alternative Namen wären auch Autonome Finanzwesir-Zellen oder (wie einige Freunde so schön meinten) Treffen der angehenden Jungmillionäre. Egal wie es nun genannt wird es lohnt sich auf jeden Fall vorbei zu schauen wenn man Interesse am Thema Geld, Geldanlage, Aktien, Immobilien usw. hat.

Dummerchen (der Organisator) hat heute dazu eingeladen und das nächste Treffen findet am 28.04. ab 17:00 Uhr in Karlsruhe statt. Um auch teilzunehmen musst du dich allerdings auf dieser Seite anmelden. Um etwas planen zu können wollen wir die Anzahl der Teilnehmer wissen damit nicht am Ende nur zwei Tische für 30 Leute vorhanden sind.

Es wird das vierte Treffen sein und wenn du nen Eindruck der letzten drei Treffen bekommen willst dann lese hier, hier und hier nach.

Ich werde auch dabei sein.

Ehrlich. Kapitalismus ist ätzend. Das Streben nach Gewinn. Die Akkumulation von möglichst viel Eigentum. Die Aufforderung zum unbegrenzten Konsum. Die rücksichtslose Ausbeutung von natürlichen Ressourcen und Menschen. Profit über alles. Flora, Fauna, Mensch .. egal solange der Rubel rollt.

Wenn der Rubel nicht mehr rollt müssen halt ein paar über die Klinge springen. Du bist den Druck der Leistungsgesellschaft ausgesetzt .. wenn du nicht mehr „performst“ findet sich schon ein anderer der sich an deiner Stelle versklaven lässt.

Pech für dich. Wenn du Glück hast bekommste zwei Jahre Arbeitslosengeld. Aber auch nur in Deutschland.

Rücksicht kommt allenfalls vom Staat (das sind übrigens wir) .. aber auch nur in wenigen Ländern. Schonmal in den USA ohne Job an Krebs erkrankt? Dann wars das wohl. Doof für dich .. echt sorry Mann. Oder du findest 200.000 USD auf der Straße um dir die Therapie leisten zu können.

Wenn ich drüber nachdenke fallen mir allenfalls 10-20 Länder ein welche ein ähnliches soziales Sicherungssystem haben wie wir (KV, AV, PV usw.) und das von 193 Staaten die aktuell existieren. Bedeutet schlicht und einfach wir haben ein scheiß Glück, daß wir in der Schweiz, Österreich oder Deutschland geboren sind. Wenn mir morgen mein Hirntumor aufs Sprachzentrum drückt und anfange zu sprechen wie ein Poggenburg oder Höcke kann ich mich zumindest fast „kostenlos“ behandeln lassen.

Kostenlos ist natürlich relativ. Wir sind 80+ Millionen Deutsche Einwohner und haben ein soziales Netz wo wir für einander einstehen. Das bezahlt jeder Arbeitnehmer (Ausländer und Deutscher) mit seinen Abzügen vom Bruttogehalt und das ist gut so.

Die wenigsten Staaten besitzen sowas in der Art. Und wenn sie es haben: In oft sehr rudimentären Ansätzen. Deutschland schützt Menschen die der Kapitalismus verheizt hat bzw. die welche in diesem System nicht die Leistung bringen können die erwartet wird.

Klar ich kann mich auch in anderen Staaten „sozial“ versichern. Allerdings in der Regel privat. Eine private Versicherung ist aber an einen Job gebunden und ist der weg, war es das.

Ich hab noch die Bilder im Kopf als 2007/2008 tausende US Amerikaner von ihren schicken, kleinen, hypotheken belasteten Häusern in ihre geleasten Autos umgezogen sind. Ganze Hausstände wurden auf dem Dach transportiert.

Ich hab keinen Bock auf US Zustände und ich finde Deutschland geil. Ich bin dankbar deutscher Staatsbürger zu sein, einen deutschen Pass zu haben, selbst wenn ich alles gegen die Wand fahre bekomme ich hier eine Grundsicherung und muss keine Angst haben an einer heilbaren Krankheit zu sterben nur weil ich mit die Kosten nicht leisten kann.

So nachdem du nun klar gestellt hast was du an dem System scheiße findest .. darf man dann (wenigstens) Fragen warum du dann Kapitalist bist?

Klar .. darf man.

Der Star Trek Replikator und der Holo Doc aus Voyager wurden noch nicht erfunden. Außerdem kann ich (kleiner Furz) das System nicht ändern. Ich war und bin lange genug Rebell (meine Familie sagt Anti) um zu wissen wann ich auf verlorenen Posten kämpfe.

Scheinbar bin ich aber clever genug um mich, schön adaptiv, an das gegebene Wirtschaftssystem anzupassen und zu versuchen die Vorteile die es bietet für mich zu nutzen. In wie weit da meine Moralvorstellungen ins Gras beißen muss ich mit mir selbst ausmachen.

Wird aber trotzdem Zeit das irgendwer so nen Replikator erfindet!

8. März 2018

Parkhäuser

Ab und zu bewege ich mich auch mal in die große spannende Stadt. Karlsruhe, Stuttgart und München wären so ein paar Beispiele. Meist fahre ich dann mit dem Auto weil (zumindest in Karlsruhe) der Nahverkehr so teuer ist, daß es keinen unterschied macht ob ich das Auto stehen lasse oder die Straßenbahn nehme. Nun muss man ja irgendwo parken. Die Städte und Kommunen nennen das Parkraumbewirtschaftung und verlangen in der Regel Gebühren dafür.

Solange ich Auto fahre versuche ich diese Gebühren zu vermeiden. Ich habe das eigentlich immer unbewusst gemacht und ich weiß bis heute nicht wieso. Es sind ja nur ein paar Euro und da ich nicht regelmäßig in die Stadt fahre auch kein wirklicher Kostenfaktor.

Als ich frisch den Führerschein hatte bin ich sogar auf recht kreative Ideen gekommen um mich um die Parkgebühren drücken. In Karlsruhe gibt es einige nicht öffentliche Parkplätze die mit einer Zugangsschranke gesperrt sind. Die Zufahrtsschranke hat meist einen Slot wo man seine Parkberechtigungskarte reinhämmert um die Schranke zu öffen.

Mit 18-19 Jahren hatte ich dann unter andren das Hobby, an diese Schranken zu fahren und meine EC-Karte reinzustecken. Überraschenderweise ließen sich damit diverse Schranken öffnen und ich konnte kostenlos parken. Ich erinnere mich noch an den Parkplatz des Naturkundemuseums in Karlsruhe .. dort war ich Dauerparker da der Parkplatz nur zwei Minuten zu Fuß von der Haupteinkaufsstraße entfernt war.

Irgendwann wurde allerdings das Zugangssystem geändert und mein Trick funktionierte nicht mehr.

Auch heute weigere ich mich (fast immer) fürs Parken zu bezahlen. In Karlsruhe kenne ich natürlich diverse kostenlose Parkmöglichkeiten. Aber auch in München und Stuttgart kenne ich zumindest einige. Klar mein läuft dann oft etwas länger zu seinem Ziel .. aber Bewegung schadet ja auch nicht.

Es ist irgendwie ein komisches Mindset (manchmal) .. ich würde mich nicht als geizig bezeichnen, aber als sparsam. Wenn ich feststelle, daß ich Kosten gegen einen vertretbaren Aufwand vermeiden kann bin ich sofort am start. Es geht mir auch (glaube ich) nicht ums Geld sondern eher ums Prinzip. Mir ist egal wo mein Auto steht und wenn ich statt 5 Minuten halt 15 Minuten laufen muss .. prima.

Interessanterweise würde ich allerdings sowas nie bei einer Hotelbuchung machen. Klar ein Zimmer bekomme ich nicht kostenlos. Aber in der Regel kann ich mich zwischen verschiedenen Preisen entscheiden .. unterstellt man nun, daß Preis dem Komfort entspricht wähle ich nie das billigste Hotel.

Habt ihr aus so Marotten?

Ich habe 2016 Abbvie gekauft. Damals 100 Aktien für etwa 5000 Euro. Man muss nun vorher beachten, daß der Dollar 2016 bei etwa 1,10 Euro stand und heute bei etwa 1,25 Euro. Da der Euro stärker geworden ist und dementsprechend der Dollar schwächer bekomme ich in Euro natürlich weniger Dividende. Darum habe ich die Berechnungen da unten mit dem heutigen USD / EUR Wechselkurs gemacht. Einfach um die Währungsschwankung rauszurechen. Die Euro Dividenden die ich tatsächlich kassiert habe war höher.

So .. ich habe also 100 Aktien für 5k gekauft. Folgende Zahlen habe ich nun bei meinen Berechnungen zugrunde gelegt. Alles Brutto.

Jahr 2016

  • 0.57 Quartalsdividende / Aktie / USD
  • 2.28 Jahresdividende / Aktie / USD
  • 228 USD Dividende für 100 Aktien
  • 182 EUR Dividende für 100 Aktien

Jahr 2017

  • 0.64 Quartalsdividende / Aktie / USD
  • 2.56 Jahresdividende / Aktie / USD
  • 256 USD Dividende für 100 Aktien
  • 205 EUR Dividende für 100 Aktien

Jahr 2018

  • 0.96 Quartalsdividende / Aktie / USD
  • 3.84 Jahresdividende / Aktie / USD
  • 384 USD Dividende für 100 Aktien
  • 307 EUR Dividende für 100 Aktien

2016 haben sich meine 5000 Euro mit 3,64 % verzinst .. das sind die 182 Euro.
2017 waren das dann schon 4,1 %
2018 werden das 6,14 % sein

Sollte das auch nur anähernd so weitergehen will ich gar nicht wissen wie massiv sich der Invest in 10 Jahren verzinst. Und wenn nicht .. 6 % Rendite sind für mich auch super.

Und was war mein Beitrag an dem Ganzen in den letzten Jahren?

nix .. nothing .. nada .. AMEN

6. Februar 2018

Mein Aktienscreener und ich

Ich bin Software Entwickler. Per se denke ich, das man alle Aufgaben die anstrengend, wiederkehrend und aufwändig sind … aber vor allem keinen Spaß machen … mit Software erschlagen sollte. In meinem Job bau ich für alles, auf was ich keine Lust habe, Tools. So habe ich vor einigen Jahren angefangen einen Aktienscreener zu bauen. Der nennt sich The Skunk, und er darf unter Strafe nur von Menschen benutzt werden die Mat(t)hias heißen. Die Entwicklung hat Spaß gemacht, allerdings bin ich recht bald auf die ersten Probleme gestoßen. Finanzmarktdaten sind teuer. Wenn man nicht dafür bezahlen will, ist man auf eher unzuverlässige Quellen angewiesen. Man „holt“ sich die Daten von anderen Seiten. Wo kein Kläger, da kein Richter.

Fakt ist, dass mein Stinktier (Skunk) zwar eine nette Fingerübung ist, ich die Seite aber eher als Inspiration sehe und niemandem empfehle, sich darauf zu verlassen.

Vor einem Jahr hat dann auch ein NICHT Mat(t)hias das Ding entdeckt. Er hieß Torsten und er hatte ein ähnliches Tool im Kopf. Kurzum: er hat mich kontaktiert und fragte mich, was ich mit meinem Stinktier plane.

Ich hatte keinen Plan.

Zumindest nicht damit. Denn ich betreibe seorch.de und wollte mir kein zweites Tool ans Bein binden. The Skunk ist einfach nur Zeitvertreib (ich habe keinen Fernseher) und wenn das Wetter zu schlecht zum Radfahren ist, hab ich etwas sinnvolles zu tun.

Noch ein Aktienscreener: Ein gewagter Plan

Irgendwann haben Torsten und ich telefoniert. Er erzählte mir, dass er in Kürze seinen eigenen Aktienscreener starten wolle. Ich merkte schnell, dass er in dabei ambitionierter ans Werk ging als ich mit The Skunk. Er hatte sogar vor, für die für Marktdaten zu bezahlen. Auch sein Hintergrund als Entwickler in der Investmentbranche klang nicht schlecht.

Dennoch: ich weiß, wie es bei mir mit seorch.de lief.. Wie wenig das Tool in den ersten Monaten genutzt wurde. Wie ich froh war, wenn überhaupt ein paar Analysen am Tag gemacht wurden. Kurzum, so solches Startup-Projekt kann sehr frustrierend sein. Und finanziell gesehen, kann man sich glücklich schätzen, wenn man mit den Einnahmen die Providerkosten decken kann. Von Marktdaten oder dem eigentlichen Leben ganz zu schweigen. Man muss sich zudem vor Augen halten, dass ein Aktienscreener keine ganz neue Idee ist. Unter unzähligen Anbietern haben unter anderem auch Yahoo und Google einen Aktienscreener im Angebot. Viele davon gibt es seit Jahren und sind etabliert. Nicht wenige zudem kostenlos. Alleine irgendwas auf die Beine zu stellen, dass im Vergleich zur riesigen Konkurrenz so gut ist, dass Benutzer auch noch dafür bezahlen. Das kann doch eigentlich gar nicht funktionieren.

Der Aktienfinder geht live: was dann geschah

Torsten hat dennoch ernst gemacht, seinen alten Job hingeschmissen und wie geplant vor rund einem Jahr den Aktienfinder online gestellt. Seitdem sind wir in Kontakt. Wie viele andere auch investiere ich in Dividendenaktien. Da lag es nahe, den Aktienfinder auszuprobieren. Dabei habe ich dann gemerkt, dass das Tool irgendwie anders und tatsächlich hilfreich ist.
Wie jeder, der etwas Neues wagt, hatte nicht nur ich, sondern auch Torsten Zweifel, ob dem Projekt Erfolg beschieden war. Was dann geschah, hatte ich nicht erwartet. Dass sich einige Benutzer registrieren war nicht überraschend. Die Mitgliedschaft im Aktienfinder ist schließlich kostenlos, und warum nicht auf die Schnelle etwas Neues ausprobieren? Doch schon innerhalb der ersten Woche wurden tatsächlich Umsätze gemacht. Ich gratulierte. Beeindruckt hat mich dann auch bald die Geschwindigkeit, mit der neue Features hinzukamen.

Monat für Monat schmolzen unsere gemeinsamen Restzweifel am Projekterfolg dahin. Ohne Werbung zu schalten, waren irgendwann tausend Mitglieder erreicht. Dann zweitausend und mehr. Fast überflüssig zu erwähnen, dass mit steigender Mitgliederzahl auch die Umsätze zunahmen.

Das „Geheimnis“ seines Erfolgs

Es war ein gewagter Schritt in die Selbständigkeit. Doch ich denke, er hat sich für Torsten ausbezahlt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es kaum etwas erfüllenderes gibt, als die eigene Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Doch zugleich ist es ein hartes Brot. Ich habe mit Torsten gesprochen, welchen Gründe seines Erachtens für den bisherigen Erfolg verantwortlich sind.

Mach etwas, dass Menschen wollen

Das Wichtigste ist die Idee. Es muss etwas sein, dass Menschen wollen, bisher aber nicht bekommen. Jedenfalls nicht in der gewünschten Form. Ursprünglich war der Aktienfinder eine Desktopanwendung, die Torsten nur für sich selbst entwickelt hat. Dann fing er an zu bloggen und stellte sein Projekt als Wachstumsfinder auf seine Seite. Der Wachstumsfinder kam schließlich so gut an, dass Torsten sah, dass hier etwas Größeres entstehen konnte. Denn Anleger wollten in Qualitätsaktien investieren, wurden aber mit hierfür ungeeigneten Kennzahlen von der Stange, Zahlenkolonnen und umständlich zu navigierenden Seiten abserviert.

Da es das Internet schon eine Weile gibt und Finanzseiten gefühlt wie Sand am Meer, klingt es zunächst unglaublich, dass nicht einer der etablierten Player einen „Aktienfinder“ erfunden hat. Im Nachhinein scheint das Neue eben immer offensichtlich.

Eng damit verbunden ist die Bereitschaft, den Benutzern zuzuhören. Das heißt nicht nur die E-Mails lesen und antworten, sondern sich wirklich mit den Anliegen zu beschäftigen. Natürlich kostet das Zeit. Aber wen ein Benutzer ein Problem hat, so haben es auch zig andere. Und auch wenn Torsten selbst ein Benutzer ist, so gehen auch viele gute Ideen auf Anfragen von Mitgliedern zurück.

Konzentrierte Kompetenz auf engstem Raum

Von einer Idee zum Produkt in Eigenregie ohne ein mindestens sechsstelliges Budget. Geht das? Früher nicht, heute schon. Die Möglichkeiten des Informationszeitalters führen dazu, dass Kompetenz eine größere Rolle spielt als Geld.

Zudem ist ein großes Budget auch mit Nachteilen verbunden. Wo viel Geld ist, sind viele Personen. Es gibt niemandem mehr, der so gut wie alles weiß. Dafür aber Schnittstellen und Hierarchien. Ein neues Feature geht von dem für das Produkt Verantwortlichen aus. Der hat natürlich viel zu tun, und gibt die neue Anforderung an jemand anderen ab. Das ist dann der Business Analyst. Der hat mehr oder weniger Ahnung, worum es inhaltlich geht. Arbeitet sich aber gerne ein und gießt das neue Feature nach einigen Rückfragen in eine Spezifikation. Diese wird dann einem Team übergeben, dass schon ganz heiß ist, das neue Feature zu implementieren, weil es ja sonst nichts zu tun hat. Selbstverständlich hat der Business Analyst nicht an alle Fälle gedacht. Es geht nun während der Implementierung zwischen Programmierer und Analyst hin und her, bis das neue Feature schließlich steht. Eventuell wird noch getestet und nickt der Verantwortliche das neue Feature ab. Dann wird ausgerollt und die neue Version auf den Kunden losgelassen.

Man kann sich vorstellen, wieviel Zeit und Geld in solchen Strukturen verloren geht und weshalb es tatsächlich möglich ist, als einzelner Mensch mit ungleich größeren Budgets zu konkurrieren – die entsprechende Kompetenz vorausgesetzt.

Laß dich nicht kleinkriegen

Aus dem Berufsalltag wissen wir, dass es gute und weniger gute Tage gibt. Doch auch wenn etwas schiefgeht, immer bekommen wir als Angestellte am Monatsende unser Geld. Als Selbständiger ist der Automatismus zwischen Zeit und Verdienst aufgehoben. In den ersten Monaten hat Torsten nicht weniger gearbeitet als zuvor als Angestellter. Verdient hat er aber nur einen winzigen Bruchteil des Geldes zuvor. Es gab Anfangs Tage, in denen sich nicht ein einziges neues Mitglied angemeldet hatte. Von Umsatz ganz zu schweigen. Selbständigkeit hat Ähnlichkeiten mit Drogenkonsum. Man steigert sich in etwas hinein, und alles wird intensiver wahrgenommen. Erfolg ebenso wie Misserfolg. Geholfen hat Torsten das positive Feedback der Benutzer, die sofort vom Wachstumsfinder auf den Aktienfinder umgestiegen waren.

Kontakte und ein finanzielles Polster helfen

Ohne finanzielle Durststreckte am Anfang geht es nicht. Ob bester Aktienscreener der Welt oder eine Suchmaschine, die Google alt aussehen lässt. Am Anfang ist die Seite unbekannt. Hier kam Torsten zugute, dass er schon gut ein Jahr zuvor angefangen hatte über Finanzthemen zu bloggen. Dadurch kamen einige Kontakte zustande, die den Start beschleunigten. An dieser Stelle wurde ich gezwungen, Alexander von Rente-Mit-Dividende namentlich zu erwähnen. Zudem hatte Torsten durch seine Zeit als Angestellter bereits ein finanzielles Polster angespart (das er zu einem guten Teil natürlich in Aktien steckte). Dadurch brauchte er keine Investoren, denen beständig Rechenschaft abzulegen ist. Die so gesparte Zeit fließt in das Produkt.

Fazit

Es ist erstaunlich, was man als Einzelner erreichen kann, wenn man an seine Idee glaubt und dem eigenen Weg aller Hindernisse zum Trotz geht. Ich denke, was Torsten innerhalb weniger Monate aus dem Boden gestampft hat, sucht seinesgleichen.

Zwar habe immer noch meinen Skunk .. allerdings vertraue ich den Daten im Aktienfinder weit mehr und nutze ihn auch jedes Mal, wenn ich eine geeignete Aktie suche oder einfach nur inspirieren will.

Auf Wunsch von Timo hier nun ein Beitrag wie ich mein Haushaltsbuch führe. So mache ich das seit 10 Jahren nahezu unverändert. Ich mag es klein und vor allem einfach. Es ist ein Tabellenblatt für jedes Jahr.

In dem Beispiel habe ich einfach einige Fantasie Werte aufgenommen. Hier noch der Link zum Google Spreadsheet. Ihr dürft das gerne kopieren, weiterverwenden und natürlich modifizieren.

Kurz noch ein paar Anmerkungen:

  • Drei Spalten: einmalige Ausgaben, monatliche Ausgaben, jährliche Ausgaben
  • einmalige Ausgaben sind ggf. geplant oder auch nicht .. aber ich habe ja vielleicht nicht jedes Jahr eine KFZ Reparatur
  • die Einnahmen stehen unten, euer Nettogehalt mal die Anzahl wie oft ihr das pro Jahr bekommt (12,13 .. 13,5)
  • Saldo, Sparquote, monatliche, jährliche Summen usw. berechnet sich dann automatisch
  • der Eintrag SONSTIGES (monatliche Ausgaben) bezieht sich auf „irgendwelche Kosten“ die man halt so hat .. nen Kaffee am Bahnhof, bei mir Lebensmittelkauf oder auch Kinobesuch
  • da gestehe ich mir in dem Beispiel 300 Euro im Monat zu
  • auf der rechten Seite schreibe ich diese sonstigen Kosten dann grob auf, wichtig ist eigentlich nur das ich nicht über die 300 Euro komme (also in Summe und aufs Jahr betrachtet)
  • hat den Vorteil das man nicht alles im Korinthenkacker Style notieren muss .. und man spart Zeit

Warum das Haushaltsbuch in Google Spreadsheets?

Funktioniert an jedem Rechner, auch auf dem Handy. Ich kann zugreifen von wo ich möchte und natürlich auch zu Excel oder so exportieren .. taugt mir einfach so am meisten.

Ja das war es eigentlich schon .. wüsste nicht was ich noch erklären sollte .. bei Fragen .. fragen.

Gestern fand das dritte Treffen der autonomen Finanzwesir Zellen in Karlsruhe statt. Ich war das zweite mal dabei und nicht mehr ganz so skeptisch wie letztes Jahr.

Wir waren im Kofflers in Rüppur und irgendwie fand ich die Location besser als letztes Jahr im Vogelbräu. Es waren auch nicht ganz so viele Teilnehmer. Allerdings haben wir zwei große Tische voll bekommen.

Nachdem alle da waren haben wir ne kurze Vorstellungsrunde gemacht wo jeder kurz sagen konnte was er für (Finanz-) Interessen hat, wo er gerne mehr erfahren würde oder in welchem Bereich er sich gut auskennt.

Dann haben wir auf zwei Tische aufgeteilt .. Dummerchen hatte vorher per Mail gefragt welche Themen mal denn am Anfang besprechen konnte und Immobilien und Kryptowährungen wurden ausgewählt. Da ich kein Interesse an Immobilien habe saß ich am Kryptotisch und wir haben 1-2 Stunden Bitcoin und Konsorten diskutiert. Mit der Zeit hat es sich dann durchmischt und die Teilnehmer haben auch öfter mal den Tisch gewechselt.

Ich glaube ich habe gestern von Kryptowährungen über REITs, Selbständigkeit und Gewerbe, Karrieren und Jobs, passives Einkommen bishin zu Immobilien (dann doch) über alles geredet und auf jeden Fall noch diverse Dinge erfahren die ich nicht wusste.

Hat sich auch zum zweiten Mal absolut gelohnt .. vor allem wenn man mit Menschen ungezwungen über Kohle reden kann.

Danke an Dummerchen für Planung und Organisation und ich freue mich schon aufs nächste Treffen.

Wer nun auch mal Lust bekommen hat kann sich hier anmelden.

Und zwar auf Basis meines Aktienportfolios? SEORCH welches einen Großteil meiner weiteren Einnahmen ausmacht will ich mal außen vor lassen.

Das ist eher ein Gedankenspiel und sicher nicht komplett ausgegoren.

Einnahmen vs. Ausgaben

Fangen wir mal mit den Kosten an. Die habe ich hier mal durchgerechnet. Meine Ausgaben auf Monatsbasis betrugen in den letzten Jahren etwa 1150 Euro / Monat. Dabei wird es aber nicht bleiben wenn ich nicht mehr arbeiten möchte. Ich sollte mich freiwillig krankenversichern und das ist nicht ganz billig. Je nachdem wie ich das der Krankenkasse verkaufen kann liegen die Beiträge zwischen 160 und 370 Euro. (Hängt davon ab ob ich mich als Selbständiger versichern lasse oder „ohne Einkünfte“).

Kommen wir auf ca. 1500 Euro bzw. 18.000 Euro im Jahr. Wenn ich die durch mein Portfolio erzielen kann brauche ich theoretisch auch keine Nebeneinkünfte mehr.

Die Dividendeneinkünfte aus dem Depot werden dieses Jahr mindestens 12.000 Euro netto sein. Haben wir also ne Versorgungslücke (hehe) von 6000 Euro.

Nun geistert in den geschätzten Finanzblogs immer mal wieder die 4% Regel herum. Diese besagt, daß du pro Jahr 4% deines Portfolios entnehmen kannst und auf Sicht von 30 Jahren dein Vermögen nicht aufbrauchen wirst. Das ist übrigens Bullshit und auch das haben die meisten schon festgestellt. Ich will am Ende der 30 Jahre ja nicht mit 0 dastehen und ggf. leben ich auch noch etwas mehr als 30 Jahre.

Reduziert man die 4% Entnahme auf 3% oder gar 2,5% ist man allerdings so ziemlich auf der sicheren Seite. Bedeutet man wird auch in 40 Jahren sein Vermögen nicht komplett aufbrauchen.

Wenn ich mit 2,5% rechne brauche ich (um die 6000 Euro zu erreichen) ein Portfolio im Wert von 240.000 Euro.

Zu beachten ist allerdings, daß beim Verkauf (Entnahme) von Aktien ggf. die Dividenden auch sinken. Ich hab zwar eine gute Mischung aus Aktien die seit Jahrzehnten die Ausschüttungen steigern .. allerdings muss das ja nicht passieren.

Auf der anderen Seite war z.B. die historische Rendite bei einer Anlage in den DAX zwischen 1970 und 2017 bei knapp 9%.

Ich sollte da noch etwas drauf rum denken … aber irgendwie fühle ich mich gerade leicht ..

Inspiriert von Holger von Zendepot .. das folgende soll keine Kritik sein nur eine andere Sichtweise.

Vorab:

Ich bin kein Akademiker und ich mache meinen Job gern. Es gibt max. 2-3 Tage im Jahr an welchen ich aufwache und keine Lust zu arbeiten habe. Einen besseren Job kann ich mir nicht vorstellen und dementsprechend habe ich schon diverse Angebote die mir mehr Kohle in die Tasche stopfen wollten abgelehnt. Ich verzichte auf nichts was mir wichtig ist. Ich habe eine große Wohnung, vier Fahrräder und ne italienische Espressomaschine die 30 kg wiegt. Ich gehe ab und zu mal essen, ins Kino und mein letzter großer Urlaub hat mich auf die Malediven und nach Sri Lanka geführt. Ich lebe in der Gegenwart und verschiebe Dinge nicht in die Zukunft. Ich arbeite max. 45 Stunden die Woche und meist aus dem Homeoffice. Einen Arbeitsweg habe ich nicht und wenn ich um 08:00 Uhr anfange mach ich spätestens um 16:30 Feierabend. Dann treibe ich Sport, mache #Teammittagsschlaf treffe Freunde oder koche was.

Trotzdem:

strebe ich die finanzielle Freiheit an und werde sie auch erreichen. Bin also blöd? Freunde meinen schließlich ich hab das geilste (Arbeits-)Leben welches sie kennen.

Warum:

Arbeiten ist doch toll und wenn man keinen Job hat welcher einem Spass macht, kann man sich selbständig machen oder sich was Neues suchen. Das ist sicher richtig. Nur muss man dazu seine Komfortzone verlassen und das Sichere gegen das Ungewisse aufgeben. Nicht gerade die Stärke meiner Mitmenschen. Vorallem wenn da noch ne Familie und Kinder dranhängen. Es ist da doch oft einfacher in einem ungeliebten Job in der Masse zu verschwinden und am Wochenende seinen Mitmenschen das Ohr vollheulen wie scheisse doch alles ist. Um an seiner eigenen Situation etwas zu ändern braucht man ne ganze Menge Antrieb (alternativ Schmerzen) und Mut. Und leicht ist dann immer noch nicht wenn man kein finanzielles Polster hat.

Holger hat allerdings (zumindest bei mir) in einem Punkt recht. Ich giere nach Freiheit und Unabhängigkeit mehr als andere Menschen. Da kann ich das „frei sein“ von Arbeit nicht ausnehmen. Und da wären wir auch schon. Ich kenne persönlich niemanden der seinen Job machen würde wenn er keine Entschädigung (Geld) dafür bekommen würde. So auch ich, da könnte mein Chef noch so nett sein. Folglich ist jede Arbeit die bezahlt wird eine Zwangssitutation. Kohle gegen Zeit. In dem ich mir einen anderen Job suche ändert sich das nicht. Wenn ich selbstständig bin ändert sich das nicht. Wenn ich nichts leiste gibts nix. Punkt. Und ich brauche nun einmal Geld zum Leben.

Depression? Körperliche Leiden? Anerkennung? Gebraucht werden?

Eine Frage die ich oft gestellt bekomme:

Matthias was machst du dann wenn du nichts mehr arbeitest? Das geht doch nicht? Da ist dir doch langweilig wenn du nichts mehr zu tun hast!?Da falle ich dann natürlich in ein Loch, zeige Nachbarn wegen falsch Parken an und hänge irgendwann am Baum. Ganz klar.

Ob ich in den vorzeitigen Ruhestand gehe?

Sicher .. irgendwann. Ob das in 3, 5 oder 10 Jahren ist weiß ich nicht. Die freie Wahl es zu tun wann ich möchte ist mir wichtig. Aber warum sollte ich in ein Loch fallen oder in Depressionen versinken? Wie würde mein Leben aussehen wenn ich es irgendwann tun werde?

Warum wird angenommen, daß ich nichts sinnvolles mit meiner Zeit anzustellen weiß. Und wenn dem so ist wieso freuen sich die meisten Menschen auf die „schönsten Wochen des Jahres“ .. den Urlaub?

Ich würde mein Leben ja nicht grundsätzlich ändern wenn ich zu 100% frei über meine Zeit verfügen kann ..

  • ich werde fremde Länder besuchen – aber 2-3 Monate statt 2-3 Wochen
  • ich werde weiter Sport treiben – aber ich sitze dann 3-4 Stunden auf dem Rad anstatt 2-3
  • ich programmiere weiter an Projekten – nur eben an meinen eigenen Ideen
  • ich treffe weiter Freunde und Familie – nur eben manchmal entspannter
  • ich lerne neue Dinge – nur eben mehr und vielleicht öfter

Und wenn ich auf all das keine Lust habe und stattdessen lieber anfange einen Garten anzulegen tue ich eben das und ich habe die Zeit dafür es zu tun.

Das ist für mich auch der Punkt. Bei einer Erwerbstätigkeit bin ich immer (teilweise) fremdbestimmt. Meine Zeit wird mir abgekauft vielleicht für Dinge die ich gerne tue oder auch nicht. Aber darum geht es nicht.

Ich für meine Teil will zu 100% frei über meine Zeit bestimmen können.

Vielleicht abschließend noch ein Beispiel .. ich war die erste Januar Woche in Georgien. Nach einer Woche hätte ich aber ohne weiteres noch eine Woche dranhängen können. Allerdings musste ich irgendwann für den Job wieder auf Matte stehen. Ich wusste aber eben vorher nicht, daß ich Georgien so spannend finde und selbst dann muss ich mit meinen Urlaubstagen haushalten .. Dinge die eben entfallen wenn ich im Ruhestand bin.

10. Januar 2018

Georgien

Am 31.12. bin ich spontan für eine Woche nach Georgien geflogen. Georgien liegt im Kaukasus und grenzt an das schwarze Meer, Russland, Türkei, Armenien und Aserbaidschan. Die Hauptstadt mit über einer Million Einwohner ist Tiflis. Die spannendsten Reiseländer sind (aus meiner Sicht) die, welche die üblichen Touristen nicht auf der Karte haben. Land und Leute haben sich nicht dem Massentourismus angepasst und man kann an allen Ecken und Enden überrascht werden.

Georgien als solches war mir zwar ein Begriff, aber mehr als Heimatland von Stalin und Schewardnadse bzw. aus dem Kaukasuskrieg 2008. Im Grunde hatte ich also keine wirkliche Ahnung was mich erwartet. Ich war nun auch nur in der Hauptstadt aber die hat Lust auf mehr gemacht.

Allem voran die Georgische Küche .. Chatschapuri könnte ich jede Tag essen, bei Käse habe ich gedacht ich kenne schon alles nur um mich dann durch Sulguni eines besseren belehren zu lassen. Mit Chinkali kann man jeden ins Fresskoma befördern. Und damit hab ich die Nationalspeisen nur angeschnitten. Man kann in einer Woche nicht alles essen was die georgische Küche ausmacht, was wohl bedeutet das ich nochmal hin muss.

Ich hatte auch keine Ahnung, daß Georgien ein Weinland ist. In Tiflis gibt es aber dutzende kleine Weinbars wo man aus unzähligen georgischen Weinen auswählen kann. Süßspeisen schneide ich mal gar nicht an.

Georgien ist für europäsche Verhältnisse „billig“. Ein Abendessen für zwei Personen inkl. Getränke bekommt man schon für 10 Euro. In Supermärkten muss ich mich anstrengen mein Geld loszuwerden und ich habe in einer Woche kaum 150 Euro ausgegeben inkl. Taxis.

Mit Englisch kommt man hervorragend durch und überall gibt es freies WLAN. Die Infrastruktur (zumindest in Tiflis) funktioniert prima wenn man mal von den vielen Staus absieht. Die Georgier waren mir gegenüber freundlich aber auch zurückhaltend. Man wird kaum angesprochen geschweige denn in Touristenfallen gelockt.

Alleine Tiflis ist schon eine Reise wert. Die Architektur ist geprägt von neoklassizistischen Häusen die kaum renoviert aber bewohnt sind. Verwinkelte Gassen, kaputte Fassaden, kleine Innenhöfe, dazwischen Neubauten mit moderner Architektur und wieder Wohnhäuser die so aussehen als ob sie jeden Moment in sich zusammenbrechen. Dutzende Kirchen, ein Bäderviertel mit heißen Schwefelquellen, Paläste, Denkmäler usw. Die Sowjetunion hat auch ihre Spuren hinterlassen und man findet überall Hinweise auf die zweckmäßige, kommunistische Bauweise.

Kneipen wie ich sie mir auch oft bei uns wünschen würde, gehobene Gastronomie und sehr einfache lokale Restaurants, westliche Kaffeeketten und versteckte Bars ins historischen Kellern .. jeder Geschmack wird irgendwie bedient.

Vor allem aber wird man (als Europäer) mal wieder auf den Boden der Tatsachen befördert. Die Einkommen sind gering. Der Verkehr ist massiv chaotisch. Nachmittags ist die Stadt ein einziger großer Stau und kein Auto ohne Kratzer und Beulen. Die Straßen sind teilweise nicht als solche zu bezeichnen und alles dauert etwas länger. Man übt sich aber in Geduld und ist tolerant und kommt trotzdem vorwärts.

Wer also Paris, London, Rom, Prag usw. schon gesehen hat und etwas langweilig findet sollte sich mal 4 Stunden in den Flieger setzen und dem Kaukasus nen Besuch abstatten.

Und um die Kurve zum Geld zu bekommen .. auf den georgischen Lari gibts derzeit 7,5% Zinsen .. na wenn das mal kein Grund ist?